Das Modell ist endlich fertig, perfekt gelungen und man will nur noch eine Figur daneben stellen, die gut dazu passt. Oder man hat sich an einem Foto vom Original orientiert und will genau dieses in einem kleinen Diorama umsetzen. Bei der Suche nach der Wunschfigur muss man dann aber feststellen, dass es weder eine passende Figur in Spritzguss gibt, noch etwas Stimmiges von Kleinserienherstellern in Resin angeboten wird. Sofern man über ausreichende Kreativität und Modellbau Erfahrung verfügt, ist das kein großes Drama. Man sucht sich eine halbwegs passende Figur aus seinem Fundus und nach „chirurgischen“ Eingriffen an Armen und Beinen mit einer Mikrosäge, werden diese dann mit einer Drahtverstärkung neu arrangiert und die Übergänge mit Spachtelmasse gefüllt und sauber verschliffen. Wenn es dann noch Besonderheiten an der Uniform oder den Ausrüstungsgegenständen geben sollte, kann man das auch noch berücksichtigen und umgestalten. Und für den Kopf findet sich sicherlich noch etwas Passendes im Sortiment von Hornet. Hört sich einfach an? Leider ist dieser Aufwand oft nicht unerheblich und das Ergebnis sieht dann meist anders aus als erhofft.

Mit Hilfe von künstlicher Intelligenz (KI) eröffnen sich inzwischen genau zu diesem Problem völlig neue Optionen, was ich hier mit Hilfe eines Beispiels konkret vorstellen möchte.

Bei einem meiner letzten Modellbauprojekte wollte ich eine Szenerie vom Spanischen Bürgerkrieg darstellen, in der auch Figuren der Legion Condor eingesetzt werden sollten. Ein Foto für eine der gewünschten Figuren hatte ich relativ schnell gefunden und los ging es mit der Suche. Es sollte ein deutscher Soldat mit normaler Hose und Hemd werden, der einen Chambergo (Spanischer Schlapphut) trägt. Unter Verwendung verschiedener Figurenbauteile und einem passenden Head Set von Hornet ist es mir tatsächlich gelungen, eine Figur entsprechend zu erstellen. Allerdings war meine ursprüngliche Idee, die Figur genau wie auf dem Foto abgebildet zu realisieren. Der Aufwand wäre allerdings deutlich höher gewesen. Nach einem Chat mit einem meiner Modellbaufreunde, machte er mir einen interessanten Vorschlag, denn er beschäftigte sich bereits seit einiger Zeit damit, KI als Unterstützung für seine Projekte zu nutzen. Er erhielt nun das Foto meiner Wunschfigur und begann mit dem KI-gestützten 3D Design.

Im ersten Schritt wurde das schwarz weisse Foto vom Original mit einer vergleichsweise einfachen Software nachkoloriert und der Kontrast erhöht, wodurch viele der kleinen Details deutlich besser erkennbar wurden.


Im darauf folgenden Schritt hat er mit Hilfe von ChatGPT Mehrseiten Ansichten der Figur erstellen lassen. Wie ich ihn verstanden habe, handelt es sich dabei noch um kein 3D Modell, sondern lediglich um einen Vorgang, mit dem fehlende Informationen, wie zum Beispiel die Rückseite der Figur ergänzt werden. Das Ergebnis hat mich extrem beeindruckt. Hier ist jedoch darauf zu achten, dass die KI nicht fantasiert und fehlende Bereiche unlogisch oder falsch ergänzt. Man nennt diesen Vorgang „KI-Halluzination“. Konkret an diesem Beispiel hat KI tatsächlich die beiden Daumen der Hände, die man von vorne nicht sehen kann, in der Rückenansicht ergänzt. Das erscheint für einen Menschen logisch, ist aber nicht zwingend so für die KI.


