Vorbild: Der Challenger 1 ist ein britischer Kampfpanzer, der in den 1970er und 1980er Jahren als Nachfolger für den Chieftain entwickelt wurde. Der Challenger war keine komplette Neuentwicklung, sondern wurde aus dem Shir 2, einer iranischen Variante des Chieftain, entwickelt, da die British Army hohen Bedarf nach einem neuen Kampfpanzer hatte und eine komplette Neuentwicklung zu lange gedauert hätte und zu kostenintensiv gewesen wäre. Der erste Challenger wurde am 12. April 1983 an das Regiment der Royal Hussars ausgeliefert. Insgesamt wurden 420 Einheiten produziert. Bis zur Außerdienststellung des Chieftain bestand etwa ein Drittel des Panzerbestandes der British Army aus Challengern. Seinen ersten Einsatz hatte der Panzer im Zweiten Golfkrieg 1991. Während der Kampfhandlungen zerstörten die Challenger etliche irakische Panzer und gepanzerte Fahrzeuge. Der Challenger 1 wurde in der britischen Armee ab 1998 vom Challenger 2 abgelöst.

Quelle: Wikipedia

Bausatz: Vor ziemlich genau 40 Jahren erschien bei Tamiya der erste und bisher auch einzige Bausatz eines Challenger in 1/35, wenn man mal von den Kits von CC LEE, eine vermutliche Kopie der Tamiya-Formen, absieht. Nun hat es bis zum Jahr 2026 gedauert, bis ein Hersteller sich aufgemacht hat, einen neuen Bausatz in Spritzguss auf den Markt zu bringen. Trumpeter liefert hier im stabilen Stülpkarton mehr als 630 Teile (laut Angabe auf der Packung), welche sich an zehn Spritzrahmen und drei Fotoätzteilplatinen befinden. Zum Lieferumfang gehören außerdem noch gewickelter Kupferdraht zur Darstellung für die Abschleppzeile sowie Decals. Wie immer sind die Rahmen einzeln verpackt, wobei besonders empfindliche Teile noch mit extra Schaumstoff umwickelt sind. Eine spannende Frage ist sicherlich der Vergleich mit dem Tamiya-Bausatz, welcher mir auch vorliegt.

Der Bau beginnt auch beim neuen Kit aus China mit der Unterwanne, welche nahezu einteilig ist. Diese wird mit den einzelnen Stationen des Laufwerks komplettiert. Theoretisch könnte man auch nach Entfernung des kleinen länglichen Passstifts an den Schwingen das Fahrwerk eingefedert an einen Untergrund anpassen. Auf der Bodenplatte finden wir zahlreiche Details wie Zugänge und Verstärkungen, welche nach Vergleich mit Vorbildfotos ganz gut passen. Die Unterwanne vom japanischen Konkurrenzprodukt präsentiert sich nahezu nackt. Beim Trumpeter-Bausatz ist außerdem die Unterseite der Wanne im Bereich der Ketten geschlossen, so dass hier kein Blick in selbige möglich ist. Die Laufrollen sind auf beiden Seiten sehr detailliert, die Nabendeckel sind jeweils einzelne Bauteile. Polycaps sind nicht vorhanden. Die Laufrollen bei Tamiya sind auf der Innenseite trommelförmig zur Aufnahme der hier vorhandenen Polycaps, dafür gefallen die Außenseiten auch heute noch sehr gut.

Im Bereich des Laufwerks liefert der neue Kit durch die Einzelgliederkette einen bzw. den großen Unterschied im Vergleich zum alten Bausatz mit Vinylketten. Pro Kettenglied, welches aus jeweils einem Teil besteht, müssen je vier Angusspunkte versäubert werden. Laut Bauanleitung benötigt jede Seite 89 Glieder. Damit wird ganz klar der deutliche höhere Aufwand beim Zusammenbau den Modellbauenden hier aufgezeigt. Normalerweise ist am Ende aber auch die Wirkung der Einzelgliederkette am fertigen Modell deutlich besser.

Der nächste Abschnitt im Bau widmet sich dem Turm. Das Turmgehäuse besteht aus einem Ober- und Unterteil. Die Kanone entsteht zwei Hälften für das lange Rohr sowie der einteiligen Mündung mit dem Aufsatz für die Feldjustieranlage. Sicherlich würde man heute da ein einteiliges Rohr erwarten, allerdings vermute ich, dass die Darstellung der Wärmeschutzhülle auf einem so produzierten Bauteil schwierig ist. Diese Hülle auf dem Rohr aus dem Trumpeter-Kit fällt im direkten Vergleich mit der Umsetzung im älteren Bausatz auch etwas ab. Eine bewegliche Höhenrichtung ist wohl beim vorsichtigen Einsatz von Kleber möglich.

In den nächsten Schritten wird der Turm mit diversen Staukisten und der Ausblickeinheit des Wärmebildgeräts versehen. Die Ausstattung mit den Staukisten entspricht dem Stand bei der Auslieferung aus dem Werk und zeigt nicht leider nicht die zum Teil improvisierten Staukisten und -körbe, welche im Laufe der Dienstzeit hier an die Fahrzeuge kamen. Interessanterweise bietet der Bausatz von Tamiya eben diese im Lieferumfang. Einen positiven Punkt und zeitgemäßen Standard liefert Trumpeter mit den Winkelspiegeln und anderen Bauteilen aus klarem Kunststoff. Die Luken vom Kommandanten und Ladeschütze sowie der Zugangsdeckel zum Turmbatteriefach sind separate Bauteile und können somit in der gewünschten Position angebaut werden. Ein Innenleben ist allerdings in allen Fällen nicht vorhanden.

