Die Firma ICM ist inzwischen bekannt dafür, dass sie regelmäßig einzelne Bausätze aus ihrem Sortiment zu einem Bündel schnürt und als Set anbietet. Die trifft auch für diese Kombination unterschiedlicher deutscher Flugzeug aus dem Zweiten Weltkrieg zu, die unter der Bezeichnung Nachtjäger der Luftwaffe angeboten wird.
1. Bf 109 E-4 Nachtjäger
Das Vorbild: Die Messerschmitt Bf 109 (oft als Me 109 bezeichnet) war ein einmotoriges, einsitziges Jagdflugzeug des deutschen Flugzeugherstellers Bayerische Flugzeugwerke AG (BFW, ab 1938: Messerschmitt AG). Sie gehörte zu einer neuen Generation von Tiefdecker-Jagdflugzeugen, die sich durch eine geschlossene Pilotenkanzel, Einziehfahrwerk und eine Ganzmetallkonstruktion von Rumpf und Tragflächen auszeichneten. Über ihre ursprüngliche Bestimmung hinaus kamen diverse Varianten auch als Jagdbomber, Aufklärungsflugzeug und auch als Nachtjäger zum Einsatz. Mit rund 33.300 Maschinen ist die Bf 109 eines der meistgebauten Flugzeuge und das meistgebaute Jagdflugzeug der Geschichte.
Die Ausführung als Nachtjäger hatte die Bezeichnung Bf 109 E-4/N und verfügte neben der regulären Austattung der E-4 Variante einen DB 601 N Motor mit 1.020 PS Startleistung mit erhöhter Verdichtung.
(Auszug aus Wikipedia)
Der Bausatz: Den Bausatz einer Bf 109 gibt es bereits seit 2004 im Maßstab 1/72 im Programm von ICM, und die Version als Nachtjäger wurde 2009 unter der Artikelnummer 72134 veröffentlicht. Inzwischen existieren mehr als ein Dutzend Varianten des Bausatzes.
In einem wiederverschließbaren Klarsichtbeutel befinden sich ein Gussast aus hellgrauem und einer aus transparentem Plastik mit dem ca 45 Bauteilen für das Modell.


Die Qualität der einzelnen Teile ist als gut zu bewerten, da die wesentlichen Details des Flugzeuges sauber und dem Original entsprechend dargestellt werden. Allerdings ist festzustellen, dass an einigen der Bauteile deutliche „Fischhaut“ vorhanden ist, was zu einem erhöhten Aufwand der Vorbereitungsaktivitäten für den Zusammenbau zur Folge hat. Die Klarsichtteile sind jedoch sauber und ohne Fehl und Tadel.
In punkto Details besteht zum derzeitigen Spitzenprodukt zu diesem Modell von Eduard zwar ein klarer Unterschied, aber dafür bewegt sich das Preisniveau des ICM Bausatzes auf einem deutlich niedrigeren Level.
Der Bauplan: Interessanterweise liegt als Bauplan nicht der vom Bausatz des Nachtjägers, sondern der von der regulären Ausführung E-4 (Nr. 72132) bei. Dies ist aber insofern egal, da beide identisch sind. Auf einem doppelseitig bedrucktem Blatt im Format DIN A4 wird man mit Hilfe klarer Abbildungen in fünf Baustufen durch den Bauprozess geführt.


Für die Markierungen liegt lediglich ein Satz von Decals bei, der die Abzeichen einer Maschine der III Gruppe des Nachtjagdgeschwaders 1 beinhaltet, die in schwarzer Farbe lackiert war.

