Vorbild: Noch bevor sich die Entscheidung für die Douglas Dauntless als künftig neu einzuführenden Scout-Bomber der US Navy abzeichnete, war bereits 1938 eine Ausschreibung für deren Nachfolger ergangen, um der seinerzeit rasanten Entwicklung im Militärflugzeugbau Rechnung zu tragen. Bedauerlicherweise forderten die Vorgaben recht ehrgeizige Leistungsparameter und gerieten zudem äußerst engmaschig. Von den beiden finalen Bewerbern erhielt schließlich Curtiss-Wright den Zuschlag. Die unterlegene Firma Brewster wurde jedoch ebenfalls mit Produktionsaufträgen bedacht. Deren äußerlich nicht sehr unähnliche Buccaneer beziehungsweise Bermuda erwies sich für scharfe Kampfeinsätze allerdings als nicht leistungsfähig genug.

Die neue Curtiss Helldiver entpuppte sich als äußerst unausgereift und störanfällig. Zwar gelang es allmählich, die wichtigsten Mängel zu beheben, doch wollte die recht wuchtig geratene Maschine kein vollkommen zufriedenstellendes Erfolgsmodell werden. Deshalb konnte die ältere Dauntless bis Kriegsende sowohl in Fertigung als auch im Fronteinsatz verbleiben, wohingegen die SB2C aufgrund ihrer zahlreichen Unzulänglichkeiten 1943 sogar zum Baustopp-Kandidaten beim Truman-Komitee des nationalen Verteidigungsprogramms wurde. Bei den Piloten war die Maschine mit ihrer massigen Seitenruderfinne wegen des suboptimalen Flugverhaltens zuvor bereits als „Beast“ beziehungsweise „Big-Tailed Beast“ bekannt geworden. Mittels nachfolgender verbesserter Baureihen gelang es schließlich jedoch, die Leistungsfähigkeit hinreichend zu steigern. Die Akzeptanz nahm wieder zu, und die Helldiver konnte sich zu einem effektiven trägergestützten Kampfflugzeug entwickeln. Dies blieb sie bei einigen Luftstreitkräften sogar noch lange nach Kriegsende.

(Nach: Wikipedia, Artikel Curtiss SB2C Helldiver und Artikel Brewster SB2A Buccaneer (beide englisch)

Bausatz: Bausätze des letzten klassischen Sturzbombers der US Navy gab es zunächst nur wenige im Standardmaßstab. Dem archaischen und zudem nicht maßstabsgerechten Aoshima-Modell folgte 1967 ein deutlich gelungenerer Kit von Lindberg. Dieser wurde allerdings bereits ein Jahr später von einer wesentlich besseren und bis heute erhältlichen Airfix-Neuheit deklassiert. Vollumfänglich detaillierte beziehungsweise zeitgemäße Bausätze erhielt man jedoch erst gut vier Jahrzehnte später aus Tschechien und Fernost. Dies steigerte den Stellenwert des hier vorliegenden Lesney-Bausatzes von 1973 über lange Zeit erheblich. Er ersetzte seinen amerikanischen Vorgänger nahezu vollständig und bildete aufgrund der dargestellten früheren Baureihe zugleich eine sinnvolle Ergänzung zum Airfix-Kit. Selbst bei Revell in Bünde sah man 2001 offenbar noch genügend Potenzial für einen Rebox. Tatsächlich erschien dieser Bausatz jedoch bereits ab 1992 unter dem Matchbox-Logo in Ostwestfalen. Damals allerdings schon in der weißen Schachtel der Wiederauflage mit der nunmehr friedvoll gestalteten Boxart.

Freilich handelte es sich dabei erwartungsgemäß lediglich um einen typischen Bausatz dieser Marke. Einmal mehr hatte Abteilungsleiter Maurice Landi quasi nur halbe Arbeit geleistet und den Rumpf überwiegend mit erhabenen anstatt versenkten Blechstößen versehen. Die wenigen vorhandenen Gravuren repräsentieren beispielsweise die die Bombenschachtklappen umrahmenden Fugen und trennen darüber hinaus den vorderen Rumpfbereich vom restlichen Flugzeug. Auch die Vertiefungen unter der Kanzel, in welche der Bordschütze beim Einsteigen den Fuß setzte, wurden berücksichtigt. Es finden sich zudem sogar einige für Matchbox ungewöhnliche Niete unterhalb des unverglasten Mittelteils der langen Kabinenhaube. Den Rest der Oberflächengestaltung bilden, wie bereits erwähnt, nicht allzu stark hervortretende Panellines, die sich auch über die Seitenruderfinne ziehen. Aufgrund der nicht ganz so geringen Anzahl dieser Details wirkt die Außenhaut möglicherweise etwas überzeugender als bei anderen Bausätzen der Marke. Freilich hält das meiste dem Vergleich mit der Dreiseitenansicht de facto nicht stand. Der Gesamteindruck wäre dennoch vielleicht noch irgendwie passabel. Zumal die extrem gleichförmigen Nietreihen bei Lindberg und Airfix bereits etwas übertrieben erscheinen. Auf den Tragflächen geht es hingegen deutlich kahler zu. Hier findet man lediglich die berüchtigten überdimensionierten Matchbox-Gräben. Diese wirken ebenfalls fragwürdig und stimmen daher noch weniger mit dem Original überein. Die Höhenleitwerke sind demgegenüber mit prägnanten, rasterartig erhabenen Texturen bedeckt, die ebenso wenig authentisch erscheinen.

