Geschichte des Vorbildes: Die Supermarine Spitfire war ein Jagdflugzeug aus britischer Produktion. Der Tiefdecker wurde vor allem während des Zweiten Weltkrieges von der Royal Air Force und vielen alliierten Luftstreitkräften an allen Fronten eingesetzt. Die gute Wendigkeit des bei Supermarine Aviation Works (Vickers), Ltd. ursprünglich unter dem Chefkonstrukteur Reginald J. Mitchell und seinen Nachfolgern entwickelten Flugzeugs machte es bei den Piloten sehr beliebt. Die Maschine gehört zu den meistgebauten Flugzeugtypen; bei Supermarine und deren Lizenznehmern wurden mehr als 20.300 Spitfires aller Varianten gebaut. Sie blieb bis weit in die 1950er Jahre im Dienst.
Quelle:
https://de.wikipedia.org/wiki/Supermarine_Spitfire







Meine ersten Modelle waren 1:72er Versionen der bekanntesten Typen, herausgebracht von Airfix, Revell und Frog, welche ich grade so vom Taschengeld finanzieren konnte. Besondere Ereignisse waren daher, wenn ich gelegentlich zu Weihnachten oder zum Geburtstag eines der „großen“ 1:32er-Revell-Modelle bekam, die, eiligst gebaut, mit Nylonfäden an die Decke meines Jugendzimmer gehängt wurden.
Eines der ersten 32er-Modelle, das ich baute, war die 1967 erschienene Spitfire Mk. I.
Erst als „gesetzter“ Modellbauer wurde mir klar, welche feinen und versenkten (!) Oberflächendetails dieser fast 60 Jahre alter Bausatz bereits damals zu bieten hatte! Die Nieten sind feinste Ringe und es existieren sogar Schnellverschlüsse mit Schlitz. Angemerkt sei auch, dass die bei frühen Spitfire-Versionen am Rumpf erhabenen Nieten ebenfalls korrekt dargestellt sind!







Dieser Bausatz beeindruckte auch durch das wunderbare Deckelbild zweier Spitfires, die einer Messerschmitt 109 nachjagen, wobei die dem Zuschauer zugewandte Maschine im Licht der tiefstehenden Sonne beinahe golden leuchtet. Das war noch echte Handarbeit, KI war noch weit weit hinter dem Horizont!
Exemplare dieses Kits tauchen gelegentlich bei Online-Anbietern, meist nicht unter 50 € auf. Ich hatte das Glück, meines über den Club von einem alten Modellbauer geerbt zu haben. Klaus P. Henke, so der Name des Kollegen, hat auf der Bauanleitung akribisch das Kaufdatum 27.06.1967 und den Kaufpreis von 12,95 DM vermerkt, bevor er alle Teile von den Gussästen ablöste, diese dann unter diversen Nummern archivierte und dann alles in einem großen Plastikbeutel lagerte, wohl um Stauraum zu sparen.
Der Kit an sich besteht aus weißem, relativ hartem Kunststoff. Er bietet einen separaten Motor, der durch zwei abnehmbare Abdeckungen gezeigt werden kann, einen drehbaren Propeller, ein recht passables Cockpit und ein Hauptfahrwerk, das eingeklappt werden kann und dessen Räder drehbar sind. Alle Ruder sind separat zu bauen und können drehbar gelagert werden. Die Cockpithaube kann außerdem auf und zu geschoben werden. Alles in allem eine Menge Gimmicks, so wie es zu dieser Zeit von „gehobenen“ Plastikmodellen erwartet wurde.







Leider waren viele der Ruderscharniere abgebrochen und auch nicht mehr im Beutel, ein halbes Rad fehlte auch und die Decals sind von Rissen durchzogen und vergilbt.
Hier greift nun mein Konzept für „Nostalgiebauten“: Es gilt strikter OOB-Bau, nur, wenn gänzlich unvermeidlich wird etwas hinzugefügt, ansonsten heißt es: sauber kleben, Spachteln und verschleifen, nur, wo es unbedingt nötig ist. Lackiert wird nur in den Originaltönen und zwar in uni, kein Prä- oder Postshadings, keine Washings oder Chippings, keine Pigmente oder Farbstifte. Zum Lackieren darf die Airbrush verwendet werden, denn ich hatte damals bereits früh eine amerikanische Binks Singeleaction mit Saugbecher, mit deren Ergebnissen ich schon ganz zufrieden war.
Der Motor wurde, wie in der Bauanleitung empfohlen, gänzlich schwarz lackiert, nur die Auspuffrohre erhielten einen rostroten Anstrich. Der Innenbereich bis hinter den Sitz wurde in Gunze H58 Interior-Green (Cockpit) eingesprüht. Die Instrumententafel wurde oben schwarz und unten Interiorgreen lackiert, anschließend wurden die Instrumente mit Drybrushing mit mattweißer Farbe hervorgehoben, eine Technik, welche ich schon recht früh zu diesem Zweck erlernt hatte. Der Kompass und das Reflexvisier erhielten beide silberne „Glasscheiben“, die einzelnen seitlichen Bedieninstrumente wurden in schwarz lackiert, ebenso wie der Griff des Steuerknüppels. Beim Piloten wich ich vom Konzept ab und montierte die aus zwei Schalen bestehende Figur nicht, da ich noch eine passende, stehende Figur in der Restekiste hatte. Mein alter Trick, um an Anschnallgurte zu kommen ohne sie kaufen, sorgte für die notwendige Ausstattung: ein Set von Eduards Seatbelts RAF WWII FABRIC 1:48 half dazu: Ich kopierte und vergößerte die Gurte von 1:48 und 1:32 auf dickem Papier, schnitt sie aus und klebte sie auf den Sitz. Für einen kurzen Blick ins Cockpit durchaus ausreichend! Das fehlende halbe Fahrwerksrad improvisierte ich mit einem Abdruck des anderen Rades in Abformmasse, die ich meinem Zahnarzt abgeschwatzt hatte und die ich mangels geeignetem Resin mit Zweikomponenten-Kleber füllte. Nach dem Härten tat dieser mir sogar den Gefallen, nicht allzu sehr zu schrumpfen! Leider konnte ich das Rad nicht drehbar halten, was bei der dünnen Fahrwerksbein-Konstruktion eher kein Nachteil sein dürfte. Einfahren kann man das Fahrwerk allerdings noch, was den kleinen Jungen in mir zu wilden Kurbeleien am Himmel über England animierte. Die Ruder waren aber leider sämtlichst verloren was die Beweglichkeit angeht, denn ob zahlreicher weggebrochener Zapfen und Scharniere war der Patient diesbezüglich nicht zu retten gewesen. Die Schiebehaube konnte ich allerdings beweglich halten.







