Das Vorbild: Die 155-mm-Kanone L33 ist eine argentinische Feldkanone im Dienst des argentinischen Heeres. Sie wurde Ende der 1970er Jahre von CITEFA als obus 155 mm L33 X1415 CITEFA Modelo 77 entwickelt, um die noch im Dienst des argentinischen Heeres stehende 155-mm-Haubitze M114 aus dem Zweiten Weltkrieg zu ersetzen. Die Kanone basiert auf derjenigen der französischen 155-mm-Selbstfahrlafette Mk F3, die ebenfalls im Dienst des argentinischen Heeres steht.
Die 155-mm-Kanone CITEFA Cañón L33 Modelo 77 wurde von den argentinischen Streitkräften während des Falklandkriegs 1982 eingesetzt und mit C-130 Hercules-Transportflugzeugen der argentinischen Luftwaffe nach Ostfalkland geflogen, um die Feuerkraft über große Entfernungen zu verstärken. Sie wurde in konventionellen Feldartillerierollen eingesetzt, darunter indirektes Feuer, Gegenbatteriefeuer sowie Störfeuer und trug so zu den argentinischen Verteidigungsbemühungen um Port Stanley bei. Britische Nachkriegsstudien belegen, dass die argentinische schwere Artillerie, einschließlich der 155-mm-Geschütze, anhaltendes Feuer erzeugte, das durch Schiffsartillerie der Royal Navy, Angriffe der RAF und intensive britische Gegenbatteriebemühungen unterdrückt werden musste. Landgestützte Artillerie, darunter 155-mm-Geschütze, beschoss kleinere Boote der Royal Navy in den Zufahrten zu Port Stanley, doch Angriffe auf größere Schiffe der Royal Navy blieben erfolglos.
Am Ende des Feldzugs verfügten die britischen Streitkräfte über vier Geschütze. Mindestens ein Geschütz wurde zu Ausstellungszwecken nach Großbritannien gebracht und befindet sich heute in der Muckleburgh Military Collection in Weybourne, Norfolk.
(Auszug aus Wikipedia)
1989 wurde die Waffe modernisiert: Die Position der Rückholzylinder wurde geändert (in eine gerade, nicht geneigte Konfiguration), das Bremssystem modifiziert und weitere kleinere Details angepasst. Geschütze mit geneigten Rückholzylindern sind heute noch im Einsatz und werden als „SOFMA“ (Société Française de Matériel d’Armement) bezeichnet, während jene mit horizontalen Zylindern die Bezeichnung „CITER“ behalten. Die Radaufhängung wurde ebenfalls mit breiteren Reifen aktualisiert, um eine bessere Gewichtsverteilung im Gelände zu ermöglichen.
Der Bausatz: Vor einiger Zeit erhielt ich ohne „Vorwarnung“ ein kleines DHL Päckchen, womit mich mein Modellbaufreund aus Argentinien überrascht hat. Darin befanden sich die 3D gedruckten Teile vom Bausatz einer argentinischen 155mm Kanone, die ab 1977 lokal vom Militär genutzt wurde. Trotz robuster Verpackung hat sich während des Transportes anscheinend ein Elefant auf das Päckchen gesetzt, denn drei der Teile waren hoffnungslos zerstört. Es handelte sich dabei um die Mündungsbremse des Rohres, einem Kleinteil sowie der Lafettenbasis. Inzwischen habe ich Ersatz für die Teile erhalten, was allerdings etwas gedauert hat.
Alle Teile des Bausatzes befinden sich auf den insgesamt 24 Druckplatten die jeweils in Klarsichttütchen eingeschweisst sind.
Zusätzlich liegt ein kleiner Bogen mit Abziehbildern bei. Den Bauplan, der es in sich hat (dazu komme ich noch später), konnte ich mir aus dem Internet problemlos herunterladen.

