Beim Thema deutsche Raketen im Zweiten Weltkrieg denkt man unweigerlich und sofort an die „Vergeltungswaffen“ V1 und V2.

Die V1-Flugbombe (Fieseler Fi-103) und die V2-Rakete (Aggregat A4) haben insbesondere wegen zahlreichen Todesopfern an der Zivilbevölkerung und massiven materiellen Schäden in London und Antwerpen traurige Berühmtheit erlangt. Man geht davon aus, dass ca. 15.000 Menschen diesen Waffen zum Opfer fielen.

Obwohl man diese Tatsache immer im Hinterkopf behalten muss, haben beide Waffen auch neue Maßstäbe gesetzt und können als die Vorboten eingestuft werden, die heute als Marschflugkörper und Langstreckenraketen unverzichtbare Bestandteile in den Waffenarsenalen der Großmächte darstellen. Darüber hinaus gilt das Aggregat A4 als der Ursprung für die bemannte Raumfahrt.

Neben den Vergeltungswaffen V1 und V2 haben sich zahlreiche Ingenieure während des Zweiten Weltkrieges mit der Entwicklung weiterer Boden/Luft- und Boden/Boden-Raketen beschäftigt. Einige dieser Projekte verblieben dabei nicht auf dem Reissbrett, sondern gelangten mit entsprechenden Prototypen in Testläufen sogar zum Einsatz.

Da mich die Designs und die damit verbundenen Technologien schon immer interessiert haben, stand bereits vor mehr als 10 Jahren für mich der Entschluss fest, die wichtigsten Entwicklungen auch als Modell im Maßstab 1:35 umzusetzen. Nach den Recherchen musste ich jedoch damals feststellen, dass gerade zu diesem Thema ein weißer Fleck in den Sortimenten aller bekannten Firmen existiert. Aus diesem Grund war es erforderlich, bei fast allen Modellen selbst Hand anzulegen und diese in Eigenregie (und zum Teil mit Unterstützung) zu erstellen.

In noch folgenden Artikeln will ich diese Projekte im Original und als Modell vorstellen:

1. FlaRakete Enzian (E-1 und E-4, Startrampe und MIAG K500 Ladekran)
2. FlaRakete Feuerlilie (Typ A1 und A2)
3. FlaRakete Wasserfall (Typ C2W1, C2W5 und C2W10 mit Abschusstischen und MIAG K500 Ladekran)
4. FlaRakete Rheintochter (Typ I, II und III)
5. FlaRakete Henschel 117 – Schmetterling (früh, mittel, spät inklusive Abschussrampen)
6. Boden/Boden Rakete Rheinbote RhZ 61/9

Bei allen Projekten war die Vorgehensweise dabei wie folgt:

– Eingehende Recherche hinsichtlich Bild-/Fotomaterial und technischer Daten/Abmessungen
– Erstellung von 2D-Maßstabszeichnungen
– Bau des Modells bzw. Mastermodells
– Überprüfung auf Stimmigkeit
– Fertigstellung bzw. Nachbessern und Bemalung

In einigen Fällen dauerten die Projekte länger als erhofft, weil es mir nicht nur darum ging, ein Modell
zu bauen, das dem Original optisch entspricht, sondern auch noch dessen Funktionalität berücksichtigen wollte,
sofern diese relevant war (zum Beispiel die Höhenrichtbarkeit bei den Abschussgestellen).

Fast immer waren Video-Clips originaler Bildaufnahmen extrem hilfreich, die ich zu den jeweiligen Projekten
beim Durchstöbern in YouTube fand. Mit dessen Hilfe konnte so auch die eine oder andere Frage beantwortet werden.

Gert Brandl, Berlin (September 2025)

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert