Seit 2020 gibt es jetzt zum ersten Mal die Ausführung A-1 der Ju 88 in 1/72. Grund genug, sich endlich mit dem Kit zu beschäftigen. Dieser baut auf der A-4, bzw. der C-6 auf, die beide schon einige Jahre zuvor erschienen sind, und hat einige neue Spritzlinge für die A-1 Variante. Beeindruckt hat mich gleich zu Baubeginn das praktisch vollständig wiedergegebene Cockpit. Es müssen eigentlich nur die Gurte ergänzt werden und die Bemalung sorgfältig sein, dann sieht alles perfekt aus. Besonders gut gefallen hat mir, dass das Front-MG zweiteilig ausgeführt ist. Der äußere Teil kann also erst zum Schluss nach dem Finish angeklebt werden. Das Gleiche gilt für die Linsenlafette des B-Standes. Auch sie wird erst am Ende von außen angebracht. Gut gemacht Revell!

Der Bau des restlichen Modells gestaltet sich ziemlich unproblematisch und bereitet kaum Schwierigkeiten. Die Spachtelmasse kann fast vollständig in der Tube bleiben. Nachteilig empfand ich allerdings die kleinteilige Aufteilung der Gondel unter dem Cockpit. Viele kleine Klarsichtteile, die oft schwer genau zu verkleben sind. Hier wäre eine Aufteilung in zwei größere Teile komplett aus klarem Kunststoff besser gewesen. Dennoch bleibt, trotz der tollen Qualität, genügend Platz um Dinge weiter zu verfeinern. Das, was ich noch gemacht habe, will ich hier kurz aufzählen:

  • Beim Fahrwerk die Bremsleitungen aus 0,2 mm Bleidraht ergänzt,
  • Räder leicht abgeflacht,
  • Staurohr aus Albion Alloys Röhrchen neu gefertigt,
  • 2,5 mm Linse von Little Lenses in den Landescheinwerfer geklebt,
  • Bomben verfeinert und besser detailliert,
  • Schleppantenne überarbeitet,
  • Einstiegsleiter selbst gebaut,
  • Fotogeätzte Visiere auf den MG ergänzt,
  • die Form des Treibstoffschnellablasses korrigiert (hat ein schwalbenschwanzförmiges Ende anstatt eines geraden) und die beiden Ablassöffnungen aus Bleifolie geformt und eingeklebt.

Die Sturzflugbremse, die aus Vollmaterial ist und nicht durchbrochen, wollte ich durch eine andere ersetzen, doch keine hatte die richtige Form, sodass ich die aus dem Kit dennoch verwenden musste, und die Tiefe nur durch dunkle Farbe andeutete.

Bevor ich mit der Lackierung begann, habe ich alle Glasteile mit dem Maskenset von Eduard maskiert. Die Passgenauigkeit der oft sehr kleinen Teile war wieder einmal beeindruckend. Ich bin sicher kein großer Freund von Unmengen von teuren Zurüstteilen, aber die Maskensets von Eduard sind wirklich absolut sinnvoll.

Auf der Modellmesse 2021 in Ried empfahl mir ein Modellbaukollege aus Augsburg die Farben von Mr. Paint aus der Slowakei. Da ein Händler aus Ungarn gerade diese Farben in seinem Sortiment hatte, besorgte ich mir gleich die RLM Farben 65, 70 und 71, da die Lackierung der Ju zu diesem Zeitpunkt gerade anstand. Als Grundierung verwendete ich diesmal den White Primer von Model Master. Generell haben die Farben von Model Master ein prima Spritzbild und so war es auch mit dem Primer. Leider werden diese Produkte in Europa nicht mehr vertrieben. Für das nun anstehenden Preshading verwendete ich Tire Black von Gunze. Das RLM 65 von Mr. Paint ließ sich dann auch wirklich ganz wunderbar mit der Airbrush in mehreren lasierenden Schichten und ohne weitere Verdünnung auftragen! Vielen Dank für den guten Tipp nach Augsburg. Lediglich der Farbton erschien mir für 1/72 etwas zu dunkel. Da ich aber kein Weiß zur Aufhellung von Mr. Paint hatte, übernebelte ich die gesamte Fläche mit aufgehelltem RLM 65 von Gunze. Nun sah die Sache richtig stimmig aus. Bei den beiden grünen Farbtönen war allerdings keine Aufhellung nötig. Für meinen Geschmack sind beide Töne perfekt getroffen. Nach dem Glanzlackauftrag brachte ich die Decals aus dem Aeromaster-Set 72-099 auf, die wie immer problemlos zu verarbeiten waren.  Zur Versiegelung der Abziehbilder benutzte ich nun Glanzlack von Tamiya, und in Folge das Washing auf Enamelbasis. Für die Unterseiten verwendete ich A.MIG-1606 und für die Oberseiten A.MIG-1608.

Die Abgasspuren simulierte ich mit stark verdünnter schwarz-brauner Farbe. Für weitere Alterungsspuren verwendete ich verschiedene Pastellkreidetöne und für die Farbabnutzungen meinen Carismacolor Stift. Das Schlussfinish erfolgte mit Seidenmatt von Model Master.

Um das Modell besser präsentieren zu können, entschloss ich mich diesmal eine kleine Grundplatte zu bauen. Als Grundmaterial für die Betonlandebahn benutzte ich Schieferplatten, die ich passend zurecht sägte. Die Wiese stammt von Norsemen Miniatures, die einfach nach dem Auftrag der Norsemen Bodenpaste nach Belieben in den Untergrund gedrückt werden kann.

Zur Belebung der Szene mit der Ju 88 A-1 baute ich schließlich noch den kleinen Ölwagenanhänger von Fine Scale Factory, den ich schon viele Jahre auf Halde hatte. Der zierliche Resinbausatz hat nur wenige Bauteile, die aber relativ gut detailliert sind. Das Abtrennen der Teile von den Resinblöcken war zum Teil etwas knifflig. Besonders bruchgefährdet war die sehr filigrane Schleppstange. Zum Glück bekam ich sie ohne Bruch heraus. Der Zusammenbau geht relativ schnell vonstatten, aber um etwas mehr detaillieren zu können, suchte ich mir einige Fotos aus dem Internet von Ölwagen in größeren Maßstäben. Originalfotos fand ich hingegen kaum. Die Holzhebel der Handpumpen fertigte ich aus gezogenen Gießästen und die Halterungen für den Schlauch aus Resten von Fotoätzteilen. Der Schlauch entstand aus einem 0,8 mm starken elastischem Perlonfaden. Jetzt galt es nur noch ordentlich den Bausatz zu bemalen und etwas zu altern, und fertig war der kleine Anhänger als zusätzlicher Blickfang.

Die Figuren stammten von verschiedenen Preiser Luftwaffen Figurensätzen und von The Aircam Range.

Fazit: Toller und gut zu bauender Kit von Revell  und endlich einmal die frühe A-1!

Gerhard Schmalzl, Herbst 2022

4 thoughts on “Junkers Ju 88 A-1 und Ölwagenanhänger der deutschen Luftwaffe<br><small>Revell, Fine Scale Factory - 1/72</small>”
  1. Hallo Gerhard,
    sehr gut gebautes Modell in sehr guter Diorama Präsentation, mit viel Liebe zum Detail: z.B. Räder, Waffen, Antennenanlage…
    Beste Grüße,
    Ralph Fengler, Berlin

    1. Hallo Ralph,
      nachdem wir uns in Gatow ja persönlich kennengelernt haben freut mich dein Lob ganz besonders.
      Deine NA-57 mit den französischen Decals ist übrigens auch phantastisch.
      Liebe Grüße nach Berlin
      Gerhard

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