Vorbild: Ursprünglich erteilte die US Navy an Grumman einen Auftrag über ein neues trägergestütztes Jagdflugzeug, dass eine Weiterentwicklung der F3F darstellte. Schnell erkannte man, dass die XF4F-1 kaum bessere Leistungen als Doppeldecker ihre Vorgänger aufweisen würde. Daher wurde der Auftrag zugunsten des Eindeckers XF4F-2 storniert. Am 2. September 1937 flog die XF4F-2 erstmals und im März 1938 wurden Vergleichsflüge mit den Produkten von Seversky (XNF-1) und Brewster (XF2A-1) durchgeführt. Hiernach bekam Brewster einen Produktionsauftrag und die später Buffalo genannte Maschine wurde zum ersten Eindeckerjagdflugzeug der US Navy. Grumman überarbeitete den Entwurf nochmals zur F4F-3 und erhielt einen Produktionsauftrag über 54 Exemplare mit einem Wright R-1820 Triebwerk.

Die erste serienmäßig hergestellte F4F-3 flog im Februar 1940. Erst im Oktober 1941 wurde die Grumman F4F-3 Wildcat bei der US Navy offiziell in Dienst gestellt. Im Gegensatz zum Nachfolgemuster F4F-4 hatte sie keine klappbaren Tragflächen. Bewaffnet war die F4F-3 mit vier Browning .50 MGs. Als Höchstgeschwindigkeit wurden 537 km/h angegeben. Es sollen bis zum Oktober 1941 288 Exemplare produziert worden sein.

Bausatz: ArmaHobby überraschte kürzlich mit einer Grumman F4F-3 Wildcat in 1/72. Man schuf dort nicht einfach eine Ableitung des bestehenden Bausatzes F4F-4 sondern erstellte einfach eine neue Form.

In der attraktiven aber unpraktischen Schüttbox befinden sich gut verpackt zwei hellgraue Spritzlinge mit 70 Teilen, ein klarer Spirtzling mit 15 Teilen, gelbe Masken, ein Decalbogen und die mehrfarbige Bau- sowie Bemalungsanleitung.

Die Abspritzung der Bauteile ist tadellos. Grat ist keiner zu finden. Es gibt feine versenkte Strukturen sowie feine Bauteile. Aus Klarsichtmaterial gibt es Teile für eine kleine Heling. Die Bauanleitung geht leider nicht darauf ein.

Der Bau beginnt mit dem Cockpit. Für den Pilotensitz gibt ein paar Decals als Sitzgurte. Ebenso gibt es für das Instrumentenbrett sowie für die Konsolen Decals. Klar, hier gibt es Bauteile für ein sehr gut detailliertes Cockpit. Wer es besser möchte, der kann sich eine Datei bei ArmaHobby herunterladen. So findet man einen Pilotensitz nicht mit anmodellierten Sitzgurten sondern es gibt eine Struktur für die Decals. Die Schnallen wirken dann plastischer. Auch zwei neue Auspuffstutzen findet man. Allerdings ist die Mechanik für das Einziehfahrwerk zu filigran, denn nur einer von drei Ausdrucken enthielt diese komplett. Ein Dankeschön an Micha.

Das Brandschott ist tadellos detailliert. Sehr filigran und detailreich wirkt die Mechanik des Fahrwerks. Dieser Bereich muss schon vor dem Zusammenbau der Rumpfhälften in der passenden Farbe bemalt werden.

Der kleine R-1820-Sternmotor entsteht aus drei Teilen. Er sieht tadellos aus aber sicherlich wird irgendjemand ein besser detailliertes Exemplar drucken… Allerdings ist bei der Wildcat nicht so viel vom Motor zu sehen. Die Motorhaube entsteht aus drei Teilen. Sie bleibt aber geschlossen. Teile für eine andere Variante wandern in die Restekiste.

Die Konstruktion des Hecks ist schon von den späteren Varianten der Wildcat bekannt. Das Höhen- sowie das Seitenruder sind einteilig. Beide besitzen scharfe Hinterkanten. Beim Spornrad muss man sich für eine Variante von zweien entscheiden. Es gibt derer drei am Spritzgussrahmen.

Ein Teil der Mechanik des Hauptfahrwerks kann zusammen mit den Fahrwerksklappen nach der Lackierung des Modells eingeklebt werden. Sofern man unter die Wildcat Bomben hängen möchte, muss man an den Tragflächenunterseite ein paar Sackbohrungen durchbrechen.

Der Propeller entsteht aus zwei Teilen. Die Klarsichtfenster an den Rumpfunterseiten werden von außen eingeklebt. Aus ebenfalls zwei Teilen entsteht die Cockpitverglasung. Die Schiebehaube kann als Option offen angeklebt werden.

Die Decals sind tadellos bei Catograf auf hellblauen Trägerpapier gedruckt worden. Hier findet man eine Menge Wartungshinweise. Die Farbangaben beziehen sich auf die Systeme von Hataka, AK, Lifecolour, MrHobby, Humbrol, Vallejo und Tamiya.

Bemalungen:

F4F-3, weiße F-5, US Navy, Lt. Albert O. Vorse, Squadron VF-2, USS Lexington (CV-2), 8. Mai 1942 während der Schlacht um die Coral Sea;

F4F-3, schwarze 211-F-11, BuNo 4019, US Navy, Capt. Henry T. Elrod MH, Squadron VMF-21,  Wake Island, 11. Dezember 1941;

F4F-3, weiße F-13, BuNo 3986, US Navy, Lt. Noel Am.M. Gayler, Squadron VF-3, USS Lexington, Februar – März 1942.

Literatur:

F4F Wildcat in detail, D&S Vol. 65, Bert Kinzey, squadron/signal publications 2000, ISBN 1-888974-18-4;

Grumman F4F Wildcat, Monografie 12, Andre R. Zbiegniewski und Krzysztof Janowicz, KAGERO 2004, ISBN 83-89088-53-3.

Fazit: ArmaHobby liefert hier die erste echte Grumman F4F-3 in 1/72 für den fortgeschrittenen Modellbauer. Sehr zu empfehlen.

Volker Helms, Godern (Juli 2026)

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