Das Vorbild: 1939 wurde der Spähpanzer Autoblindo AB41 bei der Italienischen Armee eingeführt. Hauptaufgabe des Fahrzeuges war die Kontrolle und Überwachung der italienischen Kolonien Nordafrikas sowie der Dienst als gepanzerte Aufklärungseinheit bei den italienischen Kavalleriedivisionen. Der erste Kampfeinsatz des AB41 fand im Krieg in Italienisch-Libyen statt. Dank der fortschrittlichen Konstruktion war das Fahrzeug auch bei den Soldaten des Deutschen Afrikakorps sehr beliebt. Der AB41 bewährte sich auch bei den Kämpfen auf dem Balkan sowie bei den späteren Gefechten gegen Partisanen.
(Auszug aus Wikipedia)
Der Bausatz: Einen Bausatz des italienischen Spähpanzers AB41 im Maßstab 1:35 gibt es seit 2005 von der Firma Italeri. Dieser Bausatz wurde damals hoch geschätzt, da es davor lediglich teure Resin Bausätze aus den Schmieden von ADV Azimut und Crielmodel gab. Seit dieser Zeit veröffentlichte Italeri den Bausatz mehrmals unter anderem in Kooperation mit Tamiya und erweiterte mit zusätzlichen Bauteilen die Modellpalette auch um die Versionen AB40 und AB43. Die Qualität der Bausätze konnte als gut bewertet werden, jedoch wurde es empfohlen, sich Zurüstsätze für die Räder und Aussendetails zu kaufen, sofern man ein wirklich überzeugendes Modell bauen wollte.
Mehr als 20 Jahre später wagt sich endlich eine weitere Firma an dieses Fahrzeug. Es handelt sich dabei um die chinesische Firma Lanmo Model bzw. Heavy Hobby, die bereits diverse hochwertige Zurüst- und Umbausätze sowie einen neuen Plastikbausatz des russischen Spähpanzers BA-64b anbietet.
Die Bausatzteile befinden sich im Inneren eines stabilen Stülpkartons, dessen Deckel eine sehr professionell ausgeführte Grafik des Fahrzeuges in Wüstenumgebung ziert. Als Inhalt findet man sechs Spritzlinge aus cremegelben Plastik, drei aus schwarzem Plastik für die Reifen, einen klaren Gussast, einen Ätzteilebogen, Metallfedern, Metallröhren für die Rohre der Haupt- und Nebenwaffen, einen Bogen mit Abziehbildern, den Bauplan sowie ein Abdruck eines historischen Werbeplakates im Format DIN A5. In aktuellen Bausätzen liegt darüber hinaus ein Revisionsblatt für den Bauplan inklusive 3D gedruckte Teile für die obere Abdeckung des Fahrzeuges und noch zwei Luken bei.
Die Zuordnung der Bauteile pro Gussast sieht wie folgt aus:
A: Fahrzeugaufbauteile
B: Details für Fahrzeugaufbau
C (2x): Antriebsteile und Radaufhängung
E: Turmteile
H: Chassisrahmen
L (3x): Reifenteile
T: Klarsichtteile
Metallfeder
3 Kupferröhrchen für Waffenrohre
Ätzteilebogen
Abziehbilder




Die Qualität der Bauteile ist als sehr gut zu bezeichnen und auf den ersten Blick glaubt man – auch wegen der Farbe der Spritzlinge – einen Bausatz von Tamiya in Händen zu halten. Ob dies dann auch für die Passgenauigkeit gilt, wird sich beim Zusammenbau zeigen. Auswerfermarken sind vorhanden, aber lediglich in Bereichen, die man später am fertigen Modell nicht mehr einsehen kann. An den Innenseiten von Turm und dem Fahrzeugaufbau findet man diverse Nieten und Aufnahmebereiche für die separat erhältlichen Teile der Inneneinrichtung, worüber in einem separaten First Look informiert wird.



Ein Abgleich mit mir vorliegenden Maßstabszeichnungen ergibt eine sehr gute Übereinstimmung der Bausatzteile mit dem Original. Allerdings hätte ich mir gewünscht, dass die für die genieteten italienischen Fahrzeuge die typisch konischen Nieten, noch etwas knackiger dargestellt wären. Diese wirken mir etwas zu weich, sind aber deutlich besser repräsentiert als beim Italeri Bausatz. Die Platzierung der Nieten stimmt auch weitestgehend mit der am Original überein. Ich konnte lediglich einen Bereich seitlich am Turm finden, bei dem ein oder zwei Nieten fehlen. Dies ist aber insofern absolut kein Problem, weil Lanmo auf dem Gussrahmen des Turmes einige „Ersatznieten“ anbietet, mit denen man problemlos Lücken füllen kann. Ein echter Knackpunkt sind allerdings beim Turm die fehlenden seitlich angebrachten Sehschlitze bzw. deren Abdeckungsplatten. Da muss man auf Zubehör warten oder selbst Hand anlegen.
Sehr gelungen sind auch die Haupt- und Bordwaffen, die man im Fall geöffneter Luken bei diesem Fahrzeug auch gut einsehen kann. Und hier sind wir nochmals beim Thema Inneneinrichtung. Da alle Luken für den Innen- und Motorraum als separate Teile beiliegen, wünscht man sich natürlich eine entsprechende Inneneinrichtung, sofern man die Luken offen darstellen will. Dieser Wunsch wurde von Lanmo sehr professionell mittels eines separat erhältlichen Bausatzes erfüllt.