Fazit: Den Nachweis einer Verwendung der Bf 109 E-4/N im Nachtjagdgeschwader 1, wie durch die Bemalungsvorlage vorgeschlagen, konnte ich im Internet nicht finden. Dort war die Bf 109 zwar aufgeführt, jedoch in der Ausführung D. Dennoch ist dieser Bausatz sehr interessant und ermöglicht für wirklich wenig Geld den Bau einer nicht ganz alltäglichen Variante der Bf 109 in akzeptabler Qualität.
Der Bausatz ist wegen der geringen Anzahl von Teilen und der einfachen Montage auch für Anfänger geeignet.
Empfehlenswert
2. Fw 189A-1
Das Vorbild: Die Focke-Wulf Fw 189 (Uhu) war ein dreisitziges Nahaufklärungsflugzeug der deutschen Luftwaffe, das bei Focke-Wulf in Bremen auf eine Ausschreibung des Reichsluftfahrtministeriums (RLM) vom Jahr 1937 entwickelt wurde. Bis zum Ende der Produktion im März 1944 wurden 830 Fw 189 ausgeliefert.
(Auszug aus Wikipedia)
Unter Nachrüstung mit Lichtenstein Radar 212, Mg 151/20 als „Schräge Musik“, Bugbewaffnung und Flammdämpfern für den Abgasaustritt hat man gegen Ende des Zweiten Weltkrieges einige der 198A-1 Flugzeuge als Nachtjäger umgebaut, wobei diese überwiegend im NJG 100 eingesetzt wurden.
Der Bausatz: Der reguläre Bausatz mit der Nummer 72293 wurde bereits hier schon vorgestellt.
Die drei grauen und der transparente Gussast mit insgesamt ca. 155 Bauteilen befinden sich sicher geschützt in einem wiederverschließbaren Klarsichtbeutel. Darüber hinaus erhält man noch einen Bogen mit Abziehbildern und den Bauplan. Die zentrale Rumpfgondel mit dem gut einsehbaren Innenraum Ist sehr schön gestaltet und besteht aus 16 Einzelteilen. Hier kann man, aber muss nicht zwingend mit Ätzteilesätzen nachrüsten. Minimum wäre es, die fehlenden Sitzgurte zu ergänzen.



Sieht man sich insbesondere die Unterseite der Rumpfplatte an, ist schön zu sehen, dass ICM Gravuren und Nieten für diesen Maßstab absolut überzeugend umgesetzt hat. Ein neuer kleiner Gussast liefert die Teile wie Radarantennen, Zusatz-MG und Flammenvernichter für die Nachtjäger-Variante.


Die großen Glasteile sind dünn und klar. Die große Bugverglasung wird aus vier Teilen zusammengesetzt. Quer- und Seitenruder haben scharfe Hinterkanten. Das Hauptfahrwerk entspricht dem Vorbild und ist in allen Bereichen gut detailliert.
Der Bauplan: Als Bauplan liegt das 16-seitige Heft des regulären Bausatzes im Format DIN A4 bei und begleitet den Zusammenbau des Modells in 63 klaren und übersichtlichen Bauabschnitten.


Der sauber gedruckte kleine Abziehbilderbogen liefert Markierungen und Wartungshinweise für zwei Maschinen des Stab I./ NJG-100, 1944, wobei diese interessanterweise mit regulärer Splinter- oder Mäandertarnung und nicht in schwarzer Farbe zu lackieren sind. Die Farbhinweise erfolgen für Farben von Revell und Tamiya.


