Hintergrund: Die deutschen Schnellboote, die im Zweiten Weltkrieg schließlich eine Länge von etwa 35 m und ein Gewicht von 100 t hatten, erhielten (ab S 26) zwei zur Verbesserung der Seefähigkeit in der Back eingebaute Torpedorohre mit charakteristischen Aussparungen für die Klappen der Torpedorohre und (ab S 68) eine Brücke. Dazu kamen mehrere leichte Rohrwaffen verschiedenen Kalibers, deren Anzahl während des Krieges laufend zunahm. Ab der mit S-100 beginnenden Bauserie hatten die Boote eine mit 10 bis 12 Millimeter Wotan-Stahl gepanzerte Kalottenbrücke, um zumindest das Brückenpersonal vor der Waffenwirkung von Tieffliegern zu schützen. Der Rumpf war in Komposit-Bauweise mit Spantengerüst aus einer Aluminiumlegierung und mehrlagiger Holzbeplankung gebaut.

Neben den Torpedos waren die Schnellboote zusätzlich mit Bordwaffen ausgestattet, die in der Regel aus einer 2 cm Flak im Bug, einer 3,7cm Flak Bofors oder 2 cm Vierlingsflak im Heckbereich sowie einer 2 cm Zwillingsflak mittschiffs bestand. (Auszug aus Wikipedia)

Der Bausatz: Inzwischen bin ich von Schiffs- und U-Boot Modellen im Maßstab 1:350 so angetan, dass ich mir den Bau eines deutschen Schnellbootes Typ S-100 vorgenommen habe. Nach etlichen Suchen im Internet habe ich dazu drei Bausätze von den Herstellern Aoshima (nicht empfehlenswert), HobbyBoss und Trumpeter gefunden.

Auf Basis entsprechender Reviews fiel dann meine Wahl auf den sehr preiswerten Bausatz von Trumpeter, jedoch habe ich mir auch den Bausatz von HobbyBoss zugelegt. Hintergrund dafür ist die Tatsache, dass Trumpeter den besseren Bausatz in Bezug auf Details anbietet, aber diesem im Gegensatz zu dem nahezu vergleichbar guten Bausatz von Hobbyboss keine Ätzteile zur Gestaltung von Relings und Brückenaufbauten beiliegen. Mein Plan sah daher den des Modelles von Trumpeter und Eigenbau der Zusatzdetails unter Verwendung der Ätzteile von HobbyBoss vor. Und los ging es mit dem Bau.

Der Bau: Schiffsrumpf und Deck sind aus lediglich drei Teilen zusammen zu bauen. Dabei war eine sorgfältige Säuberung der Kanten erforderlich, um damit eine optimale Passung zu erreichen. Dennoch traten im Bugbereich einige Spalten auf, die mit Vallejo Putty verschlossen und mit einem feuchten Wattestäbchen versäubert werden konnten.

Entsprechend Bauplan habe ich die Ruder- und Antriebswellen ergänzt, jedoch die drei Schiffsschrauben zur späteren Lackierung noch am Spritzling belassen. Gleiches galt für die Kleinteile wie Rettungsfloße und Bordwaffen. Die drei Kleinteile S-16 und S-10 wurden noch verbaut und damit der Rohbau abgeschlossen.

Auch dem Trumpeter Bausätz liegt eine kleine Ätzplatine bei, aber neben den drei Schiffsschrauben und dem Schutzschild der 3,7cm Bofors findet man darauf lediglich noch vier Teile zum Bau eines Ständers für das Boot. Das Material ist zwar dafür ausreichend dick, aber im Sinne der Stabilität und der anschließenden Bemalung habe ich mich dazu entschlossen den Ständer und Verwendung der Ätzteile als Schablone aus 0,5 mm starkem Plastik Sheet selbst zu bauen.



Im Anschluss daran folgte die eigentliche Fummelarbeit, die mir aber auch am meisten Spaß gemacht hat. Unter Nutzung des Ätzteilebogens von HobbyBoss wurden alle Masten, Ablenkbügel für die Bordwaffen und Aufstiegshilfen mit ganz dünnem Kupferdraht in Eigenbau erstellt und eingebaut. Im Gegensatz zu den sehr dünnen Ätzteilen sind diese Teile auch nicht flach, sondern haben das gleiche Profil, wie die Teile am Original.
Um auch noch weitere Details ergänzen zu können, habe ich mir einige Hefte zu dem Thema gekauft und auf Basis der darin enthaltenen Infos noch die folgenden Ergänzungen vorgenommen:

– Überarbeitung des vorderen Bügels für die 2 cm Waffe
– Ergänzung kleiner Details wie das Nebelhorn und die mittige Luke an der vorderen
   Kalottenpanzerung
– Ergänzung von Details im inneren Bootsführerbereich
– Ergänzung der Trittflächen für die Aufstiege
– Überarbeitung der zu dünnen Rettungsfloße und Ergänzung der Taue außen durch dünn
   gezogenen Gußast
– Ergänzung der Schiffsglocke

Bei der Außenrehling habe ich etwas geschummelt und die beiden perfekt passenden Ätzteile von HobbyBoss verwendet, da die Rehlings doppelt beiliegen (mit und ohne Schutzplane). Ebenso wurde noch aus meinem Fundus ein winziger Rettungsring am Heck angebracht.