Die kleineren Einzelteile sind, wie bei Lesney üblich, recht schlicht detailliert und besitzen oftmals lediglich eine völlig glatte Oberfläche. Dies trifft insbesondere auf die Fahrwerksklappen zu. Sie sind nur einteilig ausgeführt, weisen aber immerhin noch die „drag truss“-Verbindungsplatten auf, welche die Fahrwerksstreben verstärkten. Die Räder hingegen haben, wie fast immer, weder ein Reifenprofil noch irgendwelche Details an den Felgen. Das Maschinengewehr des Bordschützen/Funkers fällt dagegen etwas passabler aus, da es keine universelle Standardnachbildung darstellt. Der Pilotensitz zeigt zumindest guten Willen, da er dem Original einigermaßen nachempfunden wurde. Allerdings bildet er hier leider zugleich eine Einheit mit dem rückwärtigen Spant des Pilotenbereichs. Ansonsten ist die Cockpiteinrichtung praktisch nicht existent. Die zweite universelle Pilotenfigur sitzt daher lediglich auf einem Steg, der die Rumpfinnenseiten verbindet. Deren Drehkranz beziehungsweise die MG-Lafette besteht aus einem viel zu schmalen Ring und bedürfte, ebenso wie der gesamte Kabineninnenraum, einer Nachdetaillierung. Die aus zwei Einzelteilen bestehende, sehr dickwandige Kabinenhaube selbst leidet unter viel zu massiv hervortretenden Streben und kann zudem nur geschlossen montiert werden.

Das Wright-Triebwerk wurde immerhin mittels eines sternförmigen vorderen sowie reliefartig gestalteten hinteren Motorblocks dargestellt. Dessen Auspuffstutzen, die es bei Lindberg noch gab, fehlen jedoch völlig. Lediglich deren Verkleidungen ragen als zwei Beulen aus dem Cowling hervor, wohingegen die BA zumindest noch eine explizite Nachbildung der Rohre zeigt. Ob dies vielleicht nur übersehen oder gar einfach vergessen wurde? Egal, denn an den Tragflächenvorderkanten fehlen zusätzlich auch noch die beiden Mündungsrohre der Bordkanonen, weshalb beides möglicherweise bewusst eingespart wurde. Der beweglich ausgeführte Fanghaken ist recht überdimensioniert und zudem nicht baureihenkonform. Bomben und Zusatztanks sind zwar vorhanden, letztere wurden bei diesen frühen SB2C jedoch nicht verwendet. Die Mängelliste wäre damit allerdings noch lange nicht vollständig, kann hier aus Platzgründen jedoch leider nicht fortgesetzt werden. Die Vergratung hält sich hingegen wie stets in Grenzen, allerdings gibt es leider einige Sinkstellen. Die meisten befinden sich oberhalb der darunterliegenden Passstifte.

