Das Vorbild: Den Namen Kawasaki verbindet man heute sofort mit unzähligen Motorrad Modellen, die sowohl im zivilen Bereich, wie auch im Rennsport für Furore sorgten. Weniger bekannt ist jedoch die Tatsache, dass die Gründung des Unternehmens 1878 unter der Bezeichnung Kawasaki Dockyards mit einer Wertft zum Bau seetauglicher Stahlschiffe statt fand. 1906 begann in den neu eröffneten Hyogo-Werken dann die Herstellung von Lokomotiven, Güterwagen, Passagierwaggons und Brückenträgern, und im folgenden Jahr begann die Werft mit der Produktion von Schiffsdampfturbinen. Erst 1918 wurde die Flugzeugabteilung in den Hyogo-Werken gegründet, nur 15 Jahre nach dem Jungfernflug der Gebrüder Wright. Die Abteilung begann mit der Herstellung von Flugzeugen zu einer Zeit, als Flugzeuge, die nur wenige Stunden in der Luft bleiben konnten, noch aus Stoff und Holz hergestellt wurden. Bald darauf wurde eine Fabrik zur Herstellung von Flugzeugen gebaut und in dieser wurde Japans erstes Flugzeug aus Metall fertiggestellt. Die Flugzeugsparte wurde 1937 als Kawasaki Aircraft Co., Ltd. ausgegliedert und erst 1961 hat man dort auch das erste Motorrad hergestellt.
Weitere Informationen zur Ki-61 sind im entsprechenden First Look hier zu finden.
Das Bauprojekt: Wie bereits beschrieben, hat mir der Bausatz von Fine Molds so gut gefallen, dass ich schon zwei Tage nach dem Kauf dieser Kawasaki mit dem Bau begonnen habe.
Verwendete Materialien:
Ki-61 I Hei, Fine Molds, FP25

Die Anzahl der Bauteile ist vergleichsweise übersichtlich und niedriger als beim Bausatz von Tamiya. Tortzdem findet man sehr schöne Details, insbesondere im Inneren des Cockpitraumes. Gemäß Bauplan habe ich mit diesem Bereich begonnen und nach einer Grundierung mit Mr. Surface Primer Schwarz alles in den vorgegeben Farben mit Hilfe der Airbrush bemalt, mit Klarlack versiegelt und anschließend ein leichtes Wash mit Ölfarbenbrühe aufgetragen. Nach einer Trockenzeit von 24 Stunden wurden alle Kanten und Details durch ein leichtes Trockenmalen mit heller Farbe betont. Das Abziehbild für das Armaturenbrett konnte problemlos angebracht wwerden und schon war alles bereit dafür die beiden Rumpfhälften miteinander zu verkleben.


Die Passgenauigkeit war sehr gut und ein Verschließen von Spalten mit Filler war nicht erforderlich. Das Gleiche war auch nach dem Anbau der Hauptflügelteile und den Höhenrudern zu. Die Freude war groß, denn das ist leider nicht selbstverständlich. Nach dem Verbauen weiterer Kleinteile wie dem Fahrwerk, dem Luftfilter wurde die Transparenz der Cockpithaube durch ein kurzes Bad in Future verbessert und die Haube dann mit kleinen Streifen aus Tamiya Masking Tape für die Lackierung vorbereitet. Im Anschluss daran habe ich auf der Unterseite Mr. Surfacer Schwarz und auf der Oberseite Mr Surfacer Mahogany aufgetragen, um damit eine saubere Grundlage sowie ein pre-shading für die eigentliche Lackierung zu schaffen.


Die Oberseite wurde dann in lasierenden Schritten Panel für Panel mit Kawaski Green so bemalt, dass insbesondere an den Fugen das Preshading noch erkennbar blieb. Nach dem Abkleben der Rumpfseiten konnte dann die schwarze Farbe vor dem Cockpit und die silberne Farbe auf der Unetrseite aufgebracht werden. Hier habe ich den Rat von Utz befolgt und Super Fine Silver von Mr Color erprobt. Die Farbe wurde nur minimal verdünnt und dann auch schrittweise auf kleinen Bereichen so aufgetragen, dass das Preshading weiterhin sichtbar blieb und ein überzeugender Gesamteindruck entstand. Für die Radkästen wurde ein Farbton in sandbrauner Farbe genutzt. Im Anschluus daran wurde alles mit zwei dünnen Schichten Future versiegelt und war somit bereit für die Abziehbilder.


