Das Vorbild: Im Sommer 1938 genehmigte das deutsche Heer die Entwicklung eines neuen Modells vom leichten Panzer II, um ein mobileres gepanzertes Kampffahrzeug zu schaffen, das seine technologisch unterlegenen Vorgänger in den Panzerdivisionen ersetzen sollte. Das Projekt, zunächst als VK9.01 bekannt, verkörperte die Konstruktionsphilosophie einer einflussreichen Persönlichkeit im deutschen Panzerfahrzeugbau: Heinrich Ernst Kniepkamp. Überzeugt davon, dass erfolgreiche Panzerkonstruktionen auf maximaler Feuerkraft bei höchstmöglicher Geschwindigkeit beruhen, setzte Kniepkamp auf die neueste Hochleistungstechnologie deutscher Automobilingenieure. Geleitet von diesen Grundsätzen nutzte das VK9.01-Projekt viele hochentwickelte, aber technisch noch nicht ausgereifte Automobilkomponenten, um diese Anforderungen zu erfüllen – eine Entscheidung, die ständige Verzögerungen und häufige Konstruktionsänderungen zur Folge hatte.
Diese technischen Probleme sollten den VK9.01 während seiner gesamten Entwicklungsgeschichte begleiten. Aufgrund der Unzuverlässigkeit seines fortschrittlichen Antriebsstrangs konnte der VK9.01 sein Ziel, ein in Serie gefertigter Ersatz für den Panzer II zu werden, nie erreichen. Stattdessen dümpelte das Projekt in der Ungewissheit vor sich hin, da andere konkurrierende Projekte zur Verbesserung des Panzer II, darunter der VK9.03, der VK13.03 (besser bekannt als „Luchs“) und der VK16.01 (Panzer II Ausf. J), vielversprechender erschienen. Angesichts dieser zahlreichen Hürden war die Serienproduktion des VK9.01 ständigen Verzögerungen, sich ändernden Anforderungen und der drohenden Einstellung des Projekts ausgesetzt. Umso bemerkenswerter ist es, dass dieses Projekt nicht nur bis 1943 weiterentwickelt wurde, sondern auch in begrenzter Stückzahl produziert und – noch überraschender – im Kampf eingesetzt wurde.
(Auszug aus Tank Encyclopedia)
Vor der sogenannten 0-Serie, von der tatsächlich einige Fahrzeuge hergestellt und auch eingesetzt wurden, existierte noch ein Prototyp des Fahrzeuges, der einige Unterschiede zum finalen Design aufwies:
– Äußere Laufräder ohne Durchbrüche, wahrscheinlich übernommen vom Pz.Kpfw. Ic
– Fehlender Kugelabweiser hinter der Vorderkante auf dem Dach der Panzerwanne
– Anordnung der Kisten und Werkzeuge auf den Kettenabdeckblechen

VK 9.01 Prototyp, Abbildung aus Panzerenzyclopedia
Der Bausatz: Beim Bau des VK 9.01 mit 5cm Waffe habe ich mich eingehend mit den unterschiedlichen Varianten des VK 9.01 befasst und bin dabei auch auf Informationen und eine Abbildung zum Prototyp gestoßen. Da ich inzwischen einen direkten Draht zum Designer der Ausführungen VK 9.01 und der Version mit der 5cm Waffe hatte, wollte ich von ihm wissen, ob es auch möglich wäre, sein Design der 0-Serie in den Prototyp abzuändern. Der Aufwand sollte vergleichsweise gering sein. Nur wenige Tage später erhielt ich Screen Shots vom entsprechend überarbeiteten Panzer. Alle Unterschiede wurden perfekt und detailgenau berücksichtigt. Und – für den Maßstab 1:72 einfach genial – er hat sogar die beiden geriffelten Bereiche am Lauf der 2cm Waffe umgesetzt. Ich war so begeistert, dass ich noch am gleichen Tag den Druck der Komponenten beauftragte.

