Vorbild: Eines der vermutlich geschichtsträchtigsten Schlachtschiffe des Zweiten Weltkriegs. So war sie das erste neue Schlachtschiffe, die die deutsche Kriegsmarine gebaut hat und sie hielt sich von vornherein nicht an die Grenzen des Versailler Vertrages. Die darin festgesetzte Grenze lag bei einer Verdrängung von 10.000 Tonnen für neue Kriegsschiffe, was die Scharnhorst von Beginn an deutlich überschritt. Durch clevere Tricksereien war sie jedoch auf dem Papier mit dem Versailler Vertrag in Einklang zu bringen. Dazu gehörte auch, dass sie mit 28-cm-Geschützen ausgestattet war, obwohl andere Länder bereits deutlich größere Kaliber auf ihren Schiffen einsetzten. So wollte man zumindest ein wenig den Anschein wahren, dass das Schiff noch innerhalb der Vertragsgrenzen gebaut wurde. Dazu kam, dass die 28-cm-Geschütze bereits entwickelt waren und zur Verfügung standen, die größeren 38-cm-Geschütze hätten den Bau deutlich verzögert.

1934 wurde das ursprüngliche Konzept, das für die Scharnhorst vorgesehen war über Bord geworfen, als Reaktion auf Frankreichs neue Schlachtschiffe der Dunkerque-Klasse. Die zunächst angedachten rund 18.000 Tonnen Verdrängung wurden durch eine massive Überarbeitung auf über 26.000 Tonnen erhöht, womit die Grenzen des Versailler Vertrages endgültig überschritten wurden. Am Ende verdrängte die Scharnhorst sogar über 32.000 Tonnen. Man überlegte auch, die 28-cm-Geschütze durch 38-cm-Geschütze zu ersetzen, jedoch war, wie oben beschrieben, die Zeit zu knapp. Beim Schwesterschiff Gneisenau wurden entsprechende Umbaumaßnahmen auf 38-cm-Türme sogar begonnen, jedoch nie vollendet.

1935 wurde die Scharnhorst in Wilhelmshaven auf Kiel gelegt, der Stapellauf erfolgte am 3. Oktober 1936. Am 7. Januar 1939 wurde sie schließlich unter dem Kommando ihres ersten Kapitäns Otto Ciliax in Dienst gestellt.

Kurz nach Kriegsbeginn ging die Scharnhorst zusammen mit der Gneisenau auf ihre erste Feindfahrt in der Nordsee. Nordwestlich der Färöer-Inseln versenkten Scharnhorst und Gneisenau am 23. November den Hilfskreuzer Rawalpindi.

Die Newcastle folgte dem Notruf der Rawalpindi und näherte sich dem Einsatzgebiet. Durch diese Entwicklung und die Möglichkeit, auf stärkere britische Einheiten zu treffen, brachen die deutschen Schiffe die Operation ab und kehrten zu ihren Stützpunkt zurück.

Bis zu Ihrer Versenkung am am 26.12.1943 in der Barentssee nahm die Scharnhorst zusammen mit ihrem Schwesterschiff Gneisenau ein diversen Feindfahrten Teil, wobei sie im Verband ca. 170.000 – 190.000 BRT versenkt haben, was sie zu einem der erfolgreichsten deutschen Schlachtschiffen macht.

Ihr bekanntester “Erfolg“ war wohl im Rahmen der Norwegen Operation, bei der die Scharnhorst und Gneisenau den britischen Flugzeugträger HMS Glorious zusammen mit ihren Zerstörern Ardent und Acasta versenkt haben.

Das Ende, 1943, nachdem die deutsche Marine schwere Verluste erlitten hatte und nach der Operation Regenbogen die schweren Kriegsschiffe ausser Dienst gestellt werden sollten, überzeugte der neue Oberbefehlshaber der Marine Carl Dönitz Adolf Hitler davon diesen Befehl noch einmal zurückzusetzen. Daraufhin sollten die beiden verbliebenen Schlachtschiffe Tirpitz und Scharnhorst im Rahmen der Oparation Ostfront Hilfslieferungen der alliierten an die Sowjetunion im Nordmeer bekämpfen.

Am 22.12.1943 wurde der Geleitzug JW55B gemeldet und der Kommandant der Kampfgruppe, Konteradmiral Erich Bey, erhielt den Befehl zum Angriff. Am 25.12.1943 lief die Scharnhorst aus, doch extrem schlechtes Wetter sorgte für enormen Unmut seitens Bey. Dönitz ließ jedoch nicht mit sich reden und forderte nahezu Unmögliches.

