Das Vorbild: Der Start der Fieseler Fi-103 / V1 erfolgte auf einer Rampe, wobei die Rakete mit einem schweren Metallkolben verbunden war, der sich in einem entsprechenden Rohr innerhalb der Rampe befand. Der sogenannte Schleuderkolben wurde dann dabei mit Hilfe von Dampfdruck beschleunigt und katapultierte die V1 auf der Rampe nach vorne. Nach dem Verlassen der Rakete von der Rampe fiel der Kolben nach unten und konnte für den nächsten Start erneut genutzt werden.
Die Erzeugung des Drucks erfolgte mit Hilfe von Dampf unter Nutzung des sogenannten Dampferzeugers, der auf einem Rahmen mit Rollen vor die Startrampe verbracht und mit dieser verkoppelt wurde.
Eine schematische Darstellung ist hier zu finden. Die auch als Walter-Schleuder bekannte Konstruktion war dabei in der Lage die Rakete innerhalb von 1 Sekunde auf eine Geschwindigkeit von 370 km/h zu beschleunigen.

V1 mit Startrampe und Dampfdruckerzeuger, Bundesarchiv
Das Bauprojekt: Vom Dampfdruckerzeuger existieren nur wenige Original-Aufnahmen, jedoch einige von einem Exemplar, das sich zusammen mit einer Startrampe in einem Museum befindet. Unter Verwendung dieser Informationen sowie dem inzwischen auch erhältlichen Bausatz der Firma Takom im Maßstab 1:35, hat ein Modellbaufreund ein entsprechendes 3D Design erstellt und mir die im 3D Druckverfahren hergestellten Teile im Maßstab 1:16 zugeschickt.
Das Modell besteht aus lediglich 7 Teilen, die problemlos zu einem stimmigen Modell zusammen gebaut werden können. Um ein optimales und überzeugendes Ergebnis zu erhalten, habe ich alle Teile noch mit Schleifpapier bearbeitet. Wegen den verwinkelten Flächen, insbesondere bei dem Rahmen des Dampferzeugers, war dies eine ziemlich zeitintensives Arbeit. Auch wenn das nicht wirklich Spaß macht, wird man letztendlich doch mit sauberen und glatten Oberflächen belohnt.


Am Design habe ich lediglich noch zwei Optimerungen durchgeführt. Zum einen wurden die Stirnseiten der oberen Rundholme mit einem Bohrer entsprechend dem Original geöffnet. Zum anderen habe ich vorne unten am Rahmen noch zwei halbrunde Halterungen ergänzt. Erst nach Abschluss des Bauprojektes ist mir dann noch aufgefallen, dass der von vorne gesehen links angeordnete Druckbehälter beim Original etwas weiter nach unten versetzt angebracht war. Für eine Korrektur, die nicht schwierig gewesen wäre, war es dann leider zu spät.

Für die Vorbereitung zur Bemalung habe ich alle Teile noch mit Mr Hobby Surfacer 1500 grundiert. Dies erleichtert noch vorhandene Fehler oder Problemstellen gut zu erkennen, die man dann noch ausbessern kann.


Der schwierigste Schritt bei diesem Projekt bestand darin, die einzelnen Komponenten des Dampferzeugers mit Schläuchen und Leitungen in unterschiedlichen Größen zu versehen. Die Suche nach geeignetem Material war dabei alles andere als einfach. Rundprofile aus Plastik erwiesen sich als unbrauchbar, denn diese knickten oder zerbrachen insbesondere bei kleinen Krümmungsradien. Auch ein Erhitzen half dabei nicht. Als nächstes versuchte ich die Schläuche mit Hilfe von Metallstäben umzusetzen. Dies klappte bei dünnen Leitungen sehr gut und der Vorteil dabei war, dass die Teile nach dem Zurechtbiegen auch die Form perfekt behielten. Für die ganz dicken Leitungen war dies dann aber ein echter Kraftaufwand, weshalb nur eine Leitung tatsächlich aus einem Metallstab realisiert wurde. Die anderen dickeren Leitungen habe ich aus Kabeln von kleineren Elektrogeräten erstellt. Der Vorteil dabe ist, dass diese problemlos gebogen werden können, der Nachteil ist aber, dass diese dann nicht die gewünschte Form behalten. Irgendwie ist es mir aber dann doch gelungen, alles in guter Übereinstimmung mit dem Original anzubringen.


Als nächstes konnte das Modell dann mit einer Schicht Mr Hobby Surfacer Mahagoni versehen werden, womit die unterschiedlichen Materialen (Plastik, Metall, Gummischlauch) mit einer einheitlichen Grundierung versehen waren.


Nach einem Tag Trockenzeit erfolgte dann der Farbauftrag mittels Airbrush in Dark Yellow von Tamiya, wobei Highlights mit leicht aufgehellter Farbe auf den Oberseiten der einzelnen Flächen gesetzt wurden. Nach der Versiegelung mit Future habe ich noch Abnutzungsspuren und Kratzer ergänzt und Details am Modell mit Washes von dunklen Ölfarben sowie Drybrushing hervorgehoben und betont.



Fazit: Mit dem Dampferzeuger konnte ich nun ein weiteres Modell zum Thema V1 im Maßstab 1:16 umsetzen. Wie bereits im Artikel zur V1 geschrieben, war in der Kiste, die ich aus Österreich erhalten habe aber noch die Rampe enthalten, die nun als nächstes auf meinem Basteltisch wartet.
Der Bausatz ist inzwischen im Fertigungswerk16 erhältlich.
Gert Brandl, Berlin (März 2026)

