Das Vorbild: Die 8cm Flak L/45 war eine Flugabwehrkanone des Deutschen Kaiserreiches, die gegen September 1916 (Battle of the Somme) eingesetzt wurden.

eingesetzt wurde. Die Friedrich Krupp AG erkannte im Verlauf des Ersten Weltkrieges, dass eine erfolgreiche Bekämpfung von Flugzeugen hauptsächlich durch die Steigerung der Mündungsgeschwindigkeit von Kanonen erreicht wurde. Daraufhin entwickelte sie eine Kanone mit dem Kaliber von 8 cm und stellte sie auf einen Geschützwagen. 

Für die Bedienung der Zieleinrichtung waren drei Soldaten erforderlich. Zwei befanden sich an der rechten, einer an der linken Seite der Flak. Einer auf der rechten Seite bediente die Geländewinkelrichtmaschine und visierte das Ziel mit dem Zielfernrohr an. Der zweite Soldat bediente die Regler und stellte die abgelesene Rohrerhöhung ein. Der Soldat auf der linken Seite war ausschließlich für die Seitenrichtung zuständig und verfolgte mithilfe eines Zielfernrohres das Ziel. Die verwendete Munition der 8cm Kraftzugflak L/45 bestand aus Granaten mit einer Füllung von 370 g Sprengstoff. Die gesamte Granate wog damit 8 kg. 

Der Geschützwagen, auf dem die Flak montiert war, war ein vierrädriger Plattformwagen mit federnd gelagerten Achsen. Den Wagenrahmen bildeten zwei Längsträger aus Stahlblech, die durch Quer-, Deck- und Bodenbleche miteinander verbunden waren. Das mittlere Deckblech konnte durch das Abklappen von Seitenblechen zu einem Vollkreis verbreitert werden. Um den Geschützwagen bei der Schussabgabe zu versteifen, wurden zwei Seitenstützen herunter-gelassen, die Bodenunebenheiten bis zu 5 Winkelgrad ausgleichen konnten. Die Räder hatten statt Speichen zwei gewölbte Stahlscheiben, die durch ihre Wölbung eine gewisse Federung ermöglichten. Gezogen wurde das Geschütz meistens von dem Kraftwagen Krupp-Daimler KD 1. 
(Auszüge aus Wikipedia)

(Bild aus Bauanleitung)

Der Bausatz: Von der Existenz der französischen Firma „St. George Model“ habe ich erst vor knapp einem Jahr gehört, obwohl deren erster Bausatz bereits im Jahr 2022 erschienen ist. Schwerpunkt der Angebote von St. George Model bilden derzeit ausschließlich Geschütze, Fahrzeuge und Figuren aus dem Zeitraum des Ersten Weltkrieges.

Die Designs der Bausätze entsehen auf Basis ausführlichster Recherchen und in der Regel unter Nutzung originaler Zeichnungen und Bauplänen. Darunter befinden sich unter anderem auch die schweren Saint Chamond Eisenbahn Geschütze der Kaliber 240mm, 340mm und 400mm. Von einem Bekannten habe ich sogar gehört, dass dafür hunderte von originalen Dokumenten zur Anwendung gelangten, die oft auch zu horrenden Preisen erworben wurden.

Die im 3D Verfahren gedruckten Teile befinden sich in einem sehr stabilen Klappkarton, der die Größe einer Kinderschuhschachtel besitzt. Auf dem Deckel sieht man das Geschütz in einer ansprechenden farbigen Grafik. Auch in diesem Fall handelt es sich um eine limitierte Edition, was auf dem Deckelbild entsprechend ausgewiesen ist.

Im Karton findet man 10 Teileträger, ein alternatives Rohr für die 8,8cm Ausführung des Geschützes und als Dreingabe 2 sehr schön gemachte Granaten. Die Druckteile sind in Klarsichtbeuteln verpackt und zusätzlich mit „Knallfolie“ vor Bruch geschützt.