Am Morgen des 26. Dezembers traf die Scharnhorst auf eine britische Kreuzergruppe, welche den Konvoi sicherte. Nach kurzem Gefecht wich die Scharnhorst nach Südosten aus, wodurch sie von ihrer Zerstörergruppe getrennt wurde. Während des Gefechts wurde die Scharnhorst im Vormars getroffen, was zur Folge hatte, dass ihre nach vorn gerichteten Funkmessgeräte ausfielen. Somit war die Scharnhorst bei diesen Sichtverhältnissen nach vorn praktisch blind.

Nachdem der Geleitzug südlich der Bäreninsel gemeldet wurde, brachte Bey das Schiff wieder auf Kurs. Gegen Mittag wurde die Scharnhorst erneut von britischen Kreuzern gesichtet, welche auf etwa 9,7 km das Feuer eröffneten. Bey brach den Angriff schließlich ab und versuchte, nach Südosten zu entkommen.

Von Westen näherte sich jedoch die britische Deckungsgruppe mit der Duke of York, welche die Scharnhorst überraschte. Die Zerstörer kamen bis auf Torpedoreichweite heran. Nach mehreren Torpedotreffern verlor die Scharnhorst zunehmend an Fahrt, woraufhin die Duke of York das Feuer eröffnete. Einer der letzten Funksprüche Beys soll gewesen sein, dass die Scharnhorst der Duke of York überlegen sei und man bis zur letzten Granate kämpfen werde.

Zwischen 17:40 und 18:20 Uhr lieferten sich die Scharnhorst und die Duke of York ein schweres Artilleriegefecht. Danach schwiegen die Geschütze der Scharnhorst. Die Duke of York und die Jamaica feuerten weiter, während die Scharnhorst von zwei Seiten mit Torpedos angegriffen wurde. Gegen 19:45 sank die Scharnhorst, was um 20:30 Uhr offiziell von Admiral Fraser bestätigt wurde.

Nur 36 Mann der Besatzung wurden gerettet, während der Großteil der rund 1.900 Mann starken Besatzung ums Leben kam. Die Rettungsaktion wurde aus Angst vor deutschen U-Booten von britischer Seite abgebrochen. Überlebende berichteten später, dass ihre Kameraden in den Rettungsflößen das Lied „Auf einem Seemannsgrab, da blühen keine Rosen“ sangen.

Mit dem Untergang der Scharnhorst endete nicht nur die letzte große Operation eines deutschen Schlachtschiffes im Nordmeer, sondern auch der Versuch, mit klassischen Überwassereinheiten den alliierten Geleitzugverkehr entscheidend zu stören. Die Schlacht zeigte eindrucksvoll, wie sehr sich die Seekriegsführung gewandelt hatte: Radar, koordinierte Verbände und die Überlegenheit alliierter Kräfte ließen der Scharnhorst letztlich keine Chance.

Trotz ihrer Geschwindigkeit, Feuerkraft und der erfahrenen Besatzung war sie am Ende isoliert und technisch unterlegen. Ihr letzter Einsatz gilt bis heute als ein Beispiel für Mut und Pflichterfüllung, aber auch für die Aussichtslosigkeit solcher Unternehmungen in der späten Phase des Krieges.

Mit ihr ging eines der bekanntesten deutschen Großkampfschiffe unter – und ein Stück Marinegeschichte.

Bausatz: Die neue Scharnhorst von Trumpeter kommt als 2025er New Tool zu uns, im klassischen Trumpeter-Gewand. Ein stabiler Stülpkarton mit einem netten Deckelbild und einigen Informationen auf den Seiten des Kartons.

Lange ist es her, dass eine Scharnhorst in 1/350 auf den Markt gebracht wurde, zuletzt das Rebox der Dragon-Scharnhorst 2019, deren Ersterscheinung aber ebenfalls schon auf 2010 zurückgeht. Öffnet man den Karton, ist wie immer bei Trumpeter alles ordentlich verpackt. Der große Rumpf ist fest verstaut und wird vorn mit einem Stück Schaumstoff geschützt. Die restlichen 20 Gussrahmen sind sicher daneben untergebracht, besonders gefährdete Teile sind noch einmal zusätzlich mit Schaumfolie umwickelt.

Was sofort auffällt, wie schon bei der 2020 erschienenen Bismarck, ist, dass Trumpeter sich wohl von den zweiteiligen Rümpfen verabschiedet hat und somit keine Wasserlinienmodelle mehr als Option „out of the box“ angeboten werden. Der mächtige Rumpf mit über 67 cm Länge macht ordentlich Eindruck und ist weder verzogen noch weist er sonstige Fehler auf. Nur in der Mitte des Rumpfes verläuft eine kleine Gussnaht, welche sich leicht wegschleifen lassen sollte.

Das Deck ist ebenfalls ein großes Teil, welches über die gesamte Länge doch recht „lapprig“ wirkt. Um dem entgegenzuwirken, werden im Rumpf Spanten eingesetzt. Die Beplankung könnte noch etwas feiner ausfallen, ist aber in Ordnung. Wer mehr möchte, muss im Drittanbietermarkt nachschauen.

Die Teile an den Gussrahmen sehen eigentlich durch und durch sehr gut aus, scharfe Kanten, saubere Angusspunkte und für den Maßstab „out of the box“ fantastische Details. Ich habe mich letztens noch über den neuen UH-1Y Venom aufgeregt, dass Trumpeter es bei einem New Tool nicht schafft, gute Oberflächendetails wie positive Nieten umzusetzen und dann hält man plötzlich dieses hübsche Teil in den Händen.

Trumpeter kann es also, aber irgendwie immer nur eine Sache. Wenn sie alle positiven Neuerungen mal in einem Bausatz zusammenbringen könnten, wäre das wirklich mal was.

Der Bausatz strotzt nur so vor feinen Details und der gesamte Deckaufbau ist für sich genommen jeweils ein kleiner Bausatz. Das dürfte allerdings auch extreme Aufmerksamkeit erfordern, denn manche der anzubauenden Teile sind wirklich winzig klein und müssen mit größter Sorgfalt aus dem Gussrahmen befreit werden. Gegebenenfalls sollte man vor Baubeginn den Teppich aus dem Zimmer entfernen.

Ein weiteres Highlight sind wohl die Geschütztürme. Dank moderner Slide-Mold-Verfahren konnte Trumpeter die Läufe nicht wie früher zweiteilig, sondern direkt einteilig gießen. Enthusiasten werden vermutlich trotzdem auf Metallrohre zurückgreifen, aber „out of the box“ sollten die Türme dennoch hervorragend aussehen.

Ebenfalls im Slide-Mold-Verfahren wurden die ganzen Aufbauten gegossen. Diese großen Teile sehen ebenfalls sehr gut aus. Wichtig ist hier vor allem, dass sie ohne Verzug daherkommen, sonst passt später gar nichts mehr zusammen. Die Detailierung geht wirklich tief und neben den hunderten Kleinteilen bekommt man auch noch eine massive Anzahl an PE-Teilen. Somit ist jeder Aufbau für sich genommen schon ein eigener kleiner Bausatz.

Die Fenster der Brücke sind zwar nicht geöffnet, aber tief eingegossen. Mit etwas UV-Resin ließe sich hier sicherlich etwas darstellen oder man bohrt sie vorsichtig auf, falls gewünscht. Was ich wiederum nicht ganz verstehe: Warum der Schornstein nicht direkt aus einem Teil gefertigt wurde.

Wie schon erwähnt gibt es eine große Anzahl an PE-Teilen in diesem Bausatz, verteilt auf vier Platinen. Diese beinhalten nicht nur die standardmäßigen Treppen und Relings, sondern auch Radare und vieles mehr. Gerne mehr davon.

Ich habe jedoch einen größeren Kritikpunkt und das sind die Schrauben. Nicht ihre Form an sich, sondern die Art, wie sie gegossen wurden. Sie besitzen wirklich massive Angusspunkte an einer denkbar ungünstigen Stelle. Das hätte man meiner Meinung nach deutlich besser lösen können.

Zu guter Letzt kann man sein Schiff auf den mitgelieferten Standfuß mit passender Plakette setzen. Dieser macht einen ordentlichen Eindruck und sorgt dafür, dass die über 67 cm lange Scharnhorst sicher präsentiert werden kann. Gerade bei einem so imposanten Modell ist ein stabiler Standfuß definitiv sinnvoll und wertet die Präsentation in der Vitrine noch einmal deutlich auf.

Bemalung: Es gibt eine Bemalungsoption, die von Trumpeter mitgeliefert wird. Klassischerweise auf einem extra beigelegten Blatt, auf dem in Farbe alle für Trumpeter wichtigen Details gezeigt werden. Leider ist es bei Trumpeter oft so, dass man nur das gesamte Modell gezeigt bekommt. Gerade bei einem Schiff wären einige detaillierte Ansichten jedoch wirklich hilfreich. So muss man viel recherchieren, um herauszufinden, welche Farbe sich zum Beispiel hinter dem Schornstein oder an anderen schwer einsehbaren Bereichen befindet. Etwas mehr Detailtiefe wäre hier schön gewesen, beispielsweise separate Ansichten der Decksaufbauten oder ähnliches.

