Das Vorbild: Die P-47D Thunderbolt war mit 12 609 Exemplaren die am meisten gebaute Thunderbolt und wurde mehrheitlich in Europa eingesetzt. Nach dem Angriff Japans benötigte das US Army Air Corps Jagdflugzeuge mit immer größerer Reichweite für den Einsatz über dem Pazifik. Besonders die ungeschützten Bomber verlangten nach einem Langstrecken-Begleitschutz. Die Lösung war die Weiterentwicklung der P-47 zur Version N mit dem neuen P&W R-2800-57-Doppelstern-Motor mit 2838 PS, und eine vergrößerte Treibstoffmenge durch die Neukonstruktion der Tragfläche. Diese wurde an den Randbögen gekappt und an der Wurzel auf jeder Seite um etwa einen halben Meter vergrößert. Das maximale Startgewicht der P-47N mit über 9 Tonnen und einer Reichweite von über 2000 km ist ein absoluter Rekord für einen einmotorigen Jäger. Damit die Begleitschutzeinsätze für die B-29 mit bis zu 12 Stunden Dauer die Piloten nicht überforderten, erhielt die P-47N einen A.E.C. C-1 Autopiloten von General Electric, Armlehnen und komfortablere Sitze. Die Serienproduktion lief im März 1945 in Farmingdale an. Als erste Einheit erhielt die 318. Fighter Group im April 1945 ihre neuen Maschinen und überführte sie von Hawaii nach le Shima (Okinawa). Dieser Flug war mit über 8000km der längste Überführungsflug eines einmotorigen Flugzeugs in der Geschichte der amerikanischen Luftwaffe.
(Auszug aus dem entsprechenden (IPMS First Look)
Das Bauprojekt: Eine P-47 Thunderbolt wollte ich schon immer bauen, aber dann es sollte auch eine mit einer attraktiven Nose-Art sein. Dabei hat es mir die schwarze 33 der 19th Fighter Squadron mit der Serien Nummer 44-88835 von Captain Don Stuck mit den auffälligen blauen Markierungen auf der Frontpartie und dem Seitenleitwerk besonders angetan. Das Vorbild der Nose-Art stammt von dem peruanischen Zeichner und Maler Alberto Vargas, der mit seinen Pin-Up Gemälden weltweiten Erfolg hatte. Der richtige Durchbruch gelang ihm ab 1940, denn ab dieser Zeit konnte man seine Werke auch als Center-Folds in den amerikani-schen Ausgaben der Zeitschriften Esquire und Playboy finden. Mehr als 150 seiner Arbeiten befinden sich inzwischen im Spencer Museum of Art.
Die Nose-Art „meiner“ P-47N ist dem amerikanischen Künstler der Truppe sehr gut gelungen und zeigt das rothaarige Varga Girl aus der Esquire Ausgabe vom Februar 1941. Für den daneben stehenden Schriftzug „Red-E-Ruth“ existieren unterschiedliche Interpretationen, wobei mir die folgende am besten gefällt: Ruth ist wahrscheinlich der Name der Freundin oder der Frau eines der Piloten und „Red-E“ ist ein Wortspiel, denn es liest sich auch wie „Ready“, was bereit bzw. einsatzbereit bedeutet. Die rote Dame ist also startklar.
Das Bauprojekt: Geeignete Bausätze für diese Maschine gibt es einige und inzwischen sogar unter den großartigen Ausführungen von Miniart. Meine Wahl fiel allerdings auf den schon etwas betagten Revell/Monogram Bausatz, den ich mehr oder weniger Out-of-the-Box bauen wollte. Ich rechnete dabei zwar mit der einen oder anderen Herausforderung, konnte jedoch keine wirklichen Probleme nach dem Lesen von entsprechenden Bauberichten im Internet finden.
Verwendete Materialien:
P-47N, Revell, 04867
US Army Pilots, CMK, F48090


Im Vergleich zu modernen und aktuellen Bausätzen wirken die Details des Revell Bausatzes etwas verwaschen und überzeugen nicht vollständig. Allerdings findet man gerade im Bereich des Cockpits wirklich viele davon, die durch entsprechende Bemalung durchaus ansprechend zur Geltung gebracht werden können.
Nach einer Grundierung mit Mr Color Black Surface Primer erhielten die Teile ihre Farben, wobei ich mich dabei an Fotos von restaurierten Originalen orientiert habe. Beim Armaturenbrett wurde das entsprechende Abziehbild verwendet. Weil ich in der Regel dafür die tollen und bereits bunten Ätzteile von Eduard nutze, war ich sehr skeptisch, ob man damit ein akzeptables Ergebnis erzielen kann. Überraschenderweise passte das Abziehbild perfekt und nach Behandlung mit Mr Decal Softener legte es sich tatsächlich optimal an die Oberfläche an, wobei alle Anzeigen korrekt platziert waren. Mit einem kleinen Tropfen Clear wurden dann noch die Gläser der Anzeigen imitiert.