Für den markanten Staukorb an der linken Turmfront sind Ätzteile vorhanden. In den nächsten Schritten wird die Oberwanne mit diversen Anbauteilen wie Bordwerkzeug, eine Staukiste sowie zahlreichen Details komplettiert. Positiv möchte ich hierbei auch die wiederum aus klarem Plastik gefertigte Beleuchtungsanlage vorne sowie die Gitter aus PE-Teilen über den Lüftungsgittern auf dem Motordeck hervorheben. Für die beiden Abschleppseile steht Material aus weichem Kupferdraht zur Verfügung, welche nach der Längenangabe in der Bauanleitung gekürzt werden muss und mit den einzelnen Seilkauschen verbunden wird. Die Länge von 26 cm recht dafür aus. Die letzten Bauschritte widmen sich der Wannenrückseite. Aus dem Bausatz kann nur die (späte) Konfiguration mit den Zusatztanks in Form von 200l Fässer gebaut werden. Diese wurde 1987 und 1988 an einzelnen Fahrzeugen erprobt und dann im größeren Stil während der Operation Granby 1991 im Irak genutzt. Sie steht nicht zwingend in Verbindung mit dem Mk.3 Stand.

Das frühe Aussehen mit den Halterungen für zwei Kanister müsste also selber in Eigenregie oder mit dem Umbausatz SMM3546E von Scorpion Miniature Models oder den entsprechenden Teilen aus dem Tamiya-Bausatz umgesetzt werden. Einen guten Weg ist man in China bei der Erstellung der Bauteile für die Fässer gegangen, denn selbige sind von den Halterungen und Spannbändern aus Fotoätzteilen getrennt, so dass die Modellbauenden auch theoretisch leere Halterungen darstellen könnten. Die Seitenschürzen sind jeweils einteilige Bauteile mit aufgeprägten Griffen. Ganz zum Schluss werden die beiden Rückspiegel montiert, welche im Original wohl eher spärlich verwendet wurden.

Anleitung/Bemalung: Die Bauanleitung ist im typischen Trumpeter Stil gehalten und zeigt den Bau in 27 Schritten. Farbangaben werden nicht für Detailbereiche gemacht. Bei der Durchsicht der einzelnen Abschnitte ist mir aufgefallen, dass laut dem Hersteller die Oberwanne und die Wannenheckplatte jeweils erst mit allen erdenklichen Kleinteilen aufgerüstet werden und die Hochzeit mit den anderen Wannenbauteilen erst in den letzten Schritten erfolgt. Meiner Meinung nach, wäre zunächst das Verkleben der Hauptbauteile der Wanne sinnvoller.

Die Bemalung und möglichen Markierungsoptionen werden auf einem farbig gedruckten A4-Blatt gezeigt. An Farbprogrammen werden die von Mr. Hobby, Acrysion, Vallejo, Model Master, Tamiya und Humbrol angezogen. Wie immer und leider typisch bei Trumpeter gibt es zu den ausgewählten Vorbildern keine weiteren Informationen. Aus dem Kasten ist der Bau der folgenden Fahrzeuge möglich:

  • Challenger 1, Kennzeichen 34KA11, Rufzeichen 40, Taufname „Flying Fox“
  • Challenger 1, Kennzeichen 06SP84, Rufzeichen 32, KFOR-Markierung
  • Challenger 1, Kennzeichen 64KG87, Rufzeichen 11B, Taufname „Churchill“, Royal Queen`s Royal Irish Hussar, 7th Armoured Brigade, Bemalung in Sand, ?Aufmarschphase 1990/91 Saudi Arabien noch ohne Zusatzpanzerung?
  • Challenger 1, Kennzeichen 34KA17, Rufzeichen 0B, Taufname „Coleraine“ Bemalung in Sand, ?Aufmarschphase 1990/91 Saudi-Arabien noch ohne Zusatzpanzerung?

Bei allen Fahrzeugen handelt es nach meiner Recherche um erhaltene Fahrzeuge (Museum, Gate Guard oder Privatbesitz), welche sich im Königreich befinden. Zum Teil sind diese fahrfertig. Kurioserweise sind die Abziehbilder 29 sogar die Warnweise, nicht auf dem Gate Guard herumzuklettern.

Der Decalbogen ist glänzend und in guter Qualität gedruckt.

Fazit: Das Fazit fällt etwas zweigeteilt aus, wenn man den Tamiya Kit zum Vergleich hernimmt. Denn es zeigt sich, dass der neue Bausatz nicht in jedem Bereich dem älteren Kit überlegen ist. Grundsätzlich lässt sich aus dem hier besprochen Trumpeter Bausatz ein sicherlich gutes Modell eines Challenger 1 in 1/35 bauen. Dies gilt umso mehr, wenn man noch nicht den Tamiya Bausatz im Lager hat und sich neu mit dem Thema beschäftigt. Die sogenannten „Experten“, welche beide Kits im Vorrat haben, werden möglicherweise einen Kit-Bash in Betracht ziehen.         

Sebastian Adolf, Wettstetten (Mai 2026)

Literatur:

Challenger 1 – Main Battle Tank

Carl Schulze

British Special No. 9020

Tankograd Publishing 2013

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