Das gezeigte Farbschema ist typisch Trumpeter ohne jegliche Angabe dazu, wann und wo das Schiff so lackiert war. Ich bin kein Experte, aber die dargestellte Scharnhorst soll wohl den Zustand ab März 1943 zeigen, als sie in Norwegen operierte, bis hin zu ihrer Versenkung am Nordkap.

Die angegebenen Farbhersteller umfassen Humbrol, Vallejo, Tamiya, Mr. Hobby, ACRYSION und Model Master, wobei die Hersteller nicht einmal alle benötigten Farbtöne vollständig abdecken können. Man wird also wohl einiges mischen oder auf andere Hersteller zurückgreifen müssen.

Decals liegen ebenfalls bei, wobei natürlich alles rechtlich abgesichert ist. Man muss sich also keine Sorgen machen, sein Schiff irgendwo zu präsentieren. Wer unbedingt möchte, kann die Decals natürlich entsprechend zurechtschneiden, dann sollte das Modell allerdings besser nur noch in den eigenen vier Wänden präsentiert werden.

Die Qualität der Decals ist gut, wobei sie bei einem Schiffsmodell natürlich auch nicht so komplex oder auffällig ausfallen müssen wie beispielsweise bei Flugzeugen.

Anleitung: Was soll ich sagen? Wie oben bereits erwähnt, kann Trumpeter irgendwie immer nur eine Sache wirklich gut. Wo sie sich jedoch unbedingt weiterentwickeln müssen, um zur Konkurrenz wieder aufzuschließen, ist die Anleitung. Wie eh und je bekommt man ein kleines Heft auf gefühlt recyceltem Papier, in dem mit Schwarz-Weiß-Abbildungen viel zu viele Bauschritte auf eine Seite gequetscht werden, sodass vermutlich jeder Anfänger irgendwann verzweifelt.

Bitte endlich mal in Farbe und mit klaren Highlights für Teile, die an Stellen angebracht werden müssen, welche in der ursprünglichen Darstellung verdeckt sind. Zu oft muss man bei Trumpeter raten, wo ein Teil tatsächlich hingehört, weil genau die Stelle in der Anleitung verdeckt ist und man sie im weiteren Verlauf nie aus einer anderen Perspektive zu sehen bekommt.

GasPatch Models hat meiner Meinung nach mit die beste Anleitung überhaupt bei der Me 163 abgeliefert. Davon nur 50 % und die Trumpeter-Anleitungen wären wirklich top.

Bei Trumpeter ist es oft das Problem, dass auf den Abbildungen am Rand noch irgendein Kleinteil erwähnt wird, das zusätzlich angebracht werden soll. Selten ist mir das jedoch so extrem aufgefallen wie bei diesem Bausatz. Dieses Mal sind jedoch so viele winzige Bauschritte pro Bild untergebracht, dass man fast den Überblick verliert.

Ich würde daher dringend dazu raten, sich vor jedem weiteren Bauabschnitt die jeweilige Seite gründlich anzusehen und anschließend systematisch alles abzuarbeiten und abzustreichen, was bereits erledigt ist. Sonst wird das wirklich schwer.

Eine Abbildung für die Takelage liegt übrigens ebenfalls nicht bei. Das habe ich bei Trumpeter allerdings auch noch nie gesehen.

Fazit: Trumpeter bringt mal wieder ein Modell auf den Markt, das so gut wie alternativlos ist. Somit kann man entweder versuchen, noch einen Dragon-Bausatz zu bekommen, oder eben zu diesem hier greifen. Mit einem Preis von knapp 100–120 € ist der Bausatz allerdings nicht gerade günstig. Mit etwas gutem Willen kann man sagen, dass man sich zumindest einiges an Geld für Zurüstsets spart, auch wenn wirkliche Enthusiasten vermutlich dennoch zusätzliche Teile kaufen werden.

Für Anfänger ist das Set wohl wahrlich nicht gemacht, allerdings nicht unbedingt wegen des Plastiks, sondern vielmehr aufgrund der Anleitung. Für erfahrene Schiffsbauer ist es hingegen mit Sicherheit ein starkes Modell, das meiner Meinung nach bereits „out of the box“ ein sehr gutes Ergebnis liefern wird.

Florian Schuster, Berlin (Mai 2026)

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