Das Vorbild: Der für die White Star Line bei Harland & Wolff in Belfast gebaute Passagierdampfer gehörte gemeinsam mit den Schiffen Olympic und Britannic zur Olympic-Klasse. Mit einer Länge von rund 269 m, einer Breite von gut 28 m und 46.328 BRT gehörte die Titanic bei ihrer Fertigstellung zu den größten und technisch eindrucksvollsten Schiffen ihrer Zeit. Der Antrieb war ungewöhnlich: Zwei Vierzylinder-Dreifachexpansionsmaschinen trieben die äußeren Propeller an, während eine Parsons-Niederdruckturbine den mittleren Propeller antrieb. Die Dienstgeschwindigkeit lag bei etwa 21 Knoten. Neben ihren Dimensionen begründete vor allem die luxuriöse Ausstattung ihren Ruf. Besonders die Bereiche der Ersten Klasse mit großem Treppenhaus, Speisesaal, Rauchsalon, Verandacafé und Schwimmbad sollten den Komfort der besten Hotels an Land erreichen. Äußerlich prägten die vier großen Schornsteine das Erscheinungsbild, wobei nur die ersten drei unmittelbar der Kesselanlage dienten; der vierte wurde vor allem zur Entlüftung genutzt und vervollständigte zugleich die imposante Silhouette. Am 10. April 1912 begann die Titanic ihre Jungfernfahrt von Southampton über Cherbourg und Queenstown nach New York. In der Nacht vom 14. auf den 15. April kollidierte sie im Nordatlantik mit einem Eisberg und sank wenige Stunden später. Rund 1.500 Menschen kamen ums Leben. Das Wrack wurde erst 1985 in etwa 3.800 m Tiefe entdeckt. Die Geschichte des Untergangs wurde mehrfach verfilmt.
Der Bausatz: Revell legt hier einen alten Bekannten in erheblich aufgewerteter Form wieder auf. Grundlage ist der Bausatz 05206, der 1999 erschien. Seitdem erschien er mehrfach, mal mit Begleitpostern oder zuletzt im Jahr 2021 mit Licht- und Geräuschausstattung. Mit 67 cm Länge besitzt das Modell eine stattliche Größe. Die neue Platinum Edition bedeutet, dass Zusatzteile aus Metall und/oder Resin beigefügt sind. Hier ist es ein umfangreiches Paket von Zurüstteilen der Firma Pontos.


Der Rumpf besteht aus zwei großen Hälften, hinzu kommen die Decks, mehrteilige Aufbauten, vier Schornsteine, Masten, Kräne, Lüfter, Davits, Rettungsboote sowie zahlreiche kleinere Ausrüstungsteile. Die Bauteile sind ohne typische Fehler wie Sinkstellen an einsehbaren Stellen, Ausblutungen oder Fehlguß. Die Formen zeigen allerdings ihr Alter. Insbesondere fallen die relativ grobe Reling und die geschlossen dargestellten Fenster auf. Die Teile des Aufbaus sind für ein Modell dieser Größe wenig detailliert. Bei einem First Look kann man die Passgenauigkeit nur schlecht prüfen. Aber bereits beim Zusammenstecken der beiden Rumpfhälften wird klar, dass hier nachgearbeitet werden muss. Es ist nicht kritisch, doch ohne ausführliche trockene Anpassung der großen Teile wird man nicht auskommen. Aber auch kleinere Teile dürften schwierig ohne Spalt montieren zu sein, da die Machart eben recht grob ist. Inwieweit hier an feinen Spalten zu spachteln sein wird, kann nicht vorausgesagt werden.












Der wesentliche Mehrwert der Neuauflage liegt in ihrem umfangreichen Zubehör. Revell liefert neben dem eigentlichen Kunststoffbausatz umfangreiche Teile für eine erheblich höhere Detaillierung und relevante Verbesserungen.
Das Echtholzdeck: Den größten unmittelbaren optischen Gewinn dürfte das Echtholzdeck bringen. Gerade bei der Titanic nehmen die hellen Decks einen großen Teil der sichtbaren Oberfläche ein. Bei einem Modell von 67 cm Länge ist eine lediglich lackierte Kunststoff-Holzstruktur deutlich als solche zu erkennen. Das selbstklebende Echtholzdeck bietet dagegen eine natürliche Holzstruktur und bereits sehr feine Planken.

Fotoätzteile: Noch wichtiger sind die beiliegenden Fotoätzteile. Sie ersetzen genau jene Bauteile, bei denen der ältere Kunststoffbausatz deutlich an seine Grenzen stößt. Dazu gehören insbesondere filigrane Strukturen wie Reling, Leitern und Treppen, Gitter, Plattformen und verschiedene kleine Deckdetails. Eine Kunststoffreling ist im Maßstab 1:400 erheblich zu dick. Eine geätzte Metallreling kommt dem maßstäblichen Eindruck wesentlich näher. Das verändert die Wirkung des gesamten Modells. Hinzu kommen die Halterungen für die Rettungsboote, die aus PE-Teilen zusammengesetzt werden und die Detaillierung an exponierter Stelle drastisch erhöhen. Die Schornsteine werden ebenfalls verfeinert. Alle Aufbauten werden erheblich verbessert, ja teilweise ganze Wände ersetzt.



Metallteile: Die beiliegenden Metallrohre ersetzen die Masten. Gerade lange und dünne Bauteile wie Masten und Rahen wirken aus Kunststoff häufig zu kräftig und nicht wirklich gerade. Dazu kommen Rollen und ähnliches Zubehör.


Resinteile: Aus ihnen werden neue Anker gebaut. Zusätzlich ist eine metallene Ankerkette enthalten, die auf dem Vordeck installiert wird.


Die Decals sind spärlich und soweit in Ordnung. Eine Rolle Garn ist für die Takelage beigefügt. Im Regelfall wird man mit glattem elastischem Garn besser bedient sein. Dieses wird dann mit wasserbasierter Farbe bemalt.

Die Bauanleitung ist im revelltypischem Stil farbig, übersichtlich und stumm gehalten. Die Bauanleitung für die Zusatzteile ist umfangreich. Man wird beide Anleitungen sorgfältig studieren müssen, um die Veränderungen sorgfältig planen zu können. Für die Bemalung werden Revellfarben angegeben. Für das Schornsteingelb muss gemischt werden.














Fazit: Revell ergänzt den brauchbaren, aber gern kritisierten Bausatz genau dort, wo dessen Alter optisch am stärksten auffällt. Echtholzdeck und Fotoätzteile sind keine bloßen Zugaben, sondern verändern den Charakter des fertigen Modells erheblich. Alle Aufbauten gewinnen drastisch gegenüber der Basisversion. Ich hätte mir auch detailliertere Rettungsboote aus Resin gewünscht. Fortgeschrittene Modellbauer können mit dieser Platinum Edition, die diesen Zusatz wirklich verdient, ein gutes und präsentables Modell bauen. Der Bau wird seine Zeit brauchen. Die beiden Bauanleitungen sollten vor dem Bau intensiv studiert werden. Klare Kaufempfehlung!
BK, August 2026