Nun zum letzten verbleibenden Bestandteil des Kits, dem Decalbogen: Dieser fällt recht minimalistisch aus, wirkt aber noch halbwegs plausibel. Übereinstimmende Aufnahmen genau jener beiden darin dargestellten Maschinen konnte ich zumindest nicht finden. Meine umfangreiche Recherche sowohl in der Fachliteratur als auch im Netz erbrachte jedoch Bilder von Schwestermaschinen. Die beiliegenden Kennungen erscheinen also per se nicht vollkommen unrealistisch. Für eine hundertprozentige Übereinstimmung mit den existenten Fotos müssten sie lediglich leicht abgeändert werden. Das grundsätzliche Problem lag jedoch darin, dass eine Bemalungsoption völlig unzutreffend beschrieben worden war. Bei der zweiten Option gab man nämlich die neue Yorktown sowie Mai 1943 an. Zu diesem Einsatzzeitraum konnten allerdings weder die neuen Hoheitszeichen noch die vorliegende Kennung eines VB-4-Flugzeugs passen. Die Verantwortlichen müssen diesen Irrtum später wohl ebenfalls bemerkt haben. Leider korrigierten sie ihn jedoch nicht vollständig, als der Kit in den Achtzigern neu aufgelegt wurde. Dort wurde besagte „45“ korrekterweise bereits dem Träger Hornet zugewiesen. Dumm nur, dass der Begleittext – abgesehen von Hornet anstelle von Yorktown – unverändert und damit weiterhin falsch blieb. Korrekt hätte es nun VB-2 und Juni 1944 lauten müssen, denn hierzu existiert zumindest eine Aufnahme der 48er-Maschine. Immerhin wurde das betreffende Bild auf der Schachtelrückseite wenigstens etwas nachgebessert. Es weist nun die richtige, zum Decalbogen passende Farbe der kleineren Kennziffern auf, nämlich Weiß. Außerdem handelte es sich nunmehr um Option 1. Bei der zweiten Variante – die beim ursprünglichen Boxing noch die erste gewesen war – muss man hingegen von der Nummer 37 lediglich die „3“ entfernen, um zu einem auf einem Foto tatsächlich nachgewiesenen Flugzeug zu gelangen. Zudem ist in der Fachliteratur diesbezüglich stets nur von 36 Maschinen des VB-17 die Rede, die seinerzeit ihren Testbetrieb auf der USS Bunker Hill absolvierten. Leider war jedoch auch das außergewöhnlich actionreiche Deckelbild, das gerade deshalb einer später eingeführten Zensur zum Opfer fiel, problematisch. Man ließ Doug Post nämlich eine unzutreffende Szene darstellen. Zum einen dürften beim gezeigten Angriff auf Rabaul im November die Hoheitszeichen bereits aktualisiert gewesen sein, auch wenn einige Profile noch deren rote Umrandung zeigen. Zum anderen flogen dort bereits andere Maschinen als die zuvor für Ausbildungszwecke verwendeten, welche zudem anders markiert waren. Möchte man dennoch ein solches Flugzeug bauen, benötigt man also neben den neueren Hoheitszeichen des Hornet-Fliegers auch eine entsprechende Kennung. Diese lässt sich glücklicherweise ebenfalls aus dem vorhandenen Decalbogen erstellen. Es waren nämlich sowohl eine Maschine mit der Nummer „4“ als auch eine mit der Nummer „5“ beteiligt. Man muss daher lediglich die Ziffern der „45“ voneinander trennen und zusätzlich den weißen Punkt oberhalb der kleineren Zahl entfernen. Die großen Ziffern werden anschließend auf der Finne, die kleineren auf dem Rumpf angebracht.

Warum die Bemalungsskizzen auf der Schachtelrückseite bei den hellen Unterseiten variieren, ist für mich nicht nachvollziehbar. Allerdings ist der Themenkomplex „USN Tri-Color Scheme“ generell oftmals nicht ganz eindeutig, weshalb hier für eine nähere Abhandlung ebenfalls kein Platz wäre. Auch dem „mini paint plan“ sollte man heute, wie üblich, nicht uneingeschränkt vertrauen. Die deutsche Revell-Tochter hatte dies bei ihren Boxings später deutlich besser gelöst. Von daher sollten sich Interessierte bei allem, was nicht die Flugzeugoberflächen betrifft, besser an die Farbangaben der Bündener halten. 

Ursprüngliche Bemalungsvorschläge
Spätere Bemalungsvorschläge

Fazit: Das abschließende Fazit ergibt meiner Meinung nach eventuell etwas mehr als nur einen reinen Easykit. Zumindest ein wenig Potenzial wäre noch vorhanden, weshalb ich hier vielleicht bereits zu einem Basis-Baukasten einer SB2C-1 tendieren würde. Dieser wäre übrigens neben der Lindberg derzeit immerhin der einzige Kit jener frühen Baureihe mit dem Dreiblattpropeller. Eine weitreichende Überprüfung sämtlicher Features der konkreten Version, die fehlen oder nicht authentisch dargestellt wurden, habe ich bewusst ausgespart. Man würde sich dann nämlich noch mehr darüber ärgern müssen, warum man einst in England nicht etwas sorgfältiger gearbeitet hat.
Deshalb sollte man die Matchbox heute wohl besser ruhigen Gewissens ad acta legen, zumal sie mittlerweile äußerst rar und entsprechend teuer geworden ist. Trotz alledem sehen die wenigen von unseren Kollegen im Netz präsentierten Modelle durchaus ansprechend aus. Daher hoffe ich, dass die Vorstellung dieses Oldies nicht völlig unnütz war, falls jemand doch einmal Lust bekommen sollte, sich dieser Herausforderung zu stellen …

N.

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