Vorbild:
Der Leopard 2A7V wurde 2017 beauftragt, 2021 an die Bundeswehr übergeben und ist eine Weiterentwicklung des 2014 eingeführten Leopard 2A7. Das V in 2A7V steht für „verbessert“ und erinnert zugleich an den ersten deutschen Panzer A7V, der vor rund 100 Jahren zum Einsatz kam. Das wohl auffälligste Unterscheidungsmerkmal der beiden Leopard-Versionen ist die schwerere Bugpanzerung. Es sind jedoch noch weitere Neuerung zum Vorgänger hinzugekommen, darunter

  • eine verbesserte 120-mm-Bordkanone L55/A1, mit der Munition des Typs „High Explosive“ (HE) , die 5.000 m weit verschossen werden kann,
  • ein verstärktes Getriebe und Antriebsstrang, um trotz erhöhtem Gewicht eine bessere Beschleunigung aufzuweisen – was jedoch die Höchstgeschwindigkeit reduziert,
  • Wärmebildgeräte der 3. Generation für Kommandant, Richtschütze und Kraftfahrer sowie einen unabhängigen Laserentfernungsmesser für den Kommandanten,
  • eine digitale Bordverständigungsanlage,
  • eine ggü. dem A7 neue Kampfraumkühlanlage,
  • eine mit dem Battle Management System (BMS) vernetzte Bordelektronik,
  • ein verändertes Staukonzept, u. a. mit neuen Kästen am Turm und am Heck gelagerte Eisgreifer
  • sowie weitere kleinere Änderungen.

Bis Oktober 2023 wurden 104 Kampfpanzer Leopard 2 auf den Stand A7V gebracht. Geplant sind bis zu 320 Fahrzeuge. Mit Aufrüstung des abstandsaktiven Kill-Systems Trophy und weiterer Anpassungen werden zudem eine weitere Unterausführung namens A7A1 bzw. A7VA1 sowie eine neue Hauptausführung A8 beschafft.

Quellen:
Bundeswehr.de, Kampfpanzer Leopard 2 A7V
Wikipedia, Leopard 2A7 / Leopard 2A7V
ES&T, Gerhard Heiming, Der Leopard 2 bleibt noch dreißig Jahre im Deutschen Heer: Die Brücke zum MGCS

Bausatz:
Revell ergänzte 2011 seine bisherigen Matchbox-Modelle mit einer neuen, zeitgemäßen Serie Leopard 2. Erschienen sind hierbei die deutschen Ausführungen A5 und A6 sowie die niederländischen und schwedischen Konfigurationen. Ebenso wie die realen Kampfpanzer weiterentwickelt wurden, so wurden auch die Modelle weiterentwickelt. Revell bringt mit dem vorliegenden Bausatz die Ausführung A7V mit den aktuellen Konfigurationen der Bundeswehr heraus.

Der Karton ist doppelt so hoch wie die üblichen 1/72er-Bausätze von Revell. Leider wirkt sich das auch auf die eh schon schwache Stabilität der Faltkartons aus. Beim Öffnen sieht man sofort, warum die Größe angepasst wurde: enthalten sind 8 (!) graue Spritzlinge sowie die Bau- und Bemalungsanleitung nebst Decals. Viele der Spritzlinge sind bereits 2011 erschienen und nur wenige Teile davon werden genutzt, bspw. nur 7 von 27 beim Spritzling C. Für die Ausführung A7V wurden zwei Spritzlinge neu erstellt. Insgesamt werden für dieses Modell 187 Teile verbaut. Die Qualität ist typisch gut für Revell. Die Abspritzung fällt sauber aus. Flash oder Sinkstellen treten kaum bis gar nicht auf. Auswerfermarken befinden sich nur in später nicht einsehbaren Bereichen. Der Detaillierungsgrad ist bei den alten wie auch neuen Teilen auf einem hohen Niveau – noch nicht das Level, das manch ein ostasiatischer Hersteller bereits präsentiert hat – für 1/72 und die Zielgruppe fortgeschrittener Modellbauer aber definitiv ausreichend.

Der Bau beginnt klassischerweise mit der mehrteiligen Unterwanne. Revell bietet gegen Verzug eine Stützwand. Bereits am Wannenunterteil müssen Streben weggefeilt werden. Hier merkt man bereits zu Beginn, dass der Bausatz nichts für Anfänger ist. Am Laufwerk müssen alle Teile separat angeklebt werden. Dies ist müßig, ermöglicht mit leichter Nacharbeit aber auch das Eindrücken der Schwingarme, um Fahrten im Gelände darzustellen. Die Lauf- und Umlenkrollen sowie Triebräder sind zweiteilig ausgeführt. Bei den Ketten setzte man 2011 auf eine einteilige Kette. Diese soll in heißem Wasser erwärmt und anschließend zurechtgebogen werden. In diversen Foren und Bauvideos wurden diese Art der Ketten bereits kritisiert. Ich empfehle hier, die Ketten nur durch die Wärme der Finger und mit leichtem Druck zu verbiegen.

In der Ausführung A7V werden die Ersatzkettenglieder am Wannenheck befestigt. Hierzu gilt es diverse Halterungen zu verbauen. Die Abschleppseile bestehen bei Revell aus Plastik und sind spritzgussbedingt zweiteilig ausgeführt. Die Detaillierung leidet hierunter. Wer es genauer möchte, kann die Ösen abtrennen und an einem Metallseil befestigen. An der vorderen Wanne werden die Bugpanzerung, Scheinwerfer und weitere Teile angebracht. Die Astweiser an den schweren Seitenpanzerungen sind angegossen. In der Realität werden diese von den Panzerbesatzungen oftmals entfernt, um die Wartungen am Laufwerk zu vereinfachen. Dieses Detail kann der Modellbauer bei Bedarf absägen. Die Fahrerluke soll geschlossen werden, kann aber auch geöffnet dargestellt werden. Die Detaillierung fällt ggü. einfacheren Kits wie von Trumpeter deutlich besser aus. Leider gilt dies nicht für das Topdeck, wo sämtliche Werkzeuge bereits angegossen sind. Immerhin können die Rohrzurrung und Seitenspiegel abgeklappt (bei Bewegung des Turms, z. B. im Feld) oder hochgeklappt (beim Straßenmarsch) dargestellt werden. Wer seinen Leo im Gelände darstellen will, sollte ebenso die Gummischmutzfänger am Heck entfernen, siehe hier.

Der Turm wird ebenfalls aus einer Vielzahl an Teilen zusammengesetzt. Die Kanone kann höhenverstellbar montiert werden. Ebenso gibt es die Wahl mehrere Details wie die Seitenpanzerung, die Panzerung der Optik EMES oder die Turmluken geöffnet darzustellen. Mir gefällt, dass auch hier viele Details als extra Teile ausgeführt wurden, so etwa die Turmziehösen, die bei anderen Herstellern wie Trumpeter nur angegossen wurden. Die beim A7V geänderten Staukörbe, sind in 1/72 schwer darzustellen. Revell hat sich für geschlossene Plastikteile mit angedeuteten Löchern entschieden. Wer noch etwas nachdetaillieren möchte, findet noch genügend Möglichkeiten. So können etwa die fehlenden Antennen aus Draht oder Insektennadeln nachgebildet werden oder die Halterungen am Turm dünner geschliffen werden. Das Blenden MG besitzt am Modell den Gummistopfen, der für den Straßenmarsch oder zum Tauchen aufgesetzt wird. Wer seinen Leo im Gelände darstellen will, muss diesen entfernen und das Rohr des MGs aufbohren.

Die Bauanleitung ist, wie bei Revell üblich, farbig und führt in 58 ausführlichen Schritten zum gewünschten Resultat. Auf notwendige Details wird eingegangen. Beim Farbsystem wird, wie üblich, nur auf Revell verwiesen. Hier sollten Vorbildfotos genau studiert werden. Die Bauanleitung gibt vereinfachte Farbangaben an, beispielsweise blaue Optiken, die in Realität gar nicht blau sind.
Als Bemalungsvariante wird nur ein einziges Fahrzeug vom Truppenübungsplatz Munster 2024 angegeben. Verbandsabzeichen und taktische Nummern sind nicht enthalten. Schade, hier gab es zum Zeitpunkt der Entwicklung des Bausatzes bereits genügend attraktive Vorlagen, die Revell hätte nutzen können.
Der beiliegende Decalbogen ist scharf und ohne Versatz gedruckt. Die weiß-rot-gestreiften Markierungen und Kennzeichen werden von den Besatzungen im Feld umgeklappt, entfernt oder abgedeckt. Hierauf sollte der Modellbauer, wenn er seinen Leo einschlammen möchte, ebenfalls achten.

Fazit:
Revell bietet mit diesem Leopard 2 A7V bisher den einzigen Bausatz in 1/72, der den in Serie eingeführten Stand in der Bundeswehr wiedergibt (Vespid Models hat einen Vorserienstand herausgebracht). Dabei hat Revell einen guten Job gemacht: der Bausatz ist umfangreich detailliert und sollte, dank hoher Standards von Revell, trotzdem gut zu bauen sein. In puncto Detaillierung besteht noch etwas Luft nach oben, was Profis mit Resin-, Ätz-, 3D-Druck-Teilen oder Scratch sicher aufzubessern wissen.

Aufgrund der hohen Teileanzahl und deren Komplexität ist der Bausatz nur für Fortgeschrittene zu empfehlen. Erhältlich ist der Bausatz für ca. 22-30 € direkt bei Revell im Online-Shop oder beim gut sortierten Fachhändler.

Philip Koch, Godern (Oktober 2025)

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