Geschichte: Mit der Mk. V versuchte die RAF nach Ende der Battle of Britain ihr wichtigstes Jagdflugzeug soweit zu verbessern, dass es der damals neu aufgetauchten Bf 109 F der Luftwaffe ebenbürtig blieb. Um Unterbrechungen in der Produktion zu vermeiden, wurden einzig Rumpf und Motorträger der Mk. II verstärkt, um stärkere Motoren der 45er-Reihe des Rolls-Royce Merlin mit 1.470 PS aufnehmen zu können. Dazu musste u.a. der Ölkühler vergrößert werden, er wurde rund anstatt der anfänglichen U-Form. Die Flügel der Serie Mk. Va waren wie die früheren Spitfire-Reihen mit je vier MGs pro Flügel ausgestattet, während die Mk. Vb zwei 20mm-Kanonen zusammen mit zwei MGs erhielt, ab der Mk. Vc kam dann meist der C-Wing zur Verwendung, der den Einbau von allen Kombinationen von Schusswaffen ermöglichte.

Der Kit: Eduard führt weiter sein optisches Makeover für die Kits durch, und der Karton für den Mk.Vb mid-Kit ist im neuen Schwarz-Senf-Design gehalten. Den stabilen Karton ziert ein sehr ansprechendes Deckelbild mit einem Luftkampf zwischen mehreren Spitfires und frühen Fw-190, von denen eine bereits getroffen ist und brennt, was allerdings ein eher seltenerer Casus war, da das Erscheinen der Würger ja bekanntermaßen zu zeitweiligen Flugverboten der Spitfire Mk. V führte, bis mit der Mk. IX endlich ein der Fw 190 ebenbürtiges Jagdflugzeug für die RAF zur Verfügung stand.

Im Karton finden sich eine farbige, 20-seitige Hochglanz-Bauanleitung, rund 214 dunkelblaugraue Kunststoffteile an fünf Rahmen, je zu zweit in wiederverschließbaren Tüten verpackt, ein Rahmen mit 21 Klarsichtteilen, ein Rahmen bedruckte Fotoätzteile und Eduards hauseigene Lackiermasken auf Kabukipapier, die beiden letzteren in Clipsbeuteln. Von den farbigen Kunststoffteilen sind 62 nicht zu verwenden, von den Klarteilen landen acht Teile in der Restekiste. Die Qualität ist wie von den letzten Bausätzen her bekannt makellos, Sinkstellen und Grat fehlen gänzlich, Auswerfermarkierungen sind an Stellen gelegt worden, wo sie nach dem Bau unsichtbar bleiben.

Die Oberfläche zeigt feinste versenkte Gravuren in verschiedenen Stärken und auch die Nieten sind in mehreren Varianten zu finden. Die kleinsten auf den Beplankungsblechen sind kaum zu sehen und dürften nach der Lackierung noch weiter in den Hintergrund treten. Dann gibt es größere Exemplare z.B. an den Rumpf-Flügel-Übergängen und schließlich findet man etwas erhaben nachgebildete Schnellverschlüsse an der Motorhaube und realistisch erhabene Niete am hinteren Rumpf. Wem letztere zu prominent sind, kann sie durch Abschleifen mildern. Ob die vorderen Flügelränder anders als bei diesem Kit bei frühen Spitfires nicht eher aus ungenieteten Blechen bestehen, war bereits auf dem letzten Clubabend ein heiß diskutiertes Thema. Weiter finden sich im Karton zwei Decalbögen auf hellblauen Grund, ein großer mit den Abzeichen und ein kleiner mit den Wartungshinweisen, beide sind im eigenen Haus gedruckt, von guter Farbsättigung und randscharf.

Die Rahmen sind ausnahmslos alle mit „Spitfire Mk. I – V“ markiert. Die Glasteile sind dünn und klar. Während die Windschutzscheibe immer ein separates Teil ist, liegen für den Rest der Verglasung entweder eine separate Schiebehaube und das Rumpfrückenteil bei, oder, zum Bau der Haube im geschlossenen Zustand gibt es ein kombiniertes Hauben- und Rumpfrückenteil. Alle Steuerflächen bis auf die Landeklappen sind separat nachgebildet. Beim Höhenruder gibt es ein gemeinsames Bauteil für beide Seiten mit einer durchgehenden Achse. Dies entspricht im Prinzip der Konstruktion des Originals und verhindert bei Hektikern wie mir, dass die Ruder auf jeder Seite anders stehen. Höhenleitwerk und -ruder gibt es außerdem mit schrägen wie mit geraden Ausgleichsflächen, wobei nur die schräge Variante hier zur Verwendung kommt.

