Vorbild:
Die Entwicklung der Lysander resultierte aus einer Ausschreibung im Jahr 1935, mit der ein moderner Entwurf für ein Verbindungsflugzeug gefordert wurde, der die Vorgängertypen Audax, Hardy und Hector bei der RAF ersetzen sollte. Entwicklungsziele waren dabei ein gutes Beobachtungsfeld für den Piloten, eine gute Flugcharakteristik, gute Langsamflugeigenschaften und die Fähigkeit, auch von improvisierten Feldflugplätzen operieren zu können. Westland entschied sich daraufhin die Eigentwicklung mit der Projektbezeichnung P.8 ins Rennen um den Auftrag zu schicken. Mit Erfolg: Im Mai 1936 gab es vonseiten des britischen Air Ministry den Zuschlag; am 15. Juni desselben Jahres absolvierte das Flugzeug seinen Erstflug in Boscombe Down. Benannt wurde die P.8 – von der zunächst 169 Stück geordert wurden – in diesem Zuge nach einem 395 v. Chr. gefallenen spartanischen Politiker und Flottenkommandanten, da die Vorgaben des Air Ministry für Verbindungsflugzeuge „klassische Namen“ vorsahen.

Im Juni 1938 konnten die ersten britischen Lysander in den Truppendienst übergeben werden, bei Kriegsbeginn wurden erste Verbände mit dem britischen Expeditionskorps (BEF) aufs europäische Festland verlegt. Die Bilanz der Einsätze im Jahr 1940 fiel jedoch verheerend aus: Von 174 entsandten Lysander wurden 88 abgeschossen, weitere 30 wurden am Boden zerstört (sowohl durch den Gegner als auch aufgrund von Treibstoffmangel durch eigene Kräfte). Im Ergebnis brachten die sieben in Frankreich eingesetzten Squadrons der RAF nur noch ca. 50 Maschinen zurück auf die Insel, zudem beliefen sich die Verluste auf 120 Mann an fliegendem Personal.

Bereits 18 Monate später sollte die Lysander jedoch zurückkehren, da sie aufgrund ihrer Flugeigenschaften hervorragend für Spezialoperationen im deutsch besetzten Frankreich geeignet war: Sie war das Muster der Wahl, um im Auftrag des Special Operations Executive (SOE) nachts Sabotageagenten oder Versorgungsgüter nach Kontinentaleuropa zu bringen, als Lufttaxi für führende Angehörige der Resistance zu Schulungen und Besprechungen in Großbritannien zu dienen oder auch um abgeschossene alliierte Piloten zu evakuieren. Darüber hinaus wurde sie im Laufe des Krieges auf britischer Seite auch noch für Seenotrettungseinsätze und als Zielschlepper genutzt.

Weitere Staaten, die die Lysander im Zweiten Weltkrieg und kurz danach nutzten, waren Ägypten, Finnland, Frankreich, Irland, Jugoslawien, Kanada, Portugal sowie die Türkei und die Vereinigten Staaten. Während die ca. 130 gebauten Mk. I noch das klassische Verbindungsflugzeug darstellten, war die Mk. III – mit ca. 1.600 Exemplaren die meistgebaute Variante – ein schweres und vielseitigeres Flugzeug, welches für Spezialeinsätze unterschiedlich ausgerüstet werden konnte. Der Preis dafür waren allerdings schlechtere Flugeigenschaften, d.h. eine etwas geringere Höchstgeschwindigkeit, schlechtere Steigleistungen und eine niedrigere Dienstgipfelhöhe.

