Vorbild: Die de Havilland DH.98 Mosquito war wohl das berühmteste Mehrzweckflugzeug der Briten im WK II. Es fiel durch seine Bauweise aus Holz auf. Angetrieben wurde es von zwei Rolls Royce Merlin. Die Entwicklung begann aufgrund eines hauseigenen Konzeptes. Als Hauptbaustoff wurde Holz ausgewählt, um die kriegswichtigen Ressourcen zu schonen. Der Erstflug mit Geoffrey de Havilland erfolgte am 25. November 1940. Bei den Tests zeigte sich das ganze Potential der Konstruktion. Die 630 km/h Höchstgeschwindigkeit überzeugten auch das britische Luftfahrtministerium.

Es wurden zunächst die drei Varianten PR Mk. I (Aufklärer), NF Mk. II (Nachtjäger) und B Mk. IV (Bomber) gebaut. Später folgten diverse Varianten mit dem Rolls Royce Merlin (72, 73, 76 oder 77) mit zweistufigem Lader. Dieser kam schon beim Bomber B Mk. IX zum Einsatz. Allerdings entstanden nur 54 Exemplare. Als Bomber folgte die B Mk. XVI. Diese konnte eine einzelne, 1800 kg schwere Bombe tragen. Die erste aus einer B Mk. IV umgebaute B Mk. XVI flog erstmals am 1. Januar 1944.  Es entstanden 402 Exemplare. Als Höchstgeschwindigkeit wurden hier 657 km/h erflogen.

Als Nachtjäger mit großer Radarnase entstand auf Basis der Mk.XVI während des WK II die NF Mk. XXX (später NF Mk.30). Dieser wurde von zwei Rolls-Royce Merlin 76 mit 1.710 PS angetrieben. Als Höchstgeschwindigkeit wurden 682 km/h in 8.100 Metern erflogen. Von dieser Variante, die auf deutscher Seite nur die Me 262B als Gegenstück hatte, wurden 526 Exemplaren gebaut. Nach dem WKII kam dieser Typ auch in Belgien und Frankreich zum Einsatz.

Bausatz: Die späten Varianten der de Havilland Mosquito von Special Hobby in 1/72 wurden lange Zeit angekündigt und sind seit dem Sommer verfügbar. Die Mosquito NF Mk.XXX gab es zuvor nur von Matchbox in den 1970er Jahren. Dieser Bausatz ist allerdings kaum noch zeitgemäß und auch nicht mehr erhältlich. So ist gerade dieser Nachtjäger von Special Hobby sehr willkommen. Die Erwartungen waren hoch.

Hat man den praktischen Stülpkarton erstmal geöffnet, dann wird man praktisch von der Anzahl der Teile erschlagen. Man findet sieben graue Spritzlinge mit 193 (!) Teilen, ein klarer Spritzling mit 36 Teilen, ein Decalbogen und die mehrfarbige Bau- sowie Bemalungsanleitung.

Schon sehr schnell erkennt man allerdings, dass nicht alle Teile gebraucht werden. Die meisten Klarsichteile sind für andere Varianten und auch der Spritzgussrahmen D enthält viele davon. Die Abspritzung der Teile ist auf hohem Niveau und man findet keinen Grat, dafür aber feine und versenkte Strukturen.

Das Cockpit ist schon fast ein Bausatz für sich. Hier sind allein 24 Teile zu verbauen, und dazu kommt noch das Radar für den Rumpfbug. Für die Instrumente liefert Special Hobby ein Decal mit. Für die Sitzgurte hätte ich mir da auch etwas gewünscht. Leider gibt es aktuell noch nichts bei Eduard & Co.

Im Heck wird vor dem Zusammenbau der zwei Rumpfhälften der Kotflügel des Spornrades eingebaut. Das Fach für das Rettungsfloss auf dem Rumpfrücken ist dann auch einzubauen. Wer es offenlassen möchte, der findet im Hause Special Hobby dafür ein Set.