Wenn man ein Design von Chalice3Ddesign bei Cults 3D kauft, erhält man kein Komplettmodell, sondern diverse Dateien, auf dessen Basis man sich sein Modell selbst konfigurieren kann. Der Maßstab ist zwar 1:35, aber eine Anfertigung des Modells in 1:48 oder sogar 1:72 ist kein Problem, denn die Materialstärke der Einzelkomponenten ist dafür geeignet. Auch das Anbringen der einzelnen Boxen und Werkzeuge ist realisierbar, denn die Fahrzeugwanne ist mit und ohne Werkzeug und Boxen als Datei, vorhanden. Ich habe mich dafür entschieden den Druckaufwand so einfach wie möglich zu halten und dafür vier Dateien gewählt:
1. Fahrzeugwanne mit allen Aufbauten
2. Turm mit geschlossener Luke
3. Kettensegmente mit Lauf- und Antriebsrädern links und rechts.
10 Tage nach Erstellung des Druckauftrages erhielt ich ein kleines Päckchen, in dem sich die vier gewünschten Teile noch auf den Druckstreben befanden. Im Rahmen einer 1 stündigen „Operation“ habe ich diese dann vorsichtig von den Druckstreben befreit, wobei allerdings 6 Führungszähne der Ketten auf einer Seite und 3 (ich habe dazugelernt) auf der anderen Seite abgebrochen sind.
Das Ankleben der Teile war bei diesem Modellbauprojekt der anstrengendste Teil.


Der Bau: Nach einem Versäubern der Bereiche mit Sandpapier, an denen noch Rückstände von den Druckstreben erkennbar waren, erhielten alle Teile eine Grundierung mit Mr. Surfacer Grey. Dies ist insofern hilfreich, weil das Resin für den Druck schwarz war und man deshalb noch vorhandene Problemstellen oder Unsauberkeiten nur sehr schwer erkennen kann. Nach dem Auftrag der grauen Grundierung sieht das jedoch völlig anders aus und so konnten noch ein paar weitere kleine Fehlstellen gefunden und beseitigt werden.


Und dann ging es schon an die eigentliche Bemalung. Bei meinen Recherchen im Internet habe ich gelesen, dass man aufgrund der hellen und dunklen Bereiche auf den Flächen des Panzers davon ausgeht, dass der Prototyp mit der sogenannten Tropen-Lackierung versehen war. Ob dies tatsächlich korrekt ist, bezweifeln allerdings auch einige Experten, weil das Fahrzeug lediglich zu Testzwecken genutzt wurde und diese Lackierung damit nicht sinnvoll gewesen wäre.
Da mich allerdings das Farbmuster ansprach, sollte es dann doch eine Tropentarnung werden. Für mich war das eine Premiere und ich musste mich als nächstes schlau machen, welche Farben dafür verwendet werden können. Nach einigen Irrwegen landete ich schließlich bei den beiden Farben RAL 8000 (Gelb Braun) und RAL 7008 (Grau Grün) von AK. Nach dem Auftrag einer dünnen Schicht RAL 8000, sah es auf den ersten Blick ganz gut aus, aber bei genauerer Betrachtung in der Vergrößerung – mir ist sofort wieder der Artikel von Christian dazu eingefallen – waren im vorderen Bereich an den Kettenabdeckblechen und der Frontplatte noch Druckrillen erkennbar. So konnte das nicht bleiben. Mit feinem Sandpapier und dem Bastelmesser habe ich die Bereiche vorsichtig solange bearbeitet, bis der Großteil der störenden Drucklinien verschwanden. Danach wurde nachgrundiert und nochmals RAL 8000 aufgesprüht. Der Aufwand hatte ich gelohnt, denn das Ergebnis sah jetzt ganz gut aus.



Weiter ging es dann mit dem Grau Grün, das ich Freihand mit der Sprühpistole auftragen konnte. Die Farbe hatte ich so verdünnt, dass mehrere Sprühvorgänge erforderlich waren. Aber das Ergebnis zeigt, dass auch dies die richtige Entscheidung war, denn die Farbübergänge sind weich und der Eindruck wirkt stimmig.



Schließlich wollte ich das kleine Modell noch auf einem passenden Untergrund präsentieren und habe mit Hilfe eines Bilderrahmens, einer Plastikplatte und Magic Sculpt eine Basis erstellt, auf die nach entsprechender Bemalung der Winzling befestigt werden konnte.



Fazit: Irgendwie bin ich jetzt mit dem VK 9.01 Virus infiziert und spiele bereits mit dem Gedanken auch noch die Versionen VK 9.03 Panzer II Ausf. H und M zu bauen. Chalice3D Design bietet die inzwischen auch schon an ….
Erhältlich als Druckdateien bei Cults 3D.
Gert Brandl, Berlin (August 2026)

