Vorbild:
Der M4 Sherman wurde ab 1942 zum Standardkampfpanzer der westlichen Alliierten und in großen Stückzahlen gefertigt, wobei sich die einzelnen Ausführungen vor allem in Motorisierung und Detailgestaltung unterschieden. Der M4A2 war mit dem GM-6046-Dieselmotor ausgestattet, bestehend aus zwei gekoppelten Sechszylinder-Dieselmotoren, und unterschied sich damit deutlich von den benzinbetriebenen Varianten. Diese Ausführung war primär für den Export vorgesehen und wurde daher nur in begrenztem Umfang von US-Truppen selbst genutzt. Charakteristisch für den M4A2 sind die verlängerte Motorraumsektion mit spezifischen Wartungsdeckeln sowie die markanten Lüftergitter auf dem Motordeck. Die Mehrzahl der Fahrzeuge war mit der 75-mm-Kanone M3 in einem gegossenen Turm mit 75-mm-Blende ausgestattet, während spätere Varianten auch die 76-mm-Kanone erhielten. Bei den Ketten kamen je nach Produktionslos unterschiedliche Typen zum Einsatz, darunter die gummigepolsterten T48- und T51-Ketten sowie die stählernen T49- und T54-Ketten, die jeweils unterschiedliche Eigenschaften im Gelände und auf Straße aufwiesen. Insgesamt wurden rund 8.000 M4A2 produziert.


Ein bedeutender Teil dieser Fahrzeuge wurde im Rahmen des Lend-Lease-Programms an die Sowjetunion geliefert, die etwa 4.000 M4A2 erhielt und ab 1943 einsetzte. Dort wurden sie überwiegend in Einheiten mit gemischter Ausstattung verwendet und kamen in verschiedenen Operationsräumen der Ostfront zum Einsatz. Die Besatzungen bewerteten insbesondere die gute Verarbeitung, die zuverlässige Funktechnik sowie die ergonomisch günstige Innenraumgestaltung positiv. Kritisch gesehen wurden hingegen die vergleichsweise hohe Silhouette sowie Einschränkungen bei der Geländegängigkeit, die auch von der jeweils verbauten Kettenart beeinflusst wurden. Insgesamt erwies sich der M4A2 in sowjetischen Diensten als zuverlässiges und technisch ausgereiftes Fahrzeug, das die vorhandenen Bestände sinnvoll ergänzte, ohne jedoch die spezifischen Anforderungen des Ostfrontkrieges vollständig zu erfüllen. (KI-unterstützt)
Quellen:
Hunnicutt, R. P. (1978). Sherman: A History of the American Medium Tank. Presidio Press.
Loza, D. F. (2002). Commanding the Red Army’s Sherman Tanks: The World War II Memoirs of Hero of the Soviet Union Dmitriy Loza. University of Nebraska Press.
Zaloga, S. J. (2008). Armored Thunderbolt: The U.S. Army Sherman in World War II. Stackpole Books.
Zaloga, S. J. (2015). Sherman Firefly vs Tiger: Normandy 1944. Osprey Publishing.
Wikipedia. (2025). M4 Sherman. https://de.wikipedia.org/wiki/M4_Sherman


Bausatz:
Der russische Hersteller Zvezda brachte bereits 2021 diesen Bausatz des M4A2 Sherman mit einer 75-mm-Kanone heraus. Der bunte, jedoch nicht sonderlich stabile Faltkarton enthält eine einzeln beiliegende Wanne, zwei graue und einen schwarzen Spritzgussrahmen, den Decalbogen sowie die Bau- und Bemalungsanleitungen. Der Bausatz ist als Snap-Kit für Modellbaueinsteiger ausgelegt. Somit hält sich die Anzahl der Teile in Grenzen und alle Teile sollen sich auch ohne Kleben befestigen lassen – wobei der Einsatz von Plastikkleber trotzdem zu empfehlen ist, wie unten weiter ausgeführt wird. Die Gussqualität fällt sehr sauber aus: Sinkstellen und Grat konnte ich nicht erkennen. Auswerfermarken befinden sich an später nicht einsehbaren Bereichen. Die Oberflächendetails sind präzise wiedergegeben, ohne zu verschwimmen. Trotz des Snap-Kit-Konzepts ist die Detaillierung auf einem hohen Niveau gehalten. Positiv fällt auch die geringe Wandstärke der filigranen Teile auf, die kaum dünner geschliffen werden müssen.


Der Bau beginnt mit der Unterwanne. Hier weist die Bauanleitung bereits auf den wortwörtlichen Snap-Kit hin, denn das Anbringen der Seitenvorgelege an den Wannenseiten soll mit einem deutlichen Klicken geschehen. Wer gerade mit dem Modellbau beginnt, erhält hier also auch gleich ein akustisches Erlebnis. Die Anzahl der Teile begrenzt sich auf ein notwendiges Minimum, um die Abschlepphaken, Kupplung und Auspuffanlage vernünftig darzustellen. Eine erste Herausforderung werden die sechs Bogies, die aus jeweils fünf Teilen bestehen. Auch hier fällt die geringe Wandstärke der oberen Kettenführungen positiv auf. Da die Teile nicht geklebt werden sollen, bleiben die Laufrollen beweglich. Hier können sich jedoch Probleme bei der Befestigung der Trieb- und Leiträder ergeben, wenn diese nicht verklebt sind. Die Ketten sind aus schwarzem Plastik und sollen vor der Befestigung bereits gebogen werden. Auch hierfür wird erfahrungsgemäß Plastikkleber benötigt.


