Vorbild: Die F-16D Block 40 „Brakeet“ ist eine direkte Weiterentwicklung der F-16D Block 40. Während die zweisitzige F-16D bei den US-Streitkräften auch hauptsächlich zu Trainingszwecken eingesetzt wurde, gingen die Israelis einen Schritt weiter und machten aus dem Zweisitzer ein vollwertiges Kampfflugzeug für anspruchsvolle Einsatzrollen.
Der entscheidende Unterschied liegt dabei nicht nur in der zusätzlichen Elektronik, sondern auch im zweiten Besatzungsmitglied. Während vorne der Pilot sitzt, übernimmt hinten der WSO (Weapon Systems Officer) einen großen Teil der Aufgaben rund um Waffen, Sensoren und Missionssysteme. Dadurch kann sich der Pilot stärker auf das Fliegen und die taktische Situation konzentrieren, während der WSO beispielsweise bei der Zielerfassung und Waffenbedienung unterstützt. Gerade bei komplexen Präzisionsangriffen, Nachtmissionen und Einsätzen gegen stark verteidigte Ziele ist diese Arbeitsteilung ein großer Vorteil. Die israelischen F-16D wurden deshalb nicht einfach als Schulflugzeuge verwendet, sondern als spezialisierte Einsatzflugzeuge eingesetzt.
Die F-16D Block 40 war Ende der 80er Jahre eine der wichtigsten Weiterentwicklungen der F-16 und wurde für die Integration des LANTIRN-Systems ausgelegt. Dadurch konnten Präzisionsangriffe bei Nacht und unter schlechten Wetterbedingungen durchgeführt werden. Für die israelische Block 40 „Brakeet“ wurde jedoch noch einmal ordentlich Hand angelegt und die F-16 quasi auf Steroide gesetzt.
Besonders auffällig ist die große Dorsal Spine, also der Rückenhöcker hinter dem Cockpit. Dieser zusätzliche Bereich wurde als Elektronikraum genutzt und beherbergt verschiedene israelische Systeme. Dazu gehören unter anderem Ausrüstung für den elektronischen Selbstschutz und die elektronische Kriegsführung. Die genauen Details der verbauten Systeme wurden von Israel allerdings nicht vollständig öffentlich gemacht. Bekannt ist unter anderem das israelische Selbstschutzsystem SPS-3000.
Die Kombination aus WSO, zusätzlicher Elektronik und der speziellen Ausrüstung machte die israelische F-16D zu einem besonders interessanten Kampfflugzeug. Die Maschine konnte damit unter anderem für Präzisionsangriffe und Aufgaben der elektronischen Kampfführung beziehungsweise zur Unterdrückung feindlicher Luftabwehr eingesetzt werden. Bereits Ende der 80er Jahre wurde eine israelische F-16D mit einer AGM-78 Standard ARM gezeigt, was den Einsatz der D-Modelle in der Wild-Weasel-Rolle bestätigte.
Wie die normale Block 40 hat auch diese den großen Lufteinlass, den sogenannten „Big Mouth“, für das General Electric F110-GE-100. Auch beim Gewicht unterscheidet sich die israelische F-16D deutlich von einer normalen F-16D. Die israelischen Maschinen waren wesentlich schwerer und erhielten deshalb entsprechende Anpassungen an der Struktur und am Fahrwerk. Das grundlegende verstärkte Heavy-Weight-Fahrwerk gehört allerdings bereits zur Block-40-Ausführung und ist unter anderem an den größeren Rädern und den charakteristischen, leicht gewölbten Hauptfahrwerksklappen zu erkennen. Bei den israelischen Maschinen wurde das Fahrwerk aufgrund des nochmals höheren Gesamtgewichts zusätzlich angepasst.
Bausatz: 2008 brachte Kinetic seine erste 1/48 F-16 auf den Markt und seither werden auf diesem Grundmodell diverse Versionen der F-16 aufgebaut. Die erste Auflage der „Brakeet“ erschien bereits um 2010, nun bekommen wir 2026 ein Rebox mit neuen Waffen. Diese immer wieder und wieder erfolgte Veröffentlichung des Bausatzes merkt man auch an den Unmengen an nicht benötigten Teilen, die dem Bausatz beiliegen. Man könnte damit fast eine zweite F-16 bauen.
Dieser modulare Aufbau des Kits schlägt sich auch auf die Art und Weise nieder, wie man ihn baut. Viele Baugruppen sind stark zerstückelt, damit man aus der Grundform so viele verschiedene Versionen wie möglich herstellen kann. Dafür ist natürlich enorm wichtig, dass die Passform stimmt. Ob dies der Fall ist, kann ich zum jetzigen Zeitpunkt natürlich noch nicht sagen. Die Teile an sich sehen jedoch gut aus, alles ist sauber ausgegossen und es gibt keine Fehler, Fischhäute oder Ähnliches. Nur ein Teil hat so etwas wie einen Brandfleck. Ich denke jedoch, dass es trotzdem durch die Kontrolle gekommen ist, da es für den Bau dieser Version nicht benötigt wird.

