Das Vorbild: Die Handley Page HP.52 Hampden war ein britischer zweimotoriger mittlerer Bomber, der in den frühen Jahren des Zweiten Weltkriegs eine zentrale Rolle bei der Royal Airforce (RAF) spielte. Wegen ihres ungewöhnlich schmalen und hohen Rumpfes erhielt sie von den Besatzungen den Spitznamen „Flying Suitcase“ (fliegender Koffer). Von 1936 bis 1941 wurden von Handley Page und ihren Lizenznehmern 1430 Maschinen gebaut, die vorwiegend während der ersten Jahre des Zweiten Weltkriegs zum Einsatz kamen. Die mit Nappier-Dagger-Motoren ausgerüsteten Maschinen wurden als Handley Page Hereford bezeichnet.
Bei den Serienflugzeugen wurde die rechteckige Rumpfnase durch eine aus Perspex geformte Kuppel ersetzt, die hinteren Waffenstände modifiziert und die Motoren vom Typ Bristol Pegasus P.E. 5S(a) durch Pegasus XVIII ersetzt. Trotz dieser Änderungen war der Einsatz enttäuschend – die beengten Platzverhältnisse in dem schlanken Rumpf trugen zur raschen Ermüdung der vierköpfigen Besatzung bei und das Schussfeld der Abwehrbewaffnung war zu klein. Spätere Versuche, die Bewaffnung durch den Einbau von Zwillingswaffen zu verbessern, brachten nur bescheidene Erfolge. Die Hampden wurde aber dennoch bis September 1942 beim Bomber Command eingesetzt, hauptsächlich als Nachtbomber und Minenleger. Das Küsten-Kommando verwendete den Typ noch ein Jahr länger als Torpedo-Bomber und Aufklärungsflugzeug.
(Auszug aus Wikipedia)
Der Bausatz: Den ersten Bausatz der Hampden im Maßstab 1:48 gab es laut Scalemates im Jahr 2007 von der mir unbekannten Firma Fonderie Miniature. Nun hat sich 2025 endlich auch ICM dieses aussergewöhnlichen Flugzeugs angenommen und neben der regulären Bomberversion auch noch den Torpedobomber realisiert.
Der Bausatz wird in einer ziemlich große Box angeboten, unter dessen Stülpdeckel sich der für ICM inzwischen übliche Klappkarton verbirgt. Auf dem Deckel sieht man die gelungene Darstellung einer Hampden TB Mk.I der 489 Squadron beim Abwurf eines Torpedos.
Im stabilen Karton befinden sich insgesamt 285 Bauteile auf 12 Spritzgussästen verteilt, von denen zwei aus transparentem Plastik gefertigt sind. Die Aufteilung sieht dabei wie folgt aus:
A: Rumpfteile
B: Flügelteile rechts
C: Flügelteile links
D: Leitwerk und Kleinteile
E 2x: Laufwerk und Motoren
F: Klarsichtteile
G2: Klarsichtteile
H: Teile für Bombenschacht
K: Kleinteile und Bewaffnung
W: Bombenteile
ohne: Torpedo mit Trolley



Die Qualität der Plastikteile in Bezug auf Formenversatz oder Auswerfermarken ist als absolut perfekt zu bewerten. Obwohl man den Bereich hinter dem Cockpit nicht gut einsehen kann, wurden diesem beim Design viel Aufmerksamkeit gewidmet und dabei die Spanten im Innenraum sowie nahezu alle Bordinstrumente sauber dargestellt. Auch der Bodenbereich im Inneren kann sich „sehen lassen“ – sofern das dann auch tatsächlich möglich ist. Die Sitze und Armaturen wie auch das Cockpit sind ansprechend gestaltet. Allerdings fehlt – wie leider so oft – das Gurtzeug, das man separat zukaufen muss. Die ersten 37 Bauabschnitte beschäftigen sich ausschließlich mit der Gestaltung des Innenbereichs! Meine Favoriten in Bezug auf die unzähligen Bauteile sind dabei die Lewis MGs, die für diesen Maßstab in Spritzguss wirklich hervorragend gelungen sind.


Auch in Bezug auf die Gravuren und Oberflächendetails gefallen mir alle Teile ausgesprochen gut. Leider verfüge ich über keine entsprechende Referenzliteratur, auf dessen Basis ich die Umsetzung überprüfen kann, allerdings machen die Aussendetails einen sehr überzeugenden Eindruck.
Der Bombenschacht kann bei der herkömmlichen Version offen oder geschlossen gestaltet werden. Bei der Torpedoversion trifft das allerdings so nicht zu, denn wegen der Halterung für das Torpedo müssen die Bombenschachtklappen offen angebracht werden. Die Ruder von Höhen und Seitenleitwerk liegen als separate Teile bei und ermöglichen somit eine individuelle Gestaltung. Alle Glasteile sind absolut schlierenfrei und hochtransparent.


Für den Bau der Motoren findet man jeweils 13 Bauteile, mit dessen Hilfe eine überzeugende Darstellung möglich sein sollte. Das Fahrwerk macht einen soliden und robusten Eindruck, muss jedoch gemäß Bauplan bereits vor dem Zusammenfügen der Flügelober- und unterseite verbaut werden.


Für die Darstellung des Torpedobombers erhält man neben den Bauteilen für das Torpedo auch noch einen sehr schönen Trolley, womit man das Flugzeugmodell vor dem Aufmunitionieren darstellen kann.


Der Bauplan: Der Bauplan liegt als 24-seitiges Heft bei und führt mit klaren Abbildungen über insgesamt 114 Baustufen zum Ziel. Für das Abkleben der zahlreichen Glasteile sind auch Schablonen zur Anfertigung der Masken in Eigenregie enthalten. Sofern man sich das Leben etwas einfacher machen will, kann ich nur dazu raten sich den entsprechenden Maskensatz von Eduard oder anderen Firmen zu besorgen. Auch wenn man sich noch so große Mühe beim Anfertigen der Masken auf Basis dieser Templates macht, wird man die Präzision der fertigen Sets nur schwer erreichen.



Es liegen sehr gut gedruckte und versatzfreie Abziehbilder zur Gestaltung der folgenden vier Flugzeuge bei:
– AT147, No 489 Squadron, 1942
– AJ991, No. 32 Operational Training Unit, Canada, 1943
– AE261, No 489 Squadron, Leuchars, 1943
– AE386, No 455 Squadron, Leuchars, 1943




Fazit: ICM liefert mit dem Bausatz der HP.52 Hampden endlich den ersten wirklich überzeugenden Bausatz von diesem außergewöhnlichen britischen Bomber. Insbesondere die Torpedoversion des fliegenden Koffers sollte das Interesse vieler Modellbauer wecken können.
Weitere Versionen werden gemäß Informationen von ICM noch folgen.
Absolut empfehlenswert
Man sollte jedoch wegen der hohen Teileanzahl und den diversen Glasteilen bereits über Erfahrung beim Modellbau verfügen
Erhältlich im gut sortierten Fachhandel oder direkt bei Glow2B für Händler.
Gert Brandl, Berlin (April 2026)