Um Spachteln zu vermeiden, klebte ich an den komplettierten Rumpf zunächst die Oberflügel so dicht und passgenau wie möglich an und ließ sie 24 Stunden in dieser Position härten. Anschließend passte das durchgehende Unterflügelteil fast perfekt an den Rumpf und es gab nur wenige Nacharbeiten, die ich, wenn unbedingt nötig, mit etwas Tubenspachtel von Revell durchführte. Alles wäre gut gewesen, wenn ich nicht vergessen hätte, die Fahrwerksbeine vor der Vermählung von Ober- und Unterflügel einzulegen. Glücklicherweise ließen sie sich überreden, mit etwas Druck nachträglich in ihre Lager zu klicken.
Die Bemalung begann mit dem Abkleben der Auspuffrohre, der Windschutzscheibe und der hinteren Cockpitabdeckung mit Tamiya-Band sowie dem Abdichten der Fahrwerksschächte bei eingezogenen Fahrwerksbeinen. Bei der Lagerung des Modells war meine kreuzförmige Helling mit verstellbaren Armen eine große Hilfe. Zunächst erhielt alles einen Überzug mit Gunze Aqueous Hobby Color H74 Sky (Duck Egg Green), die Unterseite zuerst, wo die Farbe 24 Stunden Ruhe zum Durchtrocknen bekam. Dann folgte die Oberseite, hier als Grundierung, um die Farben homogen erscheinen zu lassen. Dann klebte ich die Unterseite mit Unmengen von Tamiya-Tape ab, worauf die gesamte Oberseite in H72 Dark Earth lackiert wurde.
Da die Kit-Decals auch mit Weichmacher, Decallack und Ausbleichen in der Sonne nicht verbessert werden konnten, ging ich auf die Suche nach Ersatz, den ich bei Hannants Eigenmarke Extradecal im Bogen X32053 Supermarine Spitfire Mk. I/II fand. Ich entschied mich unter den drei Angeboten für die P8088 „NK o K“, „The Borough of Lambeth“/“Bette“, Pilot Officer A.S.C. Lumsden, 118th Squadron, RAF Ibsley, Hampshire, United Kingdom in Dark Earth und Dark Green über Sky ´TypeS´ mit Spinner und Rumpfband in Sky Blue. Für letzteres wählte ich übrigens H418 RLM78 Hellblau.





Um das Tarnschema richtig zu übertragen, vergrößerte ich auf dem Kopierer das Bemalungsschema auf 1:32, schnitt die Dark-Earth-Bereiche aus und befestigte sie mit Tamiyaband und Patafix leicht schwebend über den Flügeln und dem Rumpf. Sodann sprühte ich die letzte, grüne Farbschicht auf. Leider fehlten bei den Xtradecals alle Stencils. Abhilfe schufen die Abreibe-Decals von HD Hobby Decal, die ich online in der Ebucht erstand. War etwas fummelig, man musste die mit der Folie ausgeschnittenen Teile vor dem Anreiben mit Klebestreifen fixieren und die Walkway-Begrenzungen gingen gar nicht, ich musste sie weitgehend mit einem Permanent-Stift uptouchen, was zu ärgerlichen Unregelmäßigkeiten führte. Nächstes Mal nehme ich dafür lieber generische schwarze Decal-Streifen. Die Xtradecal Nassschiebebilder ließen sich andererseits sehr gut verarbeiten und setzten sich mit Micro Set und Micro Sol ohne Probleme und ohne Silvering auf die seidenmatte Lackierung mit den Gunze-Farben. Nach Abschluss der Markierungsarbeiten folgte noch ein Überzug mit H20 Flat Clear, die Montage der Funkantenne und des Pitotrohres, des Rückspiegels und das allfällige Touch-up an Rumpf und Flügeln. Die Positionslichter an den Flügelspitzen wurden mit Gunze Chrom-Silber und Klar-Rot bzw. -Grün-Tupfern dargestellt und zum Schluss mit Future überzogen.
Die Piloten-Figur (eigentlich Captain Douglas R. S. Bader von Finemolds) hatte ich schon länger bemalt in meiner Vitrine stehen, sie macht sich recht gut neben der alten Dame Spitfire!
Ich liebe es, diese großen alten Kits zusammen zu bauen: sie tragen viel meiner Jugend in sich. Und einmal einfach nur aus dem Karton zu bauen, ohne jeden Stress einfach der Bauanleitung nachzufolgen, keine Verbesserungen anzustreben, sondern alles zu nehmen, wie es ist, kann sehr erholsam sein. Das gelingt mir allerdings nur mit diesen wunderbaren, einfachen Kits aus der Frühzeit von Revell.
Utz Schißau, Berlin (April 2026)

