Vorbild:
Der Leopard 2A6M CAN war ein Resultat des Sofortbedarfs Kanadas für den Einsatz in Afghanistan. In diesem nutzte Kanada bereits den Leopard C2, eine Variante des älteren Leopard 1. Anstelle der beabsichtigten Stryker-Beschaffung entschied man sich aufgrund der positiven Erfahrungen mit den Kampfpanzern sowie der hohen Bedrohungslage, u. a. durch improvisierte Sprengsätze (IEDs), zum Leasen von Leopard 2. Hierzu wurden 20 A6 aus den Beständen der Bundeswehr auf den Stand A6M gebracht. Diese sind durch eine Bugplatte und innere Schutzmaßnahmen wie Entkopplung der Bedienersitze stärker geschützt gegen die Bedrohungen von Sprengsätzen. Ergänzt wurden diese Panzer um kanadische Spezifikationen wie eine Käfigpanzerung, ein Baracuda-Tarnsystem, kanadische Funkgeräte und Antennen, einen Sturmgewehr-Staukasten zwischen EMES und Kommandantenluke, einen Counter-IED-Störsender, eine Kühlhutze für die EWNA sowie die Programmierung für Kartätschmunition. Die Besatzungen erhielten zudem Kühlwesten. In Afghanistan wurden weiterhin Maschinengewehre des Typs C6 GPMG sowie Vorrichtungen für Minenpflüge oder -roller ergänzt. Diese auf asymmetrische Szenarien ausgelegten Konfigurationen bewährten sich mehrfach bei Anschlägen und anschließenden Gefechten mit der Taliban.

Kanada kaufte zudem weitere A4, die umfassend modernisiert wurden. Die kurze L44 wurde für asymmetrische Szenarien wie Orts- und Häuserkampf beibehalten, jedoch wurden die Panzerung und viele Systeme auf den Stand des A7+ gebracht. Die 20 geleasten A6M CAN wurden für symmetrische Gefechtssituationen beibehalten – der Bundeswehr wurden stattdessen niederländische Leopard 2A6 gekauft und umgerüstet.

Quelle:
Wikipedia. (2025). Leopard 2. https://de.wikipedia.org/wiki/Leopard_2

Bausatz:
Trumpeter brachte im Maßstab 1/72 in vergangener Zeit eher vereinfachte, schnell zu bauende Modelle heraus. Zu diesen reiht sich die Leopard-2-Serie ein, inklusive des 2A6M CAN.
Der Bausatz kommt im typischen stabilen Trumpeter-Stülpkarton daher. Darauf abgebildet ist ein gebautes Modell, das schon allein wegen der auffällig gefärbten Käfigpanzerung Neugier aufkommen lässt. In der Schachtel befindet sich der gleiche Inhalt wie im Basisbausatz des A6, ergänzt um einen Rahmen für Spezifika des 2A6M CAN und passende Decals. Insgesamt sind also zwei graue Spritzgussrahmen, die einzeln beiliegenden Wannenteile, Laufwerke und Turmhälften, eine Bau- und Bemalungsanleitung sowie der Decalbogen enthalten. Löblich ist, dass Spritzgussrahmen und Wannenteile nicht nur eingeschweißt, sondern zusätzlich mit Schaumfolie geschützt werden. Die Qualität des Spritzgusses fällt gut aus. Auswerfermarkierungen und Sinkspuren sind keine vorhanden, der Flash hält sich sehr in Grenzen. Auch erstaunlich ist, wie filigran manche Teile sind, obwohl es sich um Plastikspritzguss handelt. So sind die Verstrebungen der Heckstaukästen am Turm derart dünn gehalten, dass sie nicht ersetzt werden brauchen. Die Detaillierung der Teile ist teilweise sehr gut, teilweise aber auch deutlich vereinfacht. Dies ist wohl dem Konzept der Schnellbausätze und womöglich auch so manchem Recherchefehler geschuldet.

