Vorbild: Über die Me 262 braucht man, glaube ich, nicht mehr allzu viel erzählen. Sie gehört zu den bekanntesten und meist besprochenen deutschen Jagdflugzeugen des zweiten Weltkriegs. War sie doch auch der erste serienmäßig gebaute Strahljäger der Welt. Wäre die Me 262 früher und in ausreichender Zahl zum Einsatz gekommen, hätte sie möglicherweise das Blatt für die Deutschen wenden, oder zumindest den Krieg verlängern können, was aber auch hätte bedeuten können, dass die ersten Atombomben über Deutschland und nicht Japan abgeworfen worden wären! Es gab zwei Hauptversionen der 262. Einmal den Typ A-1 als Einsitzer, und dann den Typ B-1 als Zweisitzer.

Bausatz: Der vorliegende Bausatz beruht auf den Formen von 2005. 2008 wurde ein Teil der Formen mit durchsichtigen Material gespritzt und als Clear Edition auf den Markt gebracht. In einem recht großen Stülpkarton, mit einem, wie ich finde, etwas lieblosen Deckelbild, befinden sich 10 Gussäste, ein kleinerer Karton mit Vinylreifen, einer Photoätzteilplatine, einem kleinen Acetatfilm, und Metall-Fahrwerksbeinen. Des Weiteren natürlich die Bauanleitung, ein farbig gedrucktes Blatt mit den zwei möglichen Farbschemata der Me 262 und ein Decalbogen. Insgesamt werden 383 Bauteile verbaut.
Die Gussäste im Einzelnen:
Gussast A ist in klarem Plastik gespritzt und beinhaltet die beiden Rumpfschalen und einige Anbauteile.

Gussast A

Gussast B ist in grauem Plastik gespritzt und beinhaltet die Tragflächen und Ruder.

Gussast B

Gussast C ist in grauem Plastik gespritzt und beinhaltet weitere Ruder und weitere Anbauteile.

Gussast C

Gussast D ist in grauem Plastik gespritzt und beinhaltet die Waffensektion.

Gussast D

Gussast E ist zweimal vorhanden (einmal in grauem, einmal in klarem Plastik gespritzt). Aus ihnen werden die Triebwerksverkleidungen gebaut.

Gussast F ist zweimal vorhanden, und in grauem Plastik gespritzt. Aus ihnen werden die beiden Jumo-004 Triebwerke gebaut.

Gussast F (2X)

Gussast G ist in klarem Plastik gespritzt und beinhalten die Kanzelhaube und das Instrumentenbrett.

Gussast G (2tlg.)

Gussast M ist in grauem Plastik gespritzt und beinhaltet die Treibstofftanks.

Gussast M

Die Ätzteilplatine beinhaltet die Sitzgurte.

Ätzteilplatine

Es gibt vier Vinyl-Reifen. Zwei für das Hauptfahrwerk und zwei für das Bugfahrwerk. Bei den Reifen für das Bugfahrwerk kann zwischen den etwas breiteren Ballonreifen und den etwas schmaleren Profilreifen gewählt werden.

Reifen aus Vinyl

Der bedruckte Acetatfilm ist für das Instrumentenbrett vorgesehen.

Acetatfilm

Vier Fahrwerksbeine aus Metall können anstatt der Plastikbeine verwendet werden, was möglicherweise auch angesichts des Gewichts des Modells sinnvoll erscheint. Auch hier gibt es für das Bugfahrwerk zwei Ausführungen.

Metall-Fahrwerksbeine (Links Hauptfahrwerk / Rechts Bugfahrwerk)

Detailansichten: Die Bauteile sind sehr sauber gespritzt, weisen aber einige Auswerfermarken und Grate auf. Bei den grauen Spritzlingen sind diese später nicht sichtbar, leider aber bei den klaren, da sie aus der gleichen Form stammen. Das ist sehr ärgerlich, und trübt den ansonsten sehr positiven Eindruck ein wenig.

Rumpf und Tragflächen wurden mit vertieften Panellines und versenkten Nieten versehen. Diese sind jedoch nicht übertrieben dargestellt, sondern in richtigem Verhältnis zur beabsichtigten Wirkung. Gerade beim Nachbearbeiten der Klebestellen und späterer Lackierung sollte man auf jeden Fall vorsichtig sein, da ein Nachgravieren nicht so ganz ohne ist! Der Klarsichtrumpf ist fast schlierenfrei, aber auf Grund der Materialstärke nicht Glasklar. Hier sollte man auf jeden Fall mittels Politur (Future oder Vergleichbares) nacharbeiten. Für das verkleben der Klarsichtteile empfehle ich einen Kleber für Acrylglas, da der normale Plastikkleber das Material zu sehr angreift, und evtl. das Plastik milchig werden lässt (das gilt teilweise auch für Sekundenkleber)!

