Das Vorbild: Das Flugzeug wurde Anfang der 1930er Jahre zunächst als Wettbewerbsflugzeug bzw. als Sport- und Reiseflugzeug in Ganzmetallbauweise von den Bayerischen Flugzeugwerken (BFW) entwickelt. Einige technische Neuerungen flossen später in das Jagdflugzeug Messerschmitt Bf 109 ein.

Bis zum Kriegsende 1945 wurden insgesamt 885 Maschinen produziert, die überwiegend bei der deutschen Luftwaffe als Verbindungsmaschinen, Schulflugzeuge, Aufklärer oder Personentransporter verwendet wurden. Einige Exemplare wurden auch an verbündete Staaten wie z. B. Japan, Italien, Ungarn, Bulgarien und Rumänien geliefert.

Nach dem Krieg wurde die Bf 108 in Frankreich als Nord 1000, 1001 sowie 1002 in ca. 300 Exemplaren weitergebaut und von der französischen Luftwaffe bis in die 1950er Jahre betrieben. Einige Bf 108 und viele französische Nachfolgemodelle sind bis heute erhalten geblieben, teilweise in Museen oder nach wir vor in flugfähigem Zustand.

Der Bausatz: Der stabile Stülpkarton mit einem ansprechenden Deckelbild beinhaltet sieben Rahmen mit insgesamt 138 Kunststoffteilen, davon sechs in grauem Polystyrol mit zusammen 129 Teilen und einen weiteren in klarem Kunststoff mit neun Teilen. Es werden aber nicht alle Teile benötigt. Der Karton beinhaltet weiter die Bauanleitung und die Decals.

Die einzelnen Bauteile in den Rahmen machen einen sehr guten Eindruck und weisen einen hohen Fertigungsgrad auf. Gussgrate, Fischhäute, Sinkstellen oder störende Auswerfermarken auf später gut sichtbaren Bereichen wurden nicht festgestellt. Daher werden beim Zusammenbau auch keine größeren Probleme erwartet.

Das nach dem Zusammenbau gut einsehbare Cockpit wird aus ca. 17 Teilen aufgebaut und ist auch ohne Zubehör ausreichend detailliert. Die Verglasung kann geöffnet oder geschlossen dargestellt werden. Beide Optionen sind separat beigefügt. Da das große Kabinendach später auch im geschlossenen Zustand einen hervorragenden Einblick ermöglicht, sollte hier sorgfältig gearbeitet und lackiert werden. 

Der detailliert aufgebaute Motor einschließlich der Auspuffanlage, der Halterungen und des Brandschotts besteht aus ca. 26 Teilen. Leider verschwindet er später unter der Motorhaube, die aus dem Bausatz heraus nicht geöffnet dargestellt werden kann.

Darüber hinaus liegen einige Bauteile in alternativen Ausführungen vor, z. B. die Haupträder, das Seitenleitwerk, die hintere Sitzbank und die Zusatztanks innerhalb der Kabine. Bezüglich der Verwendung dieser alternativen Teile sollten sowohl die Vorbilder als auch die Bauanleitung sorgfältig studiert werden.

Stärken des Bausatzes:

–   Passform: gut.

–   Sinkstellen: keine feststellbar.

–   Auswerfermarken: nur sehr wenige innen an den Fahrwerksklappen.

–   Gussgrate: kaum wahrnehmbar.

–   Fischhäute: keine.

–   Detailierung: ausreichend.

–   Darstellung der Niete: nicht übertrieben.

–   Ruder: separate Einstellungen möglich, Seitenruder in zwei Ausführungen.

–   Hinterkanten an Rudern und Landeklappen: scharf ausgebildet.

–   Motor: sehr detailliert.

–   Räder: Hauptfahrwerksräder in zwei unterschiedlichen Ausführungen.

–   Klarsichtteile: dünn, klar und schlierenfrei, maßstabsgerechter Rahmen.

–   Kanzelverglasung: offen oder geschlossen darstellbar. 

–   Cockpit: ausreichend detailliert, wahlweise eine doppelsitzige Rückbank, eine einsitzige Rückbank mit einem kleinen zusätzlichen Kraftstoffbehälter daneben oder ohne Rückbank und mit großem Kraftstoffbehälter im hinteren Kabinenbereich.

Geringfügige Schwächen des Bausatzes:

–   Angüsse: z. T. etwas grob, ggf. dort Nacharbeit nach dem Abtrennen. 

–   Oberflächen: körnige Textur, mit Überschleifen und Polieren beheben. 

–   Blechstöße: evtl. sind einige etwas zu breit, z. B. direkt hinter der Kanzel.

–   Motorhaube: nicht offen darstellbar, der Motor verschwindet darunter. 

–   Ruder: kaum wahrnehmbare Stoffbespannung.

–   Hauptfahrwerksräder: die Speichenräder-Variante ist etwas „weich“.

–   Fahrwerksklappen: innen die Auswerfermarken herausschleifen.

Die Bauanleitung/ Bemalung: Das 12-seitige Heft lässt keine Fragen offen.

Für vier attraktive Bemalungs- und Markierungsvarianten sind dem Bausatz zwei Bögen mit randscharf gedruckten Decals in hoher Farbdichte auf dünner Trägerfolie beigefügt. Beide Bögen enthalten alle erforderlichen Markierungen für die Hoheitsabzeichen, die individuellen Kennungen, die Verbandswappen und einige Wartungshinweise sowie auch die Instrumententafel und ebenfalls die Gurte.

Fazit: Es ist erfreulich, dass mit dieser Auflage ein Modell im Maßstab 1/32 wieder erschienen ist, das schon lange auf der Wunschliste vieler Modellbauer gestanden hat. Der Bausatz ist aufgrund der geringen Teilezahl, der einfachen Konstruktion und der guten Passgenauigkeit auch fortgeschrittenen Anfängern zu empfehlen, da ohne weiteres Zubehör ein attraktives Modell dieses interessanten Vorbildes gebaut werden kann.

Die Vorteile des Bausatzes von Eduard überwiegen die kleineren Nachteile bei weitem. Die nur geringen Schwächen können mit wenig Aufwand behoben oder bei Bedarf auch mit Teilen aus dem Zubehörhandel ausgeglichen werden. Dem Modellbauer, der aber deutlich mehr aus dem Bausatz herausholen möchte, sei das umfangreiche Zubehörangebot empfohlen.

Ulrich Brier (Mai 2026)

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