Grundsätzlich ist die Detaillierung des Bausatzes in Ordnung, teilweise sogar wirklich gut. Das Cockpit sieht schön detailliert aus ebenso wie der Fahrwerksschacht, welcher direkt danach gebaut wird. Hier geht es aber auch schon los. Es gibt diverse Kleinteile, die irgendwie angebaut werden müssen und versionsspezifisch sind. Auf der einen Seite natürlich lobenswert, dass diese enthalten sind, auf der anderen Seite muss man die ganze Zeit kontrollieren, nicht das falsche Teil zu nehmen, da sich einige auf den ersten Blick doch stark ähneln.



Ich befürchte ja eine kleine Schleiforgie, wenn ich sehe, dass so gut wie alles aus mehreren Teilen zusammengesetzt wird. Gewiss ist dies auch eine Altlast des Alters des Bausatzes, aber die Dorsal Spine, der Lufteinlass, der Triebwerksschacht und sogar die Nase sind zweiteilig gegossen. Die Schubdüse wird ebenfalls aus mehreren Segmenten zusammengebaut. Hier kommt es wirklich auf die Qualität der Teile und vor allem auf die Passgenauigkeit an.
Große Optionen beim Bau gibt es nicht. Standard mittlerweile: Flaps up oder down, Canopy offen oder geschlossen. Dabei liegt immerhin ein netter Rahmen für das Innere der Canopy bei. Dieser hat zwar keinerlei Details, ist aber immer noch besser als bei Hasegawa. Ein kleines Highlight in dieser Sparte ist das Radar, welches man mit abgeklappter Nase zeigen kann. Problem dabei ist das Innere der Nase, welches massive Verbindungszapfen hat. Hier muss man ein wenig kreativ werden.



Wie an den Bildern oben zu sehen ist, liegt das Fahrwerk zweimal bei, wobei eines davon das passende Heavy-Duty-Fahrwerk ist. Dieses besitzt einen größeren Durchmesser der Dämpfer sowie die passenden Gear Doors mit der Aussparung für die größeren Räder. Immer wieder gibt es in der Anleitung auch Hinweise auf Bauteile, die abgeschnitten werden müssen und unglaublich viele Sensoren und andere Dinge, die für die „Brakeet“ angebracht werden müssen.



Waffen gibt es einige, auch diverse, die man für diese Version nicht benötigt. Aber es ist immer nett, wenn man sie später noch irgendwo anders verwenden kann. Ich glaube fast, damit hat sich Kinetic selbst verwirrt. Ich bin es zumindest.
Es gibt den AN/AXQ-14 Pod, welcher in diesem Modell nur für die Verwendung mit der GBU-15 vorgesehen ist. Auf dem Coverbild ist jedoch die AGM-142 Popeye zu sehen, welche ebenfalls als neues Teil im Bausatz beiliegt. Diese benötigt für ihre volle Nutzung allerdings den AN/ASW-55, welcher dem AN/AXQ-14 ähnlich sieht, sich aber gerade an der Heckpartie deutlich unterscheidet.
Schauen wir in die Anleitung, gibt es dort keinen AN/ASW-55. Es gibt jedoch einen AN/AXQ-14, welcher allerdings wie auf dem Coverbild die Form des AN/ASW-55 hat.
So, ich hoffe, jetzt sind alle verwirrt. Kinetic war es offensichtlich auch. Im Loadout gibt es zum Beispiel die AGM-65, welche einmal in einem älteren Bausatz enthalten war, hier jedoch nicht mehr beiliegt. Dazu kommen noch andere Pods und diverse weitere Waffen.


