Das Vorbild: Der Boeing MH-6J ist eine Weiterentwicklung des leichten Beobachtungshubschraubers Hughes OH-6, der von den USA bereits in Vietnam eingesetzt wurde. Anfang der 2000er entwickelte man auf Basis der Zivilversion Hughes MD 500E mit einem neuen 5-Blatt Hauptrotor, unter Beibehaltung des 2-Blatt Heckrotors eine unbemannte, ferngesteuerte Ausführung, die sich nicht durchsetzte.
Der unbewaffnete, sehr agile Helikopter ist mit zwei „Sitzbänken“ neben den hinteren Türen ausgestattet, auf denen je drei Soldaten Platz finden, die vor Ort schnell abspringen können und direkt verfügbar sind. Daneben gibt es auch noch eine bewaffnete Version, der AH-6J, der nur mit den zwei Piloten geflogen wird und anstelle der Bänke Ausleger besitzt, an denen verschiedene Waffensets befestigt werden können. Die US-Armee verwendet ihn hauptsächlich im 160th Special Operations Aviation Regiment (Airborne) „Night Stalkers“ aus Fort Campbell/ Kentucky für schnelle Infiltration und Extraktion von Spezialkräften.
Das Modell: Dies ist ein nagelneuer Kit von ICM aus komplett neuen Formen. Mittlerweile ist auch die bewaffnete Version AH-6J erhältlich. Vermutlich werden noch weitere Versionen erscheinen, hoffentlich sind auch zivile darunter. Das Modell wird in einer stabil wirkenden, nach oben öffnender Box ausgeliefert, wie bei vielen osteuropäischen Firmen üblich, mit einem darüber gestülpten Deckelbild.

In der Schachtel finden sich insgesamt drei Gussäste, einer davon mit den acht Klarsichtteilen. Die beiden anderen enthalten die 139 in einem mittelgrauen Ton gehaltenen Plastikteile. Diese haben eine satinierte Oberfläche, auf der die Panellines und die vielen Niete sehr gut zu erkennen sind. Das Plastik ist eher von der harten Sorte, das sollte für eine ausreichende Stabilität der Fahrwerkkufen sorgen. Komplettiert wird das Paket mit einem Decalbogen sowie der teils farbigen Bauanleitung.

Das Cockpit wirkt vollständig und gut detailliert, allerdings fehlen die Gurte. Diese sind mittlerweile von den üblichen Verdächtigen, z.B. Eduard, Quinta Studio und Kelik erhältlich, die auch weitere Detaillierungsgoodies anbieten. Leider gibt es im Kabineninneren auch auf jeder Rumpfseite eine Auswerferstelle, um deren Beseitigung man nicht herumkommt.

Passstifte erleichtern das Zusammenfügen der größeren Teile. Die Oberflächendetails sind, wie man es von den neueren ICM-Bausätzen gewohnt ist, eine Augenweide: Es gibt Verstärkungen unter den Türöffnungen und um die Befestigungen für die Kufen herum, zahlreiche erhabene Nieten und auch die vertieften Gravuren sind bestens nachgebildet. Der Guss ist vollkommen flashfrei.
Die Klarsichtteile sind glasklar aus einwandfrei polierten Gussformen. Neben der stark gewölbten Frontscheibe sind auch die Türen komplett aus klarem Material, was für die Lackierung der Türrahmen einiges an Abklebearbeit bedeutet. Daneben gibt es noch fünf recht kleine Teile für den Landescheinwerfer und die Positionsleuchten.

Die Bauanleitung/Decals: Die Bauanleitung ist teils farbig und auch erfreulich eindeutig. Sie führt in 67 (!) Schritten zum fertigen Modell. Bei nur 147 Bausatzteilen bedeutet das, dass die einzelnen Bauabschnitte nicht überfrachtet sind. Die letzten farbigen Seiten zeigen die drei verfügbaren Markierungen. Die Farbangaben gelten nur für die Farbenreihe von ICM.


Der kleine Decalbogen von ICM ist auf hellblauem Trägerpapier gedruckt. Die Farbsättigung ist sehr gut, die Decals sind glänzend gehalten. Der Druck ist scharf, selbst die kleinen Nummern sind bestens lesbar. Für die Cockpitinstrumente sind Decals vorhanden.

Das Fazit: Der Bausatz ist verhältnismäßig einfach zu bauen und sorgt dennoch für etliche Stunden Bastelspaß. Das Modell hat einen gut detaillierten Innenraum und ein stimmiges Äußeres. Lediglich die Sitzgurte sollte man ergänzen. Er ist auch anfängergeeignet. Für Modellbauer, die schon ein paar Modelle gebaut haben, eignet er sich als Einstieg in den Hubschrauberbereich.
Von mir kommt eine klare Empfehlung.
D. J. Schiller, Berlin (Juni 2026)

