Vorbild:
Die 8-Pfünder-Kanone des Gribeauval-Systems entstand im Zuge der umfassenden Reform der französischen Artillerie in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts unter Leitung von Jean-Baptiste Vaquette de Gribeauval und wurde ab 1765 eingeführt. Ziel war es, die bislang schwerfälligen Geschütze durch standardisierte, leichtere und beweglichere Systeme mit einheitlichen Kalibern (4-, 8- und 12-Pfünder) sowie verbesserten Lafetten und Richtmitteln zu ersetzen. Der 8-Pfünder nahm dabei eine mittlere Rolle ein und wurde vor allem in Linien- und Divisionsartillerie eingesetzt, wo er als vielseitiges Feldgeschütz zur Unterstützung der Infanterie diente. Bedient wurde ein Geschütz von mindestens 6 Mann – für einen effizienten Einsatz und Transport waren es bis zu 13 Mann, inklusive 8 Schützen, die für Laden, Richten und Bedienung der Lafette verantwortlich waren. Erste Einsätze erfolgten im Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg, seine größte Bedeutung erreichte das System jedoch während der Revolutions- und Napoleonischen Kriege, in denen es das Rückgrat der französischen Feldartillerie bildete. Ab etwa 1803 wurde das Gribeauval-System schrittweise durch das System An XI ergänzt und teilweise ersetzt, blieb jedoch noch über Jahre parallel im Einsatz. Insgesamt erwies sich der 8-Pfünder als ausgewogenes und zweckmäßiges Geschütz, das Beweglichkeit und Feuerkraft in einem für die damalige Gefechtsführung passenden Verhältnis vereinte. (KI-unterstützt)
Quellen:
Chartrand, R., & Hutchins, R. (2003). Napoleon’s Guns 1792–1815. Osprey Publishing.
Canon de 8 Gribeauval. (2025). In Wikipedia. https://en.wikipedia.org/wiki/Canon_de_8_Gribeauval




Bausatz:
Mit diesem Bausatz wagt sich Hauler erstmals an den Maßstab 1/32. Dieser Maßstab, auch bekannt als 54 mm, ist unter Liebhabern historischer Figuren sehr populär. Für diese bringt Hauler einen hochdetaillierten Gribeauval-8-Pfünder heraus.
Die Teile werden in einem grauen, ausreichend stabilen Faltkarton geliefert, auf dem ein Aufkleber das fertig gebaute Geschütz zeigt. In dem Karton befinden sich 37 graue, gegossene Resinteile, 4 graue Resindruckteile, ein Fotoätzteilbogen sowie die Bauanleitung. Die Teile sind in Tüten verpackt und zusätzlich durch Schaumstoffpolster gegen Beschädigungen geschützt. Die Resinteile sind in 3D erstellt und gedruckt worden, wobei bis auf zwei Ausnahmen alle Teile als Resinabgüsse vorliegen. Der Guss fällt sauber aus. Es sind kaum Blasen oder Fischhäute vorhanden. Jedoch wurden bereits im 3D-Druck einige Formtrennwände eingebaut, die es am Modell zu entfernen gilt. Leider treten diese auch an einigen detaillierten Unterseiten wie denen der Räder und Lafetten auf, weshalb beim Versäubern besondere Vorsicht geboten ist. Die 3D-Druck-Schichtlinien sind an einigen Güssen noch erkennbar und müssen ebenfalls nachbehandelt werden. Verzug tritt nur bei einigen wenigen schmalen Teilen auf. Betroffen sind hier vor allem die Wischstöcke. Ein warmes Wasserbad und vorsichtiges Biegen sollten hier reichen. Die Teile zeigen, dass Hauler großen Wert auf Details gelegt hat. Die gut gestalteten Resinteile werden an Stellen, wo der Guss nicht mehr stabil genug gewesen wäre, um Ätzteile ergänzt. Das wird sich später, etwa beim Transport des fertigen Modells, als nützlich erweisen.


Der Zusammenbau beginnt mit dem Geschützrohr und dem Zubehör und führt anschließend zur Lafette. Die Richtschraube zum Höhenrichten kann so verbaut werden, dass die Kanone in einem beliebigen Winkel justiert bleibt. Viele der Ätzteile müssen noch gebogen und einige Resinteile aufgebohrt werden. Die Bauanleitung geht hierauf genügend ein und auch die Durchmesser der Bohrlöcher werden lobenswerterweise angegeben. Auf den Lafettenholmen wird das Coffret (die Kiste zum Transport von Munition und Pulverladungen) befestigt. Leider liegt dieses nur als massiv gegossenes Teil bei und lässt sich folglich nicht geöffnet darstellen. An den Lade- und Wischstöcken werden die Köpfe separat angeklebt. Das wirkt sich positiv auf das spätere Gesamtbild aus. Besonders gelungen sind hier die filigranen 3D-gedruckten Schrauben für den Kugelzieher und der Wischstock. Die Ketten sind als Ätzteile ausgeführt und sollen gebogen werden. Wer den Detaillierungsgrad noch weiter erhöhen möchte, kann diese durch Messingketten, etwa aus dem Schiffsbaubedarf, ersetzen. Auch können einige flache Ätzteile, wie die Haken und Halterungen, mit Spachtelmasse in eine rundere Form gebracht werden, da diese im Original geschmiedet waren. Für ein Diorama bieten sich natürlich noch Figuren oder auch Munitionswagen an. Hier bietet der Markt bereits eine breite Auswahl.

Die Bauanleitung besteht aus einem etwa DIN-A4-großen schwarz-weiß bedruckten Blatt. Der Zusammenbau wird in 17 Schritten dargestellt. Hinweise zur Bemalung gibt es in der Anleitung mit allgemeinen Farbangaben (französisches Artilleriegrün, Schwarz und Bronze) ohne Bezug zu einem modernen Farbsystem – das ist bei vielen Herstellern historischer Figuren so üblich. Zudem hilft die farbige Abbildung auf dem Karton. Auf der Herstellerseite sind diese Bilder des gebauten Geschützes zu sehen:


Fazit:
Haulers erstes historisches Geschütz im Maßstab 1/32 fällt sehr schön detailliert aus. Es gibt bereits eine Reihe von Gribeauval-Geschützen in diesem Maßstab, meist aus Zinn oder Plastik. Diese fallen jedoch nicht so filigran aus. Bleibt zu hoffen, dass Hauler noch weitere Kaliber und Geschütze anderer Nationen herausbringen wird.
Der 8-Pfünder richtet sich aufgrund der Resin-, 3D-Druck- und Ätzteile ausschließlich an erfahrene Modellbauer und ist diesen sehr zu empfehlen!
Erhältlich ist der Bausatz für ca. 40 € beim gut sortierten Modellbaufachhändler, Hauler direkt oder für Händler über Glow2B.
Philip Koch, Godern (März 2026)

