Geschichte: Die Boulton Paul Defiant war ein zweisitziges Jagdflugzeug der Royal Air Force, das ab 1937 von der britischen Flugzeugbaugesellschaft Boulton Paul Aircraft Ltd gebaut wurde. Der Tiefdecker kam zum Anfang des Zweiten Weltkrieges in Frankreich und der Luftschlacht um England zum Einsatz.
Als Nachtjäger konnten mit der Defiant zu diesem Zeitpunkt, als die Nachtjagd noch eine recht improvisierte Technik war, einige Erfolge erzielt werden. Während der Bombardierung Londons 1940/41 war sie der Nachtjägertyp mit den höchsten Abschusszahlen.
Quelle:
https://de.wikipedia.org/wiki/Boulton_Paul_Defiant
Bausätze der Defiant in 1:48 existierten laut Scalemates bereits, seit es das Original gab, damals als Massiv-Kits. Classic Airframes brachte seine Defiant Reihe ab 1995 heraus, 2016 kamen Kits von Trumpeter und schließlich von Airfix hinzu. 2017 erschien bei Airfix erstmals die Nightfighterversion, die uns hier als Neuauflage in neuer Box vorliegt.





Der Kit kommt im typischen roten Hornby-Stülpkarton, den ein eindrucksvolles Deckelbild einer Nachjäger-Defiant, ziert, die im Licht eines Flakscheinwerfers eine He 111 von unten angreift. In der Box finden sich vier Gießrahmen in Dunkelgrau mit 99 Teilen und ein klarer Rahmen mit 14 Teilen, ein kleiner Decalbogen und eine Bauanleitung in schwarz, weiß und rot gedruckt, wobei wie bei Airfix üblich die im vorigen Schritt zusammengefügten Teile im folgenden in rot hervorgehoben werden. Die Bauanleitung gibt zunächst einen historischen Überblick, dann folgen 11 Seiten Bauanweisungen, zwei Seiten mit je einem Vierseitenriss für die Bemalungsoptionen und eine Seite für die Positionierung der Stencils.
Die grauen Teile sind sauber gegossen und weisen keine Sinkstellen und kaum Auswerfermarkierungen auf. Gussgrate finden sich ebenfalls nicht. Die Oberflächen sind mit feinen gleichmäßigen Gravuren überzogen. An der Motorhaube finden sich einige erhabene Schnellverschlüsse. Die Glasteile sind dünn und klar. Der Decalbogen von Cartograph auf hellblauem Papier ist randscharf und mit gut deckenden Farben gedruckt. Er enthält neben den Kokarden und individuellen Abzeichen auch ein Instrumenten-Decal und zahlreiche Wartungshinweise.
Der Bau erstreckt sich über 71 Schritte und beginnt wie meist mit dem Cockpit. Es folgen Rumpf, Fahrwerksschacht, Flügel und Ruder. Der Bauch-Kühler kann mit geschlossenem oder offenem Auslass gebaut werden, für das Fahrwerk liegen geschlossene Klappen für die eingezogene Version bei. Die Räder für die ausgefahrene Variante bestehen aus einteiligen, leicht abgeflachten Reifen mit Längsprofil und separaten Felgen. Allein 14 Baustufen sind dem mit zahlreichen Innendetails versehenen Vierlingsturm gewidmet, der zum Schluss mit einer hinten geschlossenen einteiligen oder einer hinten aufgeschobenen dreiteiligen Verglasung versehen werden kann. Für den Flug mit nach hinten gerichtetem Turm kann das Verbindungsstück zwischen Pilotenhaube und Waffenturm angehoben, für Situationen, in denen die Waffen in Flugrichtung oder quer dazu geschwenkt werden mussten, kann es abgesenkt dargestellt werden. Ebenso kann der Rumpfrücken hinter dem Turm abgesenkt oder angehoben dargestellt werden. Es ist auch möglich, die Schiebehaube des Piloten aufgeschoben und gleichzeitig den Waffenturm von hinten geöffnet darzustellen, um zum Beispiel eine Wartungs- oder Einstiegsszene zu ermöglichen. Welche Positionen zusammengehören, darauf weisen die nachfolgenden sechs Baustufen noch einmal hin. Der Bau endet mit der Montage des dreiteiligen Propellers durch Einschieben von vorn in den Rumpf, der Auspuffleisten und der Landescheinwerfer. Zum Schluss folgen noch Antennen und Pitotrohr. Die beiliegenden Radarantennen werden für die Vorbildversionen dieses Kits nicht verwendet. Fertig ist der frühe Nachtjäger!




Bemalung und Decals: Airfix weist bei den Farbempfehlungen nur auf die Humbrol-Farbreihen hin und verwendet dabei überwiegend generische Namen wie „Matt Black“ oder „Matt Yellow“. Das geht noch besser!
- Variante A: DZoZ, N3325, No. 151 Squadron, Royal Air Force Wittering, Cambridgeshire, England, Februar 1941, Mattschwarz über alles mit rot-weißem Haifischmaul und Augen auf der Motorhaube
- Variante B: PSoP, N3313, geflogen von Squadron Leader Philip Kames Saunders, No. 264 Squadron, Royal Airforce Debden und Biggin Hill, England, Dezember 1940 bis Februar 1941, ebenfalls in Mattschwarz über alles
Fazit: Airfix hat, wie schon öfter festgestellt, in letzter Zeit auf seinem angestammten Gebiet, Modelle für Anfänger und Fortgeschrittene zum kleinen Preis anzubieten, viel Boden gut gemacht. Der Schwerpunkt liegt dabei auf Nachbildungen britischer Vorbilder. Diesem Vorsatz ist man auch mit diesem interessanten Vorbild treu geblieben. Ob der Kit das Konkurrenzprodukt von Trumpeter übertrifft, kann ich nicht beurteilen, sicher wird er aber leichter zu bauen sein als der von Classic Airframes. Sehr empfehlenswert!
Utz Schißau, Berlin (Mai 2026)

