Liebe Modellbaufreunde.
Ich möchte euch hier an meiner Vorgehensweise teilhaben lassen und beschreiben, wie ich aus einem neuen Schiffsmodell einen alten Veteranen entstehen lasse.
Grundsätzlich kann man diese Techniken mit jeder Art von Farbe ausführen, egal mit welchem Verdünner Medium man arbeitet.
Ich benutze inzwischen aber nur noch Acrylfarben auf Wasserbasis und das aus folgenden Gründen.
Sie riechen nicht allzu unangenehm, sind bei weitem nicht so gesundheitsschädlich wie Nitro oder Enamel Farben und lassen sich viel besser in einer Wohnung nutzen, ohne dass die anderen Mitbewohner einem aufs Dach steigen.
Ich dachte lange Zeit, dass die Qualität der Acrylfarben mit den alt hergebrachten Produkten nicht mithalten kann. Aber das ist weit gefehlt. Sie lassen sich wunderbar anwenden und die Ergebnisse die mit ihnen erzielt werden können, sind hervorragend.
Und nun möchte ich euch zeigen, wie ich damit arbeite.
Wir legen los mit der Grundierung. Diese erstelle ich immer mit einem recht hellen Primer. Das ist wichtig, damit das anschließende Preshading einen möglichst hohen Kontrast erhält.

Ich benutze dazu die Primer von Vallejo. Sie decken hervorragend und erzeugen eine sehr gute Oberfläche für den weiteren Lackiervorgang.

Als nächstes folgt das Preshading.
Da kein Bild mehr von meinem Rumpf in diesem Zustand existiert, habe ich einen Ersatz mit Photoshop erstellt. Man sieht, dass ich Vertiefungen und hervorstehende Oberflächenstrukturen die einen Schatten werfen würden, schwarz gefärbt habe.
Die schwarzen Bereiche habe ich mit einer 0,2-mm-Düse in meiner Airbrushpistole aufgetragen. Keine Sorge falls eine Linie mal nicht ganz perfekt sitzt. Die schwarze Farbe scheint anschließend nur noch ganz leicht durch die Grundfarbe, sodass es kaum auffallen würde.

Das Preshading mache ich mit einem schwarzen Primer. Ihr könnt an dieser Stelle aber auch schon einfache schwarze Farbe statt der Grundierung benutzen. Das spielt keine Rolle.

Nun wird mit der Grundfarbe die ihr ausgewählt habt, der Rumpf lackiert. Hierbei ist darauf zu achten, dass nicht zu viele Schichten aufgetragen werden. Sonst überdeckt ihr das Preshading zu stark und es wird davon nicht mehr viel zu sehen sein.
Wurde alles richtig gemacht, schimmert das Schwarz ganz leicht durch die Farbe und erzeugt so ein erstes Gefühl von Tiefe.

Als Nächstes widme ich mich den Strukturen, die vom Rumpf abstehen.
Mit einem feinen Pinsel und einem helleren Grau als der Grundton hebe ich diese dann hervor. Von Vorteil ist es, hier einen abgewinkelten Pinsel zu benutzen. Das erleichtert das Auftragen der Farbe. Wenn ihr so wie ich Acrylfarben auf Wasserbasis benutzt müsst ihr auch keine Angst haben, dass mal was daneben geht. Wird der Fehler sofort wieder mit etwas Wasser am Pinsel entfernt, geschieht das rückstandslos. Voraussetzung ist aber immer, dass der vorherige Arbeitsschritt ordentlich durchgetrocknet ist.

Dadurch wird der Kontrast weiter erhöht.

Anschließend werden Filter aufgetragen. Das ist wie beim späteren Washing auch, nichts anderes als sehr stark verdünnte Farbe. Auf meinen grauen Rümpfen benutze ich üblicherweise einen blauen, einen hellgrauen und einen weißen Filter. Der grüne ist für den Wasserlinienbereich.

Was bewirkt ein Filter?
Er lockert homogen lackierte Flächen auf und macht sie lebendiger. Ihr variiert so den Basisanstrich.
Außerdem wird er eingesetzt, um in bestimmten Bereichen unterschiedliche Farbtöne beizumischen. Zu Beispiel benutze ich einen grünen Filter im Bereich der Wasserline, um den Algenbewuchs darzustellen.
Und zuletzt kann man damit auch wunderbar Flächen aufhellen oder abdunkeln.
Man setzt den Filter ein, indem man zuerst mit einem Pinsel etwas auf den zu behandelnden Bereich aufträgt. Danach wird der Filter mit einem in Wasser getauchten und an einem Papiertuch abgestreiften flachen Pinsel auf der Fläche verteilt. So ähnlich, als ob ihr Holz lasieren wollt. Mit auf und abwärts geführten Pinselstrichen wird die Farbe verteilt und zum Teil auch wieder aufgenommen.
Nach dem der Filter ordentlich durchgetrocknet ist, kann man zum Washing übergehen. Das sind die gleichen Farben die ihr auch für die Filter benutzt. Wichtig ist, dass die Farbe des Washing immer dunkler sein muss als die der Basisfarbe. Ihr wollt ja das die Tiefenwirkung verstärkt wird.
Für graue Flachen benutze ich diese hier.

Ihr tragt die Farbe an einer Kante oder in einer Rille am Rumpf auf. Durch die Kapillarwirkung läuft die Farbe dann an der Kante oder in der Vertiefung entlang. Überschüssige Farbe nehmt ihr mit einem feuchten sauberen Pinsel dann einfach wieder auf.
Macht aber nicht zu große Bereiche auf einmal. Ihr kommt sonst nicht hinterher und die Farbe trocknet an Stellen an wo ihr noch nicht wart. Ihr bekommt sie dann wesentlich schlechter wieder weg.
Die Washing-Farbe bleibt dann in Ecken und Rillen zurück und durch die Abdunkelung an diesen Stellen, wird ein weiterer Tiefeneffekt erzeugt.

Dann zum Trockenmalen.
Früher habe ich dazu Ölfarbe genommen. Inzwischen hat der Markt aber auch hier Produkte anzubieten, die simpler in ihrer Anwendung sind. Ich benutze inzwischen die Drybrush Farben von MIG mit denen ich sehr zufrieden bin, da sie viel schneller trocknen als die Ölfarbe. Das sind aber auch die einzigen Produkte bei mir, die nicht von Vallejo sind.
Wobei ich jetzt hier keine Werbung für diese Firma machen möchte.
Ja, ich bin sehr zufrieden mit Vallejo.
Aber der Punkt ist, dass die einzelnen Farbprodukte untereinander kompatibel sein sollten. Das ist natürlich der Fall, wenn man bei einer einzigen Marke bleibt. Was aber nicht zwingend nötig ist, man kann auch verschiedene Anbieter von Farben kombinieren.
Dann sollte aber vorher getestet werden, ob es zu unerwünschten Reaktionen zwischen den Produkten der unterschiedlichen Hersteller kommt.
Nun gut, ihr braucht die Farbe, ein Stück Pappe und einen flachen Pinsel.

Dann nehmt ihr ein wenig Farbe mit dem Pinsel auf. Danach streift ihr diesen auf dem Stück Pappe so lange ab, bis er sichtlich nichts mehr an Farbe abgibt.
Nun ist er bereit zum Trockenmalen.
Ihr nehmt den Pinsel jetzt und streicht damit sachte über das Bauteil. Der Pinsel wird auf den glatten Oberflächen keine Farbe abgeben. Wohl aber an Kanten und hervorstehenden Strukturen wie zum Beispiel Nietenköpfen und ähnlichem. So wie hier an meinen Geschützen.

Ist das wiederum alles getrocknet, kann das Chipping beginnen.
Als erstes folgendes Zubehör:
– Ein kleines Stück Schwamm oder Schaumstoff. Sollte sehr feinporig sein, da wir ja hier keinen Panzer Maßstab chippen.
– Einen sehr feinen Pinsel
– Und Farbe. Ich nehme auch hier die sehr dickflüssige Trockenmalfarbe von MIG, es geht aber auch einfache Ölfarbe.
Bei meinem grauen Schiff nutze ich ein sehr dunkles Grau das die Grundierung unter der abgeplatzten Farbe darstellen soll. Und dann ein recht helles Grau mit dem ich eine Lichtreflexkante erstelle.

Es gibt tausend verschiedene Vorgehensweisen beim Chipping.
Man muss schauen in welchen Maßstab man das ganze macht. Bei meinen 1:200 Schiffen gehe ich wie folgt vor.
Zuerst mit dem Schwamm ein wenig Farbe aufnehmen. Diesen drücke ich dann so oft auf die Pappe, bis er fast nichts mehr an Farbe abgibt.
Danach betupfe ich damit den Rumpf meines Modells. Vorsichtig vorgehen, weniger ist oft mehr. Aber auch hier keine Angst vor Fehlern. Ihr könnt diese Tupfen wenn die Farbe noch nicht getrocknet ist, mit einem in Wasser getränkten Pinsel wieder entfernen.
Beachtet, dass ihr an glatten Stellen weniger Flecken verteilt als an Kanten und Vorsprüngen. Hier platzt Farbe am Original erfahrungsgemäß schneller und mehr ab.
Anschließend mit dem feinen Pinsel das Chipping weiter ausführen, indem ihr unregelmäßig kleine unterschiedlich große Punkte auf der Oberfläche verteilt.
Außerdem ziehe ich längere Striche am Rumpf entlang, wo er vielleicht im Hafen an den Fendern entlang geschliffen ist.
Als letztes male ich mit einem sehr hellen Grau noch eine Lichtreflex-Kannte. Diese bringe ich entlang einiger grauen Striche und/oder Tupfer an. Diese Lichtreflex-Kante simuliert ein optisches Phänomen das entsteht, wenn Licht auf die Kante eines Objekts trifft. In unserem Fall die Kante, die am Rand des abgeplatzten Lacks beim original Schiff entsteht.
Sie grenzt das Motiv visuell vom Hintergrund ab und verleiht ihm Dreidimensionalität und Plastizität.
Wie hier am Heck der Mikasa.

Das braucht wirklich ein wenig Übung. Ihr solltet das auf jeden Fall an einem alten Modell ausprobieren. Oder ein Stück aus der Restekiste so bearbeiten.
Danach könnte euer Rumpf so aussehen wie dieser hier….

Als zweites Beispiel nehmen wir mal den gepanzerten Leitstand der Mikasa.
In der Mitte seht ihr eine Ansammlung von kleinsten grauen Flecken. Auch diese entstehen mit der Schwammtechnik. Wichtig ist immer, das der Schwamm so lange auf einer Pappe getupft wird, bis er fast nichts mehr an Farbe abgibt.
Dann drückt ihr ihn auf die Stellen, wo die Abplatzer entstehen sollen. Dabei ergeben sich solche kleinen Inseln aus Flecken. Dies verändere ich dann mit dem Pinsel. In Wasser getaucht und an einem Papiertuch abgewischt, entferne ich mit ihm einzelne Tupfer die mir Zuviel erscheinen. Andere werden vergrößert. Außerdem verlängere ich manche der Tupfen mit einem feinen Strich, so dass sie wie lange Kratzer aussehen.
Auch am Leitstand mache ich mache ich mehr Abplatzer an den Kanten und den Ecken, da hier Farbe am Original schneller abblättert.

Im zweiten Schritt erstelle ich dann mit dem hellen Grau eine Lichtreflexkante an einigen Tupfen. Besonders an den längeren und intensiveren Stellen. Wie zum Beispiel der lange Kratzer am Eingang zum Leitstand. Das gibt ihnen dann einen 3D Effekt.
Dafür nehme ich einen winzigen Tropfen Farbe mit dem Pinsel auf und ziehe am Rande des grauen Fleckens mit der Spitze entlang. Ist mir die Linie zu dick, mache ich den Pinsel mit Wasser wieder sauber und streiche an der Linie noch mal entlang. So bekomme ich den Strich wieder dünner.
Ist alles nur eine Sache der Übung.
Und das Beste ist auch hierbei, man kann wieder nichts ruinieren. Wenn das Ergebnis nicht gefällt, bekommt man alles wieder weg solange es noch nicht getrocknet ist.

Kommen wir zum letzten Schritt, dem Fading.
Dazu verwende ich die speziellen Umfeld Farben von Vallejo, die es für alle möglichen Einsatzgebiete gibt. Ich benutze dazu die drei unten auf dem Bild.

Nun nehme ich ein wenig Farbe mit dem kleineren Pinsel auf und ziehe eine dünne Linie nach unten. Danach benetze ich den etwas größeren Pinsel mit Wasser, tupfe ihn ab und ziehe ihn entlang der vorher aufgebrachten Farbe. So mache ich den Strich nach unten hin immer dünner und kann die Richtung des Läufers noch mal korrigieren.
Siehe grüner Pfeil.

So bringe ich Dreckschlieren und/oder Rostfahnen nach und nach auf den Rumpf auf.
Am Ende sieht es dann so aus wie hier an den Ankerklüsen.

Ich hoffe ich konnte euch das Lackieren und Altern von Schiffsrümpfen ein wenig näherbringen. Sollte es noch Fragen geben, schreibt sie mir in die Kommentare.
Ach eins noch.
Ich erstelle bei jedem Modell immer eine Farblegende. Somit kommt man später nicht durcheinander, wenn man sich fragt, was hatte ich am Anfang des Projektes noch mal für einen Filter benutzt.

Jörg Schäfer, Juli 2026