Kommen wir zu einem sehr wichtigen Teil einer F-16D „Brakeet“: das mächtige Canopy. Natürlich hat es eine durchgehende Naht, aber wir alle wissen ja mittlerweile, wie man die wegbekommt. Ansonsten ist das Canopy schön klar. Ein zweites Canopy für die Einsitzer-Variante liegt natürlich ebenfalls bei.



Anleitung: Die Anleitung hat leider auch unter den diversen Versionen gelitten, die Kinetic mit diesem Bausatz herausgebracht hat. Zum Beispiel sollen für die Block 40 die IFF-„Bird Slicer“-Antennen vor der Canopy entfernt werden. Im gesamten weiteren Bauverlauf werden sie jedoch weiterhin mit abgebildet. Zwischendrin gibt es dann auch auf einmal Bauschritte, falls man eine Block 30 bauen möchte. Wo diese auf einmal herkommt – keine Ahnung. Ich denke, man könnte die F-16D Block 30 tatsächlich bauen, jedoch wird sie irgendwie im gesamten Umfeld des Bausatzes nicht erwähnt.
Die Anleitung ist ansonsten in einem schön großen Heft schwarz/weiß gedruckt mit klarer Aufteilung der Bauschritte und guten Bildern. Jeder sollte hier eigentlich klar kommen.






Bemalung: Die Bemalung scheint die gleiche zu sein wie beim Bausatz aus 2021. Es gibt zwei Squadrons zur Auswahl. Einmal die 109 Tayeset (Valley) Sqn. auf der Ramat David AB und die 105 Tayeset (Scorpion) Sqn. ebenfalls auf der Ramat David AB.
Die Decals sind irgendwie zwei verschiedene Drucke. Die einen sind auf dunkelblauem Papier gedruckt und tragen die Kennzeichnung von CrossDelta. Diese sehen wirklich gut aus und sind sauber und scharf gedruckt. CrossDelta hat dabei die Decals gestaltet, während der Druck bei diesen Bögen von Cartograf übernommen wurde. Bei den Decals für das Flugzeug selbst sieht es dagegen anders aus. Diese sind auf einem helleren Papier gedruckt und tragen lediglich die Kennzeichnung „01-100-010 Kinetic Model (HK) Ltd 2009“. Leider sieht man diesen Unterschied auch deutlich bei der Qualität. Gerade bei der Schrift und den kleinen Details ist der Druck nicht besonders sauber. Hier merkt man dann doch, dass dieser Bogen offenbar noch aus der älteren Kinetic-Produktion stammt. Da geht mehr.



Kommen wir zu einem Punkt, der mich sprachlos gemacht hat. Wie kann man bei einem Schwarz-Weiß-Druck den Bemalungsvorschlag mit einem fast identischen Ton für zwei verschiedene Farben drucken? Die Anleitung ist in meinen Augen für den Tarnanstrich nahezu nutzlos. Da ist das Bild auf der Schachtel deutlich aussagekräftiger. Und das Schlimmste ist: Bei der Version aus 2021 war es genauso. Wieso macht man so etwas?

Fazit: Mich persönlich überzeugt der Bausatz nicht. Die Art und Weise, wie die Teile konzipiert sind, sorgt bei mir schon vor dem eigentlichen Bau für Frust. Schön, dass es überhaupt eine F-16D Block 40 aktuell gibt, denn wer unbedingt eine bauen möchte, muss es sich wohl oder übel antun. Der Preis von 55–60 € ist allerdings schon sportlich für diesen Bausatz. Würde Kinetic nur die tatsächlich benötigten Teile in den Karton packen, wäre er vielleicht 10 € günstiger.
Dazu kommt noch das Thema mit der Bemalungsanleitung. Gerade hier hätte ich bei einem Bausatz dieser Preisklasse mehr erwartet. Ich denke, das geht besser.
Florian Schuster, Berlin (Sept. 2026)

