Jedes Modell wirkt deutlich besser in seiner „natürlichen“ Umgebung. Sei es das Flugzeug auf den angedeuteten Betonplatten, sei es der Panzer oder das Auto auf der Straße / dem Feldweg oder auch das Schiff im Wasser.
Für die Darstellung realistischer Wasseroberflächen gibt es viele Möglichkeiten, die sich durch Zeitaufwand, Materialeinsatz oder technische Voraussetzungen deutlich unterscheiden. Die Wasseroberfläche zum Ausschneiden aus dem Bahn-Modellbau ist unrealistisch und nur für den kleinen Teich im Wald, nicht für Schiffe auf See, geeignet. Kunstharz ist in der Regel teuer und entwickelt Wärme beim Aushärten. Nur mit Farbe zu arbeiten, stellt in der Regel keine Wassertiefe dar, sondern eher eine glänzende Oberfläche.
Im Laufe der Jahre habe ich durch viele Versuche für mich eine Methode ermittelt, die wenig kostet, realistisch ist und sich leicht herstellen und variieren lässt. Einzig Zeit und Geduld brauchen wir.
Bei einem Vollrumpf-Modell schneide ich aus einer Styrodurplatte möglichst passgenau den Umriss aus und setze das Schiff hinein. Mit Unterfüttern probieren, bis es so aussieht, dass das Schiff in der Platte schwimmt. Hierbei den Tiefgang und etwa 2-3 mm „Wasser“ mit einplanen.
Bei einem Wasserlinienmodell beginne ich mit einer Sperrholzplatte, die mit einem kleinen Holzrahmen versehen wird.

Die Styrodurplatte oder die Holzplatte bemale ich mit Abtön- oder Acrylfarben aus dem Baumarkt so lange, bis es realistisch nach dem Gewässer aussieht, in dem das Schiff schwimmen soll. Von Maledivenlagune-Türkis über Nordseedunkelgrün bis Nordatlantik Schwarz-Grün kann jeder tun, was ihm gefällt. Das Wasser wird später durchsichtig und zeigt das, was Ihr hier malt.

Das Ganze gut durchtrocknen lassen. Schließlich wird es am Ende luftdicht versiegelt. Auch Schattierungen sind beabsichtigt, denn auch das Meer ist niemals gleichmäßig gefärbt. Durchaus zu empfehlen ist, sich das Ergebnis bei Tages-oder Kunstlicht aus verschiedenen Blickwinkeln anzusehen, ob es „nach Meer“ aussieht

Danach nehmen wir Acryl-Strukturgel aus dem Künstlerbedarf. Die Masse sieht aus wie Holzleim und lässt sich etwa wie Nutella bearbeiten. Mit 250 Gramm (ein Topf) kann ich etwa eine DIN A 4 Fläche erstellen. Im verschlossenen Töpfchen ist es auch etwa ein Jahr gut nutzbar. Es kostet aktuell 10-12 € pro Topf.
Mit Palettmesser oder Plastikteelöffel (siehe Nutella) die Masse gleichmäßig verteilen. Hier kann man schon mal Wellen andeuten (kleine Bugwelle bei mäßiger Fahrt).



In den noch feuchten Umriss das Schiff platzieren. Dann ist es nach dem Aushärten unverrückbar mit Platte und Wasser verbunden.
Nun sind ca. 2 Stunden Zeit, mit der runden Seite von einem Teelöffel Wellenformen zu gestalten oder Wellenköpfe aus der Masse zu „ziehen“. Dort, wo das Gel an den Schiffrumpf kommt, wird es später mal einfach nass glänzen.

Man kann z.B. Beiboote in das feuchte Gel „reinziehen“ und deren eigene Wellenspur simulieren.
Nun sieht es so aus, als würde das Schiff in Milch schwimmen und wir brauchen Geduld, viel Geduld. Je nachdem, wie dick die Masse aufgetragen wurde (es reichen 2-3 mm) braucht es nun 5-10 Tage zum Trocknen. Das Gel trocknet transparent auf und wird glasartig hart. Lieber etwas länger warten. Man könnte z.B. ja schon mal nach dem nächsten Schiff im Vorrat schauen.



Wenn alles gut durchgetrocknet und glasklar ist, können wir mit etwas Weiß und Borstenpinsel den Wellen noch realistischen Schaum aufsetzen oder das Wasser fast still wirken lassen.
Viel Erfolg, ich freue mich über Bilder und Rückmeldungen.
Udo Browarczik


Super Ergebnis, danke für den Beitrag.