Nach einem Wash mit verdünnter schwarz brauner Ölfarbe wurden die Details noch durch leichtes Dry-brushing mit hellem Grün hervorgehoben und leichte Abnutzungsspuren mit Vallejo Aluminium realisiert. In meinem Fundus fand ich ein passendes Gurtzeug, das auf dem Pilotensitz drapiert wurde. Nach dem Zusammenbau der einzelnen Teile war damit der Arbeitsbereich des Piloten fertig.


Nach dem Zusammenkleben der beiden Rumpfhälften sollte man gemäß Bauanleitung das Cockpitsegment einfach von unten in den Rumpf einführen und dann befestigen. „Einfach“ ist hier alles andere als einfach, denn für eine stimmige Ausrichtung und eine sichere Passung sucht man vergeblich nach entsprechenden Orientierungspunkten, Gravuren oder Führungen im Innenbereich des Rumpfes. Hier hat Revell/Monogram keinen guten Job gemacht. Unter Verwendung von Fotos vom Original habe ich dann das Cockpitteil nach Augenmaß ausgerichtet und mit kleinen Streifen aus Plastic-Sheet und viel Klebstoff sicher gestellt, dass es dort auch verbleibt. Das ist nicht selbstverständlich, denn im Heckbereich hatte ich kurz vorher ein Plastikteil eingeklebt, das sich nach kurzer Zeit einfach gelöst hatte. Das Plastik vom Bausatz ist anscheinend vergleichsweise spröde und der dünnflüssige Klebstoff von Tamiya scheint dafür zu schnell zu verdampfen, um das Plastikmaterial ausreichend anzulösen.
Als nächstes ergänzte ich die Oberteile der Hauptflügel, die Teile für das Seitenleitwerk sowie das Spornrad. Danach folgte noch ein Farbauftrag vorne und im Bereich des Fahrwerks. An der Verbindungsnaht der Rumpfteile kam Spachtelmasse zum Einsatz und nach Schleifen war es möglich die Fugen optimal zu verschließen.


Beim Anbringen des einteiligen Flügelunterteils musste dieses mit Schleifpapier und dem Bastelmesser etwas überarbeitet werden. An den Flügelwurzeln ergaben sich dennoch oben und unten Spalten, die mit Spachtelmasse verschlossen und anschließend verschliffen wurden. Eine echte Fummelei war dann noch das Einpassen der kleinen Abdeckteile für die Bordwaffen in den Flügeln. Diese Teile passten nicht wirklich gut und mussten daher vorsichtig mit Schleifpapier in die richtige Form gebracht werden. Und auch hier war die Verwendung von Spachtelmasse erforderlich.


Als Vorbereitung für die Lackierung mit Vallejo Aluminium erhielt das Flugzeug eine Grundierung mit Mr. Color Surface Primer Schwarz, wobei bereits lackierte Bereiche wie die Fahrwerksschächte und das Cockpit maskiert wurden. Nach ausreichender Trockenzeit habe ich die Oberflächen mit Zewa Haushalts-Papier abgerieben, womit kleine Fussel entfernt und die Oberfläche geglättet werden konnte. Nach dem Auftrag der Aluminiumfarbe wurden noch weitere Teile wie die Propeller, die Bomben, den Motor und die Räder für das Fahrwerk bemalt.


Weiter ging es mit der Lackierung der blauen Bereiche an der Motorverkleidung und dem Seitenleitwerk. Hier wählte ich eine glänzend blaue Farbe von Tamiya, die in Bezug auf den Farbton noch etwas abgetönt wurde. Mit dem Blendschutz in Oliv-Grün waren die Lackierarbeiten dann abgeschlossen. Oh je, doch nicht ganz, denn ich hatte die blauen Bereiche am Höhenleitwerk vergessen. Aber das konnte schnell nachgeholt werden, denn das Farbtöpfchen mit der Farbe stand ja noch auf dem Basteltisch.


