Das Vorbild: Die Republic P-47 Thunderbolt war ein einsitziges Kampfflugzeug des US-amerikanischen Herstellers Republic Aviation und das schwerste einmotorige Jagdflugzeug des Zweiten Weltkriegs. Der Ganzmetall-Mitteldecker war mit 15.683 Maschinen neben der North-American P-51 Mustang (15.686 Maschinen) das meistgebaute US-Jagdflugzeug dieser Zeit. Die United-States Army Air Forces (USAAF) setzten P-47 vorwiegend auf dem europäischen Kriegsschauplatz als Jagdbomber ein. Der Buchstabe „P“ in der Bezeichnung steht für Jagdflugzeug (engl. Pursuit).
(Auszug aus Wikipedia)
Um die P-47 auch als Abfangjäger für die V-1 und Me-163 einsetzen zu können, entstand die leistungsgesteigerte P-47M. Sie hatte Bremsklappen unter den Tragflächen und einen neuen Turbolader. Eingesetzt wurden die 130 gebauten P-47M ausschließlich bei der 56. Fighter Group.
Der Bausatz: Dieser wird in einem stabilen Stülpkarton ausgeliefert, dessen Deckel eine ansprechende Grafik einer der Maschinen der 61st Fighting Squadron der 56th Fighting Group ziert. In der Box befinden sich 18 (!) Gussrahmen aus hellgrauem und zwei aus transparentem Plastik. Damit erhält man fast 300 Einzelteile in einem Basic Kit. Das ist schon wirklich beeindruckend und gleichzeitig aber auch ein Indiz, dass man es nicht wirklich mit einen einfachen Bausatz zu tun hat. So sehr mich perfekte Details begeistern, scheint Miniart an der einen oder anderen Stelle etwas übers Ziel hinaus zu schießen. Man könnte dies mit dem neudeutschen Begriff „Over-Engineering“ bezeichnen. Wie bereits von Utz in seinem First Look zur P-47N beschrieben, trifft dies zum Beispiel für das Motor Cowling zu, das hier aus sieben Teilen zusammengebaut werden muss. Einerseits ist es mit diesem Konzept möglich, an den Außenseiten vorhandene kleinste Details darzustellen, andererseits muss der Modellbauer darauf achten, die Teile optimal zusammen zu bauen.



Die einzelnen Teileträger kennt man alle aus den inzwischen bereits 19 veröffentlichten Bausätzen zum Thema P-47 Thunderbolt. Für den vorliegenden Basic Kit der P-47M hat man aus diesem Potpourri ein alternatives Ensemble zusammengestellt und mit neuen Abziehbildern versehen. Clever!



In Bezug auf die Oberflächendetails scheint es geteilte Meinungen zu geben. Ich persönlich finde diese wirklich sehr schön umgesetzt und habe kein Problem damit, dass die Gravuren deutlicher ausgeprägt sind, als dies im entsprechenden Maßstab eventuell erforderlich wäre. Gleiches gilt für die unzähligen Niete, da diese manchmal extrem nahe an den Panel Linien platziert sind. Auch hier sind mir diese Art von Nieten deutlich lieber, als selbst Hand anlegen zu müssen, was auch noch das Risiko mit sich bringt, das Modell am Ende komplett zu verpfuschen.



Auswerfermarkierungen sind – wenn vorhanden – stets so platziert, dass man diese nach dem Zusammenbau nicht mehr sehen kann. Die Klarsichtteile sind bei meinem Bausatzmuster sehr schön und fehlerfrei gefertigt.
Miniart hat sich bei diesem Bausatz wirklich sehr viel Mühe gegeben, dem Original des legendären Flugzeugtyps gerecht zu werden. Dies sieht man bereits bei den Teilen zum Bau des Cockpits. Alleine der Pilotensitz besteht aus sieben Einzelteilen, wobei die Gurte schon anmodelliert sind, und der Rest aus knapp 20 Einzelteilen mit schönen und scharfen Details besteht.



Obwohl man einen Basic Kit vor sich hat, findet man auch zahlreiche (16) Teile zur Darstellung des Hochleistungsmotores. Auch bei den Bereichen für das Fahrwerk kann man nicht meckern. Sowohl diese wie auch das Fahrwerk selbst sind so gut, dass man auf Ätzteile getrost verzichten kann. Beim Fahrwerk hat man die Option, zwischen belasteten und unbelasteten Rädern mit schönem Blocktread-Profil zu wählen.




Alle Ruder einschließlich Landeklappen sind separate Teile und können nach Wunsch angebracht werden. Als Zuladung bietet der Kit 250-, 500- und 1000-Pfund-Bomben, 75-Gallonen und 150-Gallonen-Zusatztanks sowie Rauch-Granaten an.
Warum liegen eigentlich zwei Teileträger für die Cockpithaube bei? Nach Durchsicht des Bauplans konnte ich feststellen, dass die Haube selbst auf einem der Gussäste vorhanden ist, die Teile für das Reflexvisier auf dem anderen. Dabei konnte ich aber noch eine Besonderheit finden: Für die Positionslichter, die an den Flügelenden aus klarem Plastik anzubringen sind, hat Miniart winzige Vertiefungen in den Teilen realisiert, in der dann die jeweilige Farbe des Positionslichtes vorsichtig eingebracht wird. Damit erhält man ein absolut vorbildgetreues Teil, das ich so umgesetzt nur von wenigen anderen Firmen bzw. Bausätzen kenne.
Der Bauplan: Als Bauplan erhält man ein 16-seitiges Heft, das in 31 Baustufen klar und schön bebildert sicher durch den Bauprozess führt. Zusätzlich erhält man noch eine Übersicht für den Zusammenbau der möglichen Zuladungen mit den jeweiligen Halterungen, um diese dann korrekt an den Flügelunterseiten anbringen zu können.

Gedruckt von Cartograf, liegt auch ein sauber gedruckter Decalbogen bei, der die Darstellung von zwei verschidenen Maschinen der 56th Fighter Group ermöglicht.
Sowohl beim Bauplan, wie auch bei den Vorlagen für die Bemalung sind Referenzen auf die Farbpaletten von Vallejo, Mr. Color, AK RC, Mission Models, Ammo MIG und Tamiya vorhanden.



Die beiden Optionen für die Darstellung sind:
– P-47M, 44-21112, UN-Z, 63rd Fighting Squadron, 56th Fighting Group, 8th Air Force, 1945
– P-47M, 44-21127, HV-M, 61st Fighting Squadron, 56th Fighting Group, 8th Air Force, 1945
Fazit: Ich kann die Idee von Miniart, aus einem vorhandenen Satz von Formen und Gussästen das Maximum herauszuholen, absolut nachvollziehen und freue mich wirklich über jede neue, alternative Option. Die Frage dabei bleibt allerdings, ob man als Modellbauer irgendwann ermüdet und / oder die Schränke einfach so voll sind, dass man keinen neuen Bausatz nur wegen schönen, bunten und neuen Abziehbildern mehr unterbringen kann.
Dennoch:
Sehr empfehlenswert!
Gert Brandl, Berlin (April 2026)

