Vorbild: Die Su-30SM ist eine aus der Su-30MK-Familie abgeleitete Variante und eng mit der Su-30MKI verwandt, wurde jedoch gezielt für die Anforderungen der russischen Luft- und Seefliegerkräfte angepasst. Die Abkürzung SM steht für „serijny modernizirovanny“ (serienmäßig modernisiert).
Die Su-30SM verfügt über die charakteristischen Canards sowie die schubvektorfähigen AL-31FP-Triebwerke, die dem Muster seine hohe Wendigkeit verleihen. Zu den wichtigsten Anpassungen gegenüber den Exportversionen gehört unter anderem das NIIP N011M „Bars“-Radar, welches in einer für Russland angepassten Konfiguration eingesetzt wird. Ziel dieser Modifikationen war es, die Abhängigkeit von ausländischen Komponenten zu reduzieren und die Systeme stärker auf russische Zulieferketten und Einsatzanforderungen auszurichten.
Die Su-30SM erhielt außerdem ein neues Navigations- und Zielsystem, das unter anderem ein modernes Head-Up Display (HUD) sowie ein Helmet-Mounted Cueing System (HMCS) umfasst. Zusätzlich wurde ein Satellitennavigationssystem integriert, das sowohl mit GLONASS als auch mit NAVSTAR (GPS) arbeiten kann.
Neben diesen Neuerungen kann die Su-30SM das modernste Waffenarsenal der russischen Luftstreitkräfte einsetzen. Nach russischen Angaben zeichnet sie sich dank ihrer Schubvektorsteuerung und der Canards durch hervorragende Luftkampfeigenschaften aus. Gleichzeitig soll sie mit ihrem leistungsfähigen Sensorsystem auch auf größere Entfernungen (BVR) sowie gegen schwer zu erfassende Ziele eingesetzt werden können. Durch ihre hohe Waffenlast und die große interne Treibstoffkapazität verfügt die Su-30SM zudem über ausgezeichnete Fähigkeiten für Strikemissions. Damit stellt sie ein echtes Multirole Flugzeug dar.
Bausatz: 2025 brachte Zvezda eine neue Su-30SM auf den Markt und tritt damit gegen die Bausätze von Kitty Hawk, Great Wall Hobby und Mini Base an. Da es sich bei allen vier Kits um vergleichsweise moderne Formen handelt, ist die Konkurrenz entsprechend groß.
Was die Präsentation betrifft, hat Zvezda meiner Meinung nach jedoch klar die Nase vorn. Einen derart aufwendig gestalteten Karton habe ich bisher kaum gesehen. Die stabile Klappschachtel verfügt über einen integrierten Tragegriff und ist auf allen Seiten hochwertig bedruckt. Selbst beim Öffnen wird man mit weiteren Grafiken begrüßt, da auch die Innenseiten vollständig bedruckt sind. Das ist in dieser Form wirklich außergewöhnlich.


Einzig das gebaute Modell auf der Rückseite des Kartons passt für mich nicht so recht in das ansonsten stimmige Gesamtbild. Die Qualität des Zusammenbaus überzeugt leider nicht. Eigentlich sollte das Modell Lust auf den Bau machen und nicht den Gedanken hervorrufen: „Was ist das denn?“
Zvezda hat sich bei diesem Modell offenbar einige Gedanken gemacht. So ist beispielsweise der Aufbau der Canopy völlig anders gelöst als alles, was ich bisher kenne. Der Rahmen liegt separat bei, während das Klarsichtteil erst anschließend eingeklebt wird. Ich finde, das ist eine wirklich gelungene Lösung.
Man kann zwei Versionen des Modells bauen, eine am Boden abgestellte Maschine mit den im Bausatz enthaltenen Leitern, Schleudersitzen ohne Besatzung, offener Canopy sowie ausgefahrenen Landeklappen oder eine Flugdarstellung mit Piloten und eingefahrenen Landeklappen.
Ich habe zunächst nach dem Ständer gesucht, der für diese Version benötigt wird, konnte ihn jedoch nicht finden. Erst beim Studium der Bauanleitung fiel mir auf, dass dieser separat erworben werden muss.



Die Qualität der Bauteile ist durchweg auf einem sehr hohen Niveau. Die Gravuren sind sauber ausgeführt und wirken maßstabsgerecht gut getroffen. Einige Konstruktionsansätze erinnern dabei an die neueren Entwicklungen von Airfix. So sind beispielsweise die Fahrwerksschächte, ähnlich wie bei Tamiya, als Stecksystem ausgeführt und verfügen über sehr schöne sowie aufwendig gestaltete Details.
Auch die Triebwerkseinlässe sind überzeugend umgesetzt. Selbst im Inneren finden sich Strukturen und Details, die bei vielen anderen Bausätzen in dieser Größe häufig nicht berücksichtigt werden.


