Geschichte: Die Republic P-47N war eine dezidierte Langstreckenjäger-Version der P-47 Thunderbolt mit stärkerem Triebwerk, neuem Turbolader, vergrößerten Tragflächen und gesteigerter Tankkapazität. 1816 wurden gebaut, weiter geplante 5934 bei Kriegsende storniert. (Quelle Wikipedia)
Die N-Variante flog im Pazifikkrieg Einsätze gegen Japan. Ein wichtiger Stationierungsort war die Insel Lejima oder Le Shima nordwestlich von Okinawa.
Die P-47N wurde im Maßstab 1/48 bisher vor allem von Academy angeboten und von Monogram Pro Modeler. Letzterer Kit wurde auch von Revell und Hasegawa wieder aufgelegt. 2023 brachte MiniArt seine Thunderbolt-Reihe auf den Markt, die jetzt auch zwei Modelle der P-47N umfasst, einmal in der Basic-Kit Version und einmal als Advanced Kit.





Der Bausatz wird in einem ziemlich großen Stülpkarton ausgeliefert mit einer computergenerierten Darstellung einer Thunderbolt im Tiefflug über eine Inselküste mit kleinen Fischerbooten und Hütten am Strand. Der Inhalt besteht aus 13 verschieden großen Gießästen mit 312 mittelgrauen Teilen und einem klaren Gießast mit elf Teilen. Alle Gießäste sind in einem nicht wiederverschließbaren Kunststoffbeutel verpackt, die Glasteile haben einen eigenen kleinen Beutel. Die Angüsse sind relativ fein, die Oberflächendetails der grauen Teile sind durch teils sehr tiefe, allerdings auch gleichmäßige Gravuren, zahlreiche feine versenkte Niete, Schnellverschlüsse und ein paar erhabene Details dargestellt. Einige Auswerfermarkierungen finden sich im Inneren der Bauteile. Die Glasteile sind dünn, aber durch die starke Wölbung der Cockpithaube teils etwas verzerrt. Marco Doehring wies mich darauf hin, dass die Nietreihen teilweise derart nahe an den Gravuren platziert sind, dass sie in die selben hinein zu „kippen“ scheinen und wie ein Reißverschluss wirken. Wegen der am Rumpf recht tiefen Gravuren und der zahlreichen Niete sollte, wer ein NM-Modell bauen will, auf Washings eher verzichten, die in den Gravuren hängen bleiben und dem Modell ein zu stark verschmutztes Aussehen geben würden. Zum Bausatz gehört ein Bogen messingfarbener Ätzteile, ein ca. DIN A5-großer Decalbogen sowie eine farbige Bauanleitung, die die drei Bemalungsanleitungen in Vierseitenansichten zeigt, sowie einen Teileplan, dem elf Seiten Bauanleitung, ein Decalsplatzierungsplan für die Stencils und ein Bewaffnungsplan folgen.





Beim Zusammenbau ist zu bedenken, dass die Bauanleitung gleichzeitig für den Zusammenbau des Basic-Kits als auch für die Advanced-Kit-Version gilt, und dass die entsprechenden Teile für beide Versionen enthalten sind. In der Anleitung wechseln sich Anweisungen für beide Varianten ab, und man muss sehr genau aufpassen, welche man verbaut. So findet man beispielsweise für die Basic-Variante Sitzteile mit angegossenen Gurten und für die Advanced-Variante solche ohne Gurte, welche dann durch geätzte Gurte ergänzt werden sollen. Das Cockpit setzt sich ansonsten aus fünf großen und zahlreichen kleinen Teilen hochdetaillierten Teilen zusammen, für das Instrumentenbrett gibt es Instrumentendecals. Auch beim Motor ist es etwas kompliziert. Er kann mit weniger Details und speziellen Montageteilen für die Basic-Version gebaut werden oder mit sehr viel mehr Teilen und aus Draht selbst anzufertigenden Zündkabeln für die Advanced-Version. Da wie gesagt Teile für beide Varianten vorhanden sind, kann man sich in jeder Baustufe für den gewünschten Detailierungsgrad entscheiden. Man hat auch die Wahl, die Motorhaube offen oder geschlossen zu bauen, wobei sich ersteres für die Präsentation der aufwendig gebauten Advanced-Motor-Variante sicher empfiehlt. Allerdings dürfte es nicht leicht sein, die aus sieben Einzelteilen bestehende Haube perfekt gerade zusammen zu fügen.
Die Fahrwerksschächte bestehen aus sieben Wandteilen, die zwischen Ober- und Unterflügel zu sandwichen sind, wobei die Innenseite des Oberflügels mit feinen Details zur originalgetreuen Darstellung viel beiträgt. Die jeweils vier Kanonen sind dabei ebenfalls einzusetzen, erfreulich, dass sie bereits aufgebohrt sind. Die Hauptfahrwerksbeine gibt es in eingefederter und in unbelasteter Variante. Dazu gibt es zweiteilige Räder, abgeflacht und ausgewölbt mit Diamondtread-Profil und zusätzlich unbelastet mit Blocktread-Profil. Außerdem hat man die Wahl zwischen durchbrochenen Sechsloch- und Achtlochfelgen. Auch das Spornrad gibt es in einer abgeflachten und einer entlasteten Version. Für den Fall, dass man seinen Jug mit eingezogenem Fahrwerk bauen möchte, bietet der Kit geschlossene Haupt und Spornrad-Fahrwerkklappen an. Alle Ruder einschließlich Landeklappen sind separate Teile und können nach Wunsch angebracht werden. Als Zuladung bietet der Kit 250-, 500- und 1000-Pfund-Bomben, 75-Gallonen und 150-Gallonen-Zusatztanks sowie Rauch-Granaten an.