Das Modell:
AIRFIX – soviel sei vorab verraten – liefert mit seiner Lysander ein zeitgemäßes Modell dieses ikonischen Hochdeckers mit Sternmotor ab (vgl. auch Anmerkung unter dem Punkt Literatur). Bauen lassen sich die Versionen Mk. I und Mk. III, die beide über einen Bristol Mercury – wenn auch in unterschiedlichen Versionen – als Triebwerk verfügten. Besondere Berücksichtigung bei dem Modell verdienen nach meiner Auffassung die Gestaltung des Rumpfinnern (64 der 171 zu verbauenden Teile finden darin ihren Platz), wobei neben dem Cockpit u.a. der gesamte Gitterrohrrahmen nachgebildet wird, und die sauber ausgefertigten Klarsichtteile, die nach dem Bau gute Einblicke erlauben werden. Lobenswert ist generell die Qualität der Spritzgussteile, die bei dem Besprechungsmuster alle sauber ausgeformt und ohne Sinkstellen waren. Aber seht selber:

Die Bauanleitung ist dabei typisch für die neueren AIRFIX-Bausätze: 118 kleinteilige Baustufen auf insgesamt 16 Seiten in schwarz-weiß, wobei das jeweils zuletzt eingebaute Teil rot dargestellt wird und Klarsichtteile blau hervorgehoben sind.

Markierungsvarianten und Abziehbilder:
Der Bogen mit den Abziehbildern für zwei Versionen ist vom Format her übersichtlich (Postkartengröße), dafür aber sauber und ohne Versatz gedruckt. Zusätzlich gibt es auch noch einen farbig ausgestalteten Bogen im Format DIN-A3, der die Bemalung beider Maschinen nebst eventueller Außenlasten sowie der zu verwendenden Decals hervorragend erläutert. Die Farbangaben in der Anleitung beziehen sich leider nur auf Humbrol. Da es sich jedoch um Standardfarben britischer Flugzeugmuster bzw. um ohnehin gängige Farben wie Schwarz, Weiß, Aluminium und dunkles Metall handelt, dürfte dem geneigten Modellbauer der Ersatz durch Farben anderer Marken nicht schwer fallen.

Fazit:
Ein tolles Modell eines historisch bedeutsamen Flugzeugs in sehr guter Qualität. Lobenswert ist generell die Detaillierung sowie die saubere und filigrane Ausführung. Im Handel ist das Modell derzeit ab ca. 35 Euro zu erwerben. Nicht nur für Freunde der RAF eine klare Kaufempfehlung, da die Maschine durch ihre weite Verbreitung und ihre vielen Einsatzzwecke unzählige – auch knallbunte – Farbkleider getragen hat.

Darüber hinaus sei noch auf folgendes Zubehör verwiesen, dass sowohl den Bau weiterer Maschinen gestattet als auch Superdetaillierungen zulässt:
– ASK 200-M48299 Scale Mask Double Sided (Maskierfolie für Innen- und Außenseite)
– CMK 4495 Lysander Mk. III (SD) Conversion set (Decals für vier Maschinen und Zurüstteile)
– CMK 4497 Lysander Mk. II Conversion set (Bristol Perseus-Triebwerk für die Version Mk.II und Decals für vier Maschinen)
– CMK 4500 Lysander ASR Equipment (Ausrüstung für Seenotrettung)
– CMK 4501 Lysander Bomb Ordnance Set (Abwurfwaffen)
– CMK 4502 Lysander Practice Bomb Set (Übungs-Abwurfwaffen)
– CMK 4503 Lysander Parachute Container (Zwei Fallschirmcontainer)
– CMK 4504 Lysander Smoke Curtain Installation Container (Zwei Vernebelungsbehälter)
– EDUARD 644305 Lysander Mk.I/Mk.III LööK (Gerätebrett und Gurte)
– EDUARD 6481115 Lysander wheels 1/48 (Resinräder nebst Lackierschablonen)
– EDUARD 6481120 Lysander Mk.I ammo magazines (gedruckte Magazine nebst Drehteller für das MG Vickers K des Heckschützen für Mk.I und Mk.II)
– special hobby P48039 Lysander exhaust (zwei Typen von Abgasanlagen)

AIRFIX gebührt an dieser Stelle Dank für das Besprechungsmuster.

Literatur:
Richard A. Franks, The Westland Lysander – A Technical Guide, Airframe Detail No. 9 Second Edition, Valiant Wings Publishing Ltd., 2025 [Anm. Das Heft behandelt sowohl Einsatzgeschichte und Technik des Originals als auch das hier vorgestellte Modell mit einem Baubericht, in dem ein äußerst positives Fazit darüber gezogen wird.]

Matthias Böcking, März 2026

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