Der Bau beinhaltet die gleichen Schritte wie beim A6. Meine Anmerkungen und Verbesserungsvorschläge bleiben somit gleich. Neu sind die Teile des Rahmens H, also die kanadischen Modifikationen. Die Platte des A6M wird einfach an die Wanne geklebt. Das wohl offensichtlichste Merkmal der kanadischen Ausführung ist die Käfigpanzerung. Hierfür liegen 6 Gitter bei, die jeweils als ein Teil inklusive der Halterungen ausgeführt sind. Die Lamellen des gebauten Modells auf dem Bausatzcover sehen ziemlich dünn aus – fast schon realistisch proportioniert. Beim Betrachten der gelieferten Spritzgussteile tritt leider Ernüchterung ein: die Teile sind zwar sauber, aber auch bedeutend breiter ausgeführt. Da sich das gebaute Modell auch in anderen Details, etwa den Turmhebeösen, unterscheidet, gehe ich davon aus, dass hier kein Serienmodell verbaut wurde, schade! Das gelieferte Modell kann trotzdem eine solide Ausgangsbasis bieten – entweder man baut es einfach so und hat ein robustes Modell oder man macht sich die Mühe und schleift die Lamellen dünner. Die weiteren Änderungen betreffen u. a. die Antennenfüße und Staukästen auf dem Turmdach. Die Antennen selbst liegen nicht bei und müssen selbst ergänzt werden. Die Bauanleitung geht hierauf leider nicht ein. Als Fla-MG liegt ein MG3 bei, was zu den mit vorliegenden Bildern des A6M CAN in Afghanistan passt. Das Baracuda-System ist nicht enthalten – auch hier gab es Panzer in Afghanistan, die nicht mit diesem ausgestattet waren. Gänzlich falsch ist allerdings die Ausführung der Mehrfachwurfanlage MWA. Die im Bausatz beiliegende ist in der alten Konfiguration 4+4, wie sie beim A6 ursprünglich verbaut wurde. Am originalen A6M CAN wurde jedoch die Konfiguration 6+2 verbaut. Hier muss der Modellbauer also Ersatz beschaffen, wenn er Wert auf Detailtreue legt. Wieder einmal schade, zumal noch genügend Platz am Spritzgussrahmen H freigewesen wäre.

Die Bauanleitung besteht aus einem schwarz-weiß bedruckten Papierheft. Der Bau wird in 5 Schritten und mehreren Teilschritten ausreichend erklärt. Für die Bemalung dient das letzte schwarz-weiße Blatt der Bauanleitung sowie der farbige Druck auf dem Kartondeckel. Als Farbsysteme werden Mr. Hobby, Acyvision, Vallejo, Model Master, Tamiya und Humbrol aufgeführt, wobei mehrere dieser Systeme keine Angaben haben! Leider gibt es zu der einen gezeigten Bemalungsvariante keine Vorbildinfos. Es handelt sich um dasselbe Fahrzeug wie im HobbyBoss-Bausatz in 1/35.
Der beiliegende Decalbogen ist dementsprechend auch nur verkleinert worden. Der Druck ist sauber und der Trägerfilm sieht dünnwandig aus.

Fazit:
Trumpeter bringt mit diesem Leopard 2A6M CAN einen Bausatz auf dem neusten Stand der Zeit heraus, der jedoch stellenweise stark vereinfacht oder schlecht recherchiert ist. Meines Wissens handelt es sich um den einzigen A6M CAN im Maßstab 1/72. Für ein kurzes Vergnügen ist dieses Modell gut geeignet. Wer Wert auf eine ansprechende Detaillierung legt, sollte jedoch Teile anderer Bausätze oder vom Zubehörmarkt nutzen.

Erhältlich ist der Bausatz für ca. 14-18 € beim gut sortierten Modellbaufachhändler oder für Händler über Glow2B.

Philip Koch, Godern (März 2026)

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