Vorbild: 1939 begann bei Messerschmitt die Entwicklung eines zweistrahligen Jagdflugzeuges mit Strahlturbinenantrieb. Als die Zelle fertig war, gab es noch kein verwendbares Triebwerk. So flog die Me 262 V1 mit einem Jumo 210. Am 18. Juli 1942 flog die Me 262 V1 erstmals mit Strahlturbinen. Das Jumo war noch eingebaut. Zum Glück, denn bei Strahlturbinen fielen aus. Mit zwei Jumo 004B-Triebwerken ging die Me 262 in Serie und wurde zum ersten einsatzfähigen Strahljäger. Insgesamt sollen bis zum Ende des WK II 1430 Exemplare gebaut worden sein, von denen 220 im Einsatz waren.
Um die Steigleistung der Me 262 zu verbessern, wurden die zwei Me 262 (V186 und V074) mit Raketentriebwerken zusätzlich ausgerüstet. Die Me 262 V186 erhielt ein Walter HWK 509 A-2 Triebwerk, das im Rumpfheck eingebaut wurde. Dazu wurde die Seitenflosse unten gekürzt und das Heck für den Triebwerksauslass geöffnet. Für den Einsatz blieben die normalen Triebwerke und die Bewaffnung erhalten. Die Me 262 V186 war das Erprobungsflugzeug für die Serie Me 262 C-1a Heimatschützer I, die aber aus verschiedenen Gründen nicht produziert wurde.
Als doppelsitzige Variante entstand die Me 262B-1a. Daraus entwickelte man einen ebenfalls doppelsitzigen Nachtjäger. Dieser besaß ein FuG 218 Neptun. Die Bezeichnung war Me 262B-1a/U1.

In der Tschechoslowakei baute man nach dem WK II aus vorhandenen Teilen bei Avia noch einige Exemplare. Die neun Einsitzer wurden als Avia S-92 und die drei Doppelsitzer als CS-92 bezeichnet. Sie wurden ausgiebig erprobt. Ein weiterer Serienbau erfolgte nach der „Revolution“ von 1948 nicht. Danach orientierte man sich in der CSR in Richtung Sowjetunion. So wurden diese beiden Varianten bis 1951 benutzt. Beide Versionen sind mit jeweils einem Exemplar im Prager Luftfahrtmuseum ausgestellt.
Bausatz: Jeder renommierte Bausatzhersteller möchte gern eine Messerschmitt Me 262 im Angebot haben. ACADEMY, Airfix, Hasegawa, Heller und Revell haben(oder hatten) einen Kit in 1/72 im Angebot. Bei KORA hat man die Me 262 V1/V3/V4 in verschiedenen Kartons im Programm. So verwundert es nicht, dass nun auch bei ArmaHobby nach der Me 262A-1a in eine weitere Variante mit WGr.21 im Angebot hat.
In der attraktiven aber sehr unpraktischen Schüttbox befinden sich gut verpackt zwei hellgraue Spritzgussrahmen mit 99 Teilen, ein Klarsichtrahmen mit sechs Teilen, zwei gedruckte Teile, gelbe Masken, ein Decalbogen, drei Stahlkugeln und die mehrfarbige Bau- sowie Bemalungsanleitung.
Die Abspritzung der Bauteile ist tadellos. Es gibt keinen Grat. Auf den Oberflächen befinden sich feinste versenkte Strukturen. Als Gegengewicht für den Bug liefert ArmaHobby drei Stahlkugeln mit. Neu sind nur die geladenen Werfer-Granaten 21 samt Halterungen. Diese werden später unterm Vorderrumpf montiert. Sie sind jeweils aus einem Stück und „geladen“.
Der Bau der kleinen Me 262 beginnt mit der Montage der Bugsektion. Im ersten Arbeitsschritt sollten die Bohrungen für die Halterungen der kleinen WGr. 21 angebracht werden. Hier werden die Stahlkugeln in vorgesehene Vertiefungen eingeklebt. Eine Option zum Öffnen der Waffenschächte ist offensichtlich nicht vorgesehen. Für die erste Bemalungsvariante muss eine Beule entfernt werden.
Danach erfolgt der Zusammenbau des einsitzigen Cockpits. Hier sind nicht weniger als 14 Teile zu verbauen. So ein fein detailliertes Cockpit nur aus Spritzgussteilen ist mir noch nicht untergekommen. Hier wurde auch Einiges sinnvoll zusammengefasst. Für die Instrumente und die Sitzgurte gibt es Decals. An den Cockpitseitenwänden werden noch weitere Details angeklebt. Als Alternative kann man bei ArmaHobby auch ein aus einem Stück gedrucktes Cockpit erwerben. Dazu muss man einen QR-Code scannen und dann kann man die Druckdatei herunterladen. Danke auch hier an Micha für die Arbeit.
Die Tragfläche besteht aus Ober- und Unterseite und für die Hauptfahrwerksschächte werden die Seitenwände in Form gebogen. Für die diversen Gestänge gilt es ebenso. Die Bauanleitung zeigt sehr genau wohin jedes Teil gehört. Dafür gibt es noch Abbildungen aus der CAD-Konstruktion. Nicht vergessen sollte man das Durchbrechen der Sacklöcher im vorderen Bereich der Tragflächenunterseite. Leider besitzen die Querruder keine scharfen Hinterkanten. Aber bei ArmaHobby hat man die Vorflügel ausgefahren dargestellt. Das ist sehr sinnvoll, denn im Original waren sie am Boden ausgefahren.
Für die zwei Triebwerksgondeln werden nur jeweils vier Teile zusammengefügt. Diese sind aber sehr gut gelungen. Die beiden Fahrwerksbeine müssen mit den Fahrwerksscheren versehen werden. Diese sind sehr fein. Hier sind keine Fotoätzteile nötig. Die beiden Hauptfahrwerksräder besitzen ein schönes Profil aber sie werden aus zwei Teilen zusammengeklebt und dadurch werden sie nicht optimal aussehen. Bestimmt gibt es bald im Zubehörhandel Ersatz oder nutzt Räder von bekannten Herstellern. Die Fahrwerksklappen besitzen von innen eine vorbildgerechte Oberfläche.
Die Konstruktion des Hecks ist ungewöhnlich. Das einteilige Höhenruder wird mittels des Seitenleitwerks auf dem Rumpfheck befestigt. Aus einem Teil besteht das Seitenruder. Dieses kann auch leicht angewinkelt montiert werden.
Aus vier Teilen besteht die Cockpitverglasung. Eine „Panzerglasscheibe“ wird von innen an die Frontverglasung geklebt. An dieser ist noch ein Stück Rumpf anmodelliert. Das vereinfacht das Ankleben und Ausrichten der Verglasung. Die im Original zu öffnende Cockpithaube gibt es hier als Einzelteil. Diese Option wird aber in der Bauanleitung nicht gezeigt. Aus dem Klarsichtmaterial kann man eine Halterung für die 262 zusammenbauen. Hier kann die Maschine abgelegt werden wenn das zusammengeklebte Fahrwerk aushärtet. Übrigens liefert ArmaHobby gelbe Masken für die Räder und Klarsichtteile mit.
Bei den Farbangaben bezieht sich ArmaHobby auf die Systeme von Hataka, AK, Mr Paint, Humbrol, Mr. Color, Vallejo und Tamiya. Gleichzeitig werden auch die RLM-Farbtöne angegeben. Die Decals sind tadellos auf hellblauem Trägerpapier gedruckt. Es gibt hier vermutlich alle Wartungshinweise der Me 262.
Bemalungen:
Me 262A-1a, grüne 1, Stab./JG 7 der deutschen Luftwaffe, Rechlin, Deutschland im Februar 1945;
Me 262A-1a, grüne 1, mit unregelmäßiger Tarnung von Rumpf und Triebwerke, Stab./JG 7 der deutschen Luftwaffe, Rechlin, Deutschland im Februar 1945.


Fazit: ArmaHobby liefert hier eine neue Variante seiner sehr gut gemachte Messerschmitt Me 262A-1a in 1/72. Dieser Bausatz mit WGr. 21 ist für fortgeschrittene Modellbauer und für diese sehr zu empfehlen. Übrigens schade, dass es das dynamische Cover nicht als Poster gibt…
Literatur:
Über die Me 262 gibt es eine Vielzahl von empfehlenswerten Büchern in meiner Bibliothek und auf dem Markt. Ich möchte hier beispielhaft die beiden Bände erwähnen, die vor Jahren bei HEEL erschienen sind. Ebenso empfehlenswert sind die Originale welche in Englisch bei Classic Publications zuvor herausgekommen waren. Für uns Modellbauer ist natürlich der passende Band in der Reihe Airframe & Miniature von Valiant Wings Publishing sehr empfehlenswert.
Volker Helms, Godern (August 2026)