Die Teile für das Cockpit weisen ebenfalls eine sehr hohe Detaillierung auf, allerdings sollte man vielleicht die eine oder andere elektrische Leitung nachziehen (was eigentlich für den gesamten sichtbaren Bereich gilt). Die beiden Jumo-004-Triebwerke sind sehr detailliert und stimmig, könnten aber dennoch einige Leitungen zusätzlich vertragen. Das Cockpit ist für sich schon ein eigener kleiner Bausatz, der zusammengebaut einen sehr guten Eindruck hinterlässt. Das Instrumentenbrett ist korrekt ausgeformt, und zeigt auch auf der Rückseite die eingesetzten Einzelinstrumente, welche gerade beim Bau als Clear Edition zusätzlich verkabelt werden sollten. Der Acetatfilm ist für die Skalen auf dem Instrumentenbrett vorgesehen.

Die Waffenkanzel ist ebenfalls sehr detailliert, und nimmt die vier MK 108 Maschinenkanonen auf. Bei diesen sollte aber auf jeden Fall die Läufe aufgebohrt werden. Womit wir auch schon bei den Fahrwerksbeinen und Reifen sind. Die Fahrwerksbeine gibt es sowohl aus Plastik, als auch aus Metall, wobei die Metallbeine etwas detaillierter ausfallen. Für das Bugfahrwerk gibt es das jeweils passende Bein zu den Reifen. Hydraulikleitungen sucht man allerdings bei beiden Ausführungen vergebens. Die Reifen bestehen aus schwarzem Vinyl mit Profil. Der Bugreifen liegt als schmale und als Ballon-Version vor.

Auf einer kleinen Ätzteilplatine aus Neusilber befinden sich zwei Sätze Sicherheitsgurte (da diese Platine auch bei der zweisitzigen Version der Me beiliegt). Diese Gurte müssen natürlich noch bemalt werden.

Bauanleitung: Die Bauanleitung besteht aus 20 beidseitig, quergedruckten DIN A4 Seiten in S/W. In 47 Schritten wird der Bau ausführlich gezeigt. Auch werden bei einigen Bauteilen Bemalungsvorschläge angegeben. Es werden Farben von Mr. Hobby verwendet.

ACHTUNG! Es fehlt leider der wichtige Hinweis, dass das Modell im Bugbereich beschwert werden muss, um ein Kippen auf das Heck zu verhindern! Das ist ärgerlich, da man gerade beim Bau der Clear Edition diese zusätzliche Maßnahme nur schwer umsetzen kann. Eine Möglichkeit wäre vielleicht, den vorderen Tank vor dem zusammenkleben mit Bleikügelchen oder anderen schwereren Teilen zu füllen, um den Schwerpunkt so weit wie möglich nach vorne zu verlagern. Denkbar wäre dieses Verfahren auch bei den beiden Bomben, wenn sie ebenfalls verwendet werden. Ob das schon reichen könnte, habe ich allerdings noch nicht ausprobieren können. Auf jeden Fall sollte man auf Grund des erhöhten Gewichts die metallenen Fahrwerksbeine in Betracht ziehen.
Auf einem farbigen DIN A3 Blatt sind die Farbgebung für zwei Flugzeuge (Nr. 13 und 17) gedruckt. Des Weiteren wird die Platzierung der Decals gezeigt.
Nr.13 geflogen von Oberstleutnant Heinz Bär, Gruppenkommandeur des III./ EJG 2, Lechfeld 1945
Nr.17 geflogen von Feldwebel Franz Holzinger, II./J.G. 7, Lechfeld 1945

Decals: Die Decals sind sauber im Raster gedruckt. Die Farben wirken auch recht natürlich. Neben den Balkenkreuzen und Nummern gibt es auch einige Wartungshinweise und das obligatorische für den deutschen Markt geteilte böse Zeichen.

Fazit: Der Bausatz von Trumpeter ist aktuell immer noch der beste Bausatz einer Me 262 A-1a in diesem Maßstab! Aber leider gilt gerade bei der Clear Edition der bekannte Spruch: Wo Licht ist, ist auch Schatten. Bei einer richtigen Clear Edition hätte ich erwartet, dass auch die Tragflächen und oberen Bugabdeckungen transparent ausgeführt sind. Es gibt zwar eine separate Abdeckung für den vorderen Bereich des Bugs (Austritt der MK-Läufe, aber nur für zwei MKs, gedacht, wenn man die Ausführung mit zwei Bomben baut) und wirklich transparent ist sie auch nicht. Da muss man auf jeden Fall nacharbeiten.

Auch fehlen mir für die transparente Rumpfausführung die Holme und Spanten im Innenbereich. Aber das ist Jammern auf hohem Niveau.
Mit entsprechenden Photoätzteilen von z.B. Eduard kann man diesen Bausatz noch mehr tunen, was aber nicht unbedingt notwendig ist, da die Basis schon sehr gut ist. Wegen der großen Anzahl an Teilen ist dieser Bausatz sicher nicht als Wochenend-Projekt geeignet, dafür aber auf Grund des Maßstabs von 1/32 auch von geduldigen Anfängern im Modellbau zu meistern. Für mich trotz einiger Schwächen ein dicker Daumen nach oben.
Der Bausatz wird immer noch in gut sortierten Modellbaugeschäften und online für ca. 40 – 50 Euro angeboten.

Literatur: Davon gibt es reichlich. Ich empfehle aber die beiden Sonderausgaben von Flugzeugclassic. Da steht eigentlich alles drin, was man wissen möchte. Und Bildmaterial liefert das Internet ohne Ende.

Jürgen Bellenbaum, Dallgow-Döberitz (März 2022)

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