Das Vorbild: Der Steyr RSO mit Pak 40 (offiziell 7,5cm 40/4 auf gepanzerter Selbstfahrlafette RSO) war ein improvisierter deutscher Jagdpanzer des Zweiten Weltkrieges. Er kombinierte das bewährte vollkettengetriebene Fahrgestell des Raupenschleppers Ost (RSO) mit der schlagkräftigen, weit verbreiteten 7,5cm Panzerabwehrkanone 40.
Der Bausatz: Das österreichische Label Fertigungswerk16 von Lukas Raitmayr kennt man seit langem für Modellbausätze im Maßstab 1:16, von denen einige sogar RC-tauglich sind. Nach reiflicher Überlegung hat Lukas sich nun dazu entschlossen, die wirklich tollen Designs auch im Maßstab 1:72 und 1:35 als 3D Druck Bausätze anzubieten. Im Maßstab 1:35 findet die Premiere mit dem österreichischen Panzer Kürassier in zwei verschiedenen Ausführungen und wahlweise dazu auch passende Figuren statt. Meines Wissens ist das der einzige existierende Bausatz von diesem Panzer.
Für den kleinen Maßstab 1:72 geht es mit verschiedenen Ausführungen vom Steyr RSO los. Darunter findet man die regulären Pritschenversionen mit normaler oder Einheitskabine (offen und geschlossen) sowie die Variante mit Kofferaufbau als Sanitäts- oder Verpflegungsfahrzeug mit Gulaschkanone. Das Highlight für mich ist allerdings die gepanzerte Selbstfahrlafette mit 7,5cm Pak 40/4.
Der Bausatz besteht aus insgesamt 6 Teilen, die auf 5 Teileträger gedruckt sind. Die beiden Laufwerksteile mit den Rädern, der Rad-Aufhängung und den Ketten machen einen hervorragenden Eindruck. Auch das Fahrzeugchassis mit dem Auspuff sieht sehr gut aus. Beim gepanzerten Aufbau sind kleinste Details wie die Verschlusshaken der Pritsche und Scharniere maßstabsgetreu umgesetzt, was mich extrem begeistert. Allerdings gibt es auch dabei auch einen Wermutstropfen, denn insbesondere auf den vorderen Platten des Aufbaus und den Seitenwänden sind mir Rillen vom Druckvorgang aufgefallen. Mehr dazu später. Die Waffe mit Schutzschild sieht auch überzeugend aus und hier will ich die maßstabsgetreuen Handräder zum Richten der Waffe sowie die Zieloptik besonders lobend erwähnen. Aber auch hier findet man Druckrillen auf dem Schutzschild. Absolut perfekt wiederum ist die Lafettenbasis mit feinsten und kleinsten Details!





Weil mich dieses Fahrzeug schon immer begeistert hat, konnte ich mich nicht bremsen und habe umgehend alle Teile von den Druckstreben befreit und genauer begutachtet. Mein erster Eindruck hat sich dabei bestätigt. Die Laufwerksteile und die Lafettenbasis waren innerhalb kürzester Zeit fertig und konnten für den Bau zur Seite gelegt werden. Bei dem Chassis musste ich an den Seiten nur noch minimal nachschleifen und die Aufnahmelöcher für die Laufwerksteile nachbohren und dann war auch dieses Teil sauber. Anders sah es mit dem gepanzerten Aufbau und der Hauptwaffe aus. In beiden Fällen waren drei Schleif- und Grundiervorgänge erforderlich, bis sich ein zufriedenstellendes Ergebnis einstellte. Das Problem dabei sind nicht die Druckrillen selbst, sondern die Tatsache, dass sich auf den zu schleifenden Flächen auch kleine Nieten oder andere filigrane Details befinden, um die man extrem vorsichtig „herumschleifen“ muss, um diese nicht zu zerstören. Als optimal erwies es sich dann, vorsichtig mit dem Rücken einer Bastelklinge über die Flächen zu schaben und diese so zu glätten.
Hier ein Foto von der Lafettenbasis mit kleinsten Scharnieren und Handgriffen und das Ergebnis der ersten Schleifaktion vom Aufbau nach einer Grundierung, bei dem noch Druckrillen insbesondere am Schild der Pak erkennbar sind.



Damit war schließlich alles fertig für den Zusammenbau und die Bemalung. Bei der Lackierung habe ich mich für ein Dreifarben-Tarnmuster entschieden, das ich mit der Airbrush aufgetragen habe. Bei künftigen Modellen im Maßstab 1:72 würde ich für das Tarnmuster eher zum Pinsel greifen.
Nach einer Versiegelung mit Klarlack habe ich noch Kleinteile wie die Zieloptik und die Griffe der Steuerung und die Ketten bemalt und dann das Modell einem Wash und Pin-Wash unterzogen. Den Abschluss bildeten ein paar kleine Kratzer und Rostspuren und ein dezentes Drybrushing.
Und fertig war der RSO Zwerg.




Fazit: Das Down-Sizing der Designs von 1:16 auf 1:72 ist im Fall des RSOs tatsächlich perfekt gelungen und ermöglicht die Darstellung von Details, die ich so im kleinen Maßstab nicht oft gesehen habe. Noch verbesserungswürdig sind allerdings kleine Druckrillen, die aber sicherlich durch Optimierung des Druckverfahrens reduziert werden können. Ich habe die entsprechende Rückmeldung an Lukas weiter gegeben und drücke die Daumen, dass der Einstieg in den kleinen Maßstab erfolgreich verläuft.
Erhältlich direkt beim Fertigungswerk16.
Die reguläre Version des RSO mit Pritsche und die Version RSO/03 mit Feldküche habe ich inzwischen auch schon gebaut und bemalt.
Gert Brandl, Berlin (Mai 2026)




Wow, Mega stark in so klein