Vorbild: Der NH90 (NATO-Helicopter 90) ist ein mittelschwerer militärischer Transporthubschrauber. Frankreich, Italien, die Niederlande und Deutschland begannen Mitte der 1980er Jahre mit der Konzipierung eines leichten allwetter- und nachtflugtauglichen Mehrzweckhubschraubers für Heer und Marine. Es sollte der erste elektronisch gesteuerte Helikopter (fly-by-wire) werden. Der Prototyp flog Ende 1995. Der seegestützte NFH (NATO Frigate Helicopter) hatte 2005 seinen Erstflug. Die deutsche Marine hat den NTH (Naval Transport Helicopter) seit Mitte 2020 auf dem Fliegerhorst Nordholz stationiert. Quelle: Wikipedia

Bausatz: Der Bausatz ermöglicht den Bau eines französischen NFH oder eines deutschen NTH. Als erstes fällt auf, dass es Revell gelungen ist, einen Karton bereitzustellen, der sich einfach nach oben öffnen und wieder verschießen lässt. Ich bin gespannt, ob sich diese, dem Modellbauer viel Freude bereitende, Verpackung auch in Zukunft bei Revell etabliert.

Enthalten sind vier sauber gefertigte graue Gussäste und ein Klarsichtteil. Das Klarsichtteil liegt einfach ohne weiteren Schutz zwischen den Ästen, zeigte aber keine Schrammen oder andere Schäden.

Da der gleiche Bausatz auch für die verschiedenen Varianten des Heeres dient, werden viele Teile nicht benötigt und können in die Bastelkiste.

Die filigran ausgeformten Kleinteile, die an die Qualität von Resin oder 3D-Teilen heranreichen, sind herausragend.

Das Klarsichtteil der Front- Seitenscheiben des Cockpits zeigt unterschiedliche Dicke. Ein klarer Durchblick ist nur unter bestimmten Winkeln möglich. Die Scheiben für den Haupteingang zeigen (wahrscheinlich gewollt) einen Lupeneffekt, so dass nur wenige Teile in einem Abstand von ca. 1 cm scharf abgebildet werden.

Die Bauanleitung ist ein farbiges, 28seitiges Heft im A4-Hochformat. Nach allgemeinen Hinweisen und Angaben zu den benötigten Farben folgt ab Seite 10 die eigentliche Bauanleitung mit großen, übersichtlichen Zeichnungen. Bereits beim ersten Schritt muss man sich entscheiden, ob der französische NFH oder der deutsche NTH gebaut werden soll. Auf die Unterschiede wird durch Flaggen der beiden Länder deutlich hingewiesen. Ein späterer Wechsel ist nicht mehr möglich, da die Unterschiede aufgrund der Einsatzaufgaben gravierend sind. Die Bilder 3 bis 18 beschreiben den Aufbau des Innenlebens. Armaturen werden durch Decals abgebildet. Die Details sind so komplex und umfangreich, dass es schon bitter ist, diese Teile hinter der Außenhülle fast unsichtbar zu verstecken. Wer damit erfahren ist, kann sicherlich mehrere LED im Transportraum und im Cockpit platzieren.

Wenn ich das Bild 25 richtig interpretiere, können die Heckklappen beim deutschen NTH beweglich gebaut werden. Eine nette Spielerei, kann man so doch etwas Licht ins Dunkel des Innenraums lassen. Ob das dauerhaft beweglich bleibt, wage ich zu bezweifeln.

Die nächsten Schritte scheinen für den geübten Modellbauer machbar. Die französische Variante bietet viele Details im Umfeld mit den beiden Torpedos. Zum Schluss folgen die Rotoren. Während der Heckrotor aus einem Guss besteht und drehbar montiert werden soll, besteht der Hauptrotor aus mehreren Gestängeteilen und den einzelnen Rotorblättern. Ich empfehle, eine passende Schablone zu benutzen, um die 90° korrekt einzuhalten. Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass die Verbindung zwischen Rotorblatt und Gestänge mit der Zeit müde wird. Eine geeignete Verstärkung der Nahtstelle ist empfehlenswert. In jedem Fall sollte der Hauptrotor beweglich gebaut werden, um kleinen Belastungen ausweichen zu können.

Farben: Zur Lackierung werden 21 Farben, darunter fünf Mischfarben, benötigt. Wie gewohnt beziehen sich alle Farbangaben auf die Revell-Palette. Auf der Unterseite des Kartons sind elf Farben aufgeführt, die man erwerben kann, ohne den Bausatz zu öffnen. Ein schöner Einfall für diejenigen, die alles auf einmal kaufen möchten.

Hier zeige ich noch einmal alle Farben in komprimierter Form:

Für den deutschen NTH werden hauptsächlich die Mischfarben A und E verwendet. Der französische NFH wird mit den Mischfarben B, C, D und E auf der Außenhaut lackiert. Die Lackierung sollte bei beiden Modellen auch mit dem Pinsel problemlos möglich sein. Die Mischfarbe S (helles blaugrau) kommt an Kleinteilen zum Einsatz, sollte aber unbedingt gemischt werden.

Die Farben L, P, U habe ich in der Anleitung nicht wiedergefunden. Mag sein, dass diese einfach aus einem Vorgänger übernommen wurden. Andere Farben (F, I, J, M, Q) kommen nur an Kleinteilen oder einmalig bei der französischen Variante vor und können bestimmt durch ähnliche Farben aus dem Vorrat ersetzt werden.

Decals: Die Abziehbilder befinden sich sauber gedruckt auf einem Bogen. Die in Nuancen farblich verschiedenen Decals der beiden Varianten werden sauber voneinander getrennt. Ein dritter Bereich enthält die für beide Versionen gemeinsam genutzten Bilder. Es existieren ca. 100 kleine und kleinste Bilder je Variante. Auch hier gilt mein Rat: „lieber nicht, als falsch dekorieren“. Besonders interessant finde ich die Bilder für die Fenstereinfassung. So sollte der Übergang zwischen Rahmen und Fensterglas perfekt gelingen.

Fazit: Ein interessanter, sehr detailliert und sauber gespritzter Bausatz. Es kann entweder ein deutscher NTH oder ein französischer NFH gebaut werden. Die französische Variante hat deutlich mehr Außenlasten und damit verbundene Details. Die Entscheidung für eine Variante muss vor dem ersten Bauschritt getroffen werden! Der Aufbau ist für den fortgeschrittenen Modellbauer ohne Probleme möglich. Newcomer, insbesondere im Bereich der Helikopter, sollten die Finger von diesem Bausatz lassen. Aus meiner Sicht sind keine zusätzlichen Teile (Resin…) notwendig. Eine Idee für die LED-Beleuchtung des Innenraums könnte das filigrane Innenleben betonen und damit deutlich aufwerten.

Reinhard Rudolf, Berlin (Januar 2026)

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