Wie bei 3D Druck inzwischen üblich, befinden sich alle Teile noch auf den für den Druck wichtigen Streben, die sicherstellen, dass der Druck auch sauber ausgeführt werden kann. Für die Aufbewahrung und den Transport des Bausatzes reduzieren diese auch noch die Gefahr von Bruchschäden.
An ein paar Teilen ist mir aufgefallen, dass relativ viele Druckstreben vorhanden sind. Dies trifft insbesondere auf die Lafettenbasis bzw die Lafettenplattform zu. Dies bedeutet für das Entfernen der Streben einen vergleichsweise hohen Aufwand, andererseits stellt dies auch eine sehr saubere Druckqualität sicher. Hier ist eine optimale Balance zu finden insbesondere für den Druckverantwortlichen wichtig.

Die in meinem Bausatz enthaltenen Teile weisen eine absolut perfekte und erstaunlich hohe Qualität auf! Dazu kann man nur gratulieren und davon ausgehen, dass dies dann auch einen positiven Effekt auf das gebaute Modell haben wird. Kleinste Details wie Nieten, Fugen, Scharnieren und Ösen sind dem Original entsprechend in den Maßstab 1:35 übersetzt worden. Im Gegensatz zu den gängigen Plastikbausätzen sind mit Sicherheit keine Update Sets oder Ätzteile erforderlich. Das ist einer der großen Vorteile des 3D Druckverfahrens, denn damit kann man auch extrem komplexe Strukturen vergleichsweise problemlos darstellen. Eine Limitation sind lediglich extrem dünne Elemente, aber auch hier findet man diverse Stellen, die zeigen, dass man auch in diesem Bereich inzwischen erstaunliche Fortschritte in Bezug auf die Auflösung der Drucker erzielen konnte.

Mit knapp 60 Einzelteilen handelt es sich bei der Flak zwar um keinen „Monsterbausatz“, aber die Teile haben es in sich. Um diese Detailfülle vergleichbar im Plastikspritzgussverfahren darzustellen, würde man sicherlich die doppelte bis dreifache Anzahl von Einzelteilen benötigen.

Der Bau startet mit dem Anbau der vorderen Protze inklusive der Sitze für die Bedienmannschaft an die Lafettenbasis. An der Hinterachse sind dann optional die Bremsschuhe und weitere Sitze für die Crew anzubringen. Im Bauabschnitt 5 wird die Lafette mit den Stahlrädern und der Transportzurrung für das Geschütz weiter komplettiert. Danach folgt der Anbau der seitlichen Stützen, deren Klappmechanismus mit Hilfe von Stahlstiften beweglich gehalten werden können. Die Abschnitte 8 -11 sind der eigentlichen Waffe gewidmet, das man mit einem alternativ beiliegenden Rohr auch als 8,8cm Flak bauen kann. Schließlich kann das Geschütz auf die Lafette aufgesetzt werden und man kann hier entscheiden die klappbaren Verbreiterungen der Plattform in horizontaler Lage oder Transportstellung anzubringen.


Der Bauplan: Dieser liegt dem Bausatz nicht bei, kann aber ohne Zugangscode problemlos von der Homepage von St. George Model heruntergeladen werden. Ein echter Vorteil ist dabei, dass man sich auf Basis des Bauplans bereits vorab genau ansehen kann, ob der Bausatz den Erwartungen und Wünschen entspricht.

In klaren und ansprechenden Computergrafiken wird man darin auf 7 Seiten in 12 Baustufen zum Ziel geführt. Darüber hinaus enthält der Bauplan noch schwarz/weiss Fotos vom Original, was in Bezug auf die Farbgebung bzw. Bemalung hilfreich sein kann.

