Vorbild: Die CAC CA-9 Wirraway (das bedeutet in der Aboriginessprache Kampf oder auch Herausforderung) basierte auf der North American T-6 Harvard, aber mit signifikanten Änderungen. So konnte die Wirraway auch als leichtes Kampfflugzeug eingesetzt werden. Dazu wurde sie mit zwei vorwärts feuernden MG sowie einem nach hinten gerichteten MG ausgerüstet. Daneben hatte sie zwei Unterflügelstationen für Abwurfwaffen. Die Hauptaufgabe der Maschine war allerdings die Fortgeschrittenenausbildung neuer Piloten. Es wurden insgesamt 755 Flugzeuge ausschließlich für die australische Luftwaffe RAAF gebaut, die sie von 1939 bis 1959 einsetzte.
Modell: Special Hobby hatte diesen Bausatz als Short Run-Formenneuheit 2008 herausgebracht, mit einer zweiten Auflage 2016 und einer dritten 2024. Wer das Modell bauen möchte und keines mehr findet, muss voraussichtlich bis 2032 auf die nächste Auflage warten.


Das Modell wird in einer stabilen Box mit einem abnehmbaren Deckel geliefert. In der Schachtel finden sich drei Gussäste mit den in einem mittelgrauen Ton gehaltenen ca. 60 Plastikteilen. Auf der satinierten Oberfläche sind die Panellines und die wenigen Niete gut zu erkennen. Das Plastik ist eher von der harten Sorte, das sollte für eine ausreichende Stabilität der Fahrwerksbeine sorgen. Dazu gibt es eine verschließbare Plastiktüte mit Resinteilen bzw. den Klarsichtteilen, einen kleinen Bogen mit den Fotoätzteilen und einen Azetatfilm mit den Instrumenten. Komplettiert wir das Paket mit einem Decalbogen sowie der farbigen Bauanleitung.

Das Cockpit wirkt vollständig mit dem Boden, dem seitlichen Gittergerüst und den teilweise als Resinguss beiliegenden Bedienelementen. Die Gurte werden durch PE-Teile dargestellt. Der Motor ist ein detailreicher Resinguss, der einen hervorragenden Eindruck macht. Zu ergänzen wären aber unbedingt noch dessen Zündkabel und die Stößelstangen, da er sehr gut einsehbar ist.

Das Armaturenbrett ist eine Sandwichkonstruktion aus einem Plastikteil, dem Azetatfilm und zwei PE-Teilen. Die Sitze sind aus Resin und müssen durch die Metallgurte ergänzt werden. Der hintere Sitz war im Vorbild drehbar, damit der hinten Sitzende gegebenenfalls das MG bedienen konnte. Bei Special Hobby wurde dies nicht richtig umgesetzt.

Das Spornrad liegt zweifach bei, einmal als Plastikteil und einmal in Resin. Ersteres soll laut Internetkommentaren zu klein sein, letzteres zu groß. Ein Blick in die Ersatzteilbox bietet sich hier also an. Da es sich um einen Shortrun-Bausatz handelt, fehlen die Passstifte. Alles soll stumpf verklebt werden. Zumindest beim Höhenleitwerk würde ich eine Verstiftung empfehlen.

Die Klarsichtteile sind gut, aber nicht überragend. Bei den beiden Landescheinwerfer ist ein wenig Flash zu erkennen, die Plastikteile sind frei davon. Die Cockpithaube ist leider einteilig. Die Australier flogen aber zumeist offen ohne den hintersten Abschnitt. Da wird man nicht ohne Sägearbeiten auskommen. Als Trostpflaster werden vier Handgriffe aus PE für die Innendetaillierung der Haube mitgeliefert.

Bauanleitung/Bemalung: Die Bauanleitung ist farbig und auch erfreulich eindeutig. Sie führt in 13 Schritten zum fertigen Modell. Die letzten Seiten zeigen die beiden verfügbaren Markierungen, eine in Trainergelb, die andere im bekannten australischen Foliage Green mit weißem Heck und Tragflächenvorderkanten. Die Farbangaben gelten für die Farbenreihe von GUNZE, wobei die Cockpitfarbe allerdings mit Grüngrau angegeben ist. Aluminium wäre hier richtig. Zu den beiden Maschinen werden Angaben zu deren Einsatzgeschichte gemacht.



Der Decalbogen von Aviprint ist auf hellblauem Trägerpapier gedruckt. Die Farbsättigung ist sehr gut, die Decals sind glänzend gehalten. Der Druck ist scharf, selbst die kleinen Stencils sind lesbar.
Fazit: Der Bausatz von Special Hobby ist ein schönes, verhältnismäßig einfach zu bauendes Modell mit einem gut detaillierten Innenraum und einem stimmigen Äußeren. Er ist nicht fehlerfrei. Da es sich um einen Shortrun-Kit handelt, wird man um Sorgfalt beim Ausrichten der Teile nicht herumkommen.
Von mir kommt eine klare Empfehlung für den erfahrenen Modellbauer. Für Hobbyanfänger weniger, da die Verarbeitung von Fotoätzteilen und Resinteilen etwas Erfahrung benötigt. Aufgrund der überschaubaren Teilezahl eignet sich die Wirraway gut als Motivationsschub zwischen zwei langwierigen Bauprojekten.
Ronny Fischer (+) & D. J. Schiller, Berlin (Januar 2026)

