Das Vorbild: Der S.S. 100 wurde im Herbst 1935 parallel zum S.S. Jaguar 2 1/2 Litre von der S.S. Cars Ltd. auf den Markt gebracht, und zwar, wie sein Vorgänger S.S. 90, als zweisitziger Roadster. Es ist das erste Fahrzeug, das den Namen Jaguar trägt. Im März 1945 wurde die Firma des Herstellers auf Jaguar umgeändert, da der Nationalsozialismus dem Kürzel SS ein negatives Image bescherte.
(Auszug aus Wikipedia)
Bausatz: Mit der Wiederauflage des Jaguar S.S. 100 bringt Revell endlich wieder einen echten Klassiker aus unseren Kindertagen zurück auf den Basteltisch. Der Bausatz stammt ursprünglich aus dem Jahr 1975 und wurde damals von Matchbox entwickelt. Die älteren Modellbauer unter uns werden sich noch gerne an den MATCHBOX Bastelwettbewerb aus dem Jahre 1977 erinnern. Einige von uns haben vielleicht sogar noch Ihren Siegerpokal von damals in Ihrer Trophäensammlung stehen. Nun, nach all den Jahren, erscheint der legendäre Roadster im Rahmen der „Revell Classics“-Reihe erneut, versprüht dabei jede Menge nostalgischen Charme und bringt uns schöne Kindheitserinnerungen zurück.
Erster Eindruck: Schon beim Öffnen der praktischen Klappschachtel wird klar: Hier erwartet den Modellbauer ein Stück Modellbaugeschichte. Die Teile sind überschaubar und sauber gegossen, allerdings merkt man dem Kit doch etwas sein Alter an. Moderne Detaillierungsstandards darf man hier nicht erwarten, dafür aber einen unkomplizierten und sehr angenehmen Bau.






Material und Ausführung: Der Bausatz ist klassisch aufgeteilt:
- Karosserie in grauem Kunststoff
- Fahrgestell, Motor und Felgen in silbernem Kunststoff
- Frontscheibe und Scheinwerfergläser aus klarem Kunststoff
- Reifen aus Gummi
- Insgesamt 71 Bauteile








Gerade die Gummireifen mit dem klassischen DUNLOP Schriftzug fallen allerdings durch einen recht deutlichen Grat auf, der vor der Verarbeitung entfernt werden sollte, was bei dem sehr weichen Material nicht ganz einfach wird. Der ambitionierte Modellbauer sollte auf die Suche nach passenden Kunststoffspritzgussreifen gehen oder sich im Bereich der 3D Druckteile umschauen.



Details und Schwächen: Die Detaillierung entspricht dem technischen Stand der 1970er Jahre. Besonders auffällig sind die Speichenräder: Während die Außenseite noch halbwegs überzeugend dargestellt ist, sind die inneren Bereiche lediglich als profilierte Scheiben ausgeführt, vermutlich sollen hier die in den 1930-iger Jahren üblichen Trommelbremsen nachempfunden werden. Das wirkt aus heutiger Sicht aber deutlich vereinfacht.
Auch Motor und Fahrwerk sind eher rudimentär gehalten. Wer hier mehr Realismus möchte, kommt um Eigeninitiative nicht herum. Dem Motor muss man zugutehalten, dass dieser bei geschlossener Fronthaube später nicht mehr sichtbar sein wird.
Bemalung/ Anleitung: Der Decalbogen ist sauber und detailliert ausgeführt. Das Armaturenbrett wird hierdurch schön aufgewertet. Das Nummernschild und die weiteren Decals runden den Bausatz ab.


Die Bauanleitung wurde von Revell komplett überarbeitet und ist in ihrer modernen, farbigen Ausführung auch für den Anfänger leicht zu verstehen. Der Zusammenbau des Modells orientiert sich hier an einer wirklichen Automontage. Die erforderliche Farbpalette ist in bekannter Revell Manier ausgeführt. Die einzelnen Farbenangaben finden sich auch sehr übersichtlich an den richtigen Stellen im Bauplan und erleichtern den Baufortschritt ungemein. Leider soll der Modellbauer auch bei diesem Bausatz eine Farbe selbst anmischen. Ein Fakt, der den nostalgischen Aspekt des Bausatzes unterstreicht, im Jahre 2026 bei hunderten verfügbaren Farbtönen wie sie uns Modellbauern zur Verfügung stehen, heute jedoch leider nicht mehr zeitgemäß ist. Hier sollte man bei Revell einmal über mögliche Alternativen nachdenken.
Fazit: Ein echter Pluspunkt ist für mich der Maßstab 1:32. In diesem Bereich gibt es vergleichsweise wenige zivile Fahrzeuge aus den 1930/ 40-iger, was den Bausatz besonders interessant für Dioramen macht – etwa in Kombination mit Flugzeugen im gleichen Maßstab. Gerade für Szenen aus der Vorkriegs- bis frühen Nachkriegszeit bietet sich der elegante Roadster hervorragend an. Sauber lackiert kann hier ein wirklicher Augenschmaus entstehen.
Der Jaguar S.S. 100 von Revell Classics ist kein hochdetaillierter High-End-Bausatz, sondern ein nostalgisches Stück Modellbaugeschichte. Mit etwas Liebe zum Detail lässt sich daraus dennoch ein sehr ansprechendes Modell bauen. Trotz seines Alters – oder vielleicht gerade deswegen – eignet sich der Bausatz hervorragend für Einsteiger. Die überschaubare Teilezahl, die einfache Konstruktion und die moderne Revell-Bauanleitung sorgen für schnelle Erfolgserlebnisse sicherlich auch bei ungeübten oder jungen Modellbauern. Ein schöner Klassiker, der zeigt, wie viel Spaß auch ein 50 Jahre alter Bausatz noch machen kann.
RH (März 2026)

