Geschichte: Die Fw 190D-9 unterschied sich von den A- und F-Reihen der Fw-190 durch den Wechsel vom Sternmotor BMW 811 zum Reihenmotor Jumo 213 und einer 50-cm-Verlängerung des hinteren Rumpfes durch Einsetzen eines tonnenförmigen Teiles. Von der „Dora“ flogen mindestens 700 Maschinen ab Sommer 1944 und ermöglichten der Luftwaffe, wieder mit den alliierten Begleitjägern mitzuhalten, auch in Höhen über 6000m.  Die Fw 190D-9 war bis zu 700 km/h schnell und wies zwei 20mm MG 151 in den Flügeln und zwei 13mm-MG über dem Motor auf. Der Begriff Mimetall meint die Mitteldeutschen Metallwerke in Erfurt, die einen Teil der Produktion der Fw 190D übernahmen.

Fw 190D-9-Bausätze im 48er Maßstab kamen zunächst 1971 von Fujimi auf den Markt, diese wurden bis 1996 produziert. Ab 1987 zog Trimaster nach, deren Bausätze zunächst auch von DML und Dragon, später von Hasegawa, Revell und Italeri aufgelegt wurden. Seit 1995 produziert Tamiya seine Fw 190D-9, Eduard zog 2010 nach und 2013 schließlich auch Hobby Boss (Quelle Scalemates).

Der vorliegende Bausatz wird in einem ziemlich großen flachen Stülpkarton ausgeliefert mit einer computergenerierten Darstellung zweier Doras des JG 301 im Flug über den Wolken. Der Inhalt besteht aus zwölf verschieden großen Gießästen mit 177 mittelgrauen Teilen und einem klaren Gießast mit fünf Teilen. Alle Gießäste sind in einem nicht wiederverschließbaren Kunststoffbeutel verpackt, die Glasteile haben einen eigenen kleinen Beutel. Die Angüsse sind relativ fein, die Oberflächendetails der grauen Teile sind durch teils sehr tiefe, aber gleichmäßige Gravuren, zahlreiche feine versenkte Nieten, Schnellverschlüsse und ein paar erhabene Details dargestellt. Einige Auswerfermarkierungen finden sich im Inneren der Bauteile. Die Glasteile sind dünn, aber durch die starke Wölbung der Cockpithaube teils etwas verzerrt. Zum Bausatz gehören ein kleiner Decalbogen sowie eine farbige Bauanleitung, die die zwei Bemalungsanleitungen in Vierseitenansichten zeigt, sowie einen Teileplan, dem sechs Seiten Bauanleitung, ein Stencilplatzierungsplan und ein Bewaffnungsplan folgen.

Für das Cockpit findet man Sitzteile mit angegossenen Gurten. Das Cockpit setzt sich ansonsten aus zehn hochdetaillierten Teilen zusammen, für das Instrumentenbrett und die Seitenkonsolen gibt es Instrumenten- und Gerätedecals. Sehr schön ist die Darstellung der Rückseite des Motors, welche ja bekanntermaßen von unten durch den Fahrwerkschacht zu sehen ist. Es gibt allerdings auch Berichte, die behaupten, dass dieser Anblick nur durch ein fehlendes Abdeckblech, das bei der Übernahme der Fw 190D-9 durch US-Truppen verloren gegangen ist möglich wurde! Die Motorhaubenfront besteht leider aus vier Vierteln, was den Zusammenbau verkompliziert. Leider sind die Auspuffrohre nicht ausgebohrt. Die Hauptfahrwerksschächte bestehen aus zwanzig Einzelteilen einschließlich der Flügelwaffen, die, ebenso wie die Rumpfwaffen aufgebohrt sind. Alle Ruder einschließlich der Landeklappen sind separate Teile, ebenso die Höhenruder. Das linke Querruder Teil A56 zeigt einen Gussfehler, bei dem die Längsrippen unvollständig dargestellt wurden.  Die Flügelwaffen haben eine korrekt geformte Abdeckung mit leicht abgeflachten Seiten. Die Hauptfahrwerksräder bestehen aus zwei Hälften und sind mit lesbaren Beschriftungen „Continental“ versehen. Die Räder sind nicht abgeflacht, und es gibt keine abgesenkten Fahrwerksbeine. Dafür gibt es Extrateile für die Darstellung eingefahrener Fahrwerksbeine und des eingezogenen Spornrades. Der Propeller hat korrekt geformte breite Blätter, deren hinterer Rand weiter als bei den Propellern anderer Anbieter bis zum Spinner reicht. Drei Spinnermodelle sind vorhanden, ein kürzerer und zwei längere mit oder ohne Öffnung an der Spitze, und diese deuten auf die Möglichkeit weiterer alternativer Bausatzvarianten!   