Beim Nachtjäger wird die Rumpfunterseite geschlossen bleiben. Am Heck hat man drei verschiedene Optionen. Hier muss man sich für eine Bemalungsvariante entscheiden. Das Spornrad ist zweiteilig. Das Seitenruder wird einzeln angeklebt und hat eine scharfe Hinterkante.

Der Zusammenbau der Tragfläche ist recht komplex. Vor diesen kann man noch die Sacklochbohrungen für die Zusatztanks durchbrechen. Die Tragflächenrandbögen gibt es als separates Klarsichtteil. Das erspart das fummelige Ankleben der Positionsleuchten. Diese müssen nur noch abgeklebt werden. Vielleicht lackiert man das Rot und Grün zuvor an der Kante zur restlichen Tragfläche damit es vielleicht ein wenig durchschimmert.

Das Hauptfahrwerk ist sehr komplex. Hier sind sieben Teile auszurichten und zusammenzukleben. Der Lohn ist dann ein detailliertes Fahrwerk, aber die Räder müssen dann auch mit eingebaut werden. Special Hobby hat eine gedruckte Alternative im Angebot. Die Räder sind zweiteilig. Ich persönlich mag immer die Alternativen aus Resin. Sie sind einteilig und zumeist besser detailliert als es in Spritzguss je möglich wäre. Die Kotflügel samt Halter ergänzen die Fahrwerksbeine.

Die Fahrwerksschächte sowie deren Klappen haben auch von innen eine realistische Struktur. Für das perfekte Aussehen mag es sinnvoll sein, dass die Triebwerksgondeln nach dem Aufkleben der Fahrwerke auf die Tragfläche montiert werden, aber ich hätte Angst, etwas beim weiteren Bau zu beschädigen.

Das Höhenleitwerk, die Querruder und die Landeklappen haben scharfe Hinterkanten, da sie einteilig abgespritzt worden sind. Die Landeklappen kann man auch in einer abgesenkten Position montieren. Bei den Auspuffkrümmern gibt es zwei verschiedene Arten der Abdeckung. Leider geht die Bauanleitung nicht darauf ein, wann welche Option zu verbauen ist.

Die Propeller sind jeweils einteilig. Sie werden nach der Montage mit Spinner und Rückseite mit Achse einfach eingesteckt. Es gibt zwei verschiedene Zusatztanks, aber es ist freigestellt, welche man anbaut. Die Klarsichtteile sind dünn und durchsichtig.

Der Decalbogen ist tadellos auf hellblaues Trägerpapier gedruckt. Ein Drittel der Fläche nehmen allein die Wartungshinweise auf. Die Farbangaben beziehen sich auf die Systeme von GUNZE.

Bemalungen:

  • Mosquito NF Mk.XXX, NT362/HB-S, 239. Squadron der RAF, West Raynham, Großbritannien, Anfang 1945;
  • Mosquito NF Mk.XXX, NT362/ND-A, 10. Squadron der belgischen Luftwaffe, Beauvechain, Belgien 1947 bis 1950;
  • Mosquito NF Mk.XXX, NT321/WM-O, 68. Squadron der RAF, Coltishall, Großbritannien, April 1945;
  • Mosquito NF Mk.XXX, NT267/G/EW-J, 307.(City of Lwów) Polnische Squadron der RAF, Castle Camps, Großbritannien, Anfang 1945;
  • Mosquito NF Mk.XXX, NT264/G/RX-R, 456. Squadron RAAF, Curch Fenton, Großbritannien, Anfang 1945;
  • Mosquito NF Mk.XXX, MV564, 416. NFS der 12. Air Force, Pisa, Italien, Dezember 1944.

Fazit: Special Hobby liefert hier in 1/72 einen sehr detaillierten Bausatz der de Havilland Mosquito NF Mk.XXX für den fortgeschrittenen Modellbauer.

Literatur:

The de Havilland Mosquito Part 2: Fighter, Fighter-Bomber & Night-Fighter (including Sea Mosquito), Airframe & Miniature No. 10, Richard A. Franks, Valiant Wings Publishing 2017; ISBN 978-0-9935345-8-4.

Volker Helms, Godern (September 2025)

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