Für die Bemalung selbst sind keine Vorgaben enthalten. Hier muss man selbst aktiv werden und im Internet recherchieren, jedoch zeigen bereits die in der Bauanleitung enthaltenen Abbildungen, dass viele der Geschütze in der für den Ersten Weltkrieg typischen drei-, bzw vier-Farben Lackierungen getarnt waren.



Fazit: Sofern man Interesse an Modellen von exotischen Geschützen, Fahrzeugen und Figuren des Ersten Weltkrieges hat, ist St. George Model eine absolute Schatzkiste. Hier erhält man perfekt recherchierte und entwickelte Modelle in Spitzen-Druckqualität. Um das Modell auch optimal bauen zu können, ist eine Erfahrung mit 3D gedruckten Teilen jedoch eine absolute Voraussetzung.

Übrigens befindet sich auch der Krupp-Daimler KD 1 als passende Zugfahrzeug im Portfolio von St. George Model.

Für den erfahrenen Modellbauer absolut empfehlenswert!

Erhältlich direkt im Online-Shop von St. George Model.

Gert Brandl, Berlin (September 2025)

Hier ein Video-Clip der Flak im Einsatz aus dem Bundesarchiv.



Außerdem sind Fotos eines originalen Geschützes vom Museum Aberdeen im Internet zu finden:



6 Kommentare zu diesem Beitrag
  1. Ich habe mir die Bilder im Detail angeschaut und kann dem Punkt mit der hervorragenden Druckqualität nicht mitgehen. Die printlines sind zum Teil unglaublich prägnant und auch Scharniere z.B. an den Kisten sehen verwaschen aus. Die Supports sind sehr viele und sehr dick.

    Das schlimmste sind aber die printlines.

    Ansonsten ist es natürlich trotzdem sehr schön, dass man so an Modelle kommt, die es sonst nicht gibt.

    1. Hallo Florian,

      vielen Dank für dein Interesse und die Rückmeldung.
      Das mit den Druckstreben empfinde ich auch so und habe dies an den Hersteller auch umgehend mitgeteilt.
      Die Druckrillen sehen auf den Bildern schlimmer aus, als sie es sind.
      Gert

  2. Hallo Gert,
    diesen Hersteller kannte ich noch nicht. Habe mir seinen Produktkatalog angesehen, und will’s mal ausprobieren. Hast du vor, dir auch den Zugwagen KD-1 zu bestellen? Wenn nicht, würde ich das machen, und dann könnten wir einen kombinierten Artilleriezug bauen und ihn den Modellbau-Kollegen vorführen, was hältst du davon?
    Ansonsten wird es wohl der GM 113 bei mir werden. Den gibt’s nämlich mit den Markierungen der Königlichen rumänischen Armee des 1. WK 🙂 .

    Viele Grüße
    Dieter

    1. Hallo Dieter,

      vielen Dank für das Angebot und dein Interesse.
      Den KD-1 habe ich inzwischen auch schon und will den Bausatz demnächst hier vorstellen.

      Gert

      1. Okidoki, dann bin ich schon mal auf den KD-1 gespannt …
        Mit dem GM 113 gedulde ich mich noch ein wenig, bis du ersten Bauerfahrungen gemacht hast. Wenn die Passgenauigkeit gut ist, bestelle ich auch. Welchen der möglichen Bestellwege hattest du genutzt: PayPal oder Überweisung? War’s unproblematisch?

        Bin heute Abend leider nicht dabei, da urlaubsbedingt von Berlin abwesend. Aber beim nächsten Treffen komme ich dann wieder. Dann können wir ausführlicher darüber reden.
        Habe eine kleine Schwäche für solche Exoten …

        Viel Spaß heute Abend
        Dieter

        1. Hallo Dieter,

          bin heute leider auch nicht dabei. Dann mehr beim nächsten Treffen.
          Auch ich bin ein echter Fan von Exoten.

          Beim 100ertsten Tiger oder Panther kann ich inzwischen nicht Mal mehr müde zucken …

          Gert

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