Ein positives Detail fällt am hinteren Rumpf auf, die „Tonne“ hatte beim realen Vorbild eine Naht, die seitlich nach rechts versetzt war. Das hat man beim Kit ebenfalls berücksichtigt! Es gibt Klarteile sowohl für die geschlossene wie für die offene, schmalere Darstellung der Cockpithaube. Insgesamt sind die Hauben jedoch etwa einen halben bis einen Millimeter schmaler als die anderer Anbieter. Wer dabei recht hat, ist schwer zu sagen. Die letzten Baustufen befassen sich mit den Zuladungen. Es gibt drei Typen Bomben und zwei verschiedene Typen Zusatztanks. Für letztere sind die Zuleitungen selbst aus Draht anzufertigen. Gleiches gilt auch für die Fahrwerksindikatoren, die ebenso selbst hergestellt werden sollen.

Wenn man so weit gekommen ist, bleiben noch die Bemalung und die Decals:

Der Decalbogen von Cartograph aus Italien ist randscharf und seidenmatt glänzend auf hellblauem Papier gedruckt, die Farbe ist deckend und auch die zahlreichen kleinen Wartungshinweise sind lesbar. Die Instrumentendecals sind entweder mit klarem oder RLM66-Hintergrund ausgeführt. Ein nettes Gimmick sind zwei verschiedene weiße Spinnerspiralen. MiniArt weist bei den Farbempfehlungen auf Alternativen von Vallejo, Gunze, AK, Mission, Ammo MIG und Tamiya hin und nennt auch noch die Trivialnamen der Farbtöne, das ist Spitze! Geboten werden:

Variante 1: WNr. 500666, „Gelbe 15“, III./ JG 301, in RLM 81 Braunviolett und RLM 82 Hellgrün auf dem Rumpf und RLM 76 Hellblau und RLM 81 auf den Tragflächen über RLM 76 und Aluminium auf dem Unterrumpf mit einem schwarzen Spinner mit weißer Spirale und gelb-rotem Reichsverteidigungsband;

Variante 2: „Weiße 12“, WNr. 500408, 5./ JG 301, Deutschland Mai 1945, in RLM 81 Braunviolett und RLM 82 Hellgrün auf dem Rumpf und auf den Tragflächen über RLM 76, RLM 81 und Aluminium auf dem Unterrumpf mit einem schwarzen Spinner mit weißer Spirale und gelb-rotem Reichsverteidigungsband;

Fazit: MiniArt bietet mit diesem Kit das mit Abstand detaillierteste 1/48-Modell von diesem Vorbild, leider bezahlt man das aber an manchen Stellen mit einem gewissen Over-Engeneering. Die Oberflächen von Rumpf und Tragwerk sind fantastisch, zeigen jedoch zu tiefe Gravuren, was aber mit Spachteln und Schleifen ausgeglichen werden könnte. Empfehlenswert für Fans der „Dora“, aber wegen der vielen kleinen Teile nur für Modellbauer mit etwas Erfahrung!   

Literatur (Auswahl)

The Focke-Wulf Fw 190D and Ta 152, A Complete Guide To The Luftwaffe´s Last Piston-Engine-Fighters by Richard A. Franks, Valiant Airframe & Miniature, 2012;

Walk Around Fw 190D, Walk Around Number 10, squadron/signal publications, 1997

Utz Schißau, Berlin (April 2024)

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