Der opulente Decalbogen, gedruckt von Cartograph in Italien ist randscharf und seidenmatt glänzend auf hellblauem Papier gedruckt, die Farbe ist deckend, und auch die zahlreichen kleinen Wartungshinweise sind lesbar. Auch die textilarmen Damen sind sehr sauber gedruckt mit stufenlosen Farbverläufen und ohne Pixel. MiniArt weist bei den Farbempfehlungen auf Alternativen von Vallejo, Gunze, AK, Mission, Ammo MIG und Tamiya hin und nennt auch noch die Trivialnamen der Farbtöne, das ist Spitze! Geboten werden:



Variante 1: P-47N-1RE „21“, 44-88043, „Short Snorted/2 Big and Too Heavy“, 333rd Fighter Squadron, 318th Fighter Group, 20th Air Force, le Shima, Sommer 1945, in Naturmetall mit schwarz-gelb gestreiftem Leitwerk, gelbem Rand der Motorhaube und zwei Schönheiten links und rechts auf dem Vorderrumpf;
Variante 2: P-47N-1RE „33“ 44-88020 „RED-E-RUTH“, 19th Fighter Squadron, 318th Fighter Group, 20th Air Force, leShima, 1945, in Naturmetall mit blauen Markierungen und einem Pinup links auf der Motorhaube;
Variante 3: P-47N-1RE „22“ 44-87968 „EMPIRE EXPRESS“, 73rd Fighter Squadron, 318th Fighter Group, 20th Air Force, leShima, 1945, Pilot: Lt. Joseph J. Devona, in Naturmetall mit Olive Drab-Blendschutz und schwarzem oberen Leitwerk und einer Comic-Fliege auf der linken Rumpfseite;
Fazit: MiniArt baut mit diesem Kit seine Thunderbolt-Reihe bis zur letzten Variante aus. Der Bausatz stellt mit Abstand das detaillierteste Modell dar, das es von diesem Vorbild in 1/48 je gab, leider bezahlt man das aber an manchen Stellen mit einem deutlichen Over-Engeneering und einer unnötig komplexen Bauanleitung. Eduard bietet bekanntermaßen ebenfalls Modelle in verschiedenen Ausrüstungszuständen an, hier verwendet man aber jeweils eigene Bauanleitungen für jede Variante. Die Oberflächen von Rumpf und Tragwerk sind m.E. durch den erwähnten Fehler mit den zu tiefen Gravuren und den randständigen Nietreihen entstellt, was jedoch mit Schleifen und Spachteln ausgeglichen werden kann. Empfehlenswert für Fans der späten Thunderbolt-Baureihen, aber nur für Modellbauer mit Erfahrung!
Literatur (Auswahl)
Walk Around P-47, Thunderbolt, Squadron/Signal Publications, Walk Around Number 11, 1977
Thunderbolt P-47, Squadron/Signal/Podzun-Pallas-Verlag, Band 30, 1977
Utz Schißau, Berlin (April 2026)