Der Bogen von Fine Molds enthält einige winzige Placards, die problemlos angebracht werden konnten. Dann folgte das Grauen! Beim Versuch das erste Hinomaru (der rote Kreis als Symbol für japanische Flugzeuge) zerbröselte beim Versuch das Abziehbild vom Trägerpapier auf das Model zu schieben in mehr als 10 Streifen. Beim Versuch, diese auszurichten, wurde es dann noch schlimmer und ich entschloss mich dazu, das Decal unter Einsatz von viel Wasser zu entfernen. Was nun? Ich besitze keine Abziehbilder, die ich als Alternative nutzen könnte. Da mir Ähnliches aber schon einmal zugestoßen ist, standen die weiteren Schritte schnell fest. Als erstes habe ich auf die noch vorhandenen Abziehbilder einen Film mit Mr Microscale Decal Film aufgetragen. Damit sollten die anderen Abziehbilder nicht mehr zerbröseln. Auf der Unterseite habe ich dann die Himomarus mit selbst hergestellten Schablonen unter Einsatz der Airbrush aufgebracht, wobei ich die Farbe so zusammen mischen konnte, dass sie der auf den Abziehbildern sehr gut entsprach. Trotz Decal Schutzfilm brachen noch weitere Decals, jedoch waren die Schäden überschaubar und es gelang mir, diese dann so zusammen zu fügen, dass die Schäden nicht mehr erkennbar waren. Als letztes Problem erwiesen sich dann noch die gelben Abziehbilder für die Flügelvorderkanten. Auch hier traten Schäden/Brüche auf, die zwar repariert werden konnten, aber dennoch sichtbare Spuren erkennbar blieben. Hier empfehle ich dringendst, die Abziehbilder in diesem Fall zu vermeiden und die Farbe mit der Sprühpistole aufzutragen.


Nach der Versiegelung der Abziehbilder wurden die Gravuren noch mit Panel Line Washes betont und leichte Alterungsspuren, Farbabplatzer und minimale Rußspuren angebracht. Nach Behandlung mit seidenmattem Klarlack konnten die Schutzmasken von der Cockpithaube entfernt und die beiden Metallrohre sowie das Pitotrohr angebracht werden.


Mit mittelstarkem elastischen Riggingmaterial von Uschi habe ich dann noch den Antennendraht nachgestaltet, die beiden Tanks unter die Flügel „gehängt“ und das sehr schön gestaltete Abdeckglas mit dem Landescheinwerfer eingeklipst.



Noch erwähnenswert ist, dass Fine Molds die kleinen Stifte auf den Flügeln sehr schön realisiert hat, mit dessen Hilfe die Piloten beim Original erkennen konnten, dass das Fahrwerk ausgefahren war. Diese habe ich mit roter Farbe versehen. Bei der Bemalung der beiden Positionslichter an den Flügelenden war ich zunächst überrascht, denn die Bauanleitung gibt die Farben rot für die linke und blau für die rechte Seite an. Blau erschien mir falsch, denn die Farben waren international standardisiert. Und demnach sollte es ein Grün sein. Nach einer Suche im Internet wurde ich zu dem Thema fündig. Die in Japan dafür verwendeten Lampen wiesen einen Gelbton auf, was zusammen mit einem bläulichen Glas im Betrieb zu einem Grünton führte. Also ist die Vorgabe im Bauplan tatsächlich korrekt.
Und dann stand meine erste Kawasaki vor mir auf dem Basteltisch. Ohne das Debakel mit den Abziehbildern wäre es eine reine Freude gewesen. Für eine ansprechende Präsentation habe ich noch eine japanische Kriegsflagge ausgedruckt und diese so zugeschnitten, dass sie in einen kleinen Bilderrahmen passt.



Fazit: Der Bausatz von Fine Molds ermöglicht dank guter Passgenauigkeit und schöner Details den Bau eines ansprechenden Modells. Allerdings ist für mich noch unklar, ob ich bei den Abziehbildern einfach Pech hatte oder ob diese generell sehr empfindlich sind und zum Bruch neigen.
Vielleicht werde ich mir irgendwann noch den Bausatz von Tamiya in 1:72 oder 1:48 gönnen, denn das Design des Flugzeugs ist ausgesprochen formschön.
Das fertige Modell kann bis Ende Oktober in der Vitrine des Modellbaufachgeschäftes “Werken, Spielen, Schenken” in Berlin Steglitz an der Schloßstr. 110B, begutachtet werden.
Gert Brandl, Berlin (August 2026)