Nun aber zu den einzelnen Teilen. Ich beschäftige mich schon seit einiger Zeit mit dem Thema 3D Druck bzw. mit im 3D Druckverfahren hergestellten Bausätzen. In der Regel sind diese inzwischen sehr detailliert und qualititativ hochwertig. Wenn man sich die Teile allerdings unter der Lupe genauer ansieht, findet man fast immer Rillen oder Linien vom Druckprozess, die manchmal sogar etwas stark ausgeprägt sind. In vielen Fällen kann man diese entweder duch eine etwas dickere Schicht Grundierung verschwinden lassen oder sie aber mittels Schleifpapier entfernen. Letzteres ist jedoch oft nicht ganz trivial, sofern der entsprechende Bereich feine und kleine Details aufweist, um die man dann herumschleifen muss.




Bei der Inspektion der mir hier vorliegenden Teile war ich ziemlich verblüfft, denn auch unter der Lupe fand ich ausschließlich perfekt glatte Oberflächen. Man kann kleinste Nieten und dünne Verstrebungsbleche erkennen aber keinerlei Druckrillen. Bravo! Diese Qualität habe ich so noch nicht oft gesehen.
Leider kann ich zur Originaltreue des Bausatzes wenig sagen, weil ich mich mit modernem Gerät so gut wie gar nicht auskenne. Allerdings zeigt ein Vergleich mit den Fotos vom Original, die im Bauplan enthalten sind (dazu komme ich noch), dass die Modellbauteile entweder unter Verwendung von originalen Konstruktionsplänen oder mit Hilfe diverser Fotos vom Original entwickelt wurden. Die einzelnen Teile und insbesondere die großen und kleinen Reifen sind absolut beeindruckend. Ein großes Lob auch hier, allerdings an den Designer.
Weiterhin erwähnenswert ist, dass die Ansatzpunkte der Druckstreben an den Bauteilen sehr dünn ausgeführt sind und diese sich auch an Stellen befinden, die ein wirkungsvolles Versäubern der Stelle nach dem Abtrennen der Stützstreben ermöglichen. Leider habe ich zu diesem Thema schon schlechte Erfahrungen machen müssen. Man kennt das allerdings auch bei Plastikbausätzen, wenn die Anguss-Stelle sich mitten im Reifenprofil oder auf kleinen Details befindet.




Der Bauplan: Hier hat jemand so richtig mitgedacht und mein Bastelherz schlug sichtlich schneller. Endlich ein Bauplan, wie man ihn sich nur erträumen kann. Los geht es mit einer kurzen aber informativen Beschreibung des Originals gefolgt von einer klaren Übersicht aller Teile unter Verwendung von 3D Grafiken. Danach geht es weiter mit dem Zusammenbau, bei dem Schritt für Schritt, ohne die Grafiken zu überladen, auf mehreren Seiten sicher durch den Bauprozess geführt wird. Abgerundet wird das Ganze dann am Ende mit einer kleinen Bilder-/Fotogalerie auf dessen Basis man sich dann für die passende Bemalung des Modells entscheiden kann.




Mit Hilfe der Abziehbilder ist es am Schluss noch möglich ein paar nette Farbakzente zu setzen.

Fazit: Obwohl dieser Bausatz in Bezug auf die Epoche und auch das Einsatzgebiet der Waffe, mein Interesse im Modellbau-Laden nicht geweckt hätte, freue ich mich extrem darüber, dass ich damit überrascht wurde. Es zeigt deutlich, welche Qualität inzwischen auch im Bereich 3D Druck möglich ist und dass ein Bauplan auch so gestaltet werden kann, dass das Lesen und Durchsehen zum Genuss wird.
Vielen Dank auch an Gabriel von Armaq für die schnelle Lieferung der Ersatzteile quer über den Ozean.
Bei Interesse an französischem und argentinischem Kriegsgerät in den Maßstäben 1/72 und 1/25 kann ich die Homepage von Armaq empfehlen.
Gert Brandl, Berlin (September 2026)

