Vorbild: Die Supermarine Seafire entstand aus dem dringenden Bedarf der britischen Admiralität nach einem modernen Jagdflugzeug für ihre Flugzeugträger, da sich die bisher verwendeten als nicht mehr ernsthaft konkurrenzfähig erwiesen. Im Jahr 1940 konnten jedoch aufgrund des hohen Bedarfs der RAF bei der Verteidigung der britischen Inseln noch keine Spitfires für entsprechende Tests für die FAA bereitgestellt werden, so dass sich das Projekt erheblich verzögerte. Die erste Landung einer Spitfire auf einem Träger fand daher erst im April 1942 statt, und zwar durch eine umgebaute Spitfire Vb mit einem A-förmigen Fanghaken. Die folgenden Versionen, die zunächst als „Hooked Spitfires“ und schließlich als Seafires bezeichnet wurden (Mk.Ib und Mk.IIc), näherten sich zwar immer mehr den Anforderungen an Trägerflugzeuge an, ließen aber nach wie vor ein zentrales Feature vermissen, nämlich klappbare Tragflächen.
Die Supermarine Seafire Mk.III war schließlich die erste Version, die (manuell) klappbare Flügel erhielt und damit den Trägereinsatz erheblich vereinfachte. Sie wurde ab November 1943 produziert und im Frühjahr 1944 an die ersten Einheiten geliefert. Die Flügel wurden direkt außerhalb des Fahrwerkschachts ein erstes und an der Flügelspitze ein zweites Mal geklappt, um die Maschinen auch in den relativ niedrigen Hangars der kleineren britischen Träger unterbringen zu können. Die im Bausatz dargestellte Variante L Mk.III wurde von einem Merlin 55M angetrieben, der für den Betrieb in niedrigen Höhen optimiert war. Mit 1.220 gebauten Exemplaren war sie die meist gebaute Seafire-Version überhaupt.
Bausatz: Der ursprüngliche Bausatz wurde von Special Hobby (lt. Scalemates) 2009 auf den Markt gebracht und basierte auf der Spitfire Vc von 2008 aus gleichem Hause. Die hier vorliegende Neuauflage wurde mit neuer Verpackung 2016 veröffentlicht, die zugrundeliegende Technik ist also nicht mehr ganz frisch. Allerdings stellen die verschiedenen Bausätze von Merlin angetriebenen Seafires des Herstellers (SH48052, SH48102, SH48128 und SH48138) heute die einzige Möglichkeit dar, eine der Merlin Seafires in 1/48 neu zu erwerben. Die alten Airfix-Bausätze sind vermutlich nur noch gebraucht erhältlich.


Der Bausatz wird in einem stabilen, 30x20x5cm großen, Karton geliefert. Dieser enthält sieben verschieden große Spritzgussrahmen aus mittelgrauem Plastik, einen weiteren für die Klarsichtteile, eine kleine PE-Platine, ein paar kleine Film-Teile für die Instrumente und ein paar als Masken bezeichnete Aufkleber zur Korrektur von Panel-Linien (also keine Lackierungsmasken). Ferner sind noch ein Decalbogen und die Bauanleitung enthalten. Die Spritzgussrahmen sind in einem wiederverschließbaren Klarsichtbeutel verpackt, und die Klarsichtteile darin nochmal in einem eigenen Beutel geschützt. Decals, PE, Film und Masken schließlich sind in einem dritten Beutel zusammen untergebracht. Die Anleitung liegt direkt im Karton.


Die Spritzgussrahmen sind für das vermutliche Alter der Formen recht ordentlich und haben kaum Gussgrate. Die Auswerfer sind allgemein an unproblematischen Stellen platziert, bis auf je zwei an der unteren Seite der Querruder, was aber ohne großen Aufwand beseitigt werden kann. Die Oberflächen sind an einigen Stellen ein wenig schlierig, die Klarsichtteile relativ dünn und aus meiner Sicht akzeptabel. Insgesamt enthält der Bausatz nach meiner Zählung 119 Plastikteile, von denen jedoch nur 86 für die Seafire verwendet werden sollen. Der Rest umfasst z. B. drei verschiedene Slipper Tanks, einen Vokes Filter, verschiedene Radnaben und Kanonenbeulen, viel Futter also für die Ersatzteilkiste.



Die Oberflächen sind mit recht feinen Gravuren der Panellines versehen und zeigen an einigen Stellen Nieten oder Fastener, wer aber Nieten in großem Stil und viele Oberflächendetails bevorzugt, wird hier vermutlich nicht allzu glücklich sein. Um das Niveau neuer Spitfire Bausätze von Eduard oder Airfix zu erreichen, wäre einiges an Nacharbeit zu investieren. Insgesamt ist das Detail-Niveau aber akzeptabel.
Anleitung/Bemalung: Die Anleitung ist ein dünnes Heftchen in A5, das zweisprachig (Tschechisch und Englisch) in 11 Schritten relativ übersichtlich zum Ziel führt. Es wird mittlerweile in Farbe gedruckt und enthält neben der 5-seitigen Bauanleitung noch eine kurze Geschichte des Flugzeugs, eine Übersicht der enthaltenen Bauteile (in der übrigens immer noch die nicht verwendeten Teile einfach ausgeblendet sind), eine Seite für die Platzierung der Stencils und drei Seiten mit den angebotenen Bemalungsvarianten. Für die Farben werden ausschließlich Gunze-Angaben angeboten. Insgesamt ist die Anleitung recht ordentlich, aber nichts für schlechte Augen.



Bei den angeboten Bemalungsvarianten handelt sich um drei britische Maschinen aus dem letzten Jahr des Pazifik-Kriegs:
- Seafire L Mk.III, PR256, S-146, Sub.Lt. Richard H. Reynolds, DSC, RNVR, FAA, 894 Squadron, HMS Indefatigable, Sakishima Gunto Island Bereich, April 1945
- Seafire L Mk.III, PR240, N-155, FAA, 880 Squadron, HMS Implacable, Truk Atoll Angriff, Juni 1945
- Seafire L Mk.III, NN212, S-112, Sub.Lt. G. J. Murphy, FAA, 887 Squadron, HMS Indefatigable, auf See 400 Meilen vor Tokio, August 1945
Die Decals sind bei dem mir vorliegenden Bausatz ein wenig anders angeordnet als in früheren Ausgaben und enthalten diesmal auch die vollständigen Stencils. Letztere sind allerdings nicht übermäßig fein und verwenden teils fragwürdige Schriftarten. Ansonsten wirken die Decals selbst recht dünn mit ebenfalls sehr dünnen Rändern. Durch die sehr begrenzte Anzahl von Farben spielen Registerverschiebungen keine Rolle.

Fazit: Die Passgenauigkeit kann in einem Review naturgemäß nicht überprüft werden, aber mit relativ wenig Mühe lässt sich hier ein schönes Modell dieser Seafire-Variante herstellen. Gerade für das Cockpit sind alle Teile für eine ansprechende Detaillierung vorhanden. Und wie schon oben erwähnt, ist es einer der wenigen Bausätze der Seafire Mk.III in 1/48.
Literatur:
- Jon Freeman, On Target Profiles 5 – Supermarine Seafire, The Aviation Workshop, 2004
- Matthew Willis, Fleet Air Arm Legends – Supermarine Seafire, Tempest Books, 2020
- Eric B. Morgan and Edward Shacklady, Spitfire – The History, Key Books, 2000
- Utz Schißau, Bausatz-Review auf der damaligen IPMS-Seite, März 2017
Michael Höft, Falkensee (März 2026)