Das Cockpit wird durch ein vierseitiges geschlossenes Bauelement repräsentiert. Hier findet sich eine große Detailfülle, die durch die Verwendung der beiliegenden bedruckten Ätzteile noch weiter erhöht wird. Die Ätzteile bieten ein mehrschichtiges Instrumentenbrett, etwas schmale cremefarbene Gurte (Sutton-Typ?), unbedruckte Panzerplatten für den Piloten, die recht komplexe Fahrwerkskontrolle und diverse weitere Kleinteile. Die Auspuffrohre sind leider am Ende nicht hohl. Es liegen zwei verschieden Propeller bei, einmal DeHaviland und einmal Rotol, beide dreiblättrig. Passend dazu gibt es einen flacheren Rotol- und einen spitzen De Havilland-Spinner, verwendet wird aber nur der Rotol-Propeller. Für das Fahrwerk gibt es dreiteilige Fünfspeichenräder mit Radial Tread bzw. in Smooth.

Der Fahrwerksschacht ist wie immer bei neueren Eduard-Kits modular aufgebaut aus einer Vorderwand, die gleichzeitig dazu dient, die Winkelung der Tragflächen sicherzustellen und diese zu versteifen, und je Seite sechs weiteren Wandelementen. Das Spornrad ist ein separates Teil, das zwischen den zwei Teilen der Gabel eingebaut wird. Die Flügel-MGs sind, obwohl sie nach dem Zusammenbau fast völlig im Tragwerk verschwinden, einzeln einzusetzen. Sehr komplex sind auch die beiden Wasser- bzw. Ölkühler unter den Flügeln aufgebaut. Die Gitter bestehen aus Ätzteilen, die Abluft-Klappen sind separat, haben kleine Stellhebel und können im gewünschten Öffnungswinkel angebaut werden.

Nachdem man sich durch die Bauanleitung durchgearbeitet hat, erwartet einen noch Eduards Positionierungsanweisung für die hauseigenen Lackiermasken. Anmerkung: Statt Flüssigmasken wie Maskol, Micro Mask o.ä. sollte man zum Abdecken der größeren unbedeckten Flächen lieber Reste von Tamiyaband oder Kreppband benutzen, das geht einfacher und läßt sich sauberer wieder ablösen. Über die empfohlenen Farben informiert eine kleine Tabelle auf Seite 2 der Anleitung, die aber leider nur Farben des wasserbasierten und des lösungsmittelbasierten Gunze-Sortiments aufführt.

Schließlich bleiben die sieben Bemalungsvorschläge für die hauseignen Decals zu nennen:

A: BL336, „RoST“, W/Cdr. Robert S. Tuck, CO of Biggin Hill Wing, RAF Biggin Hill, Großbritannien, Dezember 1941 – Januar 1942 in Dark Green und Ocean Grey über Medium Sea Grey mit Spinner und Rumpfband in Sky.

B: BM124, „LOoW“ S/Ldr Brendon E.F. Finucane, CO of No. 602 Squadron, RAF Kenley, Großbritannien, April 1942, Bemalung wie Variante A;

C: BL299, „NXoA“ S/Ldr. Michael G. F. Pedley, CO of 131 Squadron, RAF Lianbedr, Großbritannien, Januar – April 192, Bemalung wie Variante A;

D: BL594, „RFoG“, F/O Eugeniusz Horbaczewski, No. 303 Squadron, RAF Kirton-in-Lindsey, Großbritannien, Juni 1942, Bemalung wie Variante A, persönliches Abzeichen weißer Pegasus links vor dem Cockpit und kleine polnische Flagge beidseits an der Motorhaube;

E: BL829 „BoSH“, F/Lt, John Plagis, No. 64 Squadron, RAF Coltishall, Großbritannien, März – September 1943, Bemalung wie Variante A mit Invasionsstreifen an den Flügelspitzen;

F: BL547 „AEoR“: F/O Rick R. Richards, no 402 Squadron, RAF Horne, Großbritannien, Juni 1944, Bemalung wie Variante A mit Invasionsstreifen auf den Flächenwurzeln und um den Rumpf und persönlichem Abzeichen schleichender Jäger auf der linken Motorhaube;

G: BL255 „MD*T“ Lt. Don S. Gentile, 336th,4th FG, 8th AF, Debden, Großbritannien, November 1942, Bemalung wie Variante A, auf Rumpf und Tragflächen frühe USAAF-Kokarden ohne Balken, auf den nicht markierten Bereichen auf der anderen Flügelseite und um die Sterne herum Übermalungen der britischen Kokarden mit „frischer Farbe“, sowie Gentiles bekanntes persönliches Abzeichen, der boxende Papagei links auf der Motorhaube;   

Über die Platzierung der Wartungshinweise klärt wie immer eine Anleitung auf der letzten Seite der Instruktionen auf.

Fazit: Eduard bietet hier eine weitere tolle Auflage ihrer Serie der frühen Spitfires, diesmal nur in Großbritannien stationierte Vorbilder. Wegen der zahlreichen kleinen Teile und der Ätzteile ist dieser Kit nur Modellbauern mit etwas Erfahrung zu empfehlen.

Utz Schißau (Januar 2026)

Literatur (- sehr – kleine Auswahl)

 

  • Bauanleitung
  • Scutts, J., Spitfire in action, Aircraft Number 39, Squadron/Signal Publications
  • Humphreys, R., The Supermarine Spitfire Part 1: Merlin Powered A Comprehensive Guide for the Modeller, Modeller´s Datafile 3, SAM Publications

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