Das Vorbild: Unter der Bezeichnung 3cm Flakvierling Mk103/38 existierte ein Flakvierling der 3cm Maschinenkanone Mk103 von Rheinmetall Borsig aus der Spätkriegszeit. Die Mk103 war eine elektrisch abgefeuerte, Rückstoß- und gasbetriebene Maschinenkanone, die als Mehrzweckwaffe gegen Luft- und Bodenangriffe konzipiert war. Die Mk103 hatte eine Feuerrate von 280 Schuss pro Minute mit hochexplosiven (HE) Geschossen und 420 Schuss pro Minute mit panzerbrechenden Geschossen. Der experimentelle Flakvierling erwies sich als problematisch, da die Lafette ursprünglich für die kleinere 2cm Flak 38 konzipiert war und starke Vibrationen sowohl die Ausrüstung als auch die Besatzung beim Zielen der Waffe stark belasteten.
(Information aus der Bauanleitung von Das Werk)

Das Bauprojekt: Vom 3cm Flakvierling existieren mehrere Bausätze, wobei der erste davon bereits vor 25 Jahren von New Connection als Resin Bausatz angeboten wurde. 14 Jahre später folgte dann ein etwas optimierter Bausatz von Customscale – wieder in Resin – und erst 2019 bescherte uns das Werk einen schönen und preiswerten Bausatz in Plastikspritzguss. Die entsprechenden Modelle habe ich alle gebaut und bei dem Vergleich mit dem einzig existierenden Bild vom Original in allen Fällen festgestellt, dass die Modelle zwar aussehen, wie ein 3cm Flakvierling, aber trotzdem in vielen Bereichen Abweichungen vom Original aufwiesen.


Am besten überzeugt der Plastikbausatz von Das Werk. Dessen Team und die entsprechenden Berater haben sich zwar wirklich Mühe gegeben, aber an der einen oder anderen Stelle wurde einiges zu frei interpretiert oder nicht ausreichend sorgfältig hingesehen.

Das Bauprojekt: Den Zusammenbau des Modells und die entsprechenden Optimierungen habe ich von unten nach oben umgesetzt. Damit geht es mit der Lafettenbasis los.

1. Die Lafettenbasis
1.1. Die runden Stützteller

Die großen Stützteller des Bausatzes stimmen in Bezug auf Größe und Form nicht perfekt mit den Teilen des Originales überein. Zum einen haben die Designer von Das Werk kreuzförmige Verstärkungsrippen an Stelle einer dünnen Scheibe auf den Oberseiten angebracht und zum anderen besitzen die Teller einen etwas zu großen Radius. Nach mehrfachem Messen habe ich beschlossen, die Teller neu anzufertigen und den Radius von 1.8 cm auf 1,55 cm zu reduzieren. Der Unterschied hier beträgt zwar lediglich 2,5 mm, der Effekt ist aber am Modell deutlich sichtbar.

Ebenso wurde das Design an den Unterseiten der Teller modifiziert, wobei ich einige Zeit benötigt habe, um zu verstehen, wie dieses am Original ausgesehen haben könnte.

1.2. Die Lafettenbasis

Das Design der Lafettenbasis entspricht weitestgehend dem des 2cm Flakvierlings, von dem sehr gute Referenzbilder existieren, an denen ich mich orientieren konnte.

Die folgenden Änderungen wurden dabei umgesetzt:

– Ergänzung der inneren Verstärkungsbleche an der Transportzurrung
– Komplette Änderung der drei Kurbelzylinder inklusive Kurbeln und Halterungen
– Überarbeitung der Verstärkungsrippen am Deckel der Werkzeugkiste
– Anpassung der vorderen Verstärkungsbleche der Ausleger
– Ergänzung der Libelle zur Nivellierung des Geschützes und Ergänzung der Zurrhaken für den Transport
– Überarbeitung der Aufnahmeplatte für den Transport

2. Die Lafette

Auch an der Waffenlafette gab es einige Stellen, die optimiert wurden. Wenn man sich das Originalbild genauer betrachtet sieht man, dass die kreuzförmige Rippenstruktur auf der hinteren Box nicht korrekt umgesetzt ist. Außerdem fehlt die Stange zum schnellen Richten der Waffe und auch die Halterungsstreben vom Sitz sowie der Sitz konnten ein Update vertragen.

Schließlich habe ich noch eine Mutter in der Mitte der Handräder zum Richten angebracht und die Handkurbeln neu erstellt.

Auch das Design der Visierhalterung erschien mir nicht stimmig, weshalb auch die beiden Teile ein Update erhielten. Beide Teile wurden etwas gekürzt und das untere mit Plastic-Sheet unterfüttert.
Zusätzlich habe ich die Kontrollplatte für das Visier auf der gegenüberliegenden Seite ergänzt. Die Orientierung der Platte habe ich am finalen Modell noch etwas geändert.

3. Die Waffenhalterung und Schutzschilde

An der Waffenhalterung war nicht viel zu tun. Hier wurde lediglich ein kleiner Block nach vorne versetzt und das Gestänge entsprechend verlängert. Bei den Schutzschilden fehlten die vier Ösen, die aus dünnem Plastikmaterial angefertigt wurden.

4. Die Waffen

Auch bei den Waffen haben die Designer von das Werk eine saubere Arbeit geleistet, aber wo ein Wille zur Optmierung vorhanden ist, ist auch ein Weg der folgende Updates zur Folge hatte:

– Ergänzung von drei kleinen Bohrungen auf der Waffenklappe
– Ergänzung kleiner Nieten vorne an der Waffenklappe
– Ergänzung kleiner Zylinder an den Seiten der Waffenklappe
– Ergänzung der Schraubenköpfe der Waffenbefestigung
– Aufbohren der Öffnungen in den Mündungsbremsen
– Ergänzungen eines Hakens am hinteren Teil der Waffe

5. Munitionstrommeln

Das Layout der Munitionstrommeln zu verstehen, hat mich einiges an Zeit und Nerven gekostet. Die Interpretation der Designer von Das Werk ist hier leider nicht korrekt. Die Teilung der Trommel in zwei spiegelbildlichen Schalen mit vertikaler Trennnaht ist falsch. Zusätzlich ist es nicht richtig, dass die Trommeln auf beiden Seiten Öffnungen hatten, die auch noch zu klein dargestellt sind und schließlich befinden sich an jeder Trommel zwei Handgriffe. Außerdem fehlt das Scharnier der Klappe, das auf dem Foto des Originals zu sehen ist.

Die Munitionsstreifen

Obwohl am Modell davon nicht viel zu erkennen sein wird, habe ich noch beschlossen, auch die Munitionsstreifen zu überarbeiten. Bei Referenzbildern vom Original ist zu sehen, dass die Halterungsclips der Patronen schiffchenförmig aussahen und eine kleine Schale vor und hinter dem Verbindungsclip aufwiesen. Dies wurde mit Hilfe dünner entsprechend zugeschnittener Plastikstreifen dargestellt.

6. Das Flakvisier

Auch in diesem Fall dauerte es eine Zeit, bis ich zur Lösung gelangte. Da für den 3cm Flakvierling die Lafette vom 2cm Vierling übernommen wurde, sollten eigentlich auch die entsprechenden Flakvisiere Optionen sein, die an der Waffe angebracht gewesen sein könnten. Zur Auswahl stehen somit das Linealvisier 38/40 oder das Flakvisier 38/40. Ein Vergleich mit den Umrissen, die auf dem Bild des Originals erkennbar sind, führte zu keiner Übereinstimmung. Die Lösung war dann relativ einfach. Zu sehen ist lediglich die Halterung des Zielvisiers, was dann auch am Modell so dargestellt werden konnte.
Danach erfolgte der Zusammenbau aller Segmente.

7. Die Bemalung

Nach einer Grundierung mit Mr. Color Black erfolgte die Bemalung mit leicht aufgehelltem Tamiya Dark Yellow XF-60 wobei noch einige Highlights mit zusätzlich aufgehellter Farbe gesetzt wurden. Nach Versiegelung mit Future fanden Washes, Pin-Washes, Chipping und Drybrushing statt.

Schließlich wollte ich das Geschütz noch mit einer Figur in Szene setzen. Es musste unbedingt ein Mechaniker wie auf dem originalen Foto sein. Die Suche war nicht ganz trivial, aber dann war die Wahl getroffen. Eigentlich handelt es sich um einen Mechaniker der Panzertruppe, aber nach dem Entfernen des Symbols auf dem Schiffchen und Ergänzen eines Luftwaffen Adlers, sah die Figur stimmig aus.

Fazit: Der Plastikbausatz des 3cm Flakvierlings 103/38 von Das Werk ist ein solider Ausgangspunkt, unter dessen Verwendung man ein stimmiges Modell der Waffe bauen kann. Nicht ganz nachvollziehbar für mich ist, warum man bei dem Erstellung des Designs an einigen Stellen nicht ausreichend genau hingesehen hat und deutlich erkennbare Abweichungen vom Original geschaffen hat.

Auch der Bau von diesem Modell hat mir richtig Spaß gemacht, weil man hier mit einfachen Mitteln ein Ergebnis erzielen kann, dass sich sehen lassen kann.

Gert Brandl, Berlin (Juli 2025)

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