Für die Reifen findet man Plastikbauteile die im Sandwich-Verfahren zusammengebaut, ein perfektes und überzeugendes Profil ergeben. Ebenso gelungen sind die Klarsichtteile, die insbesondere für die mit separaten Klappen abdeckbaren Frontscheinwerfer sehr gut umgesetzt sind.



Beeindruckend finde ich die Idee, dem Bausatz neben den Ätzteilen (das kennt man ja inzwischen) auch Metallteile für die Federung und die Waffenrohre als Metallteile beizulegen. Genial! Die Abziehbilder wirken stimmig und sehr gut gedruckt.
Der Bauplan und Abziehbilder: Als Bauanleitung legt Lanmo ein 14-seitiges Heft im Format DIN A4 bei, das sicher und klar in 14 Bauabschnitten den Bauprozess begleitet. Neu zu ergänzende Bauteile werden dabei immer farblich hervorgehoben und zusätzlich anfallende Arbeiten entsprechend erläutert. Hier glaube ich jedoch, dass es sich nicht nur um generelle Hilfestellungen handelt, sondern auch um Korrekturmaßnahmen in Bezug auf ein nicht ganz perfektes Design der Bauteile. Wahrscheinlich wollte oder konnte man das bei den Formen nicht mehr korrigieren und behilft sich nun mit entsprechenden Anweisungen im Bauplan wie: „Bauteil x um 1 – 2 mm kürzen“.

Ein weiterer Beleg für meine Vermutung ist das beiliegende Revisionsblatt mit drei im 3D Druckverfahren hergestellten Teilen. Es handelt sich hier zum einen um die Dachplatte des Aufbaues, die bündig mit der Oberkante der Seitenteile zu verkleben ist und nicht oben auf den Seitenteilen, wie im Bauplan beschrieben. Demzufolge wurde das neue Bauteil in Bezug auf Länge und Breite etwas eingekürzt. Bei den beiden Luken handelt es sich zwar um keine Korrektur des Designs, jedoch fällt bei den identischen Plastikteilen auf, dass an beiden jeweils ein dünner Steg am Scharnier entweder nicht ausgespritzt wurde oder bei der Entnahme des Spritzlings aus der Form abgebrochen ist. Aber besser Gefahr erkannt und Gefahr durch Korrekturmaßnahmen gebannt, als auf diverse Reklamationen reagieren zu müssen.

Für die Bemalung und Gestaltung von sechs unterschiedlichen Fahrzeugen findet man sehr schöne Farbdarstellungen sowie eine Seite mit Detailaufnahmen vom Original. Eine Referenztabelle mit den Herstellbezeichnungen von Mr. Hobby, Tamiya, Humbrol und Model Master verweist auf die passenden Farben.
Die Optionen für die Fahrzeuge sind:
– Polizia del´Africa Italiana´s 6° Battaglione „Romolo Gessi“, Tunesia 1942
– Polizia del´Africa Italiana, Tunesia 1943
– Long Range Reconnaissance Patrol of the Bersaglieri, Libya 1941
– 15° Regimento Cavalleria of Brescia, Italy 1942
– Polizia del´Africa Italiana, Africa 1941
– Regio Esercito, II Gruppo Corazatto „Nizza“, 1st Squadron, 4th Platoon, Libya 1942


Fazit: Mit dem neuen Bausatz des AB41 von Lanmo wandert der entsprechende Bausatz von Italeri wahrscheinlich noch etwas weiter nach hinten im Regal, denn Lanmo hat nahezu alle Schwachstellen des alten Bausatzes behoben.
Eine wirklich geniale Idee dabei ist es, passende Bauteile für die Inneneinrichtung, separat für einen wirklich niedrigen Preis anzubieten. Damit muss man dies nicht mitbezahlen, sofern man ein geschlossenes Fahrzeug bauen will. Vielleicht wäre es noch eine gute Idee für den Hersteller einen Preisnachlass anzubieten, wenn man das Kombipaket kaufen will.
Übrigens wurde parallel zum AB41 auch ein Bausatz des AB40 veröffentlich, der sich erster Linie durch einen anderen Turm vom AB41 unterscheidet – und die Schienenversion sowie der AB43 werden sicherlich noch folgen.
Sehr empfehlenswert!
Erhältlich im gut sortierten Fachhandel.
Gert Brandl, Berlin (April 2026)
Referenzliteratur:
Autoblindo AB 41 & AB 43, Daniele Guglielmi, Armor PhotoGallery