Fazit: Dieser eher exotisch wirkende Nachtjäger Nachtjäger ist für jeden Fw 189- oder Nachtjagdfan zu empfehlen und sollte lediglich in Bezug auf eine saubere Darstellung der großen Bugkanzel eine gewisse Erfahrung im Thema Modellbau vorauszusetzen.
Sehr empfehlenswert
3. Do 17Z-10
Das Vorbild: Die Dornier Do 17 war ein zweimotoriges Kampfflugzeug des deutschen Herstellers Dornier. Das Muster war zunächst als zweimotoriges Schnellverkehrsflugzeug konzipiert und wurde im Zweiten Weltkrieg von der Luftwaffe als Bomber und Aufklärer eingesetzt. Später fanden die Maschinen auch als Schleppflugzeug für Lastensegler Verwendung. Die Entwicklung des Schulterdeckers mit doppeltem Seitenleitwerk und einziehbarem Spornradfahrwerk geht auf eine Ausschreibung des Heereswaffenamtes von 1932 zurück. Der schlanke Rumpf trug ihr den Namen „Fliegender Bleistift“ ein. Die ab 1939 produzierte Do 17Z mit Bramo 323 war die leistungsfähigste und mit einer Stückzahl von mindestens 535 Maschinen auch am häufigsten gebaute Version.
Von der Baureihe Dornier Do 17 Z-10 als Nachtjäger wurden neun bis zehn Maschinen produziert. Als Bewaffnung bekamen die Flugzeuge vier 7,92 mm MG 17, ein 7,92 mm MG 15 für den Bugbereich und ein 20 mm MG im hinteren Abwehrstand. Anfang 1942 wurden die Do 17 durch die Dornier Do 215 B-5 sowie die Junkers Ju 88C ersetzt.
(Auszug aus Wikipedia)
Der Bausatz: Der reguläre Bausatz mit der Nummer 72303 wurde bereits hier schon vorgestellt.
Diese Ausführung des Nachtjägers Kauz II erschien bei ICM bereits im Jahr 2016 und wurde in unterschiedlichen Versionen bis dato viermal angeboten, und der Bausatz inzwischen auch unter dem Label von Revell veröffentlicht.
Die insgesamt ca 210 Einzelteile verteilt auf drei Spritzlinge aus grauem Plastik und einen mit Klarteilen weisen saubere Details und Fugen auf. Trotz teilweise komplex aussehender Einzelteile sollte dieser Bausatz auch für Einsteiger keine extremen Probleme bereiten.
Das gut einsehbare Cockpit wird durch diverse hervorragende Kleinteile aufgewertet, wovon besonders die Struktur der mit geflochtenem Material gepolsterten Sitze erwähnenswert ist. Was leider fehlt, sind die Sitzgurte, die man sich als Zurüstteile besorgen sollte.



Die beiden Bramo 323P Sternmotore sind absolut überzeugend wiedergegeben und bestehen aus jeweils sechs Teilen. Die für die Nachtjäger typischen Sonderteile wie das im linken Cockpitfenster eingebaute IR Gerät (Gerät Spanner) und die entsprechende Bugabdeckung sind sauber berücksichtigt. ICM hat sich auch bei einer korrekten Darstellung des Fahrwerks und der als separat beiliegenden Teile für die Ruderanlagen große Mühe für eine korrekte Darstellung gegeben. Formenversatz, Flash oder störende Auswerfermarkierungen sind nicht vorhanden.


Die großen Glasteile sind dünn und klar ausgeführt, was besonders bei diesem Flugzeugtyp wegen der großen Flächen der Kanzel extrem von Vorteil ist.
Der Bauplan: Die 20-seitige Bauanleitung ist klar und übersichtlich in Heftform gestaltet. Alle Zeichnungen sind präzise und dreidimensional dargestellt und begleiten den Zusammenbau des Modells in 77 Bauabschnitten.
Um die Instrumente darzustellen, gibt es feine Decals, was sehr gut ist, da es bis dato noch keine Alternative der Hersteller von Zurüstsätzen gibt .


Vorgesehen sind zwei Maschinen in komplett schwarzer Tarnung. Einmal die R4+ Ak der I./ Nachtjagdgeschwader 2 und die R4+AK von Hauptmann Erich Jung der 2./NJG 2. Beide waren im Herbst 1940 in Gilze-Rijen stationiert.


Fazit: Dieser Bausatz ist nicht nur formschön, sondern perfekt entwickelt, womit auch mit Grundkenntnissen zum Thema Modellbau die Erstellung eines attraktiven Modells möglich sein sollte. Insbesondere die schwarze Variante der Nachjägerversion könnte für viele interessant sein..
Sehr empfehlenswert
Gesamtes Fazit: Die Idee, verschiedene bereits existierende Bausätze von Nachtjägern zu einem Bündel zu schnüren halte, ich für pfiffig, zumal diese mit einem attraktiven Preis im Vergleich zur Summe der Einzelbausätze verbunden ist.
Klare Kaufempfehlung
Erhältlich im gut sortierten Fachhandel oder bei Glow2b.
Gert Brandl, Berlin (April 2026)

