Das Vorbild: Informationen zum Original sind hier im aktuellen Baubericht der 3,7cm Flak 37 auf Sonderlafette zu finden.
Zusätzlich will ich an dieser Stelle noch die drei wichtigsten Unterschiede zur 3,7cm Flak 36 auflisten:
– Wegfall des Sitzes für den Ladeschützen
– Rohrabdeckung vorne ohne Schlitze/Öffnungen
– Verwendung des Flakzielvisiers 37
Das Bauprojekt: Der Thematik Modelle und Bausätze der deutschen Flugabwehr im Zweiten Weltkrieg gilt mein Hauptinteresse und ich habe dazu fast schon alles gebaut, was man dazu in den Regalen der Modellbauläden finden kann. Darüber hinaus befinden sich auch noch zahlreiche Bausätze in meiner Sammlung, die inzwischen leider schon etwas ausgeufert ist. Aber damit stelle ich sicherlich keine Ausnahme dar.
Beim Bau der 3,7cm Flak auf Sonderlafette habe ich mich intensiv mit diesem Geschütz befasst und kenne nach eingehendem Studium der Dienstvorschrift und Fotos von Museumsexponaten fast jedes Detail der Waffe. Dieses Wissen wollte ich noch weiter nutzen und ein Modell dieser Flak auch im Maßstab 1:16 bauen. Bei der Suche nach einem geeigneten Bausatz erhält man natürlich sofort einen Treffer, der auf den Resin Bausatz von Verlinden verweist. Wenn man dazu aber etwas tiefer „gräbt“ muss man erkennen, dass der Bausatz inzwischen eine echte Rarität ist und nur noch zu Preisen deutlich über 100 Euro im Ausland erhältlich ist. Ein Kauf des Bausatzes in der USA hätte dann noch astronomische Versand- und Zollkosten zur Folge. Außerdem musste ich lesen, dass der Bausatz eher dem Maßstab 1:15 zuzuordnen ist. Was nun? Beim weiteren Suchen in einer bekannten Anbieterplattform fand ich dann doch noch ein gut aussehendes Angebot: Die gesuchte Flak mit 5 Figuren als 3D gedruckter Bausatz. Nach Kontaktieren des Anbieters ist es mir sogar gelungen, den Bausatz ohne Figuren zu einem angemessenen Preis zu erhalten. Dafür wurde ein neues Angebot mit der Option Sofortkauf eröffnet und ich konnte dann „zuschlagen“.
Die Freude war gross, als nach 5 Tagen ein Päckchen eintraf und ich die Bauteile eingehend begutachten konnte. Wahrscheinlich bin ich etwas pingelig in Bezug auf das eine oder andere Detail, aber was ich dann in Händen hielt, war zwar als Ausgangspunkt für ein schönes Modell geeignet, zeigte aber auch an einigen Stellen deutliche Schwächen auf. Wirklich schlecht sind die Teile für die Munitionszufuhr und die Munition der Waffe. Einige der Details sind lediglich im Ansatz vorhanden und stark vereinfacht oder fehlen. Aber – und das möchte ich ausdrücklich betonen – die Abmessungen stimmen im Wesentlichen mit dem Original überein und somit hatte ich eine solide Basis für mein Modellbauprojekt, das ich hier Schritt für Schritt vorstellen möchte.

Um alle Details vom Original optimal im Modell umsetzen und handhaben zu können habe ich die 3,7cm Waffe sowie die beiden Luftdruckkolben noch von der Waffenwiege mit Hilfe einer Mikrosäge getrennt und dann ging es wirklich unter ständigem Abgleich der Teile mit Originalfotos und der Dienstvorschrift los.
1. Die Lafettenbasis
Änderungen/Ergänzungen am Bausatzteil:
– Neuerstellung der Standzylinder mit Nieten und Schmiernippeln inklusive Tellerfuß
– Neuerstellung Handkurbel mit Transporthalterungen
– Neuerstellung Hecksporn der Lafettenbasis
– Neuerstellung Richtlibelle
– Überarbeitung Abdeckplatten vorne mit versenkten Schrauben
– Überarbeitung Aufnahmevorrichtung für Transport inklusive Transporthaken
– Überarbeitung der Hufeisenförmigen Versteifungsstrebe auf der Lafettenbasis


Die Transportzurrungseinrichtung am Bauteil ist seitenverkehrt umgesetzt, wurde entfernt und inklusive zusätzlicher Details aus Plastikplatte völlig neu aufgebaut.


2. Abfeuerungsmechanismus
Das Bausatzteil ist extrem vereinfacht und wurde durch ein neu erstelltes Teil inklusive Halterung an der Lafette ersetzt.


3. Richtanlage für Höhen- und Seitenrichtung
Das Teil entspricht im Wesentlichen dem Original und wurde lediglich mit Hilfe von Plastikplatten und Nieten optimiert.


4. Höhen- und Seitenrichtanlage
Diese Elemente sind beim Design extrem vereinfacht dargestellt und wurde massiv überarbeitet.


5. Linke Seite der Lafette
Hier wurden entsprechend Fotos vom Original kleine Details ergänzt. Besonders interessant dabei war es den Zweck der beiden Halterungen im mittleren Bereich des Seitenteils herauszufinden. Auf wenigen Einsatzfotos ist eine Art gebogener Schraubenzieher erkennbar. In der Dienstvorschrift konnte ich dazu keine weiteren Informationen finden.


6. Innenbereich der Lafette
Im Innenbereich der Lafette wurden im unteren Bereich Platten ergänzt und die beiden bogenförmigen Führungsschienen für die Waffenwiege aus Plastik erstellt und eingebaut.


7. Heckteil der Lafette
Am Rückteil der Lafette wurden der Verriegelungsmechanismus und ein Detail im oberen Bereich ergänzt.


8. Zielvisier
Vom Zielvisier 37 konnte ich diverse Fotos im Internet finden, unter dessen Verwendung das Bausatzteil massiv überarbeitet wurde.



9. Ausgleicherkolben für die Waffenhöhenrichtung
Die beiden Teile wurden inklusive der Halterungen überarbeitet und die Führungsstangen neu erstellt, wodurch das Geschütz in Bezug auf die Höhenrichtung damit funktionsfähig umgestaltet werden konnte.


10. Waffenwiege
Hier musste auf der rechten Seite ein Plastikstreifen ergänzt werden, da sich beim Design anscheind ein Fehler eingeschlichen hat.
Zusätzlich ergänzte ich Nieten und diverse Details auf beiden Seiten.




11. Die 3,7cm Waffe
Diese ist sehr gut umgesetzt und es waren nur wenige Ergänzungen erforderlich. Allerdings habe ich das Rohr um ca 3 mm am Übergang zur Halterung gekürzt, da es nach dem Abgleich mit dem Original etwas zu lang ausfiel. Darüber hinaus konnte ich im Internet eine perfekt gestaltetet Mündungsbremse finden, die ich mir von einem Bekannten drucken ließ.




Das Teil der Munitionszuführung war extrem vereinfacht und die darin bereits vorhandenen Munitionsclips weit vom Original entfernt. Unter Verwendung einiger sehr schöner Aufnahmen vom Original habe ich dann die Zuführung inklusive Verlängerung aus Plastik komplett neu aufgebaut.
12. Die Schutzplatte für den Richtschützen
Das Bauteil entspricht in Bezug auf dessen Form sehr gut dem Original, allerdings ist die Materialstärke mit knapp 2mm Dicke deutlich zu stark. Aus diesem Grund habe ich das Teil aus 0,5mm Plastikplatte neu aufgebaut und das Bauteil dazu als Vorlage genutzt. Zusätzlich ergänzte ich noch die U-Halterungen für den Werkzeugschlüssel und auch das Werkzeug selbst, das für den Rohrwechsel genutzt wurde.


13. Die seitliche Platte für den Ladeschützen
Auch dieses Teil ist in Bezug auf die Materialstärke zu dick und darüber hinaus befindet sich noch ein Magazin der Munition darauf an einer falschen Position. Aus diesem Grund wurde auch dieses Teil aus Plastikmaterial komplett neu erstellt.


14. Die Munition
Für die Munition, Munitionsclips sowie passende Munitionskisten habe ich perfekte 3D Designs im Maßstab 1:35 bei Cults 3D gefunden, die auf den Maßstab 1:16 vergrößert und ausgedruckt wurden.
Bemalung
Nach einer Grundierung der Lafette mit Mr Hobby Surfacer Mahagony und Mr. Hobby Schwarz für die Waffe und Munition habe ich noch ein paar Highlights mit weisser Farbe von Tamiya mit Hilfe der Airbrush aufgetragen.
Danach erhielten alle Teile ihre Grundfarben. Tamiya Dark Yellow für die Lafettenteile und einer Munitionskiste, German Grey für die zweite Munitionskiste und Schwarz für das Waffenrohr und die Munition.


Nach der Versiegungs mit Klarlack folgten dann die üblichen Alterungsschritte mit Hilfe von Washes, Pin-Washes einem leichten Chipping und Ergänzung von Abnutzungsspuren. Die Bemalung der Munition erwies sich dabei als nicht ganz trivial. Einen Munitionsstreifen habe ich mit der Airbrush „bemalt“ was in einer Maskier-Orgie mündete. Danach beschloss ich die Munition mit dem Pinsel zu bemalen, was sich als deutlich einfacher herausstellte und zu einem fast identischen Endergebnis führte. Bei zwei der Munitions-Clips wurde der jeweils fünfte Kopf der Granate gelb bemalt, was beim Original Leuchtspurmunition bedeutete.






Nach einer Versiegelung mit klarem Mattlack erhielten das Rohr und andere Teile noch ein „Buffing“ mit Graphitpulver, das mit Hilfe von Q-Tips aufgebracht werden konnte. Außerdem habe ich noch die Details am Zielvisier mit schwarzer seidenmatter Farbe bemalt.




Die zahlreichen Optimierungen und Ergänzung sind zwar am bemalten Modell nicht mehr erkennbar, aber das Endergebnis stimmt nun sehr gut mit dem Original überein und belohnt den Aufwand.




Für eine angemessene Präsentation habe ich noch eine passende Figur im Internet gefunden, die im 3D Druckverfahren produziert wurde. Da ich diese als Soldat einer Luftwaffen-Einheit darstellen wollte, wurden die Abzeichen auf der Uniform vorsichtig entfernt und durch Luftwaffen Abzeichen ersetzt, die ich als Ätzteile organisieren konnte. Zusätzlich habe ich noch fehlende Details an der Uniform wie die Taschenfalten der Brusttaschen und Uniformtaschen ergänzt und noch fehlende Uniformnähte mit einer Nadel eingraviert.




Die Grundbemalung erfolgte mit Hilfe der Airbrush und anschließend konnte ich die Details mit Acrylfarben und dem Pinsel herausarbeiten.


Fazit: Für einen angemessenen Preis kann man mit etwas Zeit (1 Monat) und Aufwand ein stimmiges Model der 3,7cm Flak 37 auch im Maßstab 1:16 anfertigen. Die Anpassungen sollten für jeden Modellbauer mit etwas Erfahrung realisiert werden können. Der Schlüssel zum Erfolg sind dabei Geduld und gute Abbildungen vom Original.
Das fertige Modell kann bis Ende September in der Vitrine des Modellbaufachgeschäftes “Werken, Spielen, Schenken” in Berlin Steglitz an der Schloßstr. 110B, begutachtet werden.
Gert Brandl, Berlin (Juni 2026)