Das Ganze ist leider nicht so trivial, wie ich es mir vorgestellt hatte, denn unter Verwendung eines anderen Fotos habe ich mich auch daran versucht, um den Prozess nachvollziehen zu können. Die ersten Ergebnisse waren nicht schlecht, aber anscheinend fehlt mir das Verständnis, welche Anweisungen und Rückmeldungen an die KI erforderlich sind, um den Output kontinuierlich zu verbessern. In meinem Fall war es ein echter Zick-Zack Kurs, bei dem es an der einen Stelle tatsächlich stimmiger, aber dafür an anderen Stellen verschlimmbessert wurde. Nach 5 Optimierungsversuchen war das Ergebnis dann schlechter als am Anfang und die KI teilte mir mit, dass ich eine Pause machen solle und ich das Projekt erst in 24 Stunden fortsetzen könne. Hintergrund dazu ist, dass ich die Free-Ware genutzt habe und die anfallende Rechenleistung Zeit-Limitationen hat. Mein Fazit zu diesem Thema: Entweder ich versuche besser zu verstehen, wie man am besten mit der KI kommuniziert oder ich überlasse das einem Experten.

Im nächsten Schritt hat mein Modellbaufreund ChatGPT ein Script (darin stehen exakte Vorgaben wie Maßstab, Einzelheiten zum Thema Uniform, Hut, etc) erstellen lassen, mit dem dann ein spezielles 3D Programm (Meshy) zum Design von Figuren zusammen mit den Abbildungen „gefüttert“ wurde.

Auch hier war das erste Ergebnis nicht perfekt, aber nach einigen Iterationen konnte er mir schließlich ein beeindruckendes und stimmiges 3D Design bzw. eine Druckdatei im STL Format präsentieren. Ich war völlig baff, denn das Ergebnis stimmte nahezu perfekt mit dem Original überein.


Vor kurzem habe ich eine Firma (Linden Models) im Internet entdeckt, die sich in Richtung 3D Druck von Figuren spezialisiert hat und diese mit absolut perfekten Oberflächen produziert. Nach einer Anfrage konnte ich einen Druckauftrag für die Figur platzieren und 7 Tage später wurde mir schon ein kleines Päckchen zugestellt. Hier möchte ich betonen, dass ich mit dem gesamten Prozess extrem zufrieden war, denn meine Anfrage wurde extrem schnell beantwortet, ich habe noch klärende Rückfragen zum Auftrag erhalten und bereits am nächsten Tag einen Screen Shot des 3D-Modells, wie es für den Druck vorbereitet wurde. Nach meinem OK wurde der Druck sofort gestartet und bereits am nächsten Tag verschickt. Das nenne ich einen perfekten Service!

Fazit: Mit KI-Unterstützung eröffnen sich völlig neue Optionen in Bezug auf das Design von Wunschfiguren. Wie ich im Internet nachlesen konnte, ist es inzwischen sogar möglich, nur auf Basis eines Passfotos Figuren zu personalisieren. Man kann damit beispielsweise eine beliebige Figur mit einem Wunschgesicht produzieren lassen.

Sofern es aber um das komplette Design von Figuren unter Verwendung von Originalaufnahmen geht, ist es nicht so einfach, wie ursprünglich angenommen. Mein Modellbaufreund will sich mit dem Thema noch eingehender beschäftigen, denn er hat dazu auch noch die eine oder andere Idee, wie man den Vorgang effizienter gestalten kann, um schneller akzeptable Ergebnisse zu erzielen. Denn neben dem reinen Zeitaufwand dafür bekommt man den Rechenaufwand in den Profi-Versionen von ChatGPT und Meshy nicht für lau, sondern man muss dafür mit Credits oder Nutzungsgebühren bezahlen. Je mehr man diesen nutzt (Anzahl der Iterationsschritte), desto teurer wird das Ganze.

Als nächstes stehen Pilotenfiguren der Legion Condor auf meiner Wunschliste, die ich dann in 1:48 und 1:32 drucken lasse.


Gert Brandl, Berlin (August 2026)

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