Die Bordwaffen habe ich von Black Cat gekauft, die ein sehr gutes Sortiment an Detailsätzen zum Thema Kriegsmarine im Maßstab 1:350 anbieten. Hier wurde lediglich noch der Abweiser aus Kupferdraht am 2 cm Flakzwilling ergänzt.

Damit war der Rohbau abgeschlossen und es ging weiter mit der Bemalung.

Die Bemalung: Als Erstes widmete ich mich dabei dem Ständer, der nach einer Grundierung mittels Airbrush mit seidenmatter schwarzer Farbe behandelt wurde. Das geätzte Schild mit der Aufschrift erhielt einen dünnen Auftrag mit Nato-Schwarz und nach kurzer Antrocknungszeit habe ich die Oberfläche vorsichtig mit einem Taschentuch „geputzt,” das noch minimale Rückstände von Tamiya Farbverdünner hatte. Damit kam die Messingoberfläche wieder perfekt zum Vorschein, die dunkle Farbe verblieb aber wie gewünscht in den Vertiefungen.

Die Bordwaffen wurden mit der Airbrush bemalt und nach Auftrag eines seidenmatten Klarlacks mit stark verdünnter dunkler Ölfarbe behandelt, um Details weiter hervorzuheben.

Nach einer Grundierung mit Nato schwarz wurde das Rumpfband mit dünn geschnittener Maskierfolie abgeklebt und der untere Bereich des Schiffsrumpfs unter Verwendung einer Fleckenschablone mit rotbrauner Farbe lackiert. Nach entsprechender Trocknungszeit wurde auch dieser Bereich abgeklebt und der obere Bereich des Bootes mit Light Grey behandelt, das mit weißer Farbe wegen dem Maßstabseffekt noch etwas aufgehellt wurde.

Für die weitere Bemalung des Schnellbootes habe ich mich nach Recherche im Internet für ein Farbschema entschieden, das für den Einsatz im Mittelmeer typisch war. Dabei erhielt das Boot diagonale Streifen in weißer und roter Farbe im Bugbereich, die beim Original zur eindeutigen Erkennung für Aufklärungsflugzeuge gedacht war. Das Deck selbst habe ich entsprechend mit einem etwas abgedunkeltem Lichtgrün bemalt. Die Holzbeplankung wurde in heller Holzfarbe bemalt. Nach einer angemessenen Trockenzeit erhielt das Modell einen Auftrag mit seidenmattem Klarlack.

Im letzten Abschnitt des Bauprojektes wurden die Rettungsfloße und die Bordwaffen ergänzt und alle kleinen Details durch einen Pin-Wash mit stark verdünnter Ölfarbe betont. Anschließend erfolgte noch ein minimales Betonen von Kanten mit heller Farbe.

Der krönende Abschluss bestand im „Rigging“, also der Ergänzung der Seile der Funkausrüstung und des Fahnenmastes unter Verwendung von elastischem Material aus dem Hause Uschi. Das Anbringen des Seiles am Fahnenmast und einer der Funkdrähte verlief so problemlos und schnell, dass ich fast in euphorischer Stimmung war. Dann wurde ich jedoch wieder ins echte Leben zurück katapultiert, als es mir erst im dritten Anlauf gelang, den zweiten Funkdraht endlich korrekt zu positionieren. Nach wie vor ein grosses Lob und Ehrfurcht vor all meinen Bastelkollegen, die sich beim Bau von Schiffsmodellen stundenlang mit diesem Thema abquälen.

Schließlich stand mein erstes Schnellboot S-100 im Maßstab 1:350 vor mir und letztendlich bin ich mit dem Resultat sehr zufrieden. Wahrscheinlich werde ich noch ein weiteres Boot unter Verwendung des Bausatzes von HobbyBoss bauen, um einen direkten Vergleich zu haben.

Insgesamt ein nettes und vergleichsweise preiswertes Bauprojekt, das jeder mal ausprobieren sollte.

Gert Brandl, Berlin, (September 2021)

Empfohlene Literatur:

German S-Boats, Steve Wiper, Ship Craft 6

Schnellboot in Action, Squadron Signal, No 18

Schnellboot S-38 and S-100, Super Drawings in 3D, Carlo Castra

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