Vorbild: Dieser vom bekannten italienischen Konstrukteur Filippo Zappata entworfene mittlere Bomber wirkte äußerlich mehr oder minder wie eine Abwandlung seines erfolgreichen zivilen Wasserflugzeugs Cant Z.506. Wohl entstand bei der ehemaligen Werft bezüglich der Ausschreibung quasi parallel auch noch eine lediglich zweimotorige Maschine. Doch wurde die betreffende Cant Z.1011 von der Regia Aeronautica zugunsten der Z.1007 nicht zur künftigen Serienfertigung auserkoren. Somit hätte die mit dem Beinamen „Alcione“ bedachte Maschine in ihrer verbesserten Z.1007 bis-Version zum zukünftigen italienischen Standardbomber der mittleren Klasse avancieren können. Die ebenfalls noch verwendeten Ganzmetall-Bombenflugzeuge vom Typ Fiat BR.20M hatten nämlich, wie man weiß, im Einsatz nicht ausreichend überzeugen können. So stand dieses formschöne und sehr aerodynamisch ausgebildete Flugzeug stets etwas im Schatten der allgegenwärtigen SM.79. Erst als diese schließlich vorwiegend zum Einsatz als Torpedobomber abkommandiert wurden, konnten die Cant fortan nahezu konkurrenzlos ihrer eigentlichen Bestimmung nachkommen.
Aufgrund der vorliegenden Holzbauweise, welche sich positiv auf das Gesamtgewicht auswirkte, konnten tatsächlich recht leistungsfähige Parameter erreicht werden, weshalb die bei ihren Besatzungen sehr beliebten Maschinen nominell auch international zu den besten Typen ihrer Klasse zählten. Die Abwehrbewaffnung ohne Bug- und Heckstand erwies sich jedoch klarerweise als nicht völlig ausreichend. Dennoch waren die „Alcione“ sicherlich keine schlechten Bombenflugzeuge. Ganz im Gegenteil erwiesen sie sich sogar als recht robust und konnten trotz ihrer Bauart problemlos sowohl in den kalten Regionen der Ostfront als auch in der Hitze Nordafrikas operieren. Trotzdem verblieben sie im Nachhinein ungerechterweise längst nicht so sehr im Bewusstsein wie die Sparvieros und zählen heute deshalb zu den eher unbekannten Baumustern des Zweiten Weltkriegs. Nachdem man auch eine Version mit dem seinerzeit bei den Italienern fast schon charakteristischen Doppelleitwerk aufgelegt hatte, präsentierte Zappata noch einen Nachfolgetyp in Ganzmetallbauweise. Doch die nochmals leistungsmäßig verbesserte Z.1015B ging nicht in Serie. Wohingegen bei seinem abschließenden mittleren Cant-Bomber-Entwurf, der respektablen und ebenfalls nicht mehr in Holzbauweise konstruierten Z.1018 Leone, der schleppende Fertigungsbeginn sowie der italienische Waffenstillstand von 1943 letztlich nur für äußerst geringe Stückzahlen sorgten.
(Nach: Wikipedia, Artikel CRDA Cant Z.1007 und Artikel CANT Z.1007 Alcione (englisch)
Bausatz: Anfang der Siebzigerjahre des vergangenen Jahrhunderts muss es innerhalb der Führungsriege von Italaerei offenbar zu unüberbrückbaren Differenzen gekommen sein. Diese führten nach 1972 sogar zu einer Abspaltung in Gestalt der Firma Supermodel. Interessanterweise konnte der scheidende Firmenangehörige diesbezüglich sogar einige Formenwerkzeuge mitnehmen. Nach einiger Zeit endete dieser für Außenstehende etwas verwirrende Zustand jedoch wieder. Die Italaerei-Fraktion gewann schließlich sozusagen die Oberhand und erhielt fortan auch wieder die Kontrolle über das wenige Jahre zuvor ausgelagerte Formenmaterial. Nach längerer Zeit übernahm man schließlich sogar das einst quasi abtrünnige Unternehmen vollständig. Vereinfachend würde ich die Ära von Supermodel daher persönlich eher als eine Art Label klassifizieren wollen.
In Bezug auf den vorliegenden Bausatz war diese Episode jedoch fast schon essenziell. Denn man bekam gerade den hier besprochenen Kit seit seinem Erscheinen bei Supermodel über lange Zeit hinweg stets nur in der ursprünglichen Schachtel nebst originalem Markenaufdruck. Spätestens ab 2012 erfolgte Herstellung und Vermarktung jedoch ausschließlich durch Italeri. Erst in diesem Jahr, also 2026, erschien eine weitere Wiederauflage, nun allerdings bereits mit neuer Boxart, Bauanleitung und weiteren Änderungen. Jetzt kann sogar zwischen Doppel- und Einzelseitenleitwerk gewählt werden, und es gibt insgesamt sechs Decal-Optionen, also jeweils drei pro Variante. Theoretisch wäre sicherlich auch eine Verjüngungskur à la Cant Z.506 beziehungsweise SM.91 möglich gewesen, also „Fully Upgraded Moulds“. Doch hat man hier offenbar zunächst abgewartet, ob sich dies angesichts der tatsächlichen Nachfrage überhaupt lohnen würde.
Der Bausatz bleibt also weiterhin ein typisches Modell in der Machart der ersten Angebotspalette von Italaereis zweimotorigen Bombenflugzeugen aus den frühen Siebzigerjahren. Es gibt daher zumindest bereits eine bescheidene Cockpiteinrichtung mit Steuerknüppeln, Armaturenbrett und einigermaßen soliden Waffentürmen samt den dazugehörigen, allerdings merklich überdimensionierten Maschinengewehr-Nachbildungen. Auch die Verstrebungen des Fahrwerks sind einigermaßen authentisch ausgeführt, während die Felgen der Räder durchaus einige Details aufweisen, die jedoch nicht immer dem Original entsprechen. Die Ruder sind separat ausgeführt und könnten – nach entsprechender Bearbeitung der Fixierzapfen – sogar angesteuert montiert werden. Die Oberflächen von Rumpf und Tragflächen sind mit gerade noch tolerierbar stark hervortretenden Panellines bedeckt. Allerdings wurde insgesamt nicht sonderlich viel an Oberflächendetails realisiert. Bei einem Vorbild in Holzbauweise geht dies eventuell noch in Ordnung, da irgendwelche Raster aus Nietreihen und ähnliche Strukturen hier klarerweise fehl am Platz wären.
Jener Standard, der heute freilich nicht mehr ausreicht, verhalf bekanntermaßen einigen derart gefertigten Bausätzen über viele Jahre hinweg dazu, quasi die erste und oftmals einzige Wahl zu sein. Gerade bei italienischen Kampfflugzeugen des Zweiten Weltkriegs kommt der Interessierte im Standardmaßstab auch heute noch nicht umhin, einige dieser inzwischen gut fünfzig Jahre alten Kits in Betracht ziehen zu müssen.
Zu dieser Gruppe zählt weiterhin auch dieser Cant-Bomber, den man einst sogar separat entweder als Monoderiva mit einfachem oder als Bideriva mit Doppelleitwerk erwerben konnte. Leider lässt sich zum konkreten Gütegrad nur schwerlich allzu viel sagen. Selbstverständlich ist alles unterhalb der heute hinsichtlich ihrer Wandstärke bereits unzeitgemäßen Kanzel sehr rudimentär ausgeführt. Die Verstrebung selbst wurde zudem noch nicht – wie später bei Italeri – lediglich über die Außenkanten realisiert. Des Weiteren bemängelte der inzwischen leider verstorbene Autor der bislang wohl einzigen Fachliteratur-Broschüre zu diesem Thema, Giancarlo Garello, bereits das Arrangement der einzelnen Rahmungen. Doch auch weitere schwerwiegendere Fehler, etwa bei den Konturen der Triebwerksgondeln, werden dort angeführt. Das profunde Urteil dieses hervorragenden Kenners der Materie erachte ich selbstverständlich als absolut berechtigt. Solange jedoch kein direkter Vergleich in Gestalt eines anderen Bausatzes im Maßstab 1/72 existiert, sind viele dieser Punkte für uns Modellbauer nicht ohne Weiteres wahrnehmbar.
Bliebe also nur noch die Überprüfung der mitgelieferten Decal-Optionen durchzuführen. Hierbei sei angemerkt, dass bei den ersten Auflagen noch, ähnlich wie beispielsweise bei der Firma Frog, auf der Unterseite zur besseren Orientierung eine farbige Abbildung aufgedruckt war. Später wurde diesbezüglich jedoch lediglich eine Schwarz-Weiß-Skizze der Bauanleitung hinzugefügt, auf deren Vorderseite sich zusätzlich eine übereinstimmende Fotografie des Vorbilds befand. Damit war zumindest eine der beiden Markierungsoptionen zweifelsfrei dokumentiert.
Man brauchte damals lediglich noch die passende Humbrol-, Airfix- oder Heller-Dose beziehungsweise das entsprechende Fläschchen auszuwählen und gegebenenfalls etwas abzutönen. Gerade das dunkle Olivgrün, welches unter anderem auch die Maschinen der Cobelligerante-Streitkräfte verwendeten, wirkt im Druck oftmals etwas zweifelhaft. Tatsächlich handelt es sich dabei bekanntlich jedoch nicht um ein ausgesprochenes Khaki mit starken Brauntönen. Heute ist dieser Farbton natürlich deutlich authentischer verfügbar, seinerzeit dürfte er jedoch meist nur durch individuelle Mischungen erreichbar gewesen sein. Fotografien beider Vorbildmaschinen finden sich in einem älteren englischen Fachbuch, in dem zugleich auch die jeweiligen Werknummern angegeben werden. Diese MM-Nummern (Matricola Militare) wurden von Supermodel übernommen. Komischerweise prangt auf der Boxart jedoch offenbar ein Bomber, der als Schiffszerstörer unterwegs ist und eine blaugrüne Tarnung aufweist. Damit haben offenbar auch Supermodel und später Italeri nicht sonderlich sorgfältig recherchiert, denn das Originalflugzeug mit dieser Kennung war zu diesem Zeitpunkt tatsächlich bereits nur noch als Transporter für die Alliierten im Einsatz.
Fazit: Aufgrund der ordentlichen Gussqualität und des eher einfachen Schwierigkeitsgrades ist dieser Kit selbst in seiner neuesten Auflage leider maximal als Basis-Bausatz zu bewerten. Solange es jedoch nichts anderes, sprich nichts Besseres, gibt, bedeutet dies für den Interessierten letztlich schlicht und ergreifend ein Entweder-Oder.
N.