All diese tollen Details, und dann kommt das Cockpit. In diesem Moment dachte ich wirklich, Zvezda macht Witze.
Man könnte fast sagen, das Cockpit ist bereits für 3D-Decals vorbereitet, denn die braucht man hier definitiv. Es ist schlichtweg nichts vorhanden. Keine Strukturen, keine erhabenen Details, lediglich flache Decals für die Instrumente liegen dem Bausatz bei. Nach all den hervorragend umgesetzten Details im übrigen Bausatz kann ich diese Entscheidung einfach nicht nachvollziehen.



Der Bausatz bietet viele wunderbare Details, doch genauso wenig wie das Cockpit verstehe ich auch die Lösung für die Schubdüsen. Diese müssen aus mehreren Einzelteilen zusammengesetzt werden. Warum, wenn man das Slide-Mold-Verfahren doch offensichtlich beherrscht? Sicher gibt es unterschiedliche Darstellungen mit geöffneten oder geschlossenen Schubdüsen, doch auch hier hätten – wie bei vielen anderen Herstellern – einfach beide Varianten beiliegen können.
Ein weiteres nettes Detail sind in meinen Augen die hervorragend umgesetzten Räder. Sie verfügen über schöne Gravuren und separate Felgen, sodass das lästige Maskieren entfällt.


Anders als beispielsweise bei Hobby Boss sind die Tragflächen nicht direkt mit dem Rumpf angegossen. Das kann Vorteile bieten, bei einer schlechten Passgenauigkeit jedoch auch schnell zu einer unangenehmen Stelle zum Spachteln werden. Beeindruckend ist außerdem die Länge des Flugzeugs in 1/48, die dem fertigen Modell eine eindrucksvolle Präsenz verleiht.



Was ich ebenfalls enorm gelungen finde, sind die zahlreichen Zubehörteile wie die Leiter, Wheel Chocks, die Pilotenfigur oder auch die Schleudersitze mit bereits dargestelltetem Gurtzeug. Hier sind wirklich viele gute Ideen und schöne Details eingeflossen.
Hätte Zvezda vielleicht etwas weniger Aufwand in die Verpackung investiert, wäre dafür möglicherweise noch ein Displayständer oder ein vernünftig detailliertes Cockpit im Bausatz enthalten gewesen.




Bemalung: Insgesamt bietet der Bausatz vier verschiedene Bemalungsvorschläge, alle nach echten Vorbildern, welche auch benannt werden, was ich sehr schön finde. Zwei der gezeigten Maschinen stammen von den russischen Streitkräften, eine von Weißrussland sowie eine weitere aus Malaysia. Diese Auswahl ist wirklich gelungen und vielen anderen Herstellern voraus.
Die Vorschläge sind farbig gedruckt und werden von allen Seiten gezeigt. Auch das ist mittlerweile leider nicht mehr selbstverständlich.
Es gibt eine Farbangabe auf Russisch sowie zusätzlich eine Zuordnung zu Tamiya-Farben, weitere Hersteller werden jedoch nicht angegeben. Die Decals sind insgesamt in Ordnung. Sie sind farbintensiv und scharf gedruckt. Lediglich die sehr kleine Schrift bei den Wartungshinweisen kommt etwas an ihre Grenzen.






Anleitung: Die Anleitung bietet keine revolutionären Neuerungen auf dem Modellbaumarkt. In Schwarz-Weiß, auf Papier, das sich wie Recyclingpapier anfühlt, bekommt man den Bau des Modells dicht gedrängt, aber dennoch klar strukturiert, dargestellt.
Was mir bei Zvezda immer sehr gut gefällt, sind die klaren Abgrenzungen der verschiedenen Bauvarianten. Dadurch ist jederzeit ersichtlich, welche Optionen für die jeweilige Version vorgesehen sind.
Wie bereits beim Cockpit hätte Zvezda jedoch auch bei der Anleitung etwas mehr herausholen können. Andere Hersteller gehen hier bereits einen Schritt weiter, drucken ihre Anleitungen in Farbe und heben einzelne Bauschritte oder wichtige Bereiche farblich hervor.




Fazit: Ein schöner Bausatz mit vielen tollen Details und einer Menge an Zubehör, welches man bei anderen Herstellern oft teuer zusätzlich erwerben müsste. Leider ist ausgerechnet das Cockpit – ein sehr prägnanter Bereich des Modells – der schwächste Punkt des gesamten Bausatzes. Hier muss jeder für sich entscheiden, ob die gebotene Lösung ausreichend ist, oder ob man auf zusätzliche Zubehörteile zurückgreifen möchte.
Die Verpackung hingegen ist ein echtes Highlight und sagt viel über den Aufwand aus, den Zvezda in die Präsentation gesteckt hat.
Für knapp 60 € ist der Preis des Bausatzes angemessen. Wer mit dem Cockpit leben kann, erhält hier sicherlich einen sehr guten Su-30-Bausatz.
Florian Schuster, Berlin (August 2026)