Als kleine Ergänzung habe ich noch die Bremsleitungen am Hauptfahrwerk mit dünnem Bleidraht angebracht und für die Positionslichter an den Flügelenden die separat beiliegenden Klarsichtteile angebohrt und nach Einfärben der Bohrkanäle mit roter und grüner Farbe angeklebt. Hier muss man aufpassen, denn Revell hat im Bauplan die Farben für Steuer- und Backbord tatsächlich verwechselt!


Vor dem Anbringen der Abziehbilder wollte ich noch die Motorabdeckung an den Rumpf ankleben. Auch dies war nicht unproblematisch, da unklar war, an welchen Stellen man den Kleber auftragen muss, damit einen sichere Verbindung der Teile entsteht. Nach dem Motto „viel hilft viel“, war auch diese Hürde genommen und es ging weiter mit der Maskierung der Cockpithaube für die Lackierung. Dies erfolgte mit kleinen Streifen aus Tamiya Masking Tape, die ich dann so zurecht geschnitten habe, dass die transparenten Teile innen und außen optimal maskiert werden konnten. Die Klarsichtteile habe ich vorher noch in ein Töpfchen mit Future eingetaucht. Dies erhöht zum einen die Transparenz des Teils und zum anderen erhält man auch eine geschützte und optimierte Oberfläche für die Lackierung. Wie ich nach dem Abziehen der Masken nach der Lackierung feststellen musste, war die Idee sehr gut, denn im Innenbereich, den ich in Cockpit-Green lackierte, hatte ich einen kleinen Bereich vergessen und an dieser Stelle jetzt ein kleines Dreick in grüner Farbe. Kein Problem! Mit Hilfe eine Holzzahnstochers, der vorne etwas schräg abgeschnitten wurde, konnte ich die grüne Farbe problemlos abschaben. Future sei Dank!
Das Anbringen der Abziehbilder auf das vorher mit Klarlack behandelte Modell machte zwar Spaß, denn diese legten sich hervorragend an die Oberflächen an, allerdings war es auch ziemlich zeitintensiv. Es sind mehr als 100 Abziehbilder anzubringen, wobei gerade viele der Wartungshinweise extrem klein sind. Nach einer ausreichenden Trockenzeit habe ich dann die Abziehbilder mit einer weiteren dünnen Klarlackschicht für die folgenden Alterungsschritte geschützt.


Im Internet fand ich eine Originalaufnahme dieser Maschine, die deutliche Gebrauchs- und Abnutzungsspuren zeigt. Ebenso wirkten die blauen Bereiche nicht glänzend, sondern stumpf. Mit Hilfe von Panel-Line Washes, Acryl- und Ölfarben sowie Mattlack und Pigmenten habe ich dann versucht, dies am Modell entsprechend umzusetzen.
Schließlich wollte ich noch eine Figur hinzufügen. Meine Wahl dabei war eine Resinfigur von CMK eines US Piloten, der gerade sein Flugzeug besteigt. Gemäß Abbildung von CMK war für die Bemalung eine beige Tropenuniform vorgesehen. Entgegen dieser Vorgabe habe ich mich bei der Bemalung für die Standardausführung mit oliv grüner Hose und der legendären A2 Lederjacke entschieden. Auch in Japan ist es manchmal kühl …
Unter Verwendung eines Fotos vom Original des Fallschirmpakets auf dem Rücken des Piloten habe ich diverse Gurte, die an der Figur fehlten angebracht, die ich aus Tamiya Masking Tape anfertigte.



Damit war nun alles für ein kleines Fotoshooting bereit.



Fazit: Obwohl Revell/Monogram keinen perfekten Bausatz der P-47 Thunderbolt anbietet und beim Zusammenbau einige Hürden zu überwinden sind, ist es trotzdem möglich, am Ende ein schönes und überzeugendes Modell zu erhalten.
Schleierhaft bleibt für mich weiterhin, dass viele Modellbauer in ihren Bauberichten Schwierigkeiten beim Zusammenbau oder der Passung der Bauteile nicht erwähnen. Ich fände entsprechende Vorwarnungen extrem hilfreich.
Das fertige Modell kann bis Ende August in der Vitrine des Modellbaufachgeschäftes “Werken, Spielen, Schenken” in Berlin Steglitz an der Schloßstr. 110B, begutachtet werden.
Gert Brandl, Berlin (Juli 2026)