Nach der Unterwanne soll bereits der Turm zusammengebaut werden. Die Grundkonstruktion des Turms besteht aus drei Teilen. Die Teile sehen zwar passgenau aus, es ist jedoch damit zu rechnen, dass hier gespachtelt werden muss. Da der Turm keine Gussstruktur aufweist, kann man diese beiden Schritte miteinander kombinieren. Die Kanone und Blende werden eingerastet. Sie bleiben später beweglich. Die Mündung der Kanone ist gegossen und sollte noch aufgebohrt werden. Die Kommandantenluke wird zwar aufgeklebt, doch leider wurden beide Luken geschlossen ausgelegt. Ein Öffnen ist hier nur mit erheblichem Mehraufwand oder durch Ersatzteile möglich. Die weiteren Details am Turm sind relativ filigran ausgeführt. Selbst die Antenne ist vollständig wiedergegeben. Wer noch feinere Details wünscht, kann die Antenne sowie am Fla-MG den Bügel unter dem Lauf sowie die Spatengriffe am hinteren Ende dünner schleifen oder durch Draht ersetzen.



Die Oberwanne wird danach zusammengebaut. Interessant ist hier die Konstruktion: aufgrund des Snap-Kit-Designs soll sie später auf die Unterwanne aufgeklickt werden. Hierfür ist eine „Zwischenebene“ vorhanden, an der die Rasten der Unterwanne wie auch die Befestigungspunkte der Oberwanne und Luken angebracht werden. Auf der Oberseite werden eine Reihe von Anbauteilen befestigt. Erfreulich ist, dass das Werkzeug nicht angegossen ist, sondern separat angeklebt wird. Dies sorgt für einen plastischen Eindruck und erleichtert die Bemalung, wenn man die Teile erst nach dem Lackieren befestigt. Die Fahrer- und Funkerluke werden angeklebt, sind jedoch auch hier geschlossen konzipiert. Mit ein paar Umbauarbeiten können sie dennoch geöffnet dargestellt werden. Das Funker-MG sollte, wie auch das Blenden-MG im Turm, aufgebohrt werden. Das Abschleppseil ist für Plastik sehr überzeugend dargestellt. Wer dieses sauber von den Angüssen befreit, kann es bedenkenlos weiterverwenden. Wer möchte, kann es alternativ auch gegen ein Metallseil ersetzen. Die aufgeschweißten Platten an den Wannenseiten weisen keine Schweißstruktur auf und können noch mit Plastikkleber und etwas Nacharbeit verfeinert werden. Zum Schluss sollen die großen Baugruppen Unterwanne, Oberwanne, Turm und Abschleppseil miteinander befestigt werden. Bei diesem Bausatz bleibt aufgrund des Snap-Designs die Überlegung, ob man gemäß der Bauanleitung alles vor dem Bemalen zusammensetzt oder ob man zunächst die Unterwanne bemalen und abkleben sollte, um dann mit der Oberseite fortzufahren. Da die Trennnaht unmittelbar vorne auf dem Bug zu sehen ist, muss hier nach dem Befestigen vermutlich noch gespachtelt und bei Bedarf die Gusstruktur ergänzt werden. Dies sollte der Modellbauer beachten, bevor er alle Teile lackiert.

Die Bauanleitung ist schwarz-weiß gehalten und auf ein ca. DIN-A3-großes Papier gedruckt. In 17 Schritten wird der gesamte Bau weitestgehend verständlich erklärt. Während die Vorderseite noch zweisprachig (Russisch und Englisch) gehalten ist, werden die Erläuterungen einzelner Schritte ausschließlich auf Russisch ausgeführt. Zum Glück gibt es Google Lens. Für Anfänger wird das Biegen der Ketten sowie das Bemalen einzelner Bauteile eine Herausforderung. Für die Bemalung gibt es einen extra Zettel, der farbig ausgeführt wurde. Da der Panzer von der Sowjetunion verwendet wurde, hat Zvezda neben US-amerikanischen auch sowjetische Bemalungsoptionen aufgeführt:
- Weiße „152“, sowjetisches 1. mechanisiertes Korps, Belarus, Juli 1944
- Weiße „203“, sowjetisches 244. Panzer-Regiment, Yalta, April 1944
- Weiße „8392“, Aberdeen Proving Ground, Maryland, USA, Dezember 1943
- „Caesar“, weiße Nummer „C40“, 2. Panzer-Bataillon, US Marines Corps, Tinian, Marianeninseln, Juli 1944
Als Farbsysteme werden Zvezda und Tamiya angegeben. Die Angabe, dass die US-amerikanischen und sowjetischen Shermans dasselbe Olivgrün verwenden sollen, sollte kritisch hinterfragt und mit Literatur abgeglichen werden.
Die Decals sind sauber auf einem mittelstarken Film gedruckt. Da nur weiß verwendet wurde, ist kein Versatz vorhanden.



Fazit:
Zvezda hat mit diesem Sherman einen soliden Bausatz herausgebracht, der gerade aufgrund seiner fein abgespritzten Details überzeugt. Wer seinen Panzer detaillierter oder mit offenen Luken darstellen möchte, wird jedoch noch einige Anpassungen vornehmen können.
Der Bausatz richtet sich aufgrund seines Snap-Kit-Designs vor allem an Anfänger. Diese können den Sherman durchaus bauen – jedoch sollten sie genau die Anleitung studieren und einen erfahrenen Modellbauer zur Seite haben.
Erhältlich ist der Bausatz für ca. 13 € beim gut sortierten Modellbaufachhändler.
Philip Koch, Godern (April 2026)

