Vorbild: Die Hauptaufgabe der Felixstowe F.2A-Flugboote bestand darin, lange Dauerpatrouillen über der Nordsee zu fliegen. Außerdem wurden die Felixstowes zur U-Boot-Bekämpfung eingesetzt. Jeder Flug war mit großer Gefahr verbunden, da die großen, langsam fliegenden Boote (Höchstgeschwindigkeit 154 km/h) leichte Opfer für deutsche Marinejäger sein konnten. Als Anfang 1918 die neue deutsche Hansa Brandenburg W.29 in Dienst gestellt wurde, drohte den britischen Flugbooten wie der Felixstowe F.2A oder der Curtiss H.16 eine Katastrophe. Das berühmte deutsche Marine-Ass Friedrich Christiansen schoss in den ersten Monaten sechs Felixstowe F.2A ab, davon zwei in einem Gefecht. Britische Flugboote wie die Felixstowe F.2A und Curtiss H.16 hatten eine starke Verteidigungsbewaffnung, die ihnen eine gute Chance gab, einen Angriff aus den meisten Richtungen abzuwehren, aber bei vielen Gelegenheiten griffen deutsche Piloten die großen Flugboote in toten Winkeln an. Die britischen MG-Schützen konnten das Feuer nicht erwidern, ohne ihr eigenes Leitwerk zu beschädigen. Diese neue Taktik erwies sich als erfolgreich, und die britischen Ingenieure mussten sich etwas einfallen lassen. Ein spät gebauter Standard-Felixstowe F.2A wurde speziell mit einer zusätzlichen Geschützposition in der Mitte des oberen Flügels ausgestattet, wobei eine Art Tonne für den MG-Schützen vorgesehen war. Diese Position war ideal für die Verteidigung des oberen Luftraums, da es bei einem 360-Grad-Schussfeld keine toten Winkel mehr gab, den feindliche Kämpfer ausnutzen konnten. Dieses modifizierte Flugboot (Seriennummer N4543) wurde am 6. Juli 1918 an das 230 Squadron ausgeliefert. Es gibt nur wenige historische Daten über seine Erfolge oder Misserfolge, aber es ist bekannt, dass es am 9. Juli 1918 ein U-Boot mit einer Bombe angriff. Alle Pläne, diesen zusätzlichen Waffenstand an anderen Felixstowes anzubringen, wurden fallengelassen, als sich der Krieg seinem Ende näherte, und Angriffe deutscher Marinejäger nur noch selten stattfanden. N4543, das einzige Flugboot mit dieser zusätzlichen Bewaffnung, diente bis zum 9. November 1918, als es aufgrund eines Problems im Kraftstoffsystem eine Notlandung machen musste und sank.
Technische Daten:
Spannweite: 29,15 m
Länge: 14,10 m
Bewaffnung: 8 x Lewis 0.303, 2 Bomben á 104 Kg
Antrieb: 2 x RollsRoyce Eagle VI oder VII je 375 PS
Flugdauer: 6 Std. (mit Zusatzkanistern bis zu 9 Std.)

Bausatz: 2003 brachte Roden die Felixstowe in 1/72 auf den Markt. Zwei Jahre später folgte dann der hier besprochene Bausatz mit dem zusätzlichen MG-Stand für die obere Tragfläche.
Das Deckelbild der Stülpbox zeigt zwei Felixstowe über der Nordsee im Kampf gegen (mehrere?) deutsche Hansa Brandenburg W.29. Nach öffnen des Deckels kommen eine Plastiktüte mit den Spritzlingen, die Bauanleitung und ein Bogen mit Decals zum Vorschein.

In der Plastiktüte befinden sich 10 graue und ein klarer Gussast mit insgesamt 246 Teilen. Damit ist schon klar, dass dies kein Wochenendprojekt ist.

Was die Abspritzung der Einzelteile angeht, sind diese bis auf ein paar Ausnahmen soweit okay. Leider gibt es einige große Grate und nicht so schöne Sinkstellen. Anscheinend war bei meinem Bausatz die Form schon ein wenig abgenutzt, oder das Plastik war zu dünnflüssig. Hier ist auf jeden Fall einiges zu tun.

Einige Details sind in Anbetracht des Alters und Maßstabs doch recht ordentlich, jedoch kann man mit Photoätzteilen aus dem Zubehörmarkt noch sehr viel mehr rausholen. Empfehlenswert ist z. B. der Ätzteilsatz von Part speziell für diesen Bausatz.

Anleitung/Bemalung: Die Bauanleitung ist in S/W beidseitig gedruckt (vier A3 Seiten in acht A4 Seiten unterteilt). Die erste Seite gibt einen kurzen Abriss zur Geschichte des Flugboots in Ukrainisch, Englisch und Deutsch. Die Seiten 3-6 zeigen den eigentlichen Bau, während die Seiten 7-8 die Verspannung, Farbmuster und Platzierung der Decals zeigen. Alle Farbangaben beziehen sich auf Humbrol-Farben.

Begonnen wird mit dem Bau der zwei Motoren, die für sich alleine mit 33 Teilen pro Motor schon fast ein eigener Bausatz sind (siehe Bild Bauplan). Für Details zum Motor empfehle ich folgendes Bild auf Wikipedia: Rolls-Royce_Eagle_NASM.jpg (6496×4872) (wikimedia.org).

Als Bemalung kommt nur die Felixstowe F.2A, N4543, No 230 Sqn RAF, stationiert in Felixstowe, England, Juli 1918 in Frage, da es sich ja, wie schon weiter oben erwähnt, um eine Einzelmaschine handelte.

Die Decals sind sauber vom Hersteller auf blauem Trägerpapier gedruckt, allerdings zeigt sich beim Weiß ein leichter Blaustich. Ob dies nun vom Trägerpapier kommt oder tatsächlich ein Farbfehler ist, lässt sich wohl erst beim Ablösen feststellen.

Fazit: Um dieses Monster zu bauen, sollte doch eine gewisse Erfahrung im Bau von Flugzeugen des ersten Weltkrieges vorhanden sein. Auch genügend Platz sollte vorhanden sein, bringt es die Felixstowe doch auf 40 cm Spannweite! Wen das alles nicht stört, wird mit einem sehr ausgefallenen Modell belohnt.

Literatur:

Jürgen Bellenbaum (Dallgow-Döberitz, Juli 2022)

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