Vorbild: Der Torpedobomber Grumman TBF Avenger war eine der bekanntesten Konstruktionen der US Navy und des US Marine Corps. Die bei General Motors entstanden Maschinen hatten die Bezeichnungen TBM. Die Avenger entstand als Ablösemuster der der Douglas TBD Devastator, und die US Navy bestellte zwei Prototypen. Unter der Bezeichnung der XTBF-1 flog das erste Exemplar am 07. August 1941.

Trotz des Absturzes von zwei Prototypen wurde die Produktion vorbereitet. Heraus kam das schwerste einmotorige Flugzeug des zweiten Weltkrieges. Ab 1942 begann die die bis 1960 andauernde Karriere dieses Flugzeuges.

Der Bombenschacht war für ein einzelnes Bliss-Leavitt Mark 13-Torpedo, eine einzelne 907kg-Bombe oder vier 227kg-Bomben ausgelegt. Voll ausgerüstet hatte die Avenger eine Reichweite von ca. 1.600 km. Angetrieben wurde das Flugzeug von einem Wright R-2600-Sternmotor mit 1.700 PS. Spätere Modelle wurden bis 1960 in der ASW und AEW-Rolle eingesetzt. Weitaus länger währte der Einsatz als Löschflugzeug in den USA und Kanada.

Bei der Eastern Aircraft Division von General Motors gebaute Exemplare führten die Bezeichnung TBM. Die TBF-1C/TBM-1C hatte in der Tragfläche die Möglichkeit zum Einbau von zwei Kaliber 0.5 MGs (12,7mm) und eine Treibstoffzuladung von 2.748 Litern. Insgesamt entstanden von dieser Variante 765 bei Grumman und bei Eastern Aircraft 2.336 Exemplare.

Bausatz: Lange war die Avenger von Hasegawa in 1/72 das Maß aller Dinge. Vor einigen Jahren kamen bei Sword einige teils exotische Varianten heraus. HobbyBoss folgte 2024 mit einer TBF-3. Nun legt HobbyBoss aus China einen Bausatz der TBF-1C in 1/72 vor, der ebenfalls eine neue Generation darstellt. In dem sehr stabilen Karton befinden sich sehr gut verpackt sechs graue Spritzlinge mit 161 (!) Teilen, ein klarer Spritzling mit 15 Teilen, ein Fotoätzteilbogen mit elf Teilen, ein Bogen weiße Masken, ein Decalbogen, die mehrfarbigen Bemalungshinweise und die S/W-Bauanleitung.

Die Bauteile machen an den Spritzgussrahmen einen sehr guten Eindruck. Es gibt feine dezente Strukturen mit Nietreihen. Sollen diese sichtbar bleiben, dann hilft nur eine Airbrush-Lackierung. HobbyBoss hat auch optionale Teile für die Tragfläche dabei. Hier muss für den Bau der angeklappten Tragfläche keine Säge angesetzt werden.

Der Bau beginnt mit dem Cockpit. Hier hat man fünfzehn Teile zu verbauen. Leider vermisst man hier die Sitzgurte. Dafür sind die Teile extrem fein abgespritzt. Für das Instrumentenbrett wird ein Decal verarbeitet.

Der kleine Wright-Sternmotor wird aus drei Teilen zusammengefügt. Das geht für den Maßstab in Ordnung. Wer mehr will, der wird sicherlich im Zubehörmarkt (Metallic Details z.B.) fündig.   

Weiter geht der Bau mit dem sehr schön detaillierten Waffenschacht. Dieser kann optional offen gebaut werden. Hierfür liefert HobbyBoss nicht nur verschiedene Bomben oder einen Torpedo, sondern auch noch einen Zusatztank.

Der kleine Drehturm auf dem Rumpfrücken ist sehr detailliert. Hier sind elf Teile unterm Klarsichtteil zu montieren. Leider findet der Bordschütze auch keinen Sitzgurt vor. Vielleicht kann man hier paar neue „Waffen“ einbauen…

Bevor die beiden Rumpfhälften zusammengefügt werden, muss man u.a. den Fanghaken, das Spornrad und den Tragflächenholm einbauen. Anschließend kann man sich entscheiden, ob der Bombenschacht oder die Einstiegstür geschlossen oder geöffnet bleiben kann. Für die geschlossenen Schachtklappen müssen deren Halterungen entfernt werden.

Danach folgt die schwierigste Entscheidung: Soll die Tragfläche beigeklappt oder in Flugposition gebaut werden?!? HobbyBoss liefert für beide Optionen die entsprechenden Teile. Die Tragfläche kann mit Raketen und deren Halterungen sowie Zusatztanks bestückt werden. Fotogeätzte Antennen liefert man auch gleich noch mit.

Das Hauptfahrwerk ist tadellos nachgebildet worden. Die Räder sind einteilig aus Spritzguss. Leider ging das zu Lasten des Reifenprofils. Die Klappen für die Motorabwärme können alternativ offen oder geschlossen sein. Hier liefert HobbyBoss die entsprechenden Alternativteile.

Die Klarsichtteile verdienen wirklich diesen Namen. Sie sind auch recht dünn und vor allem durchsichtig. HobbyBoss liefert die passenden Masken gleich selbst mit. In den Bemalungshinweisen wird auf die Farbsysteme von Mr. Hobby, Acrysion, ModelMaster, Tamiya und Humbrol verwiesen. Bei der Bemalungsoption mit der Maschine der USS Monterey habe ich meine Zweifel. Hier haben die Hoheitszeichen der US Navy rote Ränder. Daher kann die Maschine nur aus der Zeit der Einsatzerprobung stammen. Der erste Einsatz der USS Monterey war im Pazifik ab dem 10. November 1943. Da gab es diese Form der Hoheitszeichen nicht mehr…

Bemalungen:

  • TBF-1C, weiße 97/BuNo 48102, VT-2, USS Hornet (CV-12), Sommer 1944;
  • TBF-1C, weiße C-5, VC-30, USS Monterey (CVL-26), 1943.

Fazit: HobbyBoss liefert hier ein sehr gut detaillierten Bausatz der Grumman TBF-1C Avenger in 1/72. Aufgrund der Teilezahl ist er nicht für Anfänger geeignet. Für den fortgeschrittenen Modellbauer ist er sehr zu empfehlen.

Literatur:

TBF/TBM Avenger, In Action 225, David Doyle, Squadron/Signal Publication 2012, ISBN 978-0-89747-656-0.

Volker Helms, Godern (Dezember 2025)

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