Vorbild: Die de Havilland DH.94 Moth Minor entstand Ende der 1930er-Jahre als moderner Nachfolger der klassischen Moth-Doppeldecker. Der zweisitzige Tiefdecker flog erstmals am 22. Juni 1937 und sollte bei ähnlicher Leistung einfacher zu warten und aerodynamisch günstiger sein als die verspannten Vorgängermuster. Die Konstruktion war überwiegend aus Holz aufgebaut, besaß ein starres Fahrwerk und wurde von einem de Havilland Gipsy-Major-Motor mit 90 PS angetrieben. Neben der Standardausführung entstand auch eine Coupé-Variante mit geschlossener Kabine. Die Produktion begann in Großbritannien bei de Havilland in Hatfield. Bis zum Ausbruch des Zweiten Weltkriegs entstanden dort knapp 100 Flugzeuge. Nach Einstellung der britischen Fertigung wurde die Produktion nach Australien verlagert, wo weitere Maschinen gebaut wurden. Insgesamt entstanden etwa 140 Exemplare. (Die genaue Anzahl der gebauten Exemplare unterscheidet sich je nach Quelle)

Die Moth Minor wurde ursprünglich für Privatpiloten, Flugvereine und die Pilotenausbildung entwickelt. Mit Beginn des Zweiten Weltkriegs wurden zahlreiche zivile Maschinen von den britischen und Commonwealth-Streitkräften übernommen. Dort dienten sie vor allem als Schul-, Verbindungs- und Kurierflugzeuge bei der Royal Air Force, der Fleet Air Arm und der Royal Australian Air Force. Aufgrund ihrer einfachen Konstruktion und gutmütigen Flugeigenschaften eignete sich die DH.94 besonders für die Grundschulung angehender Piloten. Nach Kriegsende kehrten viele Flugzeuge in die zivile Nutzung zurück. Mehrere Exemplare blieben erhalten und werden bis heute von privaten Haltern, Sammlern und auf Flugveranstaltungen betrieben, wodurch die Moth Minor auch mehr als acht Jahrzehnte nach ihrem Erstflug noch regelmäßig in der Luft zu sehen ist. (KI-unterstützt)

Quellen:
Air-Britain. (o. D.). DH.94 Moth Minor. https://air-britain.com/pdfs/production-lists/DH94.pdf
Flugzeuginfo.net. (o. D.). De Havilland D.H.94 Moth Minor – Specifications. https://www.flugzeuginfo.net/acdata_php/acdata_dh94_en.php
Goodall, G. (o. D.). DH.94 Moth Minor in Australia. https://www.goodall.com.au/australian-aviation/dh94/dh94mothminor.htm
International Aircraft Owners and Pilots Association. (2009). The monoplane Moth. https://www.iaopa.eu/mediaServlet/storage/gamag/dec09/p46-49.pdf
Wikipedia. (2026). De Havilland Moth Minor. https://en.wikipedia.org/wiki/De_Havilland_Moth_Minor

Bausatz: Nachdem Special Hobby im Jahr 2025 die DH.94 mit militärischen und zivilen Markierungen sowie 2026 die rein zivile Coupé-Variante herausgebracht hat, erscheint mit diesem Bausatz erneut eine Kombination aus militärischen und zivilen Maschinen.
In der seitwärts zu öffnenden, bedingt stabilen Faltschachtel sind zwei graue sowie ein klarer Spritzgussrahmen, die Decals und die Bauanleitung enthalten. Bereits beim Auspacken merkte ich, dass Special Hobby hier leider zu wenig auf eine Transportsicherung der Teile geachtet hat: in meinem Fall sind die beiden Rumpfhälften heraus- und das Spornrad sogar abgebrochen. Die Spritzgussqualität ist auf einem akzeptablen Niveau. Eine kleine Sinkstelle und einige Fischhäute konnte ich entdecken. Ansonsten sind die Formen gut versäubert worden und Verzug tritt nicht auf. Die Auswerfermarkierungen befinden sich an später nicht einsehbaren Stellen. Die Passung fällt durchgängig gut aus. Bei der überschaubaren Teileanzahl sind also nur geringe Nacharbeiten und ein zügiger Zusammenbau zu erwarten.

Die Detaillierung fällt vernünftig aus. Die erhabenen Oberflächenstrukturen kommen gut zur Geltung. Das Cockpit enthält ebenfalls Verstrebungen und einfache Details wie ein angedeuteter Hebel und eine Leitung. Die Armaturenbretter und Sitzgurte werden mittels Decals dargestellt. Beim hinteren Steuerknüppel wurde das Befestigungsloch vergessen – diese gilt es noch aufzubohren. Der frontale Lufteinlass ist deutlich ausgeprägt, wohingegen die kleineren Einlässe und Rohre an den Seiten aufgebohrt werden müssen. Für diese sind Sacklöcher zum Aufbohren vorhanden. Ein anderes Loch auf der linken Bugseite muss gemäß Bauanleitung verspachtelt werden. Nicht erwähnt wird, dass für die Bemalungsvariante A hier Teil 15 einzusetzen ist. Der Winkel der Tragflächen wird durch den durchgängigen unteren Flügel vorgegeben. Auf der Unterseite befindet sich hier am Original eine gelochte Bremsklappe. Diese ist am Modell leider nur angegossen. Im Internet gibt es bereits eine kostenlose 3D-Datei für die Bremsklappe, ebenso wie Dateien für den Schwenkmechanismus zum Abklappen der Flügel. Die Reifen sind am Modell glatt. Auf den mir vorliegenden Referenzfotos sieht es aus, als ob es glatte wie auch Profilreifen gab. Letztere bietet Special Hobby ebenfalls als Resinzubehör an. Am Heck sind die Höhenruder fest miteinander verbunden, wodurch das Ausrichten deutlich vereinfacht wird. Die Seilzüge des Seitenruders sollen aus 0,2 mm starkem Draht selbst erstellt werden. Als Klarsichtteile liegen die beiden Windschutzscheiben bei. Sie sind ausreichend dünn und klar ausgeführt.

Die Bauanleitung ist in Farbe gehalten und enthält einen ausführlichen Vorbildteil. Sie führt in zwölf Schritten zum fertig gebauten Modell. Die Hinweise zu Modifikationen und Optionen sind deutlich gekennzeichnet. Auf der Kartonrückseite wie auch in der Anleitung sind die Bemalungsvarianten farbig abgebildet. Es stehen fünf Optionen zur Auswahl. Neben dieser erfreulich hohen Anzahl sind auch die Hintergrundinformationen zu den einzelnen Maschinen positiv hervorzuheben:

  1. „Sand fly“, 42-94128, c/n 94030, USAAF, Almaza Base, Ägypten, 1943
  2. G-AFTH, c/n 94040, RAF, Aeroplane and Armament Experimental Establishment (A&AEE), Boscombe Down, Oktober 1939 (selbe Maschine wie Option E)
  3. „31“, G-AFOZ, c/n 94055, zivile Maschine, King’s Cup Air Race, Baginton Airport, Groß Britannien, 1959/1960
  4. „20“, G-AFPN, c/n 94043 oder 94016, zivile Maschine, Royal Aeronautical Society Garden Party, White Waldham Airfield, Juni 1953
  5. G-AFTH, c/n 94040, De Havilland Fabrik-Verbindungsflugzeug, 1940-1942 (selbe Maschine wie Option B)

Die Farbangaben beziehen sich auf die Systeme von Gunze Sangyo. Zur leichteren Lackierung bietet Special Hobby auch Masken für die Windschutzscheiben und Räder an. Die Decals sind sauber, ohne Versatz gedruckt.

Bilder der Bauanleitung und Bemalungen mit freundlicher Genehmigung von Special Hobby

Fazit: Die DH.94 Moth Minor ist ein kleiner Exot, der sehr farbige Optionen anbietet und damit aus dem üblichen Fundus getarnter Militärflugzeuge hervorstechen kann. Der Bausatz überzeugt insbesondere bei den Vorbildern und Lackierungsoptionen. Abzüge gibt es bei der Verpackung der Teile und einiger Vereinfachungen. Das Modell ist für Anfänger und Fortgeschrittene gleichermaßen zu empfehlen, insbesondere als kleine Wochenendbeschäftigung.
Der Preis liegt bei etwa 14 €. Zu erhalten ist der Bausatz im gut sortierten Modellbaufachgeschäft, direkt über Special Hobby und für Händler über Glow2B.

Philip Koch, Godern (Juni 2026)

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