Das Vorbild: Die Kampfgruppe Hansen wurde während der Ardennenoffensive aus dem SS-Panzergrenadierregiment 2 gebildet und wurde nördlich von Poteau (Belgien), nahe Ligneuville, in Kämpfe mit Teilen der 14. US-Kavalleriegruppe verwickelt. Diese Begegnung ist vor allem durch Filmaufnahmen dokumentiert: Ein SS-Propagandateam filmte am 18. Dezember 1944 den Vormarsch der Truppen sowie den Hinterhalt gegen die US-Einheit auf einer Straße nahe Poteau. Die Filmrollen wurden kurz darauf von der 3. US-Panzerdivision erbeutet und zählen zu den bekanntesten Bilddokumenten der Schlacht. Militärhistorisch ist die Kampfgruppe Hansen in erster Linie durch diese Filmaufnahmen bekannt, nicht durch Kriegsverbrechen. Ihr Kommandeur Max Hansen wurde 1946 zwar wegen Kriegsverbrechen angeklagt, jedoch in fast allen Anklagepunkten freigesprochen. Es finden sich Berichte, wonach Hansen angeblich alliierte Gefangene freigelassen haben soll, statt sie zu erschießen. Allerdings lässt sich die Objektivität dieser Darstellung im Nachhinein nur schwer überprüfen, da ein Großteil der zugrunde liegenden Quellen aus familiärer bzw. wohlwollender Überlieferung – etwa Aussagen von Enkeln – stammt und nicht aus unabhängiger historischer Forschung.

Der Bausatz: Soweit aus allgemein zugänglichen Quellen und der Erinnerung nachvollziehbar, handelt es sich bei dem MiniArt 53051 „Kampfgruppe Hansen“ um ein komplett neues Set und nicht nur um eine teilweise oder komplette Neuauflage in aktualisierter Verpackung. Zusammen mit dem ebenfalls neuen 53064 „Luftwaffe Field Regiment Ardennes 1944-45“ entsteht der Eindruck, als würde MiniArt gezielt eine neue Serie zum Thema Ardennenoffensive/Winter 1944-45 aufziehen, was angesichts des großen Interesses der Modellbaucommunity und der zahlreichen Varianten damals aktueller militärischer Ausrüstung ein guter Entschluss ist.

Obwohl es keinen direkten Vorgänger des Sets gibt, fügt es sich in das von Miniart gewohnte Konzept ein: 4 Figuren plus separate Sprues für Waffen und Ausrüstung (siehe die älteren Kits 53030 und 35248). Dieses modulare Baukastensystem wurde also übernommen, aber eben mit brandneu geschnittenen Formen speziell für dieses Set.

Was drin ist:

4 Figuren-Sprues (eine Figur pro Spritzling)

1 Ausrüstungs-Sprue: Helme, Gasmaskenbehälter, Feldflaschen, Spaten, Bajonette, Brotbeutel, Munitionstaschen

1 Panzerfaust-Sprue: Werfer, Gefechtsköpfe, Munitionskisten, nebst einem kleinen Sprue mit Fotoätzteilen für die Panzerfaust-Details

1 Waffen-Sprue: MP40, Kar98k, Pistole, Leuchtpistolen, Munition, Kartentaschen, Messer

Die Verpackung ist liebevoll gestaltet und bietet eine umfassende Anleitung zur Bemalung. Die Rückseite zeigt plausible Vorschläge zur Bemalung, wobei besonders die ausschnittsvergrößerte Vorlage zur Gestaltung des Flecktarnmusters aussagekräftig ist. Überaus hilfreich ist auch die auf der Packung abgebildete Tabelle zu den Farbcodes der wichtigsten Hersteller.

Dagegen erschöpft sich die Bauanleitung in einem einem einzigen Blatt, das in schwarz/weiß gehalten ist und nur den Zusammenbau der mitgelieferten Panzerfäuste und deren Transportkiste abbildet. Da der Zusammenbau der Figuren einfach ist, genügt dies aber.

Die Qualität der einzelnen Spritzlinge gerät unterschiedlich. Während diese, soweit sie Waffen und Ausrüstungsgegenstände enthalten, von absolut herausragender Qualität sind und das Niveau mancher Resin-Zurüstteile erreichen, zeigen die Teile, aus denen die Figuren zusammenzubauen sind, teils deutliche Überstände, die vor oder nach dem Zusammenbau geschliffen werden müssen. Zum Glück gelingt dies, sofern ordentliches Werkzeug verwendet wird, auch mit nur durchschnittlicher Modellbauerfahrung recht problemlos.

Die Ätzteile sind tadellos. Entsprechend dem Maßstab und angesichts der Tatsache, dass diese ausschließlich für die Visiereinrichtungen der Panzerfäuste vorgesehen, also wirklich sehr klein sind, bedarf es für deren Handhabung erheblichen Geschicks und größter Sorgfalt.

Fazit: Berücksichtigt man den Preis und die Gesamtqualität, kann hier durchaus von einem exzellenten Preis-/Leistungsverhältnis gesprochen werden. Schließlich zahlt man hier pro Figur nur ca. 3 bis 4,- Euro und erhält superdetailierte Ausstattung in Topqualität noch obendrauf.

Wer bezahlbare Figuren für ein Diorama im Kontext der Ardennenoffensive sucht und die deutlich höheren Kosten für Resinfiguren von Premiumherstellern nicht aufwenden kann oder will, kann bedenkenlos zugreifen. Das Kit erobert sich damit einen Spitzenplatz in der einschlägigen Produktreihe von MiniArt.

Abschließend noch zwei Tipps zur Fertigstellung: Besorgt Euch dringend eine gute Lupe für die Montage der Ätzteile und probiert Acrylmarker für das Tarnschema.